Neue Psychotherapiestation für 18- bis 25-Jährige

Die 18- bis 25-Jährigen stellen in der Psychiatrie eine besonders anspruchsvolle Gruppe mit eigenen Bedürfnissen dar. Die Strukturen für eine altersspezifische Behandlung fehlen noch vorwiegend in der Schweiz. Um dem entgegen zu wirken, eröffnet die Integrierte Psychiatrie Winterthur-Zürcher Unterland (ipw) in der Klinik Schlosstal in Winterthur eine Psychotherapiestation für junge Erwachsene.

Die psychiatrische Versorgung der 18- bis 25-jährigen Heranwachsenden mit komplexen psychiatrischen Problemen ist weltweit an den meisten Orten in der Erwachsenenpsychiatrie angesiedelt. Doch weder die Behandlungsverfahren für Erwachsene noch die der Kinder- und Jugendpsychiatrie scheinen den komplexen Anforderungen dieser Altersgruppe gerecht zu werden.

Die ipw betreibt seit heute, 8. September 2011, in der Klinik Schlosstal eine Station für eben diese Altersgruppe: Die Psychotherapiestation für junge Erwachsene. Angesprochen sind Personen vom 18. bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr, die professionelle Unterstützung bei der Bewältigung von Lebenskrisen, Entwicklungsschritten und psychischen Problemen brauchen. Konkret kann das bedeuten, dass sie Schwierigkeiten in der Beziehungsaufnahme und -gestaltung, mit ihrem Selbstbewusstsein und Selbstwert oder im Umgang mit Gefühlen haben. Aufnahmegründe können auch starke innere Spannungszustände, Depressivität, Angst und Zwang oder Essstörungen sein. Die Probleme sind schwerwiegend, so dass eine ambulante oder teilstationäre Therapie wenig erfolgversprechend ist. Für junge Menschen, die wegen akuter Selbst- und Fremdgefährdung einen geschlossenen Rahmen benötigen, an einer primären Suchtkrankheit leiden oder die keine Therapiebereitschaft zeigen, ist die Station jedoch nicht geeignet.

Individuell abgestimmte Therapieverfahren

Die neu renovierte Station im Altbau der Klinik Schlosstal bietet 16 Betten in einer altersspezifischen Umgebung. Ziel ist, nach einer differenzierten diagnostischen Abklärung die Identitätsentwicklung der jungen Erwachsenen zu fördern. Es werden individuell abgestimmte, integrative Therapieverfahren angewendet, die in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich belegt sind. Die Einbindung der sozialen und familiären Bezugsnetze ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um psychischer, sozialer und beruflicher Ausgrenzung entgegenzuwirken. Die stationäre Behandlungsdauer beträgt zwischen acht und maximal 16 Wochen, abhängig vom Schwerpunkt in der Behandlung, von der Komplexität der Schwierigkeiten sowie der Eigenmotivation der Patientin bzw. des Patienten.

Verzögertes Erwachsenwerden

Acht von zehn aller psychischer Störungen manifestieren sich erstmals vor dem 25. Lebensjahr. Die Suizidrate ist in dieser Altersgruppe eine der häufigsten Todesursachen überhaupt. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte führte zu einer deutlichen Verzögerung des Erwachsenwerdens, die heute häufig bis Mitte zwanzig andauert. Viele Heranwachsende und deren Familien sind mit den Herausforderungen dieses Prozesses überfordert. Seit 2007 führt die ipw in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich auch eine Adolsezentenstation für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren.

(Medienmitteilung der Gesundheitsdirektion)

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