Mittelschulen. Richtungsentscheide zu den kantonalen Fachmittelschulen

Inhaltsverzeichnis

Beschluss Bildungsrat
2020 / 23
Sitzungsdatum
26. Oktober 2020

Zuständigkeit des Bildungsrates


Der Bildungsrat ist für den Erlass der Lehrpläne sowie der für den Schulbetrieb erforderlichen Rahmenbestimmungen, insbesondere für Promotion und Abschlussprüfungen zuständig (vgl. § 4 Ziff. 1 in Verbindung mit § 27 Abs. 1 des Mittelschulgesetzes vom 13. Juni 1999 [MSG, LS 413.21]).

Ausgangslage

Am 1. August 2019 sind das neue Reglement der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) über die Anerkennung der Abschlüsse von Fachmittelschulen (nachfolgend: AnerkennungsR FMS) sowie der neue Rahmenlehrplan der EDK für Fachmittelschulen vom 25. Oktober 2018 in Kraft getreten. Die Trägerkantone haben sicherzustellen, dass die Ausbildungsgänge der Fachmittelschulen bis spätestens zum 1. August 2023 an das neue Recht angepasst sind. Dies bedingt eine Änderung sowohl des Promotionsreglements für die Fachmittelschulen des Kantons Zürich vom 29. Juni 2007 (PromotionsR FMS, LS 413.251.4), des Prüfungsreglements für die Fachmittelschulen des Kantons Zürich vom 4. Juni 2007 (PrüfungsR FMS, LS 413.252.4) sowie die Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln (vgl. Art. 7 und 15 AnerkennungsR FMS). Seit Ende 2019 ist eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der beiden kantonalen Fachmittelschulen an der Kantonsschule Zürich Nord und der Kantonsschule Rychenberg Winterthur sowie des Mittelschul- und Berufsbildungsamts (MBA) dabei, die nötigen Anpassungen zu erarbeiten. Die beiden Schulen beginnen im Frühjahr 2021 mit der Überarbeitung der Stundentafeln. Im Anschluss nehmen die Schulen im Sommer 2021 die Lehrplanarbeiten auf (s. Entwurf Rahmenstundentafel pro Profil in der Beilage).
Daneben besteht auch auf kantonaler Ebene Handlungsbedarf. Dieser ergibt sich aus dem Bericht über die Entwicklung der nichtgymnasialen Mittelschulen im Kanton Zürich vom Juni 2020 (Monitoringbericht FMS|HMS|IMS). Die Massnahmen zur Weiterentwicklung des FMS-Ausbildungsangebotes wurden auf Basis der Erkenntnisse des Monitoringberichts FMS|HMS|IMS in der oben genannten Arbeitsgruppe erarbeitet. Auch dieser im Monitoringbericht FMS|HMS|IMS identifizierte Handlungsbedarf zieht Stundentafel- und Lehrplanarbeiten nach sich. Es scheint daher angezeigt, die Arbeiten, die sich aus beiden Projekten ergeben, in einem Zug vorzunehmen.

Dem Bildungsrat werden diejenigen Massnahmen, die in seine Kompetenz fallen, zur Beschlussfassung vorgelegt. Bei den vorliegenden Vorschlägen handelt es sich um Weichenstellungen, die für den weiteren Verlauf der Lehrplanarbeiten bestimmend sind. Da die untenstehenden Massnahmen einen entscheidenden Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung der FMS-Lehrpläne und -Stundentafel haben, sind sie von zentraler Wichtigkeit und werden darum in der Folge einzeln dargestellt.

Die erste Weichenstellung betrifft grundsätzliche Änderungen an den Stundendotationen, die sich aufgrund des neuen AnerkennungsR FMS ergeben. Der darauf folgende Vorschlag ist eine Anpassung am Profilangebot, der die Diskussion zum Monitoringbericht FMS|HMS|IMS zur Grundlage hat.

Richtungsentscheid über den Ausbau der FMS-Stundendotationen

Vorgaben des AnerkennungsR FMS betreffend Stundendotationen

Hintergrund: Im Kanton Zürich stehen an den beiden kantonalen Fachmittelschulen insgesamt fünf Profile zur Wahl: Gesundheit und Naturwissenschaften, Pädagogik, Kommunikation und Information, Musik sowie Theater. Das Profil Gesundheit und Naturwissenschaften wird nur an der Kantonsschule Zürich Nord und die Profile Musik und Theater werden nur an der Kantonsschule Rychenberg Winterthur angeboten. Die Profile Pädagogik und Kommunikation und Information werden hingegen an beiden Standorten durchgeführt.

Die Ausbildung in der FMS erfolgt zweistufig: die ersten drei Ausbildungsjahre führen zum Fachmittelschulabschluss, das vierte Ausbildungsjahr zur Fachmaturität. Im ersten Jahr ist der Unterricht in allen Profilen identisch. Im Verlauf dieses Basisjahres machen die Schülerinnen und Schüler ein zweiwöchiges Praktikum und treffen die Profilwahl für die folgenden Jahre. Neben der Allgemeinbildung vertiefen sich die Schülerinnen und Schüler im zweiten und dritten Jahr durch die berufsfeldspezifischen Fächer in ihren Profilen, die auf ihre künftigen Studien- und Tätigkeitsbereiche vorbereiten. Am Ende des dritten Ausbildungsjahres schliessen die Schülerinnen und Schüler mit dem Fachmittelschulausweis ab, welcher sie zum Eintritt in die Ausbildung zur Fachmaturität in einem vierten Ausbildungsjahr berechtigt.

Die Fachmaturität besteht aus einem Berufspraktikum und einer Fachmaturitätsarbeit, die Bezüge zwischen der von den FMS vermittelten Allgemeinbildung und der Berufspraxis herstellen. Für die Fachmaturität Pädagogik gelten besondere Bedingungen (Richtlinien der EDK über die zusätzlichen Leistungen für die Fachmaturität im Berufsfeld Pädagogik vom 11. Mai 2012): Im Vergleich zu den anderen Profilen besteht die Vorgabe, dass anstelle der Absolvierung eines Praktikums mindestens 120 Lektionen in Allgemeinbildung (Deutsch, Französisch oder Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Geografie) besucht werden müssen.

Vorgaben des neuen AnerkennungsR FMS: Das revidierte AnerkennungsR FMS gibt unter anderem eine Stärkung der Berufsfeldbezüge der einzelnen FMS-Profile vor. Während der ersten drei Ausbildungsjahre an einer Fachmittelschule sollen die Fächer der Lernbereiche im Rahmen der Allgemeinbildung mindestens 50% des gesamten Unterrichtsvolumens abdecken, während die Fächer des Berufsfeldes bzw. der Berufsfelder mindestens 20% ausmachen sollen (vgl. Art. 7 Abs. 2 AnerkennungsR FMS).

Die kantonalzürcherischen Fachmittelschulen erfüllen die Vorgaben gemäss Art. 7 Abs. 2 AnerkennungsR FMS zum gegenwärtigen Zeitpunkt zum grössten Teil nicht. Aktuell sind im Profil Pädagogik 18 von 182 Lektionen (9.9%), im Profil Kommunikation und Information 19 von 175 Lektionen (10.8%) und im Profil Gesundheit und Naturwissenschaften 32 von 173 Lektionen (18.5%) der ersten drei Jahre als berufsfeldbezogener Unterricht deklariert. Die beiden Profile Musik und Theater zeichnen sich durch einen grossen Berufsfeldbezug aus und erfüllen zum aktuellen Zeitpunkt bereits die Vorgaben des AnerkennungsR FMS.

Im Profil Pädagogik umfassen die angesprochenen 9.9% des Berufsfeldes im Wesentlichen allgemeinbildende Fächer, die auch in den anderen Profilen unterrichtet werden. Genuin berufsfeldspezifische Inhalte im Sinne von Pädagogik, Erziehungswissenschaft oder Entwicklungspsychologie fehlen derzeit ganz.

Angestrebte Umsetzung des AnerkennungsR FMS

Die bestehenden Stundentafeln der FMS wurden im Jahr 2007 vom Bildungsrat beschlossen. Sie sind im Grundsatz für die beiden Schulen identisch – Unterschiede bestehen allein aufgrund der unterschiedlichen Dauer der Lektionen an den Kantonsschulen Zürich Nord (45 Min.) und Rychenberg Winterthur (40 Min.). Zukünftig soll es jedoch pro Profil nur noch eine Stundentafel geben, da die Kantonsschule Rychenberg Winterthur voraussichtlich per Schuljahr 2023 auf eine Lektionendauer von 45 Minuten umstellen wird.

Bei der Überführung der früheren Diplommittelschule (DMS) in die FMS im Jahr 2007 wurden die Stundendotationen pro Fach aufgrund von Sparmassnahmen auf ein Minimum gekürzt. Die Einführung neuer Fächer auf Kosten der Lektionenzahl der bereits bestehenden Fächer zwecks Erfüllung der Vorgaben des AnerkennungsR FMS ist daher nicht möglich.

Mit der anstehenden Anpassung der Stundentafel wird das übergeordnete Ziel verfolgt, die Eigenständigkeit des Ausbildungswegs der FMS durch noch zu entwickelnde berufsfeldorientierte Angebote stärker zu profilieren. Dieses Ziel soll durch die Weiterverfolgung der folgenden Stossrichtungen erreicht werden (s. Entwurf Rahmenstundentafel pro Profil in der Beilage):

  • In jedem FMS-Profil soll im zweiten und dritten Jahr neu ein «profilspezifisches Integrationsfach» mit je zwei zusätzlichen Jahreslektionen (total 4 Jahreslektionen pro Profil) angeboten werden. Dieses soll den Schwerpunkt des Profils setzen und den Kern des berufsfeldspezifischen Unterrichts ausmachen.
  • In jedem Profil sollen im gesamten dritten Ausbildungsjahr «integrierte profilspezifische Projekte» mit zwei Jahreslektionen pro Profil angeboten werden.
  • Fächer, in denen der Unterricht bis anhin erst im dritten Jahr berufsfeldspezifisch stattfindet, sollen künftig bereits im zweiten Jahr berufsfeldspezifisch unterrichtet werden. Bei diesen Fächern findet eine Verlagerung von der Allgemeinbildung zum berufsfeldspezifischen Unterricht statt.
  • Informatik soll in allen Profilen mit 2 zusätzlichen Jahreslektionen pro Profil gestärkt werden. Gemäss FMS-Rahmenlehrplan der EDK muss neu in allen Profilen der Lernbereich Informatik eingeführt werden. Im Rahmen der Digitalisierung immer weiterer Lebens- und Berufsbereiche müssen die Inhalte des bisherigen, nur im Basisjahr unterrichteten FMS-Faches IKT wesentlich erweitert werden. Neben der bisherigen Ausbildung im Bereich der reinen Anwendung einschlägiger digitaler Tools soll die Ausbildung in Richtung selbstständiger Programmierkompetenz erweitert werden.
  • Weitere Fächer wie z.B. wissenschaftliches Schreiben (Profil Gesundheit und Naturwissenschaften) oder journalistisches Schreiben (Profil Kommunikation und Information) sowie Praktikumsvorbereitung werden mit je 1 zusätzlichen Semesterlektion eingeführt und bereiten explizit auf die Fachmaturität vor.
  • Im Profil Pädagogik wird die Stundendotation der allgemeinbildenden Fächer trotz Stärkung des Berufsfeldes nicht verringert. Damit wird auf die Forderung der pädagogischen Hochschule eingegangen, dass die Einführung von profilspezifischen Inhalten nicht auf Kosten des allgemeinbildenden Unterrichts erfolgen soll.

Gemäss den vorgeschlagenen Änderungen sind im Profil Pädagogik neu rund 24%, im Profil Kommunikation und Information 28% und im Profil Gesundheit und Naturwissenschaften 26% der Lektionen als berufsfeldbezogener Unterricht ausgewiesen. Die Vorgabe aus Art. 7 Abs. 2 AnerkennungsR FMS ist damit erfüllt.

Die vorgeschlagenen Änderungen verlangen eine Erhöhung der Wochenstundendotationen von knapp 30 auf maximal 33. Dies hat bei den aktuellen Schülerinnen- und Schülerzahlen einen finanziellen Mehraufwand von rund Fr. 760›000 pro Jahr zur Folge. Zudem wird mit einer weiteren Erhöhung der Kosten gerechnet, da die kostenrelevanten Lehrpersonen-Lektionen, welche zum Beispiel durch Halbklassenunterricht oder Teamteaching entstehen, nicht vollständig berücksichtigt sind.

Damit die Ausbildungsgänge der Fachmittelschule bis 1. August 2023 ans neue Recht angepasst werden können, müssen die neuen Stundentafeln bis Sommer 2021 ausgearbeitet und beschlossen werden.

Einführung von psychologischen und pädagogischen Inhalten im FMS-Profil Pädagogik

Bis anhin zeichnet sich das Profil Pädagogik dadurch aus, dass vorwiegend theoretische, allgemeinbildende Inhalte unterrichtet und die Kompetenzen für die Studierfähigkeit gefördert werden. Im Monitoringbericht FMS|HMS|IMS wird aufgezeigt, dass von Seiten der Schülerschaft häufig der Wunsch nach mehr Praxisbezug geäussert wird. Die Lehrerschaft und die FMS-Schulleitenden sprechen sich ebenfalls dafür aus, psychologische und pädagogische Inhalte während des zweiten und dritten Ausbildungsjahres einzuführen und somit die Profilierung zu stärken.
Auch der Umstand, dass an den Gymnasien aller Voraussicht nach mit dem Schwerpunktfach «Philosophie/Pädagogik/Psychologie» ein Ausbildungsangebot mit explizit pädagogischem Fokus auf Sekundarstufe II geschaffen wird, spricht für die Einführung pädagogischer Inhalte im Fachmittelschulprofil Pädagogik. Bereits heute können Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in der 6. Klasse das sehr beliebte und maturrelevante Ergänzungsfach «Psychologie und Pädagogik» mit drei Wochenstunden besuchen. Die Absolventinnen und Absolventen des Profils Pädagogik der FMS sollen deshalb bezüglich der psychologisch-pädagogischen Vorbildung die gleichen Startchancen an der Pädagogischen Hochschule erhalten wie die Absolventen des Gymnasiums.
Die FMS-Schulen prüften zwei Varianten, wie vermehrt psychologische und pädagogische Inhalte in das Profil Pädagogik einfliessen könnten:

  1. Im profilspezifischen Integrationsfach werden im zweiten und dritten Jahr psychologische, pädagogische und weitere berufsfeldorientierte Inhalte im Umfang von je 2 Jahreslektionen vermittelt. Zudem wird im Fachmaturitätsjahr ein Praktikum von mehreren Wochen eingeführt (z.B. in Form von Unterrichtsassistenzen). Aus schulorganisatorischer Sicht kann ein solches Praktikum nur vor oder nach dem Ausbildungsgang zur Fachmaturität durchgeführt werden, da ansonsten die schulische Ausbildung zwischenzeitlich unterbrochen würde. Eine weitergehende Prüfung dieser Variante muss in Abstimmung mit dem Bedürfnis der Volksschule und den organisatorischen Möglichkeiten der FMS-Schulen erfolgen.
  2. Im profilspezifischen Integrationsfach werden im zweiten und dritten Ausbildungsjahr pädagogische und psychologische Inhalte im Umfang von je 2 Jahreslektionen vermittelt. Es wird kein Praktikum im vierten Ausbildungsjahr durchgeführt.

Alternative Varianten für die Integration pädagogischer und psychologischer Inhalte im Profil Pädagogik wurden nach eingehender Prüfung aus verschiedenen Gründen verworfen.

Die Variante 1 wird von den Schulleitenden der Fachmittelschulen präferiert. Diese soll weiterverfolgt werden.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt soll beauftragt werden, zusammen mit den Fachmittelschulen die neuen Stundentafeln im Sinne der Stossrichtungen gemäss Erwägungen in Ziff. 3 bis im Sommer 2021 auszuarbeiten und dem Bildungsrat zum Beschluss vorzulegen.
  • Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt soll beauftragt werden, zusammen mit den Fachmittelschulen Variante 1 gemäss Erwägungen Ziff. 4 bis zum Beschluss der neuen Stundentafeln gemäss Erwägungen Ziff. 3 weiter auszuarbeiten.
  • Publikation dieses Beschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet
  • Mitteilung an: die Bildungsdirektion.

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