Künstliche Intelligenz könnte das Produktivitätswachstum im Kanton Zürich verdoppeln
Medienmitteilung 22.09.2026
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt und bietet grosses wirtschaftliches Potenzial. Durch KI könnte die Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich in den kommenden zehn Jahren jährlich um zusätzlich 1,1 Prozent gesteigert werden. Dies zeigt das neue Zürcher Wirtschaftsmonitoring. Die Zahl der Stellensuchenden in KI-exponierten Berufen hat überdurchschnittlich zugenommen. Gleichzeitig ist die Gesamtbeschäftigung weiter gestiegen.
Der Kanton Zürich ist aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur besonders stark von der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz betroffen. Wissensintensive Dienstleistungen, die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Finanzbranche haben im Kanton ein überdurchschnittlich grosses Gewicht. Viele Tätigkeiten in diesen Branchen können durch generative KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden.
Das neue Wirtschaftsmonitoring des Amts für Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Amt für Arbeit untersucht deshalb, welche Veränderungen am Zürcher Arbeitsmarkt bereits erkennbar sind, welches Produktivitätspotenzial KI für die Volkswirtschaft bietet und wie weit die Technologie in Zürcher Unternehmen bereits verbreitet ist.
Mehr Stellensuchende in stark KI-exponierten Berufen
Seit der Veröffentlichung der ersten KI-Modelle vor vier Jahren zeigt sich, dass die Zahl der Stellensuchenden in Berufen, die der künstlichen Intelligenz stärker ausgesetzt sind, deutlicher zugenommen hat als in anderen Berufen. Von Oktober 2022 bis Juni 2026 beträgt die Zunahme 118 Prozent. In Berufen mit mittlerer KI-Exponiertheit waren es 66 Prozent, in solchen mit geringer Exponiertheit 13 Prozent. Besonders zum überproportionalen Anstieg der Stellensuchenden bei stärker exponierten Berufen beigetragen haben Softwareentwicklerinnen und -entwickler, allgemeine Bürokräfte sowie Fachkräfte in Marketing und Werbung.
Diese Entwicklung ist ein Indiz dafür, dass KI einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt hat. Ob KI die Ursache dieser Beobachtung ist, bleibt offen. So können etwa auch der Konjunkturverlauf, Entwicklungen in einzelnen Branchen oder das Bildungsniveau bei der Erklärung des beobachteten Musters eine Rolle spielen.
Zudem wirkt KI nicht in allen Berufen gleich. Sie kann Tätigkeiten ersetzen, Arbeitskräfte aber auch unterstützen und dadurch neue Stellen schaffen. So ist die Beschäftigung seit 2022 gerade in den Berufsgruppen überdurchschnittlich gewachsen, in denen KI den Menschen eher ergänzt und produktiver machen kann. Zu diesen Gruppen gehören unter anderem verschiedene Führungsfunktionen, aber auch Fachspezialistinnen und -spezialisten wie Architektinnen oder Bauingenieure.
KI könnte Produktivitätswachstum deutlich erhöhen
Gross ist das Potenzial von KI für die Arbeitsproduktivität. Eine von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) für den Kanton Zürich angewendete Modellrechnung schätzt, wie viele Tätigkeiten durch KI unterstützt werden und welche Produktivitätsgewinne daraus entstehen könnten.
Im mittleren Szenario steigert KI die Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich während der nächsten zehn Jahre jährlich um zusätzlich 1,1 Prozent. Zum Vergleich: In den vergangenen 25 Jahren ist die reale Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich durchschnittlich um 0,5 Prozent pro Jahr gewachsen. Würde das berechnete Potenzial ausgeschöpft, könnte KI allein das jährliche Produktivitätswachstum der letzten Jahre verdoppeln.
Besonders hoch ist das Potenzial in wissensintensiven Branchen. Bei Versicherungen sowie Banken, Finanzdienstleistungen und der Informations- und Kommunikationsbranche steigt die Arbeitsproduktivität laut Szenario zusätzlich um 1,7 bis 1,8 Prozent pro Jahr. Werden Fortschritte in der Robotik berücksichtigt, könnte die Arbeitsproduktivität für die gesamte Zürcher Wirtschaft gemäss Modellrechnung um 1,4 Prozent pro Jahr steigen. Diese Berechnungen zeigen ein theoretisches Potenzial. Voraussetzung ist insbesondere, dass Unternehmen KI tatsächlich breit einsetzen und die möglichen Produktivitätsgewinne realisieren.
Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hält fest: «Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt fundamental. Für den Kanton Zürich ist entscheidend, dass wir diesen Wandel nicht nur als Herausforderung betrachten, sondern die Chancen konsequent nutzen. Gerade mit Blick auf den demografisch bedingten Arbeitskräftemangel kann eine höhere Produktivität einen wichtigen Beitrag leisten, damit unsere Wirtschaft auch künftig qualitativ wächst und Wohlstand schafft.»
Zürcher Unternehmen setzen zunehmend auf KI
Eine repräsentative Befragung von mehr als 500 Zürcher Unternehmen im Auftrag des Amts für Wirtschaft zeigt, dass sich KI in den Unternehmen rasch verbreitet: Fast die Hälfte der Unternehmen setzt generative KI inzwischen systematisch in ihren Arbeitsprozessen ein. Zwei Jahre zuvor waren es noch deutlich weniger (27%). Besonders ausgeprägt ist die Nutzung bei Grossunternehmen: 83% setzen heute KI ein. Bei KMU fällt die Verbreitung deutlich geringer aus und variiert je nach Unternehmensgrösse zwischen 45% und 64%.
Die Standortförderung im Amt für Wirtschaft und das Swiss Data Science Center betreiben deshalb ein Innovationsförderungsprogramm speziell für KMU im Kanton Zürich, mit dem der gemeinsame Austausch und der Einsatz von KI gefördert wird. Ergänzend dazu bietet die kantonale Innovation-Sandbox für KI eine etablierte Testumgebung. Dort können KMU, Start-ups oder auch Forschungseinrichtungen ihre KI-Projekte gemeinsam mit der Verwaltung unter realen Bedingungen erproben.