Belüftung hilft den Felchen im Greifensee

Während der Hitzeperiode vom vergangenen August reduzierte sich der Lebensraum der Felchen im Greifensee durch Sauerstoffmangel und hohe Wassertemperaturen erneut auf ein kritisches Ausmass. In der Folge hielten sich auffallend viele Felchen und auch einzelne Seeforellen im Bereich der vor einigen Jahren installierten Belüftungsanlage der Baudirektion auf. Sie fanden dort deutlich bessere Lebensbedingungen vor als im restlichen See, wie Erhebungen des AWEL und der Fischerei- und Jagdverwaltung zeigen. Trotz anhaltender Verbesserung der Wasserqualität wird die Belüftungsanlage auch in den kommenden Jahren zur Überbrückung kritischer Phasen im Spätsommer zum Einsatz kommen.

Obwohl die Phosphorkonzentration in den letzten Jahren deutlich gesenkt werden konnte, ist der Greifensee noch immer überdüngt. In der Folge ist in den heissen Sommermonaten der Lebensraum für verschiedene Fischarten, insbesondere für die Felchen, stark eingeschränkt. Es fehlt in der Tiefe an lebensnotwendigem Sauerstoff und in den oberflächennahen Wasserschichten ist es zu warm. Die Felchen überleben nur in einer dünnen Schicht, in der das Wasser kühler als 21 Grad und genügend sauerstoffhaltig ist. Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hat daher im Frühjahr 2009 eine Belüftungsanlage installiert, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung während der kritischen Hochsommerzeit auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer zu gewährleisten (siehe Kasten).

Betrieb der Belüftungsanlage wurde optimiert

Bereits im ersten Betriebsjahr konnte die Wirksamkeit der Anlage nachgewiesen werden. Die Sauerstoff- und Temperaturverhältnisse waren Ende August 2009 im Bereich der Belüftungsanlage wesentlich besser als im restlichen See. Aufgrund von Empfehlungen der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH, wurde die Anlage ab 2010 jeweils erst ab Mitte Juli in Betrieb genommen. In den Sommermonaten der Jahre 2010 und 2011 mischten dann starke Stürme und kühles Wetter die oberen Wasserschichten oftmals auf, sodass die Situation für die Fische nicht kritisch wurde und die Wirkung der Belüftung kaum nachweisbar war.

Kritische Phase während der Hitzeperiode im August 2012

Das stabile Hochsommerwetter im August 2012 mit der Hitzeperiode in der zweiten Monatshälfte und Wassertemperaturen bis 27 Grad reduzierte den Lebensraum für Felchen in grossen Teilen des Sees auf eine Schicht von weniger als einen Meter. Messungen des AWEL in Zusammenarbeit mit der Fischerei- und Jagdverwaltung (FJV) wiesen nach, dass auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer im Bereich der Belüftung die Bedingungen für Felchen deutlich besser waren. Netzfänge und Aufnahmen mit dem Echografen bestätigten die Messungen; viele Fische suchten das künstliche Refugium auf. Mit der Abkühlung der Wassertemperaturen im September endete die diesjährige kritische Phase für die Fische.

Verbesserung der Wasserqualität

Vor 40 Jahren erreichte der Phosphorgehalt, welcher für das Algenwachstum im See verantwortlich ist, die höchsten Werte. Trotz einer massiven Zunahme der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten konnte inzwischen der damaligen Werte auf einen Zehntel reduziert werden, wobei heute wieder Phosphorgehalte wie in den Vierzigerjahren gemessen werden. Zur nachhaltigen Sanierung des Sees müssen die Werte aber nochmals um die Hälfte sinken. Bei konsequenter Umsetzung der Massnahmen in den Bereichen Abwasserreinigung und Siedlungsentwässerung sowie einer umweltverträglichen Landwirtschaft scheint das Ziel in den nächsten zehn Jahren erreichbar. Mittelfristig ergibt das eine gute Perspektive für die Felchen im Greifensee. Bis dahin wird die Belüftungsanlage weiterhin einen Beitrag zur Überbrückung kritischer Wochen während Hitzeperioden leisten.

So funktioniert die Belüftungsanlage

Ein Kompressor im Bootshaus der Fischerei- und Jagdverwaltung in Greifensee presst Luft durch zwei rund 1,5 Kilometer lange Kunststoffleitungen zu zwei Verteildüsen im See (Diffusoren). Auftriebskörper halten diese in 12,5 Meter Tiefe. Aus den Düsen tritt die Pressluft in feinen Blasen ins Seewasser aus. Das dadurch erzeugte Wasser-/Luftgemisch strömt in Richtung Seeoberfläche. Das kalte, sauerstoffarme Wasser aus der Tiefe mischt sich mit dem warmen, sauerstoffreichen Wasser der oberflächennahen Wasserschichten. Das gemischte Wasser ist nun kühler als das Oberflächenwasser und enthält mehr Sauerstoff als das Tiefenwasser. Dieses Mischwasser schichtet sich gemäss seiner Dichte in einer Tiefe von ungefähr 5 bis 8 Meter im See ein. Für die Felchen sollte das Wasser kühler als 21 Grad sein und mehr als 4 Milligramm gelösten Sauerstoff pro Liter aufweisen.

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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