Berufsbildung; Berufszuteilung, Berufliche Grundbildung Entwickler/in digitales Business EFZ an die Berufsbildungsschule Winterthur

Inhaltsverzeichnis

Beschluss Bildungsrat
2022/13
Sitzungsdatum
13. Juni 2022

Zuständigkeit des Bildungsrats

Der Bildungsrat legt gemäss § 3 lit. a des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Berufsbildung vom 14. Januar 2008 (EG BBG) fest, für welche Berufe die Berufsfachschulen die schulische Bildung vermitteln und bestimmt das Einzugsgebiet dieser Schulen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Lehrbetriebe. Für die Zuteilung eines Berufes an eine Berufsfachschule hat der Bildungsrat mit Beschluss vom 27. Mai 2013 Entscheidungsgrundlagen nach folgenden Kriterien erlassen: Professionalität und Qualität, Homogenität des Angebots, Erreichbarkeit des Schulstandortes sowie Wirtschaftlichkeit. Sie sollen die Entscheidungsfindung betreffend Errichtung und Schliessung von Schulen, der Zuteilung neuer Berufe, der Verschiebung bestehender Berufe, der Eröffnung und Schliessung von Niveaus und Klassen und der Umteilung von Lernenden unterstützen.

Ausgangslage

Seit September 2020 arbeitet die zuständige Organisation der Arbeitswelt (OdA) ICT-Berufsbildung Schweiz zusammen mit verschiedenen Vertreter/innen aus der KV- und ICT-Branche an einer neuen Grundbildung, die den Berufstitel «Entwickler/in digitales Business EFZ» tragen soll. Dieser neue Beruf soll Tätigkeitsbereiche im Schnittfeld KV/ICT abdecken. Damit werden Betriebe aller Branchen angesprochen, die sich im Prozess der digitalen Transformation befinden. Bei diesem neuen Beruf handelt es sich um eine anspruchsvolle, vierjährige Lehre, die inhaltlich und strukturell jedoch näher bei der bisherigen ICT-Ausbildung liegt und eine weniger grosse Verwandtschaft zur überarbeiteten Lehre Kaufmann/- frau EFZ aufweist. Diese Grundbildung ist wie andere ICT-Ausbildungen auch vollständig modular aufgebaut. Das Konzept der Handlungskompetenzorientierung entspricht demjenigen der anderen ICT-Berufe und unterscheidet sich wesentlich von dem Konzept der Handlungskompetenzorientierung im KV-Bereich. ICT-Berufsbildung Schweiz prognostiziert ein Mengengerüst von mehr als 360 Lehrstellen zum Start der neuen Ausbildung in der Schweiz. Davon sollten 70 bis 80 Lehrstellen auf den Kanton Zürich entfallen. Grosse Unternehmungen wie Swisscom, Zürcher Kantonalbank (ZKB), Post, UBS und SwissRe haben gemäss Auskunft von ICT Berufsbildung Schweiz die Bereitschaft erklärt, entsprechende Lehrstellen zu schaffen.

Der Beruf befindet sich in einem beschleunigten Verfahren der Berufsentwicklung, bei dem verschiedene Entwicklungsschritte parallel durchlaufen werden (sogenanntes «Fast-Track»-Verfahren). Im März 2022 befand sich der Beruf in der brancheninternen Anhörung. Bildungsverordnung und Bildungsplan liegen im Entwurf vor. Der Start der neuen Grundbildung ist auf das Schuljahr 2023/2024 geplant.

Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt schätzt die neue Ausbildung als zukunftsträchtig ein und befürwortet eine Beschulung im Kanton Zürich. Aufgrund der engen zeitlichen Verhältnisse kann für eine Zuweisung des Schulortes nicht wie sonst üblich der Erlass der Bildungsverordnung und Bildungsplan durch das SBFI abgewartet werden. Es ist deshalb ein vorbehaltener Entschluss zu fällen.

Der Kanton Zürich hat an der Sitzung der SBBK Subkommission Schulorte vom 27. April 2022 die Bereitschaft und den Willen erklärt, den Beruf an einer seiner Berufsfachschulen zu unterrichten. Diese Absichtserklärung ist für den Bildungsrat nicht bindend. Mehrere andere Kantone äusserten ebenfalls die Absicht, den Beruf zu beschulen. Die SBBK Subkommission Schulorte verzichtete in der Folge darauf, eine Empfehlung zu erlassen.

Grundsätzlich kommen für die Beschulung des neuen Berufes sowohl kaufmännische Berufsfachschulen als auch Schulen, die bereits ICT-Berufe unterrichten, in Frage. Aufgrund der grösseren Nähe des neuen Berufes zu ICT-Berufen und der Tatsache, dass die KV-Schulen aktuell durch die Umsetzung der neuen Bildungsverordnung Kauffrau/-mann EFZ stark gefordert sind, befürwortet das MBA eine Zuteilung an eine technische Berufsfachschule mit bestehender ICT-Ausbildung. Das MBA hat am 17. März 2022 alle Rektorinnen und Rektoren der infrage kommenden KV-Schulen und technischen Berufsfachschulen über den neuen Beruf informiert, seine Überlegungen dargelegt und interessierte Schulen aufgefordert, ein Angebotsdossier einzureichen.

Die Berufsbildungsschule Winterthur (BBW), die Berufsfachschule Uster (BFSU) und die Technische Berufsschule Zürich (TBZ) in Kooperation mit dem KV Zürich (KVZ) haben je ein Angebotsdossier eingereicht.

Verschiedene Faktoren sprechen für die BBW

Alle oben erwähnten Schulen kommen grundsätzlich für die Beschulung der neuen Berufe infrage. Die eingereichten Angebotsdossiers sind qualitativ gut und vollständig. Alle Schulen vermitteln qualitativ einwandfreien Unterricht.

Die BBW beschult derzeit 262 Informatiker der Fachrichtung Applikationsentwicklung, 87 Informatikmittelschüler, 80 Informatiker der Fachrichtung Systemtechnik (auslaufend) und 36 Informatiker der Fachrichtung Plattformentwicklung (einlaufend). Die Gesamtzahl der auszubildenden Informatiker beträgt 465 (Kanton Zürich, ohne ausserkantonale Lernende bzw. Schülerinnen und Schüler). Die BBW verfügt über eine grosse Anzahl erfahrener Lehrpersonen in der Informatik. Sie ist diejenige Schule, die im Rahmen des Projektes Kompetenzzentren am stärksten geschrumpft ist. Der Schule wurde in Aussicht gestellt, dass sie bei neuen, zu ihrer Ausrichtung passenden Berufe bevorzugt berücksichtigt würde. Die BBW ist mit wenigen Gehminuten vom Bahnhof Winterthur entfernt zentral gelegen und auch für Lernende aus anderen Kantonen der Deutschschweiz gut per ÖV erreichbar. Sie verfügt über die notwendigen räumlichen Ressourcen. Lehrpersonen der BBW haben in den vergangenen Jahren intensiv an der Entwicklung des neuen Berufes mitgearbeitet. Die OdA ICT Berufsbildung Zürich bevorzugt die BBW als Standort.

Die BFSU beschult derzeit 105 Informatiker der Fachrichtung Systemtechnik (auslaufend) und 42 Informatiker der Fachrichtung Plattformentwicklung (einlaufend). Die Gesamtzahl der auszubildenden Informatiker beträgt 147 (Kanton Zürich, ohne ausserkantonale Lernende bzw. Schülerinnen und Schüler). Die BFSU ist einerseits eine Schule, die Wirtschaft und Technik beschult, was sie für den neuen Beruf prädestiniert. Anderseits sind die kaufmännischen Lehrpersonen in den kommenden Jahren mit der Umsetzung der neuen Bildungsverordnungen im kaufmännischen Bereich stark gefordert. Zudem musste die BFSU im Projekt Kompetenzzentren keine Lernenden abgeben und konnte einen zusätzlichen Beruf übernehmen. Am Standort Uster sind keine Raumreserven vorhanden. Wie die BFSU jedoch in ihrem Dossier ausführt, sind grundsätzlich in Wetzikon an der Schellerstrasse genügend Raumreserven vorhanden, die von der Wirtschaftsschule KV Wetzikon nicht benötigt werden. Uster und Wetzikon sind für Lernende aus anderen Kantonen weniger gut erreichbar als Winterthur.

Die TBZ beschult derzeit 336 Informatiker der Fachrichtung Applikationsentwicklung, 261 Informatiker der Fachrichtung Systemtechnik (auslaufend), 82 Informatiker der Fachrichtung Plattformentwicklung (einlaufend), 185 ICT-Fachmänner/-frauen EFZ sowie 113 Betriebsinformatiker EFZ. Die Gesamtzahl der auszubildenden Informatiker beträgt 977 (Kanton Zürich, ohne ausserkantonale Lernende bzw. Schülerinnen und Schüler). Die Wirtschaftsschule KV Zürich ist die grösste kaufmännische Berufsfachschule in der Schweiz. Die TBZ hat viel Erfahrung in der Ausbildung von Informatikern, das KVZ ist ein ausgewiesenes Kompetenzzentrum für die Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Die TBZ hat Platzreserven, war aber eine der wenigen Schulen im Projekt Kompetenzzentren, die keine Lernenden an andere Schulen abgeben musste und einen zusätzlichen Beruf übernehmen konnte. Die Standorte der TBZ und des KVZ sind beide vom Hauptbahnhof Zürich aus in kurzer Zeit erreichbar. Allerdings sind die Lehrpersonen am KVZ in den kommenden Jahren mit der Umsetzung der neuen Bildungsverordnungen im kaufmännischen Bereich stark gefordert. Wie genau die Kooperation zwischen TBZ und KVZ im Detail aussehen soll, geht aus dem Antrag nicht hervor, u. a. auch deshalb, weil den Schulen noch nicht alle Informationen vorliegen. Die Koordination z. B. der Stundenpläne dürfte möglich sein, beinhaltet aber sicherlich einen gewissen Abstimmungsbedarf. Nach sorgfältigem Abwägen aller Faktoren und insbesondere aufgrund der grossen Erfahrung in der Ausbildung von Informatikern mehrerer Fachrichtungen, der Unterstützung durch die OdA, der Mitarbeit der Schule bei der Entwicklung des neuen Berufes, den räumlichen Verhältnissen, der geographischen Erreichbarkeit und den Auswirkungen des Projektes Kompetenzzentren auf die Schule ist eine Zuweisung an die BBW zu befürworten.

Die Bildungsdirektion schlägt dem Bildungsrat deshalb eine Zuteilung des neuen Berufs Entwickler/in digitales Business EFZ an die BBW vor.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Der neue Beruf Entwickler/in digitales Business EFZ wird – unter Vorbehalt der Inkraftsetzung der neuen Bildungsverordnung auf den 1. Januar 2023 – auf Beginn des Schuljahres 2023/2024 der Berufsbildungsschule Winterthur zugewiesen.
  • Mitteilung an Berufsbildungsschule Winterthur, ICT Berufsbildung Schweiz, Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz, Subkommission Schulorte Deutschschweiz, die Bildungsdirektion und das Mittelschul- und Berufsbildungsamt.

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