Überraschender Fund eines römischen Töpferofens bei Gundetswil
Medienmitteilung 20.12.2000
Die Kantonsarchäologie ist bei einer Nachgrabung bei Gundetswil, Gemeinde Bertschikon, auf einen grossen römischen Töpferofen gestossen. Bisher wurden im Kanton Zürich Töpferöfen in der Siedlung Vitudurum (Oberwinterthur) und vereinzelt in den Gutshöfen Winkel-See, Kloten und Obfelden-Lunnern gefunden.
Im November dieses Jahres förderte ein Pflug bei Gundetswil zahlreiches archäologisches Material zu Tage, was eine Privatperson zu einer (nicht zulässigen) Sondiergrabung veranlasste. Daraufhin führte die Kantonsarchäologie eine Nachgrabung durch, um die angegrabenen Befunde richtig zu dokumentieren. Ganz überraschend kam dabei unter der dünnen Humusdecke ein grosser römischer Töpferofen zum Vorschein. In der zugehörigen Bedienungsgrube lagen viel Siedlungsschutt und Töpfereiabfall. Letzterer ermöglicht interessante Aussagen zur Art des hier gebrannten Geschirrs.
Römische Töpferöfen sind im Kanton Zürich vor allem aus der Siedlung Vitudurum (Oberwinterthur) und vereinzelt aus Gutshöfen (Winkel-Seeb, Kloten, Obfelden-Lunnern) bekannt. Besonders der Vergleich mit der Geschirrproduktion von Oberwinterthur wird es ermöglichen, interessanten wirtschaftsgeschichtlichen Fragen, so etwa den Absatzmärkten und dem Stand des technologischen Know-hows, nachzugehen. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass im Gutshof von Bertschikon-Gundetswil in erster Linie für den Eigenbedarf der Bewohnerinnen und Bewohner getöpfert wurde; den Überschuss setzte man wohl in den Siedlungen der näheren Umgebung ab.
Die von der Kantonsarchäologie kurzfristig durchgeführte Untersuchung in Bertschikon stiess bei der lokalen Bevölkerung auf reges Interesse. Sie konnte dank dem freundlichen Entgegenkommen des Grundbesitzers, der den Acker bereits wieder angesät hatte, ohne Zeitdruck abgeschlossen werden. Durch die Gespräche mit den Bauern der Umgebung konnten zudem verschiedene Hinweise zu archäologischen Fundstellen im näheren Umkreis gewonnen werden, die das Archiv der Kantonsarchäologie in wichtigen Punkten ergänzen. Der freigelegte Töpferofen ist mittlerweile wieder zugeschüttet und damit im Erdreich geschützt.
Im Landwirtschaftsgebiet von Gundetswil liegen, wie seit längerer Zeit bekannt ist, auf einer leichten Geländeerhebung im Boden verborgene Reste eines römischen Gutshofes. Dieser befindet sich unweit der antiken Strasse, welche die Kleinstadt Vitudurum mit Ad Fines (Pfyn) verband. Bereits im Jahr 1987 hatte die Kantonsarchäologie auf dem Acker erste geophysikalische Untersuchungen durchgeführt, die auf den Grundriss eines weitläufigen Gebäudekomplexes, vermutlich des Herrenhauses der Anlage, schliessen lassen. Auch auf den 1995 aufgenommenen Luftbildern zeichnen sich in der Vegetation diverse Mauerzüge ab.
Hinweis
Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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