Suizidprävention im Kanton Zürich wichtiger denn je

Enttabuisierung macht Hilfe möglich! Der Kanton Zürich engagiert sich seit Längerem in der Suizidprävention. So führt er unter anderem eine Kampagne für junge Menschen durch. Diese macht Mut, Hilfe zu holen, wenn man bei Freunden Suizidgedanken vermutet. Der Aufruf wirkt: 30 Prozent mehr junge Menschen mit Fragen zum Thema Suizid nutzen die Unterstützung des Beratungsdiensts 147, wenn die Plakate und Social-Media-Anzeigen sichtbar sind. Auch für Schulen und weitere Zielgruppen hält der Kanton eine breite Palette an Angeboten bereit.

Inhaltsverzeichnis

Suizidgedanken sind eine relativ häufige Begleiterscheinung von schweren psychischen Krisen. Sie sind ein Alarmzeichen, das es ernst zu nehmen gilt: Wenn sich die Situation verschlimmert, kann es zu einem Suizidversuch oder gar Suizid kommen. Der Kanton Zürich bleibt nicht tatenlos. Er engagiert sich aktiv in der Suizidprävention.

Umfassendes Präventionsprogramm

Suizidprävention ist in der Schweiz Sache der Kantone. Der Kanton Zürich gilt als einer der Pioniere: Seit 2015 setzt er ein direktionsübergreifendes Schwerpunktprogramm um. Dieses umfasst eine breite Palette an Massnahmen in verschiedenen Bereichen: von der Methodenrestriktion, über die Information, Schulung, Vernetzung von Akteuren, verbesserte Nachsorge nach Suizidversuchen, Krisenkonzepte bis zum Monitoring. Zielgruppe sind alle Altersgruppen. Mit der Koordination aller Massnahmen hat die Zürcher Regierung «Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich (PG ZH)» beauftragt.

Darüber reden hilft

Eine der wichtigsten Botschaften in der Suizidprävention lautet: «Reden kann retten». Fachleute sind sich einig: Es hilft, vermutete Suizidgedanken anzusprechen. Die landläufige Meinung, dass Gespräche über Suizidgedanken diese verschlimmern oder gar einen Suizidversuch auslösen, konnte weltweit widerlegt werden. Im Gegenteil: Gespräche über Suizidgedanken entlasten und machen Hilfe überhaupt erst möglich.

Enttabuisieren ist nötig

Über Suizid zu sprechen, ist aber nicht einfach, denn nach wie vor ist das Thema tabuisiert. Gerade Jugendliche schämen sich häufig für Suizidgedanken und sprechen nicht oder nur mit Gleichaltrigen darüber. Jugendliche mit Suizidgedanken brauchen jedoch immer auch die Unterstützung von Erwachsenen. «Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich» führt darum im Auftrag und finanziert von der Gesundheitsdirektion auch massenmediale Kampagnen durch, die sie mit Fachpersonen der Psychiatrie und Psychologie entwickelte. Die Kampagnen tragen das Thema in den öffentlichen Raum und zeigen damit, dass man über Suizidgedanken sprechen kann und soll. Dadurch wird es leichter, sich Hilfe zu holen. Auf der Website suizidpraevention-zh.ch gibt PG ZH konkrete Hinweise, wie man das Gespräch führen und sich selbst oder andern helfen kann. Auch Hinterbliebene nach einem Suizid finden auf der Website viele hilfreiche Informationen. Für Natalie Rickli, Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich, ist Suizidprävention äusserst wichtig: «Ich rufe alle jungen Menschen dazu auf, sich bei Suizidgedanken an eine vertraute Person oder an den Beratungsdienst zu wenden. Die Sensibilisierung zum Thema Suizid steht im Zentrum unserer Kampagne.»

Kampagne macht auf Beratungsangebot aufmerksam

Die Kampagne für junge Menschen hat PG ZH diesen Winter bereits zum dritten Mal geschaltet. Plakate im öffentlichen Raum und Anzeigen in Social Media und Internet machen Mut, vermutete Suizidgedanken bei Freunden anzusprechen und Hilfe zu holen. 147.ch wird als mögliches Unterstützungsangebot genannt. «Prävention und Gesundheitsförderung» plant, koordiniert und finanziert die Kampagne. Pro Juventute ist Partner: Sie stellt das Beratungsangebot 147 per Telefon, Chat, SMS oder E-Mail zur Verfügung und hält auf der Website 147.ch Informationen für Jugendliche zum Thema Suizid bereit. Wie bereits in Vorjahren zeigt die Massnahme Wirkung. Im Kampagnenmonat holen sich 30% mehr Jugendliche mit Fragen rund um Suizid Hilfe bei 147. Die Seiten zum Thema Suizid auf 147.ch wurden mehr als doppelt so oft gelesen. Die Plakataushang-Agentur unterstützte die Kampagne, indem sie die Sujets an vielen Orten über die Buchung hinaus zeigte.

Schulen und Jugendarbeit in der Prävention stärken

Auch Sekundar-, Berufs- und Mittelschulen sowie die Jugendarbeit sind wichtig, wenn es darum geht, Suizidalität bei jungen Menschen zu erkennen und Hilfe zu vermitteln. Um ihnen diese Aufgabe zu erleichtern, werden im Rahmen des Schwerpunktprogramms Fortbildungen für Lehrpersonen und weitere Fachpersonen angeboten. Vor Kurzem ist zudem ein Leitfaden erschienen, der aufzeigt, wie Suizidalität bei jungen Menschen erkannt werden kann und was Schulen konkret tun können, um gefährdete Jugendliche zu unterstützten. Beide Angebote stossen auf grosse Nachfrage.

Engagement weiterhin wichtig

Fachleute der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychologie berichten schon seit Längerem, dass sich mehr Jugendliche mit Suizidgedanken bei ihnen Hilfe holen. Die Pandemie hat dies nochmals verstärkt. Einen Teil der Zunahme an Hilfesuchenden erklären die Fachleute durch die vermehrte Information und Enttabuisierung, die sie begrüssen. Denn Jugendliche getrauen sich dadurch heute eher, über Suizidgedanken zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Den anderen Teil der Zunahme erklären sie unter anderem mit wachsendem Leistungsdruck, Stress und den psychischen Belastungen durch die sozialen Medien und die Pandemie. Suizidprävention bleibt also ein wichtiges Tätigkeitsfeld. Der Kanton Zürich engagiert sich auch 2021 mit Kampagnen und den Massnahmen im Schwerpunktprogramm dafür, dass Menschen in suizidalen Krisen Hilfe finden und Suizide verhindert werden können.

Kampagnensujets der Suizidprävention
Sujets der Kampagne von PG ZH.

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Über «Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich»
«Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich» setzt sich für die Gesundheit der Zürcherinnen und Zürcher ein. Sie arbeitet im Auftrag der Gesundheitsdirektion. Im Rahmen von Schwerpunktprogrammen setzt PG ZH eine breite Palette an Projekten um, koordiniert die Suchtprävention im Kanton und informiert die Bevölkerung mit Broschüren, Webseiten, Kampagnen und Veranstaltungen. Dabei arbeitet PG ZH eng vernetzt mit verschiedenen Fachstellen und Berufsgruppen, mit Gemeinden, Schulen, nationalen Institutionen und anderen kantonalen Direktionen.

Ist PG ZH an das Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) der Universität Zürich angegliedert. Das EBPI hat seit 1991 vom Regierungsrat einen Leistungsauftrag für die Planung, Förderung, Verbreitung und Koordination der Prävention und Gesundheitsförderung sowie für das Gesundheitsmonitoring und die Gesundheitsüberwachung.
 

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