Volksschule. Rahmenkonzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung»

Beschluss Bildungsrat
2015/03
Sitzungsdatum
2. Februar 2015

Ausgangslage

Der Bildungsrat nahm am 3. September 2012 den Schlussbericht des Projekts «Lehrmittelpolitik des Kantons Zürich» vom 16. Mai 2012 zur Kenntnis und beauftragte die Bildungsdirektion mit entsprechenden Massnahmen zur Umsetzung (BRB Nr. 35/2012). Die produktbezogene Lehrmitteleinführung ist ein wichtiges Element der neuen Lehrmittelpolitik. Der Lehrmittelverlag hat deshalb die Planung und Umsetzung von Lehrmitteleinführungen in einem Rahmenkonzept beschrieben.

Der Bericht «Lehrmittelpolitik des Kantons Zürich» vom 16. Mai 2012 unterscheidet zwischen produktbezogener Lehrmitteleinführung und fachbezogenen Qualifizierung der Lehrpersonen.

  • Die produktbezogene Lehrmitteleinführung vermittelt den Lehrpersonen, was bei einem Lehrmittel neu oder anders ist. Dabei geht es um die Struktur des Lehrmittels und das Zusammenwirken der verschiedenen Lehrwerksteile sowie um praktische Aspekte des Lehrmitteleinsatzes in den verschiedenen Phasen des Unterrichts. Für die produktbezogene Lehrmitteleinführung ist der Lehrmittelverlag Zürich zuständig.
  • Die fachbezogene Qualifizierung vermittelt den Lehrpersonen, was sie neu können müssen, um das betreffende Fach mit dem neuen Lehrmittel zu unterrichten. Es geht dabei vorab um neue fachspezifische und fachdidaktische Kenntnisse. Für die fachbezogene Qualifizierung ist das Volksschulamt zuständig.

Zwischen fachbezogener Qualifizierung und produktbezogener Lehrmitteleinführung können sich durchaus Überschneidungen ergeben. In solchen Fällen ist es sinnvoll, wenn Volksschulamt und Lehrmittelverlag die verschiedenen Einführungsmassnahmen aufeinander abstimmen und ein geeignetes Paket schnüren.

In dieser Vorlage und im beiliegenden Rahmenkonzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung» geht es ausschliesslich um die produktbezogene Lehrmitteleinführung des Lehrmittelverlags.

Wird ein neues Lehrmittel eingeführt, sind im Kanton Zürich pro Klassenstufe rund 600 bis 700 Lehrpersonen betroffen. Produktbezogene Lehrmitteleinführung soll ihnen im Sinne einer Gebrauchsanweisung den Einstieg erleichtern.

Nach der bisherigen Praxis im Kanton Zürich beauftragte jeweils das Volksschulamt die Pädagogische Hochschule Zürich, Einführungskurse für obligatorische Lehrmittel durchzuführen. Dies hat sich weitgehend bewährt. Die neue Lehrmittelpolitik bewertet das bisherige Vorgehen jedoch nicht in jedem Fall als geeignetste Option für die produktbezogene Lehrmitteleinführung. Sie weist die Zuständigkeit dafür dem Lehrmittelverlag Zürich zu und stellt ihn damit anderen Verlagen – auch privaten – gleich, die ebenfalls für allfällige flankierende Massnahmen zur Produkteeinführung selber zuständig sind.

Das Rahmenkonzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung» soll aufzeigen, wie der Lehrmittelverlag Zürich seine neue Aufgabe bedarfsorientiert wahrnimmt.

Erwägungen

Die wirkungsvollste Massnahme für eine erfolgreiche Lehrmitteleinführung sind Lehrmittel, die klar strukturiert und einfach zu handhaben sind. Das ideale Lehrmittel ist für eine Fachperson weitgehend selbsterklärend.

Die Unterstützung der Lehrpersonen bei der Lehrmitteleinführung soll bedarfsorientiert sein. Für obligatorische Lehrmittel aus seinem Haus ist der Lehrmittelverlag verpflichtet, dem Bedarf entsprechende Einführungsmassnahmen zur Lehrmitteleinführung für Lehrpersonen der betreffenden Stufen im Kanton Zürich bereitzustellen. Dem Lehrmittelverlag Zürich ist die Unterstützung der Lehrpersonen auch bei nicht-obligatorischen Lehrmitteln ein Anliegen. Ob und in welchem Umfang er auch in solchen Fällen Einführungsmassnahmen anbietet, bleibt ihm überlassen.

Der Lehrmittelverlag verantwortet und organisiert die Massnahmen zur produktbezogenen Einführung. Sie sind für Lehrpersonen im Kanton Zürich unentgeltlich und nicht obligatorisch. Der Lehrmittelverlag finanziert diese Massnahmen über die Verkäufe des Lehrmittels. Allfällige Massnahmen, die nicht zur produktbezogenen Einführung zu zählen sind, spricht der Lehrmittelverlag mit dem Volksschulamt ab und schnürt gemeinsam mit ihm ein entsprechendes Massnahmenpaket für eine koordinierte fachliche Qualifikation und produktbezogene Lehrmitteleinführung.

Für die produktbezogene Lehrmitteleinführung setzt der Lehrmittelverlag auf drei Massnahmen.

  1. Schulungsvideos
    Damit lassen sich einem breiten Publikum die Struktur und der Aufbau eines Lehrmittels ebenso vermitteln wie sein praktischer Einsatz im Unterricht. Durch die Publikation im Internet haben Schulungsvideos das Potential für eine grosse Verbreitung – auch über die eigentliche Zielgruppe und über die Kantonsgrenze hinaus. Der Nutzen von Schulungsvideos rechtfertigt den finanziellen und technischen Aufwand für ihre Produktion.
  2. Präsentationen
    Mit Veranstaltungen im grossen Rahmen lassen sich in erster Linie den Lehrpersonen im Kanton Zürich rasch und flächendeckend die Struktur und der Aufbau eines Lehrmittels sowie sein praktischer Einsatz im Unterricht vermitteln. Zudem ermöglichen Sequenzen in Gruppen den direkten Austausch zwischen Lehrpersonen, Lehrmittelschaffenden und Verlag.
  3. Kaderkurse
    Diese Massnahme ist für die Schulung von Personen gedacht, die ihrerseits Lehrpersonen in den Gebrauch des Lehrmittels einführen. Dies betrifft vor allem Dozierende an Pädagogischen Hochschulen und Kurskader.

Der Lehrmittelverlag Zürich setzt bewusst auf eine beschränkte Anzahl von Einführungsformaten. Weitere Formate wie z.B. Webinars und Workshops sind denkbar, wenn sie sich in der Lehrerweiterbildung durchsetzen und ein ausgewiesener Bedarf dafür besteht. In der Praxis wird sich zeigen, welche Formate sich bewähren.

Der Lehrmittelverlag Zürich ist bei der Bereitstellung der produktbezogenen Lehrmitteleinführung auf Partner angewiesen, die ihn unterstützen und die in seinem Auftrag Massnahmen umsetzen. Potentielle Partner bei der Lehrmitteleinführung sind die an der Lehrmittelentwicklung beteiligten Personen, Pädagogische Hochschulen, die Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Weiterbildung der Lehrpersonen (ZAL), das Volksschulamt und die Interkantonale Lehrmittelzentrale (ilz).

Der im Rahmenkonzept beschriebene Modus für die produktorientierte Lehrmitteleinführung gilt für neue obligatorische Lehrmittel, die gemäss der neuen Lehrmittelpolitik (BRB Nr. 35/2012 und Lehrmittelverordnung vom 14. August 2014) eingeführt werden. Die bisherige Praxis gilt für obligatorische Lehrmittel, die noch vor 2014 erschienen sind, und für Lehrmittel, die zu Lehrwerkreihen gehören, deren erste Teile vor 2014 erschienen sind – für Lehrmittel und Lehrwerke also, für die im Auftrag des Volksschulamts schon Einführungskurse durchgeführt wurden und werden.

Das Rahmenkonzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung» soll periodisch überprüft werden. Idealerweise geschieht dies, wenn jeweils eine Massnahme für die produktbezogene Einführung eines bestimmten Lehrmittels abgeschlossen ist. So ist auch gewährleistet, dass veränderte Bedürfnisse der Adressatengruppen und neue technische Möglichkeiten angemessen berücksichtigt werden können. Die integrale Überprüfung des Konzepts soll im Rahmen der Überprüfung der Lehrmittelpolitik gemäss BRB 35/2012 erfolgen, also vier Jahre nach deren Umsetzung.

Der Vorstand LKV und die Lehrerverbände (ZLV, SekZH, vpod) wurden dazu eingeladen, sich zum Konzept zu zu äussern. Sie beurteilten das Rahmenkonzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung» in ihren Stellungnahmen grundsätzlich positiv. Sie unterstrichen die Bedeutung von unterstützenden Massnahmen zur Lehrmitteleinführung, die den Aufwand für Lehrpersonen beim Wechsel zu einem neuen Lehrmittel verringern sollen. Zudem wünschten sie sich, dass sie bei Präsenzveranstaltungen ausreichend Gelegenheit für die Auseinandersetzung mit einem neuen Lehrmittel und für den Austausch haben.

Auch die im Konzept erwähnten Institutionen Interkantonale Lehrmittelzentrale (ilz), Pädagogische Hochschule Zürich (PH Zürich) und Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Lehrerfortbildung (ZAL) hatten Gelegenheit, sich zum Konzept zu äussern. Sie würdigten es insgesamt positiv. Die ilz machte besonders auf die Bedeutung von Einführungsmassnahmen auf interkantonaler Ebene aufmerksam. Die PH Zürich und die ZAL bekräftigten ihre im Rahmenkonzept vorgesehene Bedeutung als Partner für die Lehrmitteleinführung und betonten die Bedeutung von inhaltlich-didaktischen und unterrichtlichen Aspekten bei der Einführung.

Das Rahmenkonzept wurde in Absprache mit dem Volksschulamt entsprechend der verschiedenen Stellungnahmen überarbeitet. Dabei wurden alle Punkte berücksichtigt, die dem Auftrag gemäss der neuen Lehrmittelpolitik entsprachen. Die KLK behandelte das Konzept an ihrer Sitzung vom 2. Dezember 2014. Sie würdigte das Rahmenkonzept positiv und empfahl es zur Vorlage an den Bildungsrat.

Die KLK betonte, dass die Abstimmung von Produktbezogener Einführung und darüber hinausgehender Qualifikation zwischen dem Lehrmittelverlag und dem Volksschulamt zentral ist. Wie sich die von der neuen Lehrmittelpolitik vorgegebene Zuweisung der Verantwortung für die Produktbezogene Lehrmitteleinführung an den Lehrmittelverlag und deren Koordination mit den Massnahmen des Volksschulamtes bewährt, soll nach Ansicht der KLK in der Gesamtschau der neuen Lehrmittelpolitik überprüft werden, wenn entsprechende Erfahrungen vorliegen.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Das Konzept «Produktbezogene Lehrmitteleinführung» wird zur Kenntnis genommen.
  • Es gilt als Grundlage für die Einführung neuer obligatorischer Lehrmittel aus dem Lehrmittelverlag Zürich.
  • Die Überprüfung des Konzepts erfolgt im Rahmen der Überprüfung der Lehrmittelpolitik gemäss BRB Nr. 35/2012 in vier Jahren.
  • Publikation des Bildungsratsbeschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet.
  • Mitteilung an alle Schulpflegen; das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, SSD; das Departement Schule und Sport Winterthur, DSS; den Verband Zürcher Schulpräsidien, VZS; den Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich, VSLZH; den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband, ZLV z. H. der Stufenorganisationen; den Vorstand der Lehrpersonenkonferenz, LKV; die Kantonale Elternmitwirkungsorganisation Zürich, KEO; den Verband Zürcher Privatschulen, VZP; den Berufsverband der Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich, SekZH; den Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste, Region Zürich, Lehrberufe, vpod Zürich Lehrberufe; die Pädagogische Hochschule Zürich, PH Zürich; das Institut Unterstrass an der PH Zürich, unterstrass.edu; die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, HfH; die Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Weiterbildung der Lehrpersonen, ZAL; die Interkantonale Lehrmittelzentrale, ilz; die Schweizer Schulen im Ausland mit Patronat des Kantons Zürich; die Bildungsdirektion des Kantons Zürich: Lehrmittelverlag Zürich, Bildungsplanung, Volksschulamt.

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