Stand der psychiatrischen Versorgung nach der Umsetzung des Entscheids zur Klinik Hohenegg

Mit dem Entzug des kantonalen Leistungsauftrags der Klinik Hohenegg, der Schliessung von Langzeitpflege-Stationen in der Integrierten Psychiatrie Winterthur und verschiedenen weiteren strukturellen Massnahmen hat sich die Versorgungslandschaft in der stationären Psychiatrie im Kanton Zürich in den letzten zwei bis drei Jahren wesentlich verändert. Befürchtungen, dass die Versorgungssicherheit mit den genannten Massnahmen gefährdet werden könnte, haben sich jedoch nicht bewahrheitet. Die Strategie der Gesundheitsdirektion zur Förderung integrierter, gemeindenaher, ambulanter und teilstationärer Angebote und des massvollen Abbaus in der stationären Psychiatrie konnte weitgehend umgesetzt werden.

Mit dem Zürcher Psychiatriekonzept wurde 1998 die psychiatrische Versorgung im Kanton wesentlich stärker auf eine gemeindenahe ambulante und teilstationäre Versorgung ausgerichtet. Mittlerweile sind zahlreiche derartige Angebote bereitgestellt worden (siehe dazu die beigefügte Übersicht), welche die stationäre Psychiatrie massgeblich entlastet haben. Gleichzeitig machte das Sanierungsprogramm 04 grosse finanzielle Sparauflagen. Im Rahmen einer Bedarfsanalyse wurde ermittelt, dass bis 2005 rund 300 Betten zuviel vorhanden sein würden. Um diese Überkapazitäten abzubauen, wurde bereits im Jahr 2003 die kantonale Klinik Sonnenbühl in Brütten geschlossen. In der Integrierten Psychiatrie Winterthur wurden zudem mehrere Stationen der geriatrischen Langzeitpflege aufgelöst. Schliesslich entschied der Regierungsrat, der Klinik Hohenegg in Meilen den staatlichen Leistungsauftrag zu entziehen. Der Entscheid des Regierungsrates wurde vom Bundesrat in seinen wesentlichen Punkten bestätigt. Der Entzug des Leistungsauftrags wurde auf den 1. Januar 2006 rechtskräftig. Neben diesen strukturellen Massnahmen mussten alle psychiatrischen Kliniken über Effizienzsteigerungen zur Erreichung der Sparauflagen beitragen.

Insgesamt wurden von 2003 bis 2005 in der Psychiatrie 308 Betten abgebaut. Vor allem im Zusammenhang mit dem Entzug des Leistungsauftrages der Klinik Hohenegg war vielfach die Befürchtung geäussert worden, dass der damit verbundene Bettenabbau die Versorgungssicherheit im Kanton Zürich gefährden würde. Diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Die Auswertung der vierteljährlich erhobenen Statistik der Bettenauslastung zeigt, dass keine Versorgungsengpässe entstanden sind. Von 2003 bis Ende 2005 lag die Bettenbelegung stets in einem Bereich zwischen 88 und 93 Prozent und damit unter dem oberen Grenzwert von 95 Prozent.

Die mit den Massnahmen verknüpften Sparziele wurden insgesamt übertroffen. Allein der Entzug des Leistungsauftrages der Klinik Hohenegg führt zu einer jährlich wiederkehrenden Entlastung des Staatshaushalts von über neun Millionen Franken. Für die von der Teilschliessung der Hohenegg betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde ein Sozialplan erarbeitet und umgesetzt. Die definitive Abrechnung über die Kosten dieses Sozialplanes steht zwar noch aus, dürfte aber den Betrag von insgesamt 12,3 Millionen Franken nicht übersteigen. Unter Berücksichtigung der einmaligen Kosten für flankierende Massnahmen und für den Sozialplan resultieren für den Zeitraum 2006 bis 2009 kumulierte Einsparungen von über 25 Millionen Franken. Der Entzug des Leistungsauftrags führte in der Klinik Hohenegg zu einem massiven Stellenabbau, der trotz Sozialplan für viele Mitarbeitende eine grosse emotionale und soziale Belastung war.

Der unmittelbare Auslöser für die Bedarfsanalyse und die darauf abgestützten strukturellen Anpassungen in der Psychiatrie lag im Sparauftrag des Sanierungsprogrammes 04. Die Massnahmen für die Umsetzung des Sparauftrags waren jedoch abgestimmt auf die längerfristige Strategie in der psychiatrischen Versorgung, wie sie im Psychiatriekonzept festgehalten ist. Der Kanton Zürich hat in den vergangenen Jahren grosse Anstrengungen zum Aufbau zeitgemässer, den Bedürfnissen der Patienten entsprechender integrierter, ambulanter und teilstationärer Behandlungsangebote unternommen. Diese Strategie bewährt sich. Den behandelnden Ärztinnen und Ärzten steht heute eine breite Palette wirksamer Angebote zur Verfügung, die es ihnen ermöglicht, flexibel auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen. Punktuelle Lücken im ambulanten und teilstationären Angebot bestehen noch in der Psychiatrieregion Zürcher Unterland und auch die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weist noch Mängel auf. Das Hauptaugenmerk der Gesundheitsdirektion gilt nun deren Behebung.

Case Management der Integrierten Pychiatrie Winterthur als Beispiel für innovative psychiatrische Versorgung

Mit dem Aufbau der Integrierten Psychiatrie Winterthur (ipw) bestand die Möglichkeit, die Festlegungen des Psychiatriekonzeptes von Grund auf umzusetzen. Von 2002 bis 2004 wurde in der ipw ein Pilotversuch mit psychiatrischem Case Management durchgeführt. Ziel dieses Projektes war die Stabilisierung von Patienten mit komplexer Mehrfachproblematik und hohem stationärem Behandlungsbedarf durch eine integrale, zielorientierte und bedarfsgerechte Unterstützung, deren Schwerpunkte in der aufsuchenden Begleitung im Lebensalltag sowie der Koordination von Dienstleistungen in einem Helfernetz sind.

Durch die Anwendung der Methoden des psychiatrischen Case Managements wurde geprüft, ob sich günstige Ergebnisse ausländischer Studien hinsichtlich gesundheitlicher Stabilisierung, Hospitalisations- und Ressourcenaufwand sowie Lebensqualität bestätigen lassen. Alle Patientinnen und Patienten, die durch das Case Management-Unterstützung erhielten (insgesamt 50 Personen) wurden mit der kantonalen Behandlungsstatistik, den Outcome-Bewertungen des ipw-Qualitätsmanagements und zusätzlichen qualitativen Fragebogen erfasst. Für 21 Personen mit Case Management-Unterstützung konnten nach Diagnose, Geschlecht, sozialen Umständen und Behandlungsgeschichte vergleichbare Patientinnen und Patienten gefunden werden, die kein Case Management erhielten und als Kontrollgruppe dienten.

Der Vergleich der beiden Gruppen bestätigt die hohe Wirksamkeit des Case Managements. Im Vergleich zur Kontrollgruppe senkte das Case Management die akutpsychiatrischen Pflegetage um 50 Prozent und begünstigte niederschwellige Kurzbehandlungen im Kriseninterventionszentrum. Gegenüber den Personen in der Kontrollgruppe konnte die subjektiv empfundene Symptombelastung unter Case Management stärker reduziert werden, der klinische Gesamteindruck entwickelte sich günstiger, das allgemeine psychosoziale Funktionsniveau verbesserte sich. Weitere Qualitätsindikatoren wie die Lebensqualität wiesen in der Tendenz ebenfalls auf günstige Effekte hin. In Einzelfällen wurde die gesamte Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems geprüft; hier zeigte es sich, dass der Mittel- und Kostenaufwand stark abgenommen hatte.

Insgesamt zeigen die Erfahrungen, dass sich das Case Management mit sehr guter Akzeptanz rasch, praktikabel und nachhaltig einführen liess. Die Patientinnen und Patienten ebenso wie die Zuweisenden waren interessiert und kooperativ. Sie beurteilten die Zielerreichung und das Verhältnis von Ziel, Mittel und Vorgehen als gut bis sehr gut. Auch der Gewinn der Patientinnen und Patienten an Veränderungsbereitschaft, besserer Reintegration und Selbsthilfe wurde sehr positiv bewertet.

Neue Angebote, die im Rahmen der Umsetzung des Psychiatriekonzeptes realisiert wurden:

Psychiatrieregion Zürich, Stammklinik Psychiatrische Universitätsklinik Zürich:
Kriseninterventionszentrum
Tageszentrum Ost
Tagesklinik für Drogenrehabilitation
Sozialpsychiatrisches Zentrum Limmattal
Tageszentrum SRK

Psychiatrieregion Winterthur, Stammklinik Integrierte Psychiatrie Winterthur ipw:
Kriseninterventionszentrum
Koordinations- und Beratungsstelle Langzeit, Case Management
Aufbau Gerontopsychiatrie

Psychiatrieregion Zürcher Oberland, Stammklinik Klinik Schlössli:
Ambulatorium und Tagesklinik Psychiatrie, PZM
Ambulatorium und Tagesklinik Gerontopsychiatrie, PZM
Suchtberatung, PZM

Psychiatrieregion Horgen - Affoltern, Stammklinik Sanatorium Kilchberg:
Tagesklinik Kilchberg
Ambulatorium Zimmerberg
Psychiatriestützpunkt am Bezirksspital Affoltern

Psychiatrieregion Zürcher Unterland, Stammklinik Psychiatrie-Zentrum Hard:
Umsetzung ist in Vorbereitung

(Medienmitteilung der Gesundheitsdirektion)

Hinweis

Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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