News GS Bezirke Hinwil, Meilen, Pfäffikon, Uster – 1/2020

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Wir sind spät dran mit dem ersten Newsletter in diesem Jahr. Die Coronakrise stellt unser Leben zurzeit auf den Kopf. So manche Planung mussten wir umstellen, weil wir in Windeseile in den Krisenmodus gewechselt haben. In dieser ausserordentlichen Situation sind wir nach wie vor für die Familien da. Zum Beispiel für Jugendliche, die sich mitten in der Berufswahl befinden, und von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der biz tatkräftig unterstützt werden. Auf der Plattform «fürs Leben gut» bieten unsere kjz-Expertinnen und Experten Anregungen für ein gesundes Familienleben in Zeiten von Corona an. Lesen Sie mehr über die Unterstützungsleistungen unserer kjz und biz in diesem Newsletter.

Weiter informieren wir Sie gerne über das Projekt Doing Family, welches im März erfolgreich abgeschlossen wurde.

Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen und vor allem gute Gesundheit!

Sagen Sie uns Ihre Meinung, sei es zu diesem Newsletter oder unserer Arbeit im Allgemeinen. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Katja Bluntschli

Geschäftsführerin

katja.bluntschli@ajb.zh.ch
+41 43 259 80 00

Katja Bluntschli, Geschäftsführerin GS Hinwil, Meilen, Pfäffikon, Uster, AJB

Berufsberatung geht neue Wege

Die Corona-Pandemie zwingt die Berufsberatung dazu, die Infotheken der biz zu schliessen, auf Präsenzberatungen zu verzichten und Veranstaltungen abzusagen. Ein herber Schlag, könnte man meinen. Doch Not macht erfinderisch. In kürzester Zeit erfinden sich die biz virtuell neu und gehen im digitalen Raum neue Wege. Die Berufsberatung ist uneingeschränkt für Jugendliche da, die in der Ausbildungswahl sowie während der Suche nach einer Anschlusslösung auf Hilfe angewiesen sind. Information, Beratung und Unterstützung finden derzeit vor allem online statt.

Seit Anfang Schuljahr orientieren sich alle Zürcher Sekundarklassen über das neue Berufswahl-Portal. Das desktoptaugliche Portal ist das zentrale Arbeitsinstrument für den gelingenden Übergang von der Volksschule in die Erstausbildung. Es entspricht dem Informationsverhalten und den Nutzungsansprüchen der Jugendlichen. Mit einem übersichtlichen Fahrplan zu den Schritten der Berufswahl, mit multimedialen Berufsbeschreibungen, Infos zu Mittelschulen, einer intuitiv gefilterten Suche von Berufsbesichtigungen, Schnupperangeboten und Lehrstellen erhalten Jugendliche alles Relevante aus einer Hand. Durch personalisierte Profile können in Kürze weitere Vorteile genutzt werden.

Das Coronavirus hat diese Entwicklungen weiter vorangetrieben. Nun ist es auch möglich, dass sich Jugendliche via Chat anonym mit der Berufsberatung austauschen. Für eine rasche Information oder Auskunft ist dieser zusätzliche Kanal beliebt.

Einblick in die Berufswelt auch ohne Schnuppern

Für einen guten Berufswahlentscheid sind eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und Stärken sowie Einblicke in die Berufswelt unerlässlich. Schnuppern ist derzeit fast unmöglich. Es gibt jedoch Alternativen. Einerseits können sich Jugendliche durch Filme ein gutes Bild der jeweiligen Arbeitssituationen verschaffen. Andererseits präsentieren Berufsverbände ihre Branchen auf Websites. Einige Lehrbetriebe ermöglichen auch virtuelle Berufseinblicke, indem Lernenden per Video-Stream über die Schulter geschaut oder mit Berufsbildnern gesprochen werden kann. Somit wird die Atmosphäre im jeweiligen Beruf erlebbar. Die Berufsberatung setzt zudem diagnostische Instrumente wie Interessen- und Neigungstests ein, welche die Jugendlichen online bearbeiten und anschliessend mit dem Berufsberatenden besprechen können.

Veranstaltungen neu als Webinare

Eine Reihe von im Berufswahlprozess wichtigen Veranstaltungen wird von den biz als Webinare angeboten. Jugendliche können sich so online über Eignungstests für die Lehrstellensuche, das Bewerbungsverfahren oder Anschlusslösungen informieren, falls sie keine Lehrstelle gefunden haben.

Berufsberatende der biz stehen den Jugendlichen wie bis anhin zur Seite. Bei vielen Jugendlichen herrscht zurzeit eine gewisse Unsicherheit, weshalb eine Beratung zu ihren konkreten nächsten Berufswahl-Schritten noch wichtiger ist. Beratungen finden per Telefon, E-Mail oder als Video-Konferenz statt.

Homeoffice in der Krachmacherstrasse

Katze Josephine schnurrt genüsslich und streicht um den Esszimmertisch. «Zeit für meine Streicheleinheiten», heisst das. Arme Josephine! Sie kann ja nicht wissen, dass sie mitten in eine Büro-Sitzung hereinplatzt. Und nicht nur das. Die Bürositzung ist gleichzeitig auch Kinderkrippe und Aufgabenhilfe, seit wegen dem Coronavirus Schulen, Kindergärten und Horte geschlossen sind.

Aus diesem Grund ist Mama am Esstisch gerade in einer Telefonkonferenz mit ihren Arbeitskollegen. Keine einfache Sache. Weil der 4-jährige Vincent sie ständig am Pullover zupft und lautstark wiederholt: «Ich will Schokolade, Ich will Schokolade!» Gleichzeitig versucht die 9-jährige Adina, ihre Schulaufgaben zu lösen. «Psssst!», herrscht Adina den kleinen Bruder an. «Kinder, lasst mich in Ruhe telefonieren», bittet die Mutter. Die Anspannung steigt merklich. Doch anstatt stiller wird es im Zimmer immer lauter. Auch Katze Josephine verzieht sich lieber nach draussen.

Alles findet in den eigenen vier Wänden statt

So wie Adinas und Vincents Familie geht es zur Zeit rund 800 000 Schweizer Familien. Betreuung, Bildung und Berufsalltag finden wegen des Coronavirus in den eigenen vier Wänden statt. Und das meist gleichzeitig. Der ungewohnte Zustand ist für die allermeisten Mütter und Väter eine Herausforderung – und für einige auch eine Überforderung. Neben der allgemeinen Verunsicherung durch das Virus beschäftigen sie auch praktische Fragen: Wie bringe ich Struktur in unseren Tag? Womit beschäftige ich die Kinder, wenn sie wochenlang zu Hause bleiben müssen? Wie gelingt es, in Ruhe zu telefonieren, während im Hintergrund die Kinder herumtoben?

«Ich komme mir vor wie bei den Kindern aus der Krachmacherstrasse», erzählt eine dreifache Mutter: «Je mehr ich auf einen ruhigen Augenblick warte, um konzentriert arbeiten zu können, desto überdrehter werden meine Kinder. Es ist, als ob sie ahnen, dass ich auf ihr Stillsein warte!»

Kinder spüren die Anspannung der Eltern

Tatsächlich. Kinder sind wie Seismografen, sie spüren oft viel schneller als die Eltern, wenn diese unter Anspannung stehen, sind sich Erziehungswissenschaftler und Psychologen einig. Die plötzliche Änderung ihren vertrauten Alltagsstrukturen, lösen bei den Kindern grosse Verunsicherungen hervor. Sie reagieren entsprechend heftig auf Irritationen.

«Ich bin am Anschlag! Nach der Pandemie werde ich einen Therapeuten brauchen», postet ein Vater auf Social Media. Auch wenn vier Smileys den Post begleiten: Es steckt auch ein wahrer Kern drin. Deshalb plädieren Erziehungswissenschaftlerinnen dafür, die Ansprüche zu senken und auch mit sich selber nicht zu hart ins Gericht zu gehen. Es sei völlig normal, dass in einer solchen Situation die eigenen Grenzen schneller erreicht sind und einem auch nicht alles gelingt. Eltern wie Kinder bräuchten Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Durchaus auch positive Seiten

Lea Keller, Leiterin des Kinder- und Jugendhilfezentrum (kjz) Meilen erfährt erfreulicherweise auch viel Positives in dieser aussergewöhnlichen Zeit: «Das Zusammenleben in einigen Familien hat sich durch neue Konstellationen wie vermehrtes Homeoffice oder weniger familienergänzende Betreuung merklich entspannt. Bisherige Konflikte scheinen sich durch mehr Präsenz zuhause zu entschärfen.» Jede Familie geht sehr individuell mit der neuen Situation um.

Angebote der kjz

Wenn es mal drunter und drüber geht und einem doch einmal alles zu viel wird, dann sind die Fachpersonen, wie z. B. die Erziehungsberaterinnen und Erziehungsberater in den Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) für die Eltern da. Sie sind telefonisch erreichbar und nehmen sich den Anliegen und Fragen der Mütter und Väter an: www.kjz.zh.ch.

Doing Family – für eine umfassende Familienpolitik

Was ist eigentlich Familie? Welche Rahmenbedingungen benötigen Familien um die Lebens- und Erwerbsformen zu realisieren, die ihren Bedürfnissen entsprechen? Das hat das Projekt Doing Family untersucht und kürzlich in einem Bericht veröffentlicht.

We are family! Ob man nun wie im Songtext «alle seine Schwestern» um sich hat, oder statt dessen Brüder, Patchwork-Geschwister und ... und … Denn heute gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, «Familie» zu leben. Häufige Familientypen in der Schweiz sind beispielsweise bürgerliche Kleinfamilien, Eineltern-Familien, Patchwork-Familien, Mehrgenerationen-Familien, Regenbogen-Familien und multilokal lebende Familien. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Gesetze und Rahmenbedingungen anpassen können, um mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten.

Forschungsarbeit

Der Bericht fasst die Erkenntnisse aus drei Studien zusammen. Diese wurden im Rahmen des Projekts in Auftrag gegeben und untersuchten die folgenden Schwerpunkte:

  • Was ist Familie und wie hat sich das Bild von Familie in der Schweiz im Laufe der Zeit verändert: Die Entstehung von Familienbildern in der Schweiz (Universität Basel)
  • Was leistet Familie: Die betriebswirtschaftliche Leistung einer Familie (ZHAW)
  • Was leistet der Staat für Familien: Die Unterstützungsleistungen der öffentlichen Hand (INFRAS)

Handlungsempfehlungen

Im Bericht werden insgesamt fünf Handlungsfelder definiert. Zu jedem Bereich sind konkrete Handlungsempfehlungen formuliert und mit «good practice»-Beispielen ergänzt. Diese stehen auch online zur Verfügung. Einige Beispiele:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: «Bedarfsorientierte familien- und schulergänzende Betreuungsstrukturen, die von Schule und Betreuungseinrichtungen gemeinsam entwickelt werden.»
  • Finanzielle Unterstützungen: «Interkantonale Vorgaben bezüglich finanzieller Unterstützungsleistungen des Staates für Familien.»
  • «Vermehrte Bildung und Sensibilisierung der gesamten Bevölkerung bezüglich Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen.»

«Familie ist eine wunderbare Vielfalt an Lebensformen. Nun sollten wir noch den Mut haben, diese Vielfalt zu unterstützen.»

Eusebius Spescha, Lic. phil. Betriebspsychologe

Das Projekt «Doing Family»

«Doing Family» ist ein Ansatz aus der Familiensoziologie. Der Kerngedanke ist, dass Familie nicht einfach gegeben ist, sondern immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Das Projekt wurde von der Metropolitankonferenz Zürich und dem Amt für Jugend und Berufsberatung mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Rahmenbedingungen für Familien in der Schweiz zu verbessern.

Für weitere Fragen

Wenden Sie sich bitte an die Projektleiterin Sarah Büchel.

Kontakt

Amt für Jugend und Berufsberatung – Geschäftstelle der Bezirke Hinwil, Meilen, Pfäffikon, Uster

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Adresse

Postfach 1299
Guyer-Zeller-Strasse 6
8620 Wetzikon
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