Wiedereröffnung des Zunfthauses zur Zimmerleuten auf den 2. Oktober 2010 geplant – Wandbild aus dem Spätmittelalter entdeckt
Medienmitteilung 25.11.2009
Während der laufenden Wiederaufbauarbeiten wurden im zweiten Obergeschoss des Zunfthauses, im Kleinen Zunftsaal, mittelalterliche Wandmalereireste entdeckt. Sondierungen eines Restaurators zeigten, dass die Malerei eine grössere Fläche belegte und in gutem Zustand war. Auf Veranlassung der kantonalen Denkmalpflege wurde das von mehreren Tüncheschichten überdeckte Bild deshalb freigelegt und konserviert.
Die bemalte Fläche von 250 x 210 Zentimetern zeigt Frau Minne, die Herrin der Liebe und Richterin in Liebesangelegenheiten. Sie spielt in der Literatur des Hoch- und Spätmittelalters eine bedeutende Rolle, und es erstaunt daher nicht, dass sie auch bildlich dargestellt wurde. Erhalten haben sich vorwiegend Werke der angewandten Kunst, wie Ofenkacheln, bemalte oder skulptierte Kästchen und Textilien. Wandmalereien mit diesem Thema sind hingegen äusserst selten. Die Kleidermode lässt darauf schliessen, dass das neu entdeckte Wandbild in der Zeit um 1400 entstanden sein dürfte.
Symmetrische Bildkomposition
Im Bildzentrum sitzt streng frontal die geflügelte und gekrönte Frau Minne. Zwei kauernde Männer dienen ihr als Thron. In der rechten Hand hält die Liebeskönigin einen Pfeil, mit dem sie einem links von ihr knienden Jüngling ins Herz sticht. Der junge Mann billigt dieses Vorgehen, denn er hat bereitwillig sein Wams geöffnet. In ihrer linken Hand präsentiert Frau Minne ein Herz, das sie einem rechts von ihr knienden Jüngling aus der Brust gestochen hat. Das Entsetzen des Mannes über diese Tat ist an seinen emporgehobenen Händen ablesbar. Wahrscheinlich stand zu beiden Seiten der beschrieben Figuren ursprünglich je ein Liebespaar. Vollständig erhalten ist nur dasjenige rechts; ein Mann und eine Frau umarmen sich. Auf der linken Seite ist heute nur noch die Frau zu sehen. An den Bildrändern stand ursprünglich je ein Posaunenbläser. Während derjenige rechts vollständig erhalten ist, ist auf der linken Seite nur noch das Ende einer Posaune sichtbar.
Wiedereröffnung des Zunfthauses in rund zehn Monaten
Mit dem Wiederaufbau kommt die Zunft zur Zimmerleuten recht gut voran. Die Wiedereröffnung des Zunfthauses und seines Restaurants wird 2010 erfolgen. Wegen zusätzlicher Abklärungen während der Planungsphase, insbesondere für die anspruchsvolle Installation der Haustechnik und den Einbau einer Sprinkleranlage, wird sich dieser Termin nochmals um ein paar Wochen verschieben. Diese Installationsarbeiten sind mittlerweile in vollem Gange. Die offizielle Wiedereröffnung wird deshalb definitiv für den 2. Oktober 2010 geplant.
Die Zunft zur Zimmerleuten ist trotz des wirtschaftlich schwierigen Umfeldes zuversichtlich, dass der noch fehlenden Finanzierungsbetrag von 300›000 Franken mit der laufenden Fundraising-Kampagne bis im Sommer beschafft werden kann.
Dr. Rudolf Bodmer, Zunftmeister der Zunft zur Zimmerleuten, zeigte sich erleichtert über das Voranschreiten des Wiederaufbaus und ist erfreut über den unerwarteten Fund des Bildes von Frau Minne. «Mit der entdeckten Malerei ist das Zunfthaus zur Zimmerleuten um eine weitere Attraktion reicher. Wir freuen uns, das Zunfthaus und dessen Kostbarkeiten im Oktober 2010 wieder öffentlich zugänglich machen zu können», so Bodmer.
Auch Dr. Roland Böhmer, stellvertretender Leiter der Ressorts Dokumentation der kantonalen Denkmalpflege, freut sich über den kostbaren Fund: «Es gibt in Zürich nur ganz wenige Wandmalereien aus dem Spätmittelalter von vergleichbarer kulturhistorischer Bedeutung».
Wandmalerei im Zunfthaus zur Zimmerleuten
(Gemeinsame Medienmitteilung der Baudirektion und der Zunft zur Zimmerleuten)
Hinweis
Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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