Europäischer Tag des Denkmals: Am 12. September sind Andelfingen und Kleinandelfingen, zwei Dörfer beidseits der Thur, zu entdecken

Der 16. europäische Denkmaltag steht unter dem Motto «Am Wasser». Archäologie und Denkmalpflege des Kantons Zürich nehmen das Thema auf, indem sie zur Entdeckung von Andelfingen und Kleinandelfingen einladen. Die zwei Dörfer beidseits der Thur versammeln ein reiches Erbe an kulturgeschichtlich und denkmalpflegerisch bedeutenden Bauten. Viele davon spiegeln die Lage am Wasser: sei es die denkmalgeschützte Thurbrücke, die verschiedenen Dorfmühlen oder das Schloss, das über der Flussbiegung thront. Der Denkmaltag bietet die Chance, kulturelle Schätze zu besuchen, die sonst nicht zugänglich sind oder sich erst auf den zweiten Blick als etwas Besonderes erschliessen.

Andelfingen und Kleinandelfingen zeichnen sich durch ein vielseitiges bauliches und kulturgeschichtliches Erbe aus. Eine grosse Zahl bemerkenswerter Bauten prägt heute die beiden Orte, von denen sich Andelfingen als Flussdorf, Markt- und Bezirkshauptort zum regionalen Zentrum entwickelte. Markanter Punkt ist das hoch über der Thur gelegene ehemalige Landvogteischloss mit seiner idyllischen Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert. Nicht weniger als sechs Mühlen, von denen eine noch in Betrieb ist, nutzten einst das Wasser des Mühlenbachs. Mühlen bilden deshalb einen thematischen Schwerpunkt im Programm, das nach einer offiziellen Eröffnung mit verschiedenen Ortsführungen und Objektbesichtigungen am Samstag, 12. September einen vertieften Einblick in den denkmalgeschützten Bestand der beiden Dörfer bietet. Als Ausgleich zu den vielfältigen Besichtigungsprogrammen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Mittagskonzert im Schlosshof mit Musik aus der Bauzeit von Schloss und Gartenanlage (18./19. Jh.).

Programm:
Tag des Denkmals in Andelfingen und Kleinandelfingen, Samstag, 12.9.2009

  • 9.45h: Offizielle Eröffnung mit den Gemeindepräsidenten Ueli Frauenfelder und Peter May, Gemeindesaal, Schaffhauserstrasse 11, Kleinandelfingen
  • 10.15 – 17.00h: Ausstellung «Frühkeltische Gräber bei Oerlingen», Heimatkundliches Archiv, Schaffhauserstrasse 9, Kleinandelfingen
  • 11.00 – 15.30h: Diverse thematische Führungen durch die beiden Dörfer mit Besuchen in denkmalgeschützten, teils privaten Liegenschaften
  • 12.30h: Mittagskonzert im Schlosshof, Bläsermusik des 19. und 20. Jh.
  • 14.00 – 16.00h: Thurführung «Hochwasserschutz einst und jetzt»

Detailliertes Programm unter www.denkmalpflege.zh.ch

Beim Autobahnbau entdeckt – frühkeltische Gräber bei Oerlingen

Auch die frühgeschichtliche Epoche der Siedlungsgeschichte kommt am Tag des Denkmals zur Sprache. So zeigt eine Ausstellung im Heimatkundlichen Archiv von Kleinandelfingen wichtige archäologische Funde aus Kleinandelfingen-Oerlingen. Dort konnte die Kantonsarchäologie Zürich beim Ausbau der Weinlandautobahn sieben Urnengräber der älteren Eisenzeit (ca. 800–500 v. Chr.) ausgraben. Ein Friedhof aus dieser Zeitepoche mit so gut erhaltenen Grabfunden wurde im Kanton Zürich seit hundert Jahren nicht mehr entdeckt. Die Ausstellung im Heimatkundlichen Archiv präsentiert nun erstmals die Ergebnisse der Grabung und die reichen Gefässbeigaben aus Keramik.

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Zusätzliche Veranstaltungshinweise zum Tag des Denkmals:

Drei intakte Fabrikensembles am Wasser
Freitag, 11. September 2009, 18.00h, Zürichstrasse 45/47, Wetzikon
Details unter www.hereinspaziert.ch

Tag der offenen Tür bei der Kantonsarchäologie
Sonntag, 13. September 2009, 10.00 – 13.30h, Stettbachstrasse 7, Dübendorf
Details unter www.archaeologie.zh.ch

Führungen durch das Zellweger-Areal
Sonntag, 13. September 2009, 10.30 – 16.00h, Wilstrasse 11, Uster
Details unter www.hereinspaziert.ch

Haus zur Friedau, Kleinandelfingen

Dem schlichten Bauernhaus von 1845 wurde 1858–1859 ein repräsentativer Kopfbau mit Querfirst vorangestellt. Bauherren waren die Schwäger Konrad Arbenz und Heinrich Landolt, letzterer der Gründer des gleichnamigen Baugeschäftes. Im Auftrag von Hauptmann Ulrich Landolt-Landolt (1857–1918) verzierte Karl Keller (1871–1918) aus Marthalen 1905 das Gebäude mit zahlreichen Dekorationsmalereien. Während die Motive im Innern des Hauses auf die Besitzerfamilie Bezug nehmen, sind an der Aussenfassade Porträts berühmter Persönlichkeiten dargestellt. Das Bildprogramm ist von Gottfried Sempers Sgraffiti (1863) am Eidg. Polytechnikum (ETH) in Zürich inspiriert. Die Friedau mit ihrer einzigartigen Ausmalung wurde 1999–2004 unter Mithilfe der kantonalen Denkmalpflege sorgfältig restauriert.

Thurbrücke

Bereits im Spätmittelalter gab es zwischen Andelfingen und Klein-andelfingen nicht nur eine Fähre, sondern auch eine Brücke. Diese sicherte die Verbindung zwischen den Städten Winterthur und Schaffhausen und hatte auch militärische Bedeutung. 1324 ist sie als Eigentum des Klosters Rheinau erstmals erwähnt. Die 1507 neu erbaute und seither mehrmals reparierte Holzbrücke ging 1799 beim Gefecht zwischen Franzosen und Österreichern in Flammen auf. Das heutige Bauwerk, eine gedeckte Holzbrücke mit gemauertem Mittelpfeiler und Hängesprengwerken, wurde 1814–1815 vom Zürcher Staatswerkmeister Hans Conrad Stadler (1752–1819) erstellt. Bei der Thursanierung kamen vor rund zehn Jahren die mächtigen Eichenpfähle älterer Brücken wieder zum Vorschein und wurden archäologisch untersucht.

Haldenmühle

Die Haldenmühle wird als «Vry Müli», zusammen mit der Ober- und der Lindenmühle, um 1306 erstmals erwähnt. Ihre Geschichte ist geprägt durch die Familien Freimüller, Flachmüller und Arbenz. 1703 erwarb der Lindenmüller Pantaleon Arbenz die Haldenmühle. Sein Nachfahre, Caspar Arbenz-Hafner, führt das Unternehmen in zehnter Generation. Als einzige der ehemals sechs Andelfinger Kundenmühlen ist die Haldenmühle bis heute in Betrieb. Beim Gefecht an der Thurbrücke zwischen Österreichern und Franzosen im Jahre 1799 brannte die Mühle ab und wurde kurz darauf neu aufgebaut. 100 Jahre später beschädigte eine Feuersbrunst die Liegenschaft erneut. 1901 entstand der markante Mühletrakt in Sichtbackstein. 1976–1983 erfolgte eine sorgfältige Restaurierung des Wohnhauses.

Lindenmühle

Die Lindenmühle wird um 1306 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1386 trägt sie ihren heutigen Namen. Er rührt wohl von der Linde her, die damals auf dem benachbarten Gerichtsplatz gestanden hat. Von 1634–1870 betrieb die Müllerdynastie Arbenz die Lindenmühle. Den heutigen Bau im klassizistischen Stil liess Gemeindepräsident und Kantonsrat Jakob Arbenz-Arbenz (1778–1842) unter Weiterverwendung älterer Bauteile 1810–1811 neu errichten. Sein Sohn Johann Ulrich (1801–1858), ebenfalls Gemeindepräsident und Kantonsrat, stockte das Dach 1844 südseitig mit einer Fensterreihe auf. 1885 erwarb Metzgermeister Heinrich Sigg von Frau Baron Anna von Sulzer-Wart (Schloss Andelfingen) den Gewerbebau mit Wasserkraft. Diese trieb bis 1898 einen letzten Mahlgang und bis 1950 die Metzgereimaschinen an. 1972 wurde das alte Wasserrad entfernt und neun Jahre später zu Schauzwecken rekonstruiert. In den letzten beiden Jahren ist das Gebäude mit denkmalpflegerischer Begleitung behutsam restauriert worden.

Grabbeigaben aus frühkeltischen Gräbern bei Oerlingen

Am Tag des Denkmals vom 12. September zeigt eine Ausstellung im Heimatkundlichen Archiv von Kleinandelfingen erstmals die Funde, welche die Kantonsarchäologie Zürich beim Ausbau der Weinlandautobahn ausgraben konnte. Zu sehen sind unter anderem die reichen Gefässbeigaben aus Keramik, die man in sieben Urnengräbern der älteren Eisenzeit (ca. 800–500 v. Chr.) entdeckt hat.

(Medienmitteilung der Baudirektion)

Hinweis

Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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