Volksschule. Neubeurteilung der Lehrmittelsituation im Fachbereich Englisch

Inhaltsverzeichnis

Beschluss Bildungsrat
2016 / 17
Sitzungsdatum
19. September 2016

Ausgangslage

Am 26. November 2012 entschied der Bildungsrat (BRB 42/2012), das Alternativobligatorium der Lehrmittel auf allen Stufen im Fachbereich Englisch festzulegen. Neben den drei damals bereits obligatorischen Englischlehrmitteln des Lehrmittelverlages Zürich «First Choice» (Unterstufe), «Explorers» (Mittelstufe) und «Voices» (Sekundarstufe I) konnten ab Schuljahr 2013/14 auch folgende Lehrmittel unterrichtsleitend eingesetzt werden: Auf der Unter- und Mittelstufe «Young World» und auf der Sekundarstufe I «New Inspiration» oder «English Plus». Das Alternativobligatorium ist befristet bis Ende Schuljahr 2021/22. In demselben Bildungsratsbeschluss aus dem Jahre 2012 beauftragte der Bildungsrat das Volksschulamt, im Schuljahr 2015/16 eine Neubeurteilung der Lehrmittelsituation im Fach Englisch zu präsentieren.

Im Sommer 2015 beauftragte das Volksschulamt die Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG), Institut Bildungsevaluation, Entwicklung und Beratung, einen Bericht mit dem Titel «Neubeurteilung des Alternativobligatoriums und Bericht über das weitere Vorgehen im Fachbereich Englisch im Kanton Zürich» vorzulegen. Im Januar 2016 wurde dieser dem Volksschulamt termingerecht übergeben (s. Beilage).

Der Bericht erläutert, welche Lehrmittel im Englischunterricht durch die Lehrpersonen im Kanton Zürich eingesetzt werden und worin deren Stärken und Schwächen liegen. Anhand fachlicher und didaktischer Kriterien wurden mögliche Trends in der Lehrmittelentwicklung aufgezeigt. Empfehlungen, ob die bestehenden Lehrmittel des Lehrmittelverlags Zürich ergänzt oder überarbeitet oder aber neue Lehrmittel entwickelt werden sollen, runden den Bericht ab.

Eine umfassende Betrachtungsweise kombinierte quantitative Daten (Online-Fragebogen) und qualitative Elemente (offene Fragestellungen im Fragebogen und Gruppeninterviews). Die Erfahrungen der Lehrpersonen mit den Englischlehrmitteln im Unterricht sowie das Fachwissen der Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker wurden miteinander in Verbindung gebracht. An der Erhebung (online) beteiligten sich 729 Lehrpersonen, womit die Ergebnisse breit abgestützt sind.

Bericht «Neubeurteilung des Alternativobligatoriums und Bericht über
das weitere Vorgehen im Fachbereich Englisch im Kanton Zürich» im
Überblick

Kennzahlen

An der Online Befragung nahmen insgesamt 729 Lehrpersonen teil. Davon unterrichten 236 Lehrpersonen auf der Unterstufe, 274 auf der Mittelstufe und 219 auf der Sekundarstufe I im Kanton Zürich.

Auf der Primarstufe verwenden über 62 Prozent der Lehrpersonen «Young World». Diejenigen Lehrpersonen, die mit «Explorers» unterrichten, machen einen relativ kleinen Teil von 15 Prozent aus. 22 Prozent der Lehrpersonen geben an, «First Choice» einzusetzen. Aufgeteilt auf die Unter- und Mittelstufe zeigt sich, dass 50 Prozent der Unterstufenlehrkräfte mit «First Choice» und 48 Prozent mit «Young World» unterrichten. Auf der Mittelstufe verwenden 27 Prozent «Explorers» und 72 Prozent «Young World».

Auf der Sekundarstufe I unterrichten 52 Prozent der Lehrpersonen eine Niveau-A-Klasse, 41 Prozent eine Niveau-B-Klasse und knapp 7 Prozent eine Niveau-C Klasse. 31.9 Prozent der Englischlehrpersonen, die an der Umfrage teilgenommenen haben, arbeiten mit «Voices», ebenfalls 31.9 Prozent mit «English plus», weitere 22.7 Prozent mit «Voices Basic» und 13.4 Prozent mit dem Lehrmittel «New Inspiration». 8 von 14 Niveau CLehrpersonen, welche an der Befragung teilgenommenen haben, geben an, mit «Voices Basic» zu arbeiten. In gewissen Klassen werden «Voices» und «Voices Basic» von der Lehrperson parallel im Unterricht eingesetzt. Die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler arbeiten mit «Voices», die leistungs-schwächeren mit «Voices Basic».

Resultate der Erhebung

Handhabung und Nutzung der Lehrmittel

Ein Teil der Lehrpersonen wünschen sich ein strukturiertes Lehrmittel mit klar definierten Inhalten, andere wünschen sich mehr Freiheiten. Die Stofffülle soll tendenziell reduziert, das Material zum Üben, Repetieren und Vertiefen hingegen ausgebaut werden. Dies muss nicht zwingend innerhalb des Lehrmittels sein, sondern sollte den Lehrpersonen digital (oder online) zur Verfügung stehen und wenn möglich anpassbar sein. Lehrpersonen auf der Primarstufe wünschen sich mehr Material oder Hinweise zu einem spielerischen Sprachenlernen.

Ein gedrucktes Lehrmittel soll laut dem Bericht durch digital vorhandenes Material und mit Hinweisen auf weitere Websites ergänzt werden. Es hat einfach in der Handhabung zu sein und zur selbständigen Nutzung durch die Schülerinnen und Schüler beizutragen. Es wird als sinnvoll erachtet, ein Lehrmittel auf wenige Lehrwerkteile einzuschränken und mit flexiblen Materialien (Klassenlektüre, Vertiefungslektüre, Online-Material, Links auf Hörtexte usw.) zu ergänzen, die für die Lehrperson und teilweise auch für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen. Grundsätzlich ist die Motivation der Schülerinnen und Schüler, Englisch zu lernen, unabhängig vom Lehrmittel hoch. Diese positive Voraussetzung sollte genutzt werden.

Das Lehrmittelangebot auf der Unterstufe ist für die Lehrpersonen nicht befriedigend. Für den Englischunterricht in der 2. Klasse steht den Lehrpersonen nur «First Choice» zur Auswahl. «Young World» beginnt erst ab der 3. Klasse. Einige Lehrpersonen geben an, dass sie in der 2. Klasse mit «First Choice» starten und in der 3. Klasse auf «Young World» wechseln, da ihnen Anforderungen und Niveau im Lehrmittel «First Choice» zu hoch scheinen. Für die Mittelstufe stehen die beiden Lehrmittel «Explorers» und «Young World» zur Auswahl. Eine Veränderung dieser Lehrmittelsituation erachtet der Bericht kurzfristig für nicht zwingend notwendig. Das Alternativobligatorium hat sich gemäss Einschätzung der Lehrpersonen bewährt. Für altersdurchmischte Klassen stellt der Sprachenunterricht eine grosse Herausforderung dar. Neue Lehrmittel sollten diesen Umständen vermehrt Rechnung tragen.

Für die Sekundarstufe I stehen vier unterschiedliche Lehrmittel im Fachbereich Englisch zur Verfügung. Die Lehrpersonen sind gegenwärtig mit dem Lehrmittel, das sie im Unterricht einsetzen, zufrieden. Das zeigt, dass die Lehrpersonen bei den Lehrmitteln unterschiedliche Präferenzen haben.

Didaktik

Die Englischlehrmittel sind auf allgemeindidaktische Aspekte wie unterschiedliche Lehrund Lernformen oder die Orientierung an handlungs- und aufgabenorientiertem Unterricht ausgerichtet. Zudem bieten die Verlage zu den Lehrmitteln passende Leistungstests an, sogenannte Assessment Packs, oder stellen Materialien zur formativen Überprüfung zur Verfügung. Die Lehrpersonen wünschen sich hier ein breiteres Angebot an Tests, sowohl leistungsdifferenziert als auch mehrfach für dasselbe Leistungsniveau einsetzbar. Divergent diskutiert wurde die Frage, ob solche Tests digital veränderbar sein sollten oder nicht. Vor allem die Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker weisen darauf hin, dass die Erstellung von kompetenzorientierten Tests hohe Anforderungen an Lehrpersonen stellt, welche diese teilweise nicht einlösen können. Vorgegebene standardisierte Tests könnten diese Problematik entschärfen. Die Lehrpersonen wünschen sich hingegen die Möglichkeit der eigenständigen Anpassung der Tests wie auch der Materialien.

Die Dokumentation des Lernprozesses und das schriftliche Festhalten des individuellen Lernstands werden aufgrund der Kompetenzorientierung zunehmend wichtiger. Ein modernes Lehrmittel umfasst Elemente, welche die Lehrpersonen hinsichtlich der kompetenzorientierten Beurteilung des Lernstandes unterstützt. In den einzelnen Lehrmitteln ist dieser Aspekt zum jetzigen Zeitpunkt unterschiedlich gewichtet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler, die mit dem Lehrmittel beispielsweise mit Lernstrategien unterstützt oder aber auch grundsätzlich vermittelt werden soll. Die Lehrpersonen wünsche ein übersichtliches und in der Handhabung einfaches Lehrmittel, das ihnen wie auch den Schülerinnen und Schülern schnell vertraut ist. Ein Lehrmittel soll nicht aus zu vielen einzelnen Lehrwerkteilen bestehen. Die einzelnen Teile sollen in der Strukturierung klar und die Bezüge untereinander ersichtlich sein. Dazu gehört, dass die Arbeitsaufträge von den Schülerionnern und Schülern verstanden und mehrheitlich selbstständig ausgeführt werden können. Lehrerzentrierte Einführungen oder Aufgaben rhythmisieren den Unterricht, hemmen im Gegenzug aber die individuelle Arbeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Fremdsprachendidaktik

Der Paradigmawechsel von dem an der klassischen Grammatik orientierten Fremdsprachenunterricht (Grammatikcurriculum) zu einem aufgaben- und inhaltorientierten Sprachenlernen ist in der Volksschule weit fortgeschritten. Die Lehrmittel haben diesen Ansatz des neuen Sprachenlernens aufgenommen, die Lehrpersonen wurden entsprechend aus- und weitergebildet. Laut der Rückmeldung der Lehrpersonen wird den Forderungen der Mehrsprachigkeit noch zu wenig Rechnung getragen. So kommen die Verknüpfungen mit anderen Fremdsprachen, die Nutzung von Synergien mit anderen Sprachfächern oder die Berücksichtigung der im Klassenzimmer vorhandenen Sprachenvielfalt tendenziell zu kurz. Die Forderung des kompetenzorientierten Lernens, die der Lehrplan 21 vertritt, bedarf eine Dokumentation des Lernprozesses. Die eingesetzten Lehrmittel sind unterschiedlich darauf ausgerichtet. Nach Aussage aus der Fachdidaktik gilt es, sinnvolle Schwerpunkte zu setzen, um die Komplexität des Lehrmittels eingrenzen zu können.

Differenzierung

Obwohl in den einzelnen Lehrmitteln bereits auf Differenzierungsmöglichkeiten hingewiesen wird und Aufgaben und Übungen nach Leistungsniveau gekennzeichnet sind, bleibt das Bedürfnis der Lehrpersonen in diesem Bereich sehr hoch. Hier ist Handlungsbedarf angesagt. Alle Lehrmittel (ausgenommen «English Plus») haben in diesem Bereich Entwicklungsbedarf. Die zunehmende Unterrichtsform des altersdurchmischten Lernens auf der Primarstufe verschärft diese Situation zusätzlich. Die Lehrpersonen wünschen sich mehr vertiefendes Material, mit leistungsdifferenzierten und vertiefenden Aufgaben für stärkere Schülerinnen und Schüler, die daran längere Zeit selbständig arbeiten können. Interessant wäre etwa passende Literatur zu den im Lehrmittel bearbeiteten Themen. Auch Instrumente, mit denen die Schülerinnen und Schüler ihren individuellen Lernstand ermitteln können, und daran anknüpfende Arbeitsvorschläge, um an den individuellen Stärken und Schwächen arbeiten zu können, wären aus Lehrersicht eine wichtige Ergänzung des Lehrmittels.

Die Entwicklung von «Voices Basic» als schlankere und einfachere Version des Lehrmittels «Voices» für tiefere Leistungsniveaus auf der Sekundarstufe I wird von den Lehrpersonen geschätzt. Die gleichzeitige Verwendung beider Lehrmittel in einer leistungsdurchmischten Klasse ist jedoch sehr schwierig. Die beiden Lehrmittel sind inhaltlich und zeitlich zu wenig aufeinander abgestimmt, um ein paralleles Unterrichten zu ermöglichen. Unterschiedliche Leistungsniveaus sollten nicht an unterschiedlichen Lehrmitteln erkennbar sein. Dies gilt nicht nur für Leistungsniveaus innerhalb einer Klasse, sondern auch für niveaudifferenzierte Klassenzüge. Für die Fachdidaktik bietet die Orientierung an Kompetenzen zwar eine gute Möglichkeit der Differenzierung, doch sind die Lehrpersonen noch zu wenig vertraut damit. Sie benötigen hier Unterstützung, vor allem durch die Lehrmittel, aber auch durch gute Aus- und Weiterbildung. Dies wird umso wichtiger, je mehr Lehrpersonen im Unterrichtsteam involviert sind, in welchem Absprachen und differenziertes Arbeiten der Schülerinnen und Schüler unkompliziert und für alle übersichtlich gestaltet und organisiert werden müssen.

Medieneinsatz

Die Ausstattung der Unterrichtszimmer mit digitalen Medien ist im Kanton Zürich sehr unterschiedlich. Während auf der Primarstufe die Klassenzimmer meist mit wenigen Computern respektive Notebooks ausgestattet sind, ist der zentrale Computerraum auf der Sekundarstufe I vorherrschend. Dieser lässt sich zwar von allen Lernenden einer Klasse gleichzeitig nutzen, nicht aber von mehreren Klassen gleichzeitig. Er kann von Schülerinnen und Schülern auch nicht für individuelles Arbeiten genutzt werden. Es fehlt zudem oft an Beamern, die einen einfachen Einsatz digitaler Medien für die ganze Klasse erleichtern würden.

Zwar wird es als wichtig erachtet, dass passende Hörtexte in verschiedenen Leistungsniveaus das Lehrmittel ergänzen, doch gehören Audio-CDs und DVDs bereits einer veralteten Technologie an; Notebooks verfügen heutzutage kaum noch über entsprechende Laufwerke. Dagegen gewinnt das Internet für das Sprachenlernen zunehmend an Bedeutung. Hörtexte, Videos, Filme und Interviews stehen immer mehr online zur Verfügung. Aktuelle Websites mit Hinweisen, Links, Materialen und so weiter ergänzen das gedruckte Lehrmittel. Dies grenzt den Suchaufwand der Lehrpersonen ein. Auch auf die individuelle Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrpersonen haben die meisten Verlage durch das Angebot verschiedener Medien bereits reagiert. So gibt es etwa Apps zum Lernen des Wortschatzes oder Web-Plattformen mit Informationen und Material für die Lehrpersonen.

Das Lernen von Fremdsprachen mit digitalen Medien wird heute vor allem von den einzelnen Schülerinnen und Schülern ausserhalb des Unterrichts oder zur Differenzierung – zum individuellen Lernen – genutzt. Eine systematische Nutzung digitaler Medien für den Sprachenunterricht ist aufgrund der heterogenen Ausstattung der Schulzimmer mit Computern oder Tablets sehr schwierig. Der Einsatz von gedruckten Unterrichtsmaterialien im Sprachenunterricht bleibt zentral, sie sind aus dem Unterricht nicht wegzudenken. Für ein zukünftiges Lehrmittel hingegen kann eine digitale Version neben der Printausgabe durchaus eine sinnvolle Option sein. Für Lehrwerkteile wie beispielsweise den Lehrerkommentar, der nicht täglich im Unterricht eingesetzt werden muss, könnte eine digitale Version sogar ausreichen. Hinweise, zusätzliches Material für die Vertiefung und weiterführende Ideen könnten direkt verlinkt werden.

Schnittstellen – Lehrplankompatibilität

Die Schnittstellenfrage innerhalb der Volksschule wird durch das Alternativobligatorium zwar verschärft, jedoch von den Lehrpersonen nicht als Problem erachtet. Die Lehrmittel ausserhalb der Reihe des Lehrmittelverlags Zürich («First Choice», «Explorers», «Voices» und «Voices Basic») bauen nicht aufeinander auf beziehungsweise nehmen nicht Bezug aufeinander. Die Lehrpersonen schätzen die Freiheit der Wahl des Lehrmittels wichtiger ein als einen fliessenden Übergang, der mit einem einheitlichen Lehrmittel besser gewährleistet werden könnte.

Die Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I hingegen fühlen sich unsicher, was den Übertritt in weiterführende Schulen (Sekundarstufe II) anbelangt. Die Orientierung an Pflichtstoff ist für sie wichtiger als den Primarlehrpersonen. Noch nicht alle Lehrpersonen fühlen sich sicher darin, Teile des Lehrmittels wegzulassen und den Stoff für ihre Schülerinnen und Schülern aus dem Angebot im Lehrmittel auszuwählen. Auch die Lehrplankompatibilität wird unabhängig vom Lehrmittel als hoch eingeschätzt. Während dieser Aspekt in der Diskussion mit den Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern als zentraler Faktor beurteilt wird, ist dies für die Lehrpersonen zweitrangig. Durch die Freigabe der Lehrmittel durch den Bildungsrat gehen die Lehrpersonen davon aus, dass diese Passung gegeben ist.

Um die Übergänge bei einer Aufrechthaltung des Alternativobligatoriums im Fachbereich Englisch zu vereinfachen, könnte eine Übersicht (print oder online) über die entsprechenden Kompetenzen sinnvoll sein, welche die Schülerinnen und Schüler beim Stufenübertritt von der Primar- auf die Sekundarstufe I beziehungsweise von der Sekundarstufe I auf die Sekundarstufe II erreicht haben sollten. Diese Übersicht könnte als Konkretisierung des Lehrplans gesehen und unabhängig von einem Lehrmittel eingesetzt werden (vgl. Europäisches Sprachenportfolio/Sprachenpass 1). Die Kompetenzorientierung des Lehrplans dürfte wesentlich dazu beitragen, dass bei einem Übertritt keine falschen Erwartungen entstehen.

Die Mehrheit der Lehrpersonen wünscht, dass das Alternativobligatorium im Fachbereich Englisch erhalten bleibt. Ihrer Meinung nach soll mehr in eine gute Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen investiert werden. In die gleiche Richtung gehen die Empfehlungen der Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker. Die Weiterbildungskultur im Volksschulwesen sollte vermehrt gestärkt werden. Aus ihrer Sicht ist jedoch ein Lehrmittel, das auf den Schweizer Kontext zugeschnitten ist, ein grosses Anliegen. Zusammenfassend soll hinsichtlich eines qualitativ hochstehenden und differenzierenden Englischunterrichts das Alternativobligatorium einerseits weiterhin gültig sein. Andererseits ist die Empfehlung gerechtfertigt, längerfristig eine Englischlehrmittelreihe zu entwickeln, die auf den spezifischen Kontext der Schweiz (bspw. in Bezug auf Mehrsprachigkeit, Unterrichtsstrukturen, Schnittstellen, Beurteilungskultur etc.) zugeschnitten ist. Bedingung ist aber, dass das Lehrmittel von den Lehrpersonen auch als praxistauglich erachtet wird.

Fazit

Der Bericht zeigt auf, dass die Lehrmittel einfach in der Handhabung und weniger komplex sein müssten und die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler unterstützen sollten (vor allem Orientierung, Hervorhebung von Regeln, Strategien und Merksätzen, Differenzierung). Der Einsatz von gedruckten Lehrmitteln wird im Unterricht weiterhin als zentral erachtet, doch sollen sie durch ein digitales Angebot ergänzt werden.

Das Lehrmittelangebot für die Unterstufe bedarf im Rahmen der Einführung des Lehrplans 21 (Beginn des Englischunterrichts in der 2. oder 3. dritten Klasse) einer Klärung. Das Lehrmittelangebot für die Mittelstufe mit den beiden Lehrmitteln «Explorers» und «Young World» kann belassen werden.

Die Lehrmittelsituation auf der Sekundarstufe I ist deutlich komplexer als auf der Primarstufe. Der Einsatz von nicht adaptierten Lehrmitteln aus dem englischsprachigen Raum wird von der Fachdidaktik kritisch hinterfragt. Einstweilen ist es sinnvoll, am Alternativobligatorium festzuhalten, um den situativen Bedingungen in den einzelnen Schulgemeinden und Schuleinheiten wie auch den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Längerfristig ist eine Überarbeitung der Lehrmittelreihe im Fachbereich Englisch sinnvoll (2022/23). Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Aspekte sollten von der 3. bis 9. Klasse Lehrmittel zur Verfügung gestellt werden, die aufeinander aufbauen und den spezifischen Schweizer Kontext (Lehrplan, Mehrsprachigkeit usw.) berücksichtigen. In Zusammenhang mit der Schaffung neuer Lehrmittel ist zu prüfen, ob sie einem Obligatorium unterstellt werden sollen und das Alternativobligatorium aufgehoben werden kann.

In einem neuen Lehrmittel sollte der inneren (organisatorischen) und äusseren (didaktischmethodischen) Differenzierung vermehrt Rechnung getragen werden. Die Optimierung der Differenzierungsmöglichkeiten dient auch der Effizienz in einem Unterrichts- bzw. Lehrerteam. Im Sinne der Kompetenzorientierung sollte sich ein neues Lehrmittel grundsätzlich an den Grundansprüchen (Lehrplan 21) orientieren. Bei der Entstehung eines neuen Lehrmittels sollten die Lehrpersonen möglichst einbezogen werden. Um eine grösstmögliche Akzeptanz zu erhalten, ist die produktebezogene Mitwirkung von Lehrpersonen in allen Phasen der Entwicklung des Lehrmittels zu gewährleisten (nach BRB 29/2014). So sind Lehrpersonen etwa in Hearings zum Konzept, in Begleitgruppen oder für Erprobungen beizuziehen.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Der Bericht «Neubeurteilung des Alternativobligatoriums und Bericht über das weitere Vorgehen im Fachbereich Englisch im Kanton Zürich» wird zur Kenntnis genommen.
  • Das Volksschulamt erstellt auf der Grundlage des Berichts (s. Ziffer I.) in Absprache mit dem Lehrmittelverlag Zürich einen Anforderungskatalog für den Fachbereich Englisch über alle drei Zyklen hinweg für die Zeit ab dem Schuljahr 2022/23. Das Ergebnis wird dem Bildungsrat im 3. Quartal 2017 vorgelegt.
  • Der Lehrmittelverlag erarbeitet auf der Grundlage des Berichts (s. Ziffer I.) und des Anforderungskatalogs (s. Ziffer II.) unter Einbezug des Volksschulamtes einen Plan für die Lehrmittel im Fachbereich Englisch. Der Plan soll eine erste Schätzung der Erstellungs- und der Folgekosten auf der Ebene des Kantons und der Gemeinden enthalten. Das Ergebnis wird dem Bildungsrat im 1. Quartal 2018 vorgelegt.
  • Publikation des Bildungsratsbeschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet.
  • Mitteilung an: alle Schulpflegen; das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, SSD; das Departement Schule und Sport Winterthur; DSS; den Verband Zürcher Schulpräsidien, VZS; den Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich, VSLZH; den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband, ZLV z. H. der Stufenorganisationen; den Vorstand der Lehrpersonenkonferenz, LKV; die Kantonale Elternmitwirkungsorganisation Zürich, KEO; den Verband Zürcher Privatschulen, VZP; den Berufsverband der Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich, SekZH; den Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste, Region Zürich, Lehrberufe, vpod Zürich Lehrberufe; den Verein Zürcher Lehrpersonen Deutsch als Zweitsprache, VZL-DaZ; die Lehrpersonenkonferenz der Berufsfachschulen, LKB; die Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen, LKM; der Mittelschullehrpersonenverband Zürich, MVZ; die Pädagogische Hochschule Zürich, PHZH; das Institut Unterstrass an der PHZH, unterstrass.edu; die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik; HfH; die Interkantonale Lehrmittelzentrale, ilz; die Schweizer Schulen im Ausland mit Patronat des Kantons Zürich; die Bildungsdirektion des Kantons Zürich: Lehrmittelverlag Zürich, Bildungsplanung, Volksschulamt.

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