Berufszuteilung 2010 Berufsfachschulen, Vernehmlassung

Inhaltsverzeichnis

Beschluss Bildungsrat
2010 / 12
Sitzungsdatum
22. März 2010

Ausgangslage

Für die Festlegung der Berufszuteilung ist gemäss § 3 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Berufsbildungsgesetz vom 14. Januar 2008 (EG BBG) der Bildungsrat zuständig. Somit steuert der Bildungsrat auch die Grösse der Schulen und die Schulorte der einzelnen Berufe innerhalb des Kantons. Letzteres spielt insbesondere dort eine Rolle, wo ein Beruf an mehreren Standorten unterrichtet wird. Die Zuteilung von Berufen hat jedoch nicht nur schulorganisatorische sondern vor allem auch finanzielle Auswirkungen. Mit Beschluss vom 12. Juni 2001 hat der Bildungsrat letztmals die Berufszuteilung der Berufsfachschulen einschliesslich Berufsmaturitätsschulen neu festgelegt. Bis 2004 wurden diese Beschlüsse weitgehend umgesetzt.

Seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Berufsbildung vom 13. Dezember 2002 (BBG) am 1. April 2004 befindet sich die Berufsbildung in einem Erneuerungsprozess. Die Berufsbildung soll auf die raschen Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren können, was auch Auswirkungen auf die Schulen und die Berufszuteilung hat. Gute Voraussetzungen dafür sind gegeben, wenn eine Berufsfachschule ein «Kompetenzzentrum» ist, welches sich auf wenige Berufsfelder spezialisiert hat, sowohl im Lehrkörper als auch in der Infrastruktur. Die Dynamik in der Berufsbildung zeigt sich auch bei der Umsetzung der neuen Bildungsverordnungen, welche in den Berufsfachschulen geleistet werden muss: Bis 2009 sind es 95, bis 2013 folgen weitere 116. Auf die Berufszuteilung hat auch die Gesamtzahl der Lernenden einen Einfluss. Der Kanton Zürich muss zwar gemäss demographischen Prognosen des Bundesamtes für Statistik (BfS) ab 2009 auf der Sekundarstufe II bis ins Jahr 2018 mit einem leichten Anstieg der Lernenden rechnen. Aber für alle Nachbarkantone wird von einem Rückgang um rund 20 % ausgegangen, was aufgrund der erhöhten Mobilität in der Berufsbildung auch Auswirkungen auf den Lehrstellenmarkt im Kanton Zürich haben wird.

Ziele der Berufszuteilung 2010

Wirtschaftliche und demographische Entwicklungen haben Einfluss auf einzelne Berufe und die Anzahl Lernender in den Berufen. Deshalb ist die Zuteilung der Berufe auf die Berufsfachschulen von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Dabei sollen die Berufsfachschulen des Kantons Zürich als Ganzes und jede Schule einzeln für die künftigen Herausforderungen gerüstet sein. Dazu gehören die wirtschaftliche und demographische Entwicklung, die Trends in den einzelnen Branchen und Berufen bezüglich Ausbildungsmodelle, die neuen Lehr- und Lernformen, die knappen finanziellen Mittel und die effiziente Nutzung der Infrastruktur. Zu diesem Zweck ist die Grösse der Schulen zu überprüfen und wo nötig zu optimieren. Die Anzahl Standorte pro Beruf ist zu beurteilen und wo nötig zu reduzieren. Ferner sind die Zuweisungen von Lernenden an andere Kantone und die Übernahme von Lernenden aus anderen Kantonen zu überprüfen.

Vorgehen

Die Bildungsdirektion hat im Mai 2009 das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) mit einem Projekt «Berufszuteilung 2010 Berufsfachschulen» beauftragt, Vorschläge zur Optimierung der Berufszuteilung zu erarbeiten. Der Projektleitung wurde eine Begleitgruppe beigegeben, welche aus Vertretungen der Schulkommissionspräsidenten, der Schulleitungen, Lehrervertretern und Vertretern der Organisationen der Arbeitswelt bestand.

Für die Analyse wurden 2009 die Anzahl Lernender in den einzelnen Berufen, Klassen und Lehrpersonen an den jeweiligen Schulen erfasst. Diese Zahlen wurden durch die Schulen überprüft. Sämtliche Berufsfachschulen wurden eingeladen, Fragen zu ihrer zukünftigen strategischen Entwicklung zu beantworten. Die Mehrheit der Schulen will ihr bestehendes Angebot halten. Fünf kleine Schulen fordern mehr Lernende bzw. mehr Lehrgänge. Es sind dies das Berufsbildungszentrum Dietikon, die Berufsschule Bülach, die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Uster, die Kaufmännische Berufsschule Uster und die Wirtschaftsschule KV Wetzikon. Weiter wurden frühere Anträge ins Projekt miteinbezogen. Das Projektteam hat weiter auch die Berufsmaturität und die medizinischen Assistenzberufe untersucht. Zusätzlich wurden zwei externe Berichte erstellt: «Grösse einer Berufsfachschule als Kompetenzzentrum im Kanton Zürich» (Prof. Dr. Philipp Gonon, Désirée Anja Jäger, Universität Zürich) und «Zuweisungen von Lernenden an andere Kantone, Übernahme von Lernenden anderer Kantone» (Dr. Werner Kolb, Testudo Bildungsprojekte GmbH).

Ergebnisse

Kompetenzzentren: An den Berufsfachschulen des Kantons Zürich werden über 200 Berufe ausgebildet. Dem Konzept von «Kompetenzzentren» - d.h. auf wenige Berufsfelder spezialisierte Schulen, wie dies z.B. bei den Kaufleuten, im Detailhandel oder in der Gesundheit und der Landwirtschaft umgesetzt ist - sind mit 28 Schulen Grenzen gesetzt. Wo machbar und von den Verbänden mitgetragen, hat der Bildungsrat dies bereits im Jahr 2001 beschlossen.

Die Auswertung der Lernendenzahlen pro Beruf/Branche im Jahr 2009 zeigt, dass die Zuteilung der Berufe bereits in Richtung «Kompetenzzentren» wirkt.

Die Analyse hat gezeigt, dass die aktuelle Berufszuteilung in den meisten Berufen noch den Anforderungen entspricht. Viele Berufe sind bereits heute auf wenige Schulstandorte verteilt, was die Entwicklung von «Kompetenzzentren» fördert. Der hauptsächliche Handlungsbedarf besteht in den Branchen Elektronik, Informatik und Maschinenbau: Im Maschinenbau (Polymechanik und Konstruktion) und in der Informatik sollte mindestens ein Schulort, in der Elektronik sollte einer der beiden Schulorte aufgehoben werden.

Auch im Bereich der Berufsmaturität soll das Konzept von «Kompetenzzentren» weiter umgesetzt werden. Dieser Ansatz gewinnt an Bedeutung, weil davon auszugehen ist, dass die Schulen mit Berufsmaturität ab 2014 zur Umsetzung der neuen Berufsmaturitätsverordnung eine Mindestgrösse erreichen müssen. Von der Zuteilung weiterer Berufsmaturitätsprofile an kleine Berufsfachschulen zulasten der bestehenden Berufsmaturitätsstandorte ist deshalb zu verzichten.

Infrastruktur: Die Reduktion der Anzahl Standorte pro Beruf ermöglicht eine Optimierung der Klassenbestände und damit eine effizientere Nutzung der Räume. Im Gebiet der Stadt Zürich wird von der Realisierung der Berufsbildungsmeile, die mit dem Bezug des Toni-Areals durch die Hochschule der Künste starten kann, eine Verbesserung erwartet. Handlungsvarianten dazu werden derzeit im vom MBA extern in Auftrag gegebenen «Masterplan 2010 der Mittelschul- und Berufsbildungsbauten des Kantons Zürich» (Masterplan) entwickelt, welcher jedoch langfristig ausgerichtet sein wird.

Schulgrössen: Der Bericht von Prof. Dr. Philipp Gonon empfiehlt eine Richtgrösse von 1200 bis 3200 Lernenden zuzüglich einer individuellen Beurteilung jeder Schule anhand von Kriterien. Hauptkriterien sind eine stabile Fachschaft pro Beruf – was auch für «Kompetenzzentren» spricht – eine optimale räumliche und organisatorische Gliederung sowie vier oder mehr Parallelklassen pro Beruf. Diesen Ansprüchen genügen lediglich folgende drei Berufsfachschulen nicht: Gewerblich-Industrielle Berufsschule Uster, Kaufmännische Berufsschule Uster und Wirtschaftsschule KV Wetzikon.

Kantonsübergreifender Austausch: Die Austauschverhältnisse von Lernenden beruhen auf bilateralen Vereinbarungen und sind sehr häufig Einzelfallregelungen. Es besteht wenig Handlungsspielraum. Es kann davon ausgegangen werden, dass für den Kanton Zürich aus dem Austausch derzeit Nettoeinnahmen resultieren.

Medizinische Assistenzberufe: Die Ausbildungen der Berufe Medizinische Praxisassistent/in, Tiermedizinische Praxisassistent/in und Dentalassistent/in erfolgen an Privatschulen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Ärztegesellschaften. Dabei sind der Berufsfachschulunterricht und die überbetrieblichen Kurse in der Regel verzahnt. Die Frage einer zukünftig allenfalls veränderten Trägerschaft soll zu einem späteren Zeitpunkt in einem separaten Projekt bearbeitet werden, da sich der aktuelle Zustand als sehr kompliziert erweist und sich die privaten Träger aktuell neu formieren.

Berufsschulsport: Für den Berufsschulsport zeichnet sich bereits eine Verbesserung durch die Bauprojekte in Winterthur und Horgen ab. Es fehlen gemäss der Erhebung immer noch mehrere Hallen. Diesbezüglich sind die Ergebnisse des Masterplans abzuwarten.

Szenarien

Die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Uster ist bezüglich Anzahl Lernender die kleinste staatliche Berufsfachschule im Kanton Zürich, an der ausschliesslich berufliche Grundbildungen unterrichtet werden, bei welchen zu viele Standorte bestehen: Elektroniker, Informatiker und Automatiker. Die Lernenden der Berufe Polymechaniker und Konstrukteur sind in den Profilen G, E und BM zwar in der Statistik der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster aufgeführt, werden aber an der Berufsschule Rüti unterrichtet. Nur die Administration wird von der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster wahrgenommen.

Das Szenario A schlägt die Aufhebung der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster vor. Gemäss § 2 Abs. 2 des EG BBG beschliesst der Kantonsrat über die Aufhebung der Gewerblich- Industriellen Berufsschule Uster. Mit der Aufhebung bzw. Umnutzung der Gewerblich- Industriellen Berufsschule Uster können entscheidende Probleme gelöst werden:

  • Informatik und Elektronik: Die Anzahl der Standorte in den Berufen Informatik und Elektronik wird reduziert. Die Informatik-Lernenden der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster können auf die bestehenden Informatikabteilungen der Berufsbildungsschule Winterthur, der Technischen Berufsschule Zürich und des Bildungszentrums Zürichsee aufgeteilt werden. Die Auslastung der bestehenden Schulräume an den aufnehmenden Schulen kann damit entscheidend verbessert und die Klassenbildung optimiert werden.
  • Maschinenbau: Nebst Uster bilden die Berufsschule Bülach, das Berufsbildungszentrum Dietikon, die Berufsschule Rüti und die Berufsbildungsschule Winterthur im Maschinenbau aus. Das Berufsbildungszentrum Dietikon und die Berufsschule Bülach stossen an ihre räumlichen Grenzen und könnten höchstens die Klassenbestände optimieren. Die Berufsbildungsschule Winterthur ist mit fast 5’000 Lernenden bereits sehr gross. Als neuer Ausbildungsstandort kommt die Berufsschule Rüti in Frage, wodurch ein Zürcher Oberländer Ausbildungsstandort im Maschinenbau gestärkt werden kann.
  • Kaufleute: Die frei werdenden Räume in Uster können für eine neue «Kaufmännische Berufsfachschule Zürcher Oberland» genutzt werden, die aus den beiden bestehenden kaufmännischen Schulen in Wetzikon und Uster hervorgehen würde. Dadurch könnte in Wetzikon auf einen Erweiterungsbau für die Gewerbliche Berufsschule verzichtet und ein Betrag von mehreren Millionen Franken eingespart werden.
  • Berufsmaturität: Die Lernenden in der Berufsmaturität von Uster können der Berufsmaturitätsschule Zürich und der Berufsmaturitäts-Abteilung der Berufsbildungsschule Winterthur zugewiesen werden. Die von der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster administrierte Berufsmaturitäts-Filiale an der Berufsschule Rüti würde aufgehoben.

Das Szenario B sieht die Stärkung der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Uster durch Zuweisung aller Elektroniker der Technischen Berufsschule Zürich und der ganzen Abteilung Informatik der Berufsbildungsschule Winterthur vor. Das Problem der zu vielen Standorte im Bereich Maschinenbau wird allerdings nicht gelöst und die Option einer neuen Kaufmännischen Berufsfachschule Zürcher Oberland lässt sich nicht realisieren. Weiter wird die räumliche Auslastung der Technischen Berufsschule Zürich tiefer. In Uster muss voraussichtlich zusätzlicher Schulraum geschaffen werden. Allerdings kann das Mietobjekt Pionierpark der Berufsbildungsschule Winterthur aufgegeben werden.

Detailhandel: Unabhängig von den beiden Szenarien wird die Verschiebung von Klassen der Berufsschule für Detailhandel Zürich, welche aktuell acht Klassenzimmer in Zürich zumieten muss, an das Bildungszentrum Zürichsee in Horgen vorgeschlagen.

Vernehmlassung

Der Projektbericht wird zur Vernehmlassung freigegeben. Das MBA wird mit der Auswertung der Vernehmlassungsantworten und der Vorbereitung einer Entscheidvorlage beauftragt.

Antrag

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:

  • Der Bildungsrat nimmt den Bericht «Berufszuteilung 2010 Berufsfachschulen» zur Kenntnis.
  • Die Bildungsdirektion wird beauftragt, zum Bericht «Berufszuteilung 2010 Berufsfachschulen» eine Vernehmlassung durchzuführen.
  • Mitteilung an die Bildungsdirektion.

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