Dialog im Zeichen der Energiewende

Gruppenfoto des Events «Industrie im Dialog» mit Niklas Denz, Patrick Meli, Yasmine Calisesi, Carmen Walker Späh, Corine Mauch, Ruedi Noser und Robert Itschner (v.l.n.r.)

Die Energiewende stand im Zentrum der fünften Ausgabe von «Industrie im Dialog». Referentinnen und Referenten aus Wirtschaft, Politik und Forschung waren sich einig: Um den Wandel zu beschleunigen, braucht es alle – und viele, die mit gutem Beispiel vorangehen.

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Als ein «Generationenprojekt» bezeichnete Patrik Meli, Managing Director von MAN Energy Solutions, die Energiewende. Meli, der durch die Veranstaltung führte, betonte die Wichtigkeit von dauerhaften Lösungen. Hierfür brauche es Innovation und Pionierarbeit. «MAN Energy Solutions ist bereit, als Vorbild voranzugehen.» Sein Unternehmen arbeite jetzt schon an Lösungen für das Zeitalter der Klimaneutralität.

Zürcher Hochschulen treiben Forschung voran

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh zeigte sich in ihrer Grussbotschaft optimistisch, dass ein solches Zeitalter anbrechen kann. «Hierfür werden wir allerdings grosse Investitionen tätigen müssen», so die Regierungsrätin. Dies funktioniere nur ohne Verbote und Regulierungen. «Ansonsten geschieht das Gegenteil.»

Walker Späh ist sich bewusst, dass das kantonale Ziel «Netto-null bis 2040» ambitioniert sei – aber dennoch machbar. Mehr noch: Der Kanton Zürich als Industriestandort könne andere Kantone inspirieren, in die gleiche Richtung zu gehen. Zudem verfüge er über Hochschulen auf Top-Niveau, welche die Forschung im Bereich nachhaltiger Technologie vorantreiben.

Carmen Walker Späh auf der Bühne
Carmen Walker Späh, Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Quelle: Paul Deck

Energie steht nicht allen gleich zur Verfügung

Die Forschung kam durch Yasmine Calisesi, Direktorin des «Energy Center» der ETH in Lausanne, zu Wort. Sie erforscht, wie eine klimaneutrale Schweiz dereinst aussehen könnte. Hierfür haben sie und ihr Team den sogenannten «Energyscope» entwickelt, den Calisesi präsentierte. Er rechnet Zukunftsszenarien in Bezug auf die Energienutzung aus – unter Beachtung diverser sozioökologischer und -ökonomischer Bedingungen.

So müsse die Energieversorgung der Bevölkerung stets gewährleistet sein, sagt Calisesi. Gleichzeitig sei Energie nun mal nicht für alle in gleichen Massen und zu gleichen Preisen verfügbar. «In solchen Dilemmas ein gutes Gleichgewicht zu finden, wird eine grosse Herausforderung sein.»

Ganz ohne Atomenergie geht’s nicht

An seinem letzten offiziellen Auftritt als abtretender Zürcher Ständerat schilderte Ruedi Noser die Sichtweise der Politik auf das Thema. Diese müsse der Bevölkerung die Energiewende schliesslich «verkaufen» – und zwar so einfach wie möglich. «Oft machen wir in Bundesbern aber zu simple Berechnungen, bei denen ich als Ingenieur ein Fragezeichen dahinter setzen würde.»

Ein Beispiel: Auch erneuerbare Ressourcen ziehen weitere Ressourcen nach sich. Dies ginge manchmal vergessen, so Noser. Ganz pragmatisch sagte er, «bestehende Atomenergieanlagen wird es auch weiterhin brauchen.» Und auch CO2 sei ein Rohstoff, den man nicht ausschliessen dürfe. Vielmehr solle man ihn zielführend in den Gesamtkreislauf integrieren.

Ruedi Noser auf der Bühne
Ruedi Noser, Ständerat des Kantons Zürich Quelle: Paul Deck

Die Winterlücke wird immer grösser

Mit Corine Mauch sprach eine weitere Vertreterin der Politik. Die Stadtpräsidentin Zürichs nahm ihre Stadt in die Verantwortung: Das Ziel «Netto-Null bis 2040» sei gesetzt – für die Stadtverwaltung sogar schon bis 2035. Dabei meine man primär zwar die direkten Emissionen. Die indirekten, die ausserhalb der Stadt anfallen, aber von Stadtzürcherinnen und Stadtzürchern verursacht werden, wolle man dennoch auch senken – und zwar um 30 Prozent.

Mauch betonte, dass die Energiewende unabdingbar sei: «Man muss sich nur an die Energiekrise im letzten Winter erinnern.» Um Engpässe zu vermeiden, sind Konzerne wie die BKW Energie AG gefragt. Deren CEO Robert Itschner führte aus, dass die Winterlücke immer grösser werde. Um sie zu schliessen, brauche es eine gesunde Mischung aus allen Formen von Energie.

Energie muss gespeichert werden

Windenergie beispielsweise habe viel Potenzial. Schweizweit gebe es aber nur rund 40 Windräder. Dass soeben sieben neue bewilligt wurden, erachtet Itschner als wichtiges Signal der Behörden. Potenzial sieht er auch bei der Solarenergie: Photovoltaikanlagen würden immer beliebter. «Bewilligungen müssen deshalb schnell erteilt werden. Aber so, dass eine Strasse nicht mehrmals aufgerissen werden muss, um neue Kabel zu verlegen.»

Den Anlass schloss mit Entwicklungsingenieur Niklas Denz ein Vertreter aus der Start-up-Szene ab. Der ETH-Absolvent stellte das Jungunternehmen «Unbound Potential» vor, das Energiespeichersysteme entwickelt. Mit dem Gesundheitspark Thalwil hätten sie bereits einen ersten Kunden gewonnen, verkündete Denz: «Die vermeintlich überflüssige Wärmeenergie kann dort nun gespeichert und weiterverwendet werden.»

Industrie im Dialog

Die Veranstaltung «Industrie im Dialog» wird vom Amt für Wirtschaft und Arbeit der Volkswirtschaftsdirektion Kanton Zürich in Kooperation mit MAN Energy Solutions Schweiz organisiert. Sie findet seit 2018 einmal jährlich in den MAN-Produktionshallen in Zürich-West statt. Hauptprogramm bildeten dieses Jahr die Referate von sieben Persönlichkeiten aus den Bereichen Industrie, Forschung und Politik. Anschliessend bot sich den rund 100 Gästen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen.

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