Volksschule. Standardisierte Erfassung von Schreibkompetenzen. Ergänzung des Stellwerk-Tests durch ein Modul «Textproduktion Deutsch»

Inhaltsverzeichnis

Beschluss Bildungsrat
2010 / 35
Sitzungsdatum
6. Dezember 2010

Ausgangslage

Am 25. Februar 2008 beschloss der Bildungsrat, das Pilotprojekt «Neugestaltung des 9. Schuljahres» (Neugestaltung 3. Sek) ab Schuljahr 2009/10 im Kanton Zürich einzuführen. Im Zusammenhang damit wird ab Schuljahr 2010/11 der computergestützte Leistungstest Stellwerk 8 in den 2. Klassen der Sekundarstufe flächendeckend eingesetzt. Stellwerk ist ein Testsystem, mit dem sich reproduktives Wissen und Können erfassen und schultypenunabhängig beurteilen lässt.

In den Sprachen lassen sich die Kompetenzen in Grammatik und Rechtschreibung sowie im Hörverständnis gut erfassen. Produktive Kompetenzen wie Sprechen und Schreiben können am Computer nicht geprüft werden. Weil im Lehrplan der Sprachunterricht hauptsächlich auf produktive Kompetenzen ausgerichtet ist und das Verfassen eines Textes zu den grundlegenden Zielen der Schule gehört, erhielt das Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich den Auftrag, einen Schreibanlass zur standardisierten Erfassung von Schreibkompetenzen zu entwickeln. Rund 1100 Schülerinnen und Schülern haben im Rahmen des Pilotprojekts ab Schuljahr 2006/07 mit dem neuen Modul «Textproduktion Deutsch» gearbeitet. Auswertung und Beurteilung erfolgten extern. Die Kantone Aargau und St. Gallen haben ebenfalls von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Schülerinnen und Schüler – zusätzlich zum computergestützten Stellwerk-Test – Texte schreiben und extern beurteilen zu lassen.

Aufgrund der positiven Erfahrungen empfahl die bildungsrätliche Kommission Koordination Volksschule – Berufsbildung dem Bildungsrat, den Stellwerk-Test mit dem Modul «Textproduktion Deutsch» zu erweitern. Der Bildungsrat entschied am 12. Januar 2009, den Stellwerk- Test vorläufig ohne das Modul «Textproduktion Deutsch» einzuführen. Eine allfällige Erweiterung könne erst dann erfolgen, wenn ein entsprechender Grundsatzentscheid durch den Bildungsrat vorliege und die Umsetzung geklärt sei.

In der Folge wurde das Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich damit beauftragt, ein Konzept als Diskussionsgrundlage zu erstellen. Die bildungsrätliche Kommission Koordination Volksschule – Berufsbildung hat am 22. Juni 2010 das Konzept vorberaten und einstimmig entschieden, dem Bildungsrat die Erweiterung des Stellwerk-Tests mit dem Modul «Textproduktion Deutsch» zu beantragen.

Erwägungen

Das vorliegende Konzept informiert darüber, welche Schreibkompetenzen das Modul «Textproduktion Deutsch» standardisiert erfasst. Es zeigt, nach welchen Kriterien die Texte der Schülerinnen und Schüler zu korrigieren sind und wie die Durchführung des Moduls im Rahmen des Stellwerk-Tests organisiert werden kann.

Das Modul «Textproduktion Deutsch» erfasst die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, Texte adressatengerecht zu formulieren und je nach Zielsetzung präzise zu informieren, überzeugend zu argumentieren oder Sprache ansprechend und kreativ einzusetzen. Die Texte werden extern anhand eines Kriterienrasters korrigiert und einer Qualitätskontrolle unterworfen. Nach der Korrektur werden die Ergebnisse in der Datenbank von Stellwerk erfasst, sodass die Beurteilung von der Lehrperson im Stellwerk-Zertifikat ausgedruckt werden kann. Wie bei den Stellwerk-Testergebnissen kann der Gesamtwert «Textproduktion Deutsch» mit einer Interpretationshilfe verdeutlicht werden. Die Kompetenzbeschreibungen zeigen auf, über welche Schreibkompetenzen eine Schülerinnen oder ein Schüler verfügt.

Die Durchführung des Moduls muss zu einem fixen Zeitpunkt erfolgen um sicherzustellen, dass die Textaufträge den Schülerinnen und Schüler nicht zum Voraus bekannt sind. Damit die Ergebnisse des Moduls bereits zu Beginn der Stellwerk-Testphase ab anfangs Februar zur Verfügung stehen, sollte das Modul anfangs Dezember des Vorjahres durchgeführt werden.

Die Lehrpersonen in den Pilotschulen und in der bildungsrätlichen Kommission Volksschule - Berufsbildung beurteilen das neue Modul «Textproduktion Deutsch» positiv. Dies zeigt den Wunsch der Lehrpersonen auf, das individuelle Kompetenzprofil der Schülerinnen und Schüler um eine grundlegende und wichtige Kompetenz zu erweitern. Die standardisierte externe Auswertung gewährleistet eine objektivierte Beurteilung und entlastet die Lehrpersonen von den Korrekturarbeiten. Die Testphase hat zudem gezeigt, dass sich die Durchführung des Moduls positiv auf den Unterricht auswirkt, indem mehr Texte geschrieben werden.

Mit dem Einsatz des Stellwerk-Tests in der 2. Sekundarklasse erwachsen den Schulgemeinden gemäss Bildungsratsbeschluss vom 25. Februar 2008 Kosten im Rahmen von Fr. 35.- (fünf Module à Fr. 7.-) pro Schülerin und Schüler. Aufgrund der Erfahrungswerte in der Versuchsphase ergeben sich durch die externen Korrektur- und Auswertungsarbeiten des Moduls «Textproduktion Deutsch» Mehrkosten im Rahmen von ein bis zwei Modulen.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Der Stellwerk-Test wird mit dem Modul «Textproduktion Deutsch» erweitert.
  • Die Umsetzung erfolgt ab Schuljahr 2012/13.
  • Publikation des Bildungsratsbeschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet.
  • Mitteilung an die Schulpflegen (215), den Verband Zürcher Schulpräsidentinnen und Schulpräsidenten (VZS), das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, das De-partement Schule und Sport der Stadt Winterthur, den Vorstand der Lehrpersonenkonferenz der Volksschule (3), die Vereinigung der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich (VSLZH), den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV), die Lehrkräfte Zürcher Sekundarstufe I (LZS), den Verein Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich (SekZH), den Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), Sektion Lehrberufe, die Schulleiterkonferenz der Berufsfachschulen (BFS), die Lehrpersonenkonferenz der Berufsfachschulen (LKB), den Mittelschullehrerverband (MVZ), die Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen (LKM), die Vereinigung der Elternorganisationen im Kanton Zürich (vez), Schule & Elternhaus (S&E), die Vereinigung Zürcherischer Arbeitgeberorganisationen (VZA), der Kantonale Gewerbeverband (KGV), das Rektorat der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH), das Rektorat der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) und die Bildungsdirektion: Volksschulamt (3), Amt für Jugend und Berufsberatung (3), Mittelschul- und Berufsbildungsamt (3), Lehrmittelverlag (3), das Generalsekretariat, Bildungsplanung (3) und die Fachstelle für Schulbeurteilung (FSB).

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