10'000 Stunden im Greifensee getaucht: Archäologen fanden eine 3000 Jahre alte Dorfruine
Medienmitteilung 06.12.2007
Eine der grössten je durchgeführten Tauchgrabungen brachte im Greifensee die Grundstrukturen von 24 Häusern und eine grosse Menge Funde aus der Spätbronzezeit zum Vorschein. In ihrer neuesten Publikation legt die Kantonsarchäologie die Resultate der Auswertung vor, die viel Zeit in Anspruch nahm.
Im Jahr 1975 entdeckten Sporttaucher am nordwestlichen Ufer des Greifensees in 1,5 bis 2 Meter Tiefe haufenweise Keramik. Sie lösten damit die grösste archäologische Tauchgrabung aus, die je in einem Binnengewässer durchgeführt wurde. Zwischen 1984 und 1996 legte die Tauchequipe des Amts für Städtebau der Stadt Zürich während 10'000 Tauchstunden 3400 Quadratmeter Seegrund frei und barg dabei zwei Tonnen Keramikscherben und Hunderte von Hölzern. Die Datierung der Hölzer durch das Auswerten der Jahrringmuster (Dendrochronologie) stand im Zentrum der wissenschaftlichen Auswertung. So konnten bei vielen Bauteilen das Schlagjahr des Baums präzise ermittelt und die kurze, aber bewegte Geschichte eines Dorfes um 1050 v. Chr. rekonstruiert werden.
Gut geschützt – allerdings nicht gegen Flammen
Ulrich Ruoff, damals Stadtarchäologe und Gesamtleiter des Projekts, Beat Eberschweiler, zur Ausgrabungszeit Archäologiestudent, heute Kantonsarchäologe, und Peter Riethmann, Grabungsleiter, präsentieren nun das Fundmaterial und die Resultate der Auswertung in zwei reich illustrierten Bänden. Die grossflächige Untersuchung und der gute Zustand der Bauhölzer erlaubten es ihnen, die Baugeschichte eines ganzen Dorfes nachzuzeichnen: 1051 v. Chr. bauten die Siedler auf einer seichten Uferplatte das erste Haus, vier weitere Häuser folgten in den nächsten drei Jahren. Das Schutzbedürfnis der Menschen im Dorf muss ausgesprochen gross gewesen sein. Sie wählten nicht nur eine schwer zugängliche Stelle als Siedlungsplatz, sondern umzäunten ihr Dorf und bauten zudem ein igelartiges Annäherungshindernis aus unzähligen Haselstangen. Das Dorf mit zwölf grösseren Häusern im Zentrum und einem Ring von zwölf Kleinbauten war bis 1042 v. Chr. fertig gestellt. Kurz danach brannte es vollständig ab und wurde nicht wieder aufgebaut.
Häuser mit Seeanstoss und Lehmwänden
Die Autoren gehen davon aus, dass die Schwankungen des Wasserstands im Greifensee in der Spätbronzezeit relativ gering waren und dass das Dorf mehr oder weniger ständig im flachen Wasser stand. Charakteristisches Baumerkmal der Gebäude ist ein Rahmen aus Baumstämmen, der auf Holzschwellen auf dem Seegrund ruhte. Darauf lag eine Plattform, die den Wohnraum trug und auf Pfählen gestützt über diesen Rahmen hinausragte. Die Wände der Häuser wurden aus Ruten geflochten und mit Lehm verstrichen oder aus Brettern gefügt. Beilspuren, Dübel und Keile sowie mit Wildreben und Haselruten zusammengebundene Hölzer lassen erkennen, wie vor 3000 Jahren Häuser gezimmert wurden. Anhand der Funde kann man sich auch vom Alltag der Siedler ein Bild machen: In einigen Häusern lagerten Vorräte von Wildäpfeln und Getreide; Knochen von Wildtieren, Schweinen und Rindern gestatten einen weiteren Blick auf den Speisezettel. Die Vielfalt des Keramikgeschirrs reicht von einfachen, grossen Vorratsgefässen bis zu aufwändig verzierten Töpfen und Schalen. Webgewichte und Spinnwirtel aus Ton, eine Gussform für Bronzenadeln, Beilklingen und ein Hammer aus Bronze blieben als Spuren des Handwerks erhalten.
Das Buch ist in der Reihe «Monographien der Kantonsarchäologie» als Band 38 erschienen und kann beim Verlagsshop Fotorotar AG (www.fotorotar.ch/verlag) bestellt werden.
Das spätbronzezeitliche Dorf von Greifensee-Böschen - Dorfgeschichte, Hausstrukturen und Fundmaterial
Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 38
Zwei Bände, Begleitmappe und Schuber
Band 1 Text; 292 Seiten, 376 Abbildungen
Band 2 Katalog, Tafeln, Holzliste; 168 Seiten, 112 Tafeln
Herausgeber: Baudirektion Kanton Zürich, Kantonsarchäologie
Autoren: Beat Eberschweiler, Peter Riethmann, Ulrich Ruoff
Redaktion: Markus Stromer
Verlag und Bezug: Fotorotar AG, Zürich/Egg 2007, www.fotorotar.ch/verlag
ISBN 978-3-905681-24-6
CHF 125.00 / EUR 75.00
Bei Eintreffen der Bestellung bis zum 29. Februar 2008 nur CHF 100.00 / EUR 60.00
Bilder zur Verfügung gestellt von der Abteilung Unterwasserarchäologie im Amt für Städtebau der Stadt Zürich
(Medienmitteilung der Baudirektion)
Hinweis
Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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