Mittelalterliches Kloster in Winterthur: Bevölkerung kann archäologische Ausgrabung besichtigen

Amt Töss um 1741

Das mittelalterliche Kloster Töss in Winterthur war eines der wichtigsten Frauenklöster im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen einer Rettungsgrabung führt die Kantonsarchäologie erstmals detaillierte Untersuchungen durch. Bereits sind spannende Baureste und Funde aus der wechselvollen Geschichte des Klosters zum Vorschein gekommen. Am Samstag, 7. März, kann die Bevölkerung einen Augenschein nehmen.

Auf dem Areal der Maschinenfabrik Rieter AG in Winterthur stand einst eines der bedeutendsten Frauenklöster des deutschsprachigen Raums: das Dominikanerinnenkloster Töss. 1233 von den Grafen von Kyburg gegründet, beherbergte es im Mittelalter so wichtige Persönlichkeiten wie Elisabeth, Prinzessin von Ungarn. Im Rahmen der Rettungsgrabung entdeckte die Kantonsarchäologie die Umfassungsmauer, die den klösterlichen Bezirk von der weltlichen Umgebung abgeschirmt hatte. Auch die Fundamente eines Gebäudes kamen zum Vorschein, das wahrscheinlich schon in der Klosterzeit als Scheune genutzt worden ist. Wie historische Abbildungen zeigen, handelte es sich aber nicht um einen schlichten Ökonomiebau, sondern um ein äusserst stattliches, grosses Gebäude geschmückt mit einem Treppengiebel. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die Scheune gleich neben der Eingangspforte lag und eine der ersten Bauten war, die Besucher beim Betreten des Klosters zu sehen bekamen.

Interessante Funde ausserhalb der Klostermauer

Die älteste Bebauung fanden die Fachleute ausserhalb der Klostermauer. Hier standen einst Holzbauten, die vielleicht schon existierten, bevor das Kloster gebaut wurde. Interessant sind diese Spuren, weil sie aus einer Zeit stammen, aus der noch keine historischen Abbildungen bekannt sind. Die aktuelle Grabung gibt erstmals einen Hinweis, wie das Gelände im Hochmittelalter genutzt worden ist. Schon in römischer Zeit verlief hier eine Hauptverkehrsachse von Windisch (Vindonissa) nach Oberwinterthur (Vitudurum) mit einem wichtigen Brückenübergang über die Töss. Aus diesem Kontext dürften die zwei römischen Münzen und die römische Keramik stammen, die gefunden worden sind. Auch im Mittelalter behielt die Brücke ihre politisch und wirtschaftlich wichtige Funktion, da sie die Strasse von Zürich nach Konstanz verband. Es ist daher denkbar, dass die Holzbauten bereits mit dieser vorklösterlichen Nutzung in Verbindung zu bringen sind.

Vom Alltag der Leute, die früher im Kloster und in der nach der Reformation zu einem Amt umgewandelten Anlage gearbeitet und gewohnt haben, zeugen diverse Funde. Neben grossen Mengen an Ess- und Trinkgeschirr fanden sich auch die Reste eines Kachelofens, mit dem die Nonnen wohl noch kurz vor der Auflösung des Konvents geheizt haben dürften. Dabei kamen unzählige, zum Teil vollständig erhaltene grün glasierte Kacheln aus dem Erdreich zum Vorschein.

Tag des offenen Bodens

Am 7. März werden für die Bevölkerung die Tore der ansonsten abgeriegelten Grabung geöffnet. Ein vielfältiges Programm führt in die wechselvolle Geschichte des Platzes ein. Interessierte können bei diversen Führungen einen Blick auf die aktuelle Ausgrabung werfen und erfahren, wie sich die Anlage im Lauf der Jahrhunderte von einem bedeutenden Kloster in ein Amt und dann in eine Maschinenfabrik gewandelt hat. An mehreren Ständen wird beispielsweise über die archäologische Grabungstechnik, den Grabstein der Tössemer Nonne Elisabeth von Ungarn oder geborgene Kleinfunden informiert. Zudem können die Besucher mithilfe eines Tablets einen Spaziergang durch das rekonstruierte Kloster unternehmen und damit die imposante Grösse der Anlage erleben.

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