Das Knonaueramt war zu römischer Zeit dichter besiedelt als bislang angenommen

In römischer Zeit gehörte der Südwesten des Kantons Zürich zum Umland der kleinstädtischen römischen Siedlung von Obfelden-Lunnern. In einer grossangelegten Untersuchung nimmt der Archäologe Daniel Käch das Gebiet von Urdorf bis Kappel in den Blick und leistet damit einen neuen Beitrag zur Zürcher Kantonsgeschichte.

In der Forschung wurde bisher davon ausgegangen, dass der Südwesten des Kantons Zürich zur römischen Zeit ein eher dünn besiedeltes Gebiet war. Diese Auffassung muss revidiert werden: Der Archäologe Daniel Käch zeigt in der neuesten Publikation der Kantonsarchäologie Zürich, dass das heutige Knonaueramt damals von einem dichten Netz von Gutshöfen überzogen war. Zudem legen die archäologischen Auswertungen nahe, dass das Gebiet rund um Obfelden-Lunnern wohl bereits früher besiedelt war als bislang vermutet. Auch die in Fachkreisen kontrovers diskutierte Frage, ob das Untersuchungsgebiet zum Hinterland des Legionslagers von Vindonissa gehörte, wird in der Publikation adressiert. Der Autor kommt zum Schluss, dass das erweiterte Umland von Obfelden-Lunnern zur Versorgung des Lagers in Vindonissa herangezogen worden sein dürfte.

Eine solide Grundlage für zukünftige Forschung

Die Grundlage dieser neuen Erkenntnisse bilden die bislang bekannten 90 römischen Fundstellen mit den dazugehörigen Funden und Befunden, die der Autor systematisch analysiert und ausgewertet hat. Dabei flossen auch Erkenntnisse und Perspektiven anderer Fachrichtungen ein, etwa chemisch-mineralogische Untersuchungen oder sprachwissenschaftliche Analysen zu Flurnamen. Auf diese Weise entstand ein differenziertes Bild der historischen Siedlungsentwicklung. Das Resultat ist eine umfangreiche Wissens- und Materialsammlung, die für zukünftige Forschungstätigkeiten eine gehaltvolle und verlässliche Grundlage bereitstellt.

Alle Fakten auf einen Blick

Besonders hervorzuheben ist das Inventar sämtlicher belegten Fundstellen, das als Nachschlagewerk in die Publikation eingebunden ist. Hier werden die 90 ausgewerteten Fundstellen aufgeführt – mitsamt Informationen zur Forschungsgeschichte, einer Besprechung der Funde und Befunde, Angaben zur vorhandenen Literatur sowie einer zusammenfassenden Beurteilung der Fundstelle. So erhalten die Leserinnen und Leser einen schnellen Überblick über die Fakten, die den im Buch dargelegten synthetischen Auswertungen und Schlussfolgerungen zugrunde liegen. Zum einen dient diese Zusammenstellung der Nachvollziehbarkeit der im Buch dargelegten Erkenntnisse, zum anderen bildet sie ein wertvolles Arbeitsinstrument für Fachpersonen, die sich für das Thema interessieren.

Das Umland des Vicus von Obfelden-Lunnern

Der Südwesten des Kantons Zürich in römischer Zeit
Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 60 (Zürich/Basel 2026)
Autor: Daniel Käch
256 Seiten, 70 Abbildungen, 10 Tafeln
Preis Fr. 70.–, Sonderpreis bis 13. Januar 2027. Fr. 52.–
Open Access: https://doi.org/10.20384/zop-6305
Bezug beim Schwabe Verlag Basel: Das Umland des Vicus von Obfelden-Lunnern | Monographien der Kantonsarchäologie Zürich | Reihen | Produkttypen | Schwabe
 

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