Gründe für das hohe Lohnniveau im Kanton Zürich

Im schweizweiten Vergleich hat der Kanton Zürich ein hohes Lohnniveau. Aber warum ist das so? Erhält man für die gleiche Arbeit im Kanton Zürich mehr Geld? Oder gibt es im Kanton Zürich andere, besser bezahlte Jobs? Mithilfe statistischer Methoden lassen sich diese Fragen beantworten – zumindest ungefähr.

Im Mittel 600 Franken mehr

Das Lohnniveau ist im Kanton Zürich höher als in den anderen Landesteilen. Der mittlere Lohn – gemeint ist der Median des standardisierten Bruttomonatslohns – lag 2024 bei 7'500 Franken pro Monat. Eine Hälfte der Angestellten verdiente also mehr, die andere Hälfte weniger als 7'500 Franken.

In den anderen Landesteilen liegen die mittleren Löhne tiefer, besonders deutlich im Tessin und in der Ostschweiz. Nimmt man alle anderen Kantone zusammen, beträgt der Lohnunterschied gegenüber dem Kanton Zürich 600 Franken oder neun Prozent.

Medianlohn im Kanton Zürich und in der übrigen Schweiz

Standardisierter Bruttomonatslohn, 2024  

Die Grafik zeigt den Medianwert des standardisierten Bruttomonatslohns für die Schweiz, den Kanton Zürich und die anderen Grossregionen.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Lohnstrukturerhebung 2024. Privatwirtschaft und öffentliche Hand.

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Beim standardisierten Bruttomonatslohn sind unterschiedliche Arbeitspensen und Anstellungsbedingungen herausgerechnet. Er gilt für eine Vollzeitstelle mit 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche und zwölf Lohnzahlungen pro Jahr. Sozialabgaben sind nicht abgezogen. Schicht-, Sonntags- und Nachtzulagen sind enthalten, nicht aber Überstundenvergütungen. Unregelmässige Leistungen wie etwa ein 13. Monatslohn oder ein Bonus sind anteilsmässig berücksichtigt.

Regional unterschiedliche Wirtschaftsstruktur

Regionen und Kantone sind wirtschaftlich durch unterschiedliche Branchen geprägt. Beispielsweise arbeiten in und um Basel viele Beschäftigte bei Chemie- und Pharmafirmen, um den Neuenburgersee gibt es viele Arbeitsplätze bei Herstellern von Uhren und Messinstrumenten und im Kanton Graubünden spielt der Tourismus eine wichtige Rolle.

Im Kanton Zürich haben wissensintensive Dienstleistungsbranchen eine hohe Bedeutung. Überdurchschnittlich viele Beschäftigte arbeiten beispielsweise im Bereich IT und Telekommunikation oder in der Finanz- und Versicherungsbranche. Auch im Management und der Unternehmensberatung gibt es mehr Stellen als anderswo. Da die Löhne in diesen Branchen überdurchschnittlich hoch sind, trägt das zum hohen kantonalen Lohnniveau bei. Weniger Beschäftigte als in anderen Kantonen gibt es hingegen in Produktionsbetrieben, in der Baubranche und in der Landwirtschaft.

Ein weiteres Merkmal der Zürcher Wirtschaft ist die hohe Präsenz von Grossunternehmen, die meist etwas höhere Löhne aufweisen als die kleinere Konkurrenz. Auch das begünstigt das hohe Lohnniveau.

Branchen im Kanton Zürich und der übrigen Schweiz

Beschäftigungsanteile, 2023

Die Grafik zeigt die Anteile der verschiedenen Branchen an der gesamten Beschäftigung im Kanton Zürich und in der übrigen Schweiz.
Beschäftigungsanteile gemessen anhand der Vollzeitäquivalente (Anzahl Vollzeitstellen, die sich die Beschäftigten teilen). Die Branchenkategorien entsprechen NOGA08-Abschnitten oder NOGA08-2-Stellern. Quelle: Bundesamt für Statistik, Statistik der Unternehmensstruktur 2023.

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Die oben gezeigten Branchenanteile basieren auf der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT), welche üblicherweise für Analysen der Wirtschaftsstruktur verwendet wird (Wirtschaftsstruktur: Unternehmen | Bundesamt für Statistik - BFS). Aus erhebungstechnischen Gründen finden sich in den Lohndaten (LSE) ähnliche, aber nicht vollkommen gleiche Branchenanteile. Für beide Erhebungen gilt aber: Der Kanton Zürich hat im Vergleich zur übrigen Schweiz grössere Beschäftigungsanteile in wissensintensiven Dienstleistungen. Im Gegenzug arbeiten weniger Personen in Produktionsbetrieben und der Baubranche. Ausserdem sind überdurchschnittlich viele Beschäftigte bei Grossunternehmen tätig.

Hälfte des Lohnunterschieds strukturbedingt

Etwa 45 Prozent des Lohnunterschieds zwischen dem Kanton Zürich und der übrigen Schweiz gehen auf das besondere Profil der Zürcher Wirtschaft zurück. Entscheidend sind vor allem der Branchenmix und die damit verbundenen Ausbildungen und Berufe der Beschäftigten. Hinzu kommt die Präsenz vieler Grossunternehmen und ein überdurchschnittlich hoher Anteil Kaderstellen. Wenig relevant für die regionalen Lohnunterschiede sind hingegen Geschlecht, Alter, Nationalität und das Arbeitspensum der Beschäftigten. Das zeigt uns ein statistisches Schätzmodell (siehe auch Daten und Methoden).

55 Prozent des Lohnunterschieds kann das verwendete Schätzmodell nicht mit den regional unterschiedlichen Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen erklären. Dieser so genannte «unerklärte Lohunterschied» dürfte teilweise darauf zurückgehen, dass das Schätzmodell nicht alle regionalwirtschaftlichen Unterschiede voll erfassen kann, teilweise aber auch darauf, dass manche Zürcher Unternehmen höhere Löhne bezahlen.

Wertschöpfungsstarke Branchen strahlen aus

Dass die Wirtschaft im Kanton Zürich anders strukturiert ist als in anderen Landesteilen, trägt vor allem im oberen Lohnbereich stark zu den Lohnunterschieden bei. Wertschöpfungsstarke Unternehmen beschäftigen oft gut ausgebildete Fachkräfte und entrichten entsprechend hohe Löhne.

Im mittleren und unteren Lohnbereich erklärt die Wirtschaftsstruktur hingegen einen viel kleineren Teil des Lohnunterschieds. Hier scheinen manche Zürcher Unternehmen tatsächlich besser zu bezahlen als vergleichbare Firmen in der übrigen Schweiz. Zulieferer und Dienstleister profitieren meist von den wertschöpfungsstarken Unternehmen. Zudem steigen in wirtschaftlich starken Regionen die Kaufkraft und die Lebenshaltungskosten, was ebenfalls zu höheren Löhnen führen kann.

Lohnunterschiede zwischen dem Kanton Zürich und der übrigen Schweiz  

Die Grafik zeigt den strukturbedingten und den unerklärten Anteil des Lohunterschieds für den oberen, mittleren und unteren Lohnbereich.
Die Anteile stellen eine Schätzung dar, die mit statistischer Unsicherheit verbunden ist. Der obere Lohnbereich entspricht dem 3. Quartil, der mittlere dem Median und der untere dem 1. Quartil. Quelle: Lohnstrukturerhebung 2024, Privatwirtschaft und öffentliche Hand.

Daten und Methoden

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Mit der Lohnstrukturerhebung (LSE) erfasst das Bundesamt für Statistik (BFS) alle zwei Jahre die Löhne der Angestellten im Produktions- und Dienstleistungssektor der Schweiz. Teil der Stichprobe sind Unternehmen mit mindestens drei Beschäftigten. Nicht Teil der LSE sind dagegen die Einkommen im Primärsektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei) sowie die Einkünfte von Selbständigerwerbenden. Als Arbeitnehmende einer Region gelten Personen, die bei einem Unternehmen angestellt sind, dessen Belegschaft mehrheitlich in dieser Region arbeitet.

Details zur LSE: 
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/lse.html

Mit der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) liefert das Bundesamt für Statistik (BFS) Informationen zu Unternehmen, Betrieben und Beschäftigten. Als Beschäftigte einer Region gelten Personen, die bei einem Betrieb in dieser Region arbeiten oder selbständig erwerbend sind.

Details zur STATENT: 
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/industrie-dienstleistungen/erhebungen/statent.html

Bei der Schätzung des strukturell bedingten, erklärten Lohnunterschieds wird ermittelt, welcher Teil des regionalen Lohnunterschieds auf eine unterschiedliche Wirtschafts- und/oder Beschäftigungsstruktur zurückgeführt werden kann.

Als Datengrundlage dient die LSE. Bei der Schätzung werden die folgenden Merkmale berücksichtigt: Geschlecht (Männer, Frauen), Alter (bis 24, 25–34, 35–49, 50+), Nationalität (CH oder C-Bewilligung, Andere), Ausbildung (Kein anerkannter Abschluss, Berufsbildung / Maturität, Höhere Berufsbildung, Fachhochschule / Hochschule), Beruf (acht Kategorien), Berufliche Stellung (ohne Kaderfunktion, unterstes Kader, unteres Kader, mittleres Kader, oberes Kader), Pensum (Vollzeit ab 90 Prozent, Teilzeit unter 90 Prozent), Befristet (ja, nein), Sonderzahlung wie z.B. Boni (ja, nein), Sektor (Privatwirtschaft, öffentliche Hand), Branche (Wirtschaftsabschnitte gemäss NOGA08, 18 Kategorien), Unternehmensgrösse (3–19, 20–249, 250+).

Das verwendete Verfahren schätzt zuerst den Lohnunterschied, der zwischen dem Kanton Zürich und der übrigen Schweiz bestehen würde, wenn die Beschäftigungsstruktur mit Blick auf lohnrelevante Eigenschaften – soweit erfasst – gleich wäre. Dies erfolgt mit einem Gewichtungsverfahren. Zuerst werden alle Personen, die in den Lohndaten enthalten sind, aufgrund ihrer lohnrelevanten Eigenschaften in Gruppen eingeteilt. Gruppen, die nur Beschäftigte aus dem Kanton Zürich oder nur aus der übrigen Schweiz enthalten, werden nicht weiter betrachtet, da innerhalb dieser Gruppen keine regionalen Vergleiche möglich sind. Alle anderen Personen (Personen im «common support») erhalten Gewichtungsfaktoren, mit denen sich die lohnrelevanten Eigenschaften angleichen lassen. So kann der Lohnunterschied geschätzt werden, der nicht durch strukturelle Unterschiede bedingt ist (unerklärter Lohnunterschied). Kennt man diesen, lässt sich auch der strukturell bedingte, erklärte Lohnunterschied berechnen.

Damit dieses Verfahren funktioniert, dürfen die Merkmale, welche die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur beschreiben, nicht zu viele Kategorien aufweisen. Deswegen verwendet das Schätzmodell zum Beispiel nicht 88 Branchenkategorien (NOGA08-2-Steller), sondern nur 18 (NOGA08-Wirtschaftsabschnitte). Das Schätzmodell kann so zwar die wichtigsten regionalen Unterschiede in der Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur erfassen, aber eben nicht alle.

Weitere Informationen finden sich auf https://github.com/gibonet/decr.

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