Wirtschaftsmonitoring September 2026: KI-Effekte auf Arbeitsmarkt und Produktivität

Wie verändert Künstliche Intelligenz (KI) die Zürcher Wirtschaft? Das Wirtschaftsmonitoring liefert erste Indizien dafür, dass KI im Zürcher Arbeitsmarkt bereits Spuren hinterlässt, und zeigt auf, welche Effekte KI potenziell auf die Arbeitsproduktivität hat.

Wie wirkt KI auf Arbeitsmarkt und Produktivität? 

Künstliche Intelligenz (KI) ist die treibende Technologie unserer Zeit und verändert rasant, wie wir arbeiten, forschen und wirtschaften. Eine Modellrechnung für den Kanton Zürich zeigt, dass KI die Arbeitsproduktivität in den nächsten zehn Jahren um potenziell 1,1 % pro Jahr zusätzlich steigern könnte. Angesichts des demografischen Wandels und dem damit verbundenen Arbeitskräftemangel bietet KI somit eine grosse Chance. Gleichzeitig sind im Zürcher Arbeitsmarkt bereits erste Spuren sichtbar: Die Zahl der Stellensuchenden ist in stark KI-exponierten Berufen deutlich stärker gestiegen als in weniger exponierten Berufen. Ob KI die Ursache dieser Entwicklungen ist oder nur einer von mehreren zusammenwirkenden Treibern, bleibt offen.

Zürcher Wirtschaftsmonitoring September 2026

Zürcher Wirtschaftsmonitoring September 2026
Zürcher Wirtschaftsmonitoring September 2026
Herausgeber/in
Amt für Wirtschaft, Kanton Zürich
Autor/in
Fachstelle Wirtschaftspolitik

KI-Effekte auf den Arbeitsmarkt

Berufe sind unterschiedlich stark KI-exponiert. Das heisst, ihre Tätigkeiten könnten in unterschiedlichem Mass effizienter durch KI als durch einen Menschen erledigt werden. Besonders exponiert sind Berufe mit einem hohen Anteil an Schreib- und Programmierarbeit.

Untersucht man den Zürcher Arbeitsmarkt durch die Brille der KI-Exponiertheit, sind bereits erste Indizien für KI-Effekte erkennbar. Seit Herbst 2022 ist die Zahl der Stellensuchenden in Berufen, die stärker KI-exponiert sind, deutlich stärker gewachsen als in weniger KI-exponierten Berufen. Gleichzeitig ist die Beschäftigung in jenen Berufsgruppen überdurchschnittlich gewachsen, in denen KI Beschäftigte stärker bei der Arbeit unterstützen kann, anstatt Aufgaben zu übernehmen. Dies zeigen Auswertungen des Amts für Arbeit.

Ob KI die Ursache dieser Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt ist, bleibt offen. So können etwa auch der Konjunkturverlauf, Entwicklungen in einzelnen Branchen oder das Bildungsniveau bei der Erklärung des beobachteten Musters eine Rolle spielen.
 

KI-Exponiertheit verschiedener Berufe

De Grafik zeigt ein Liniendiagramm: Index der Stellensuchenden (Okt 2022=100) nach KI-Exponiertheit, Jan 2018–Jun 2026, Kanton Zürich. Alle drei Gruppen (hoch, mittel, tief) verlaufen bis 2022 ähnlich. Seit der ChatGPT-Einführung im November 2022 (markiert durch vertikale Linie) steigt die Gruppe mit hoher KI-Exponiertheit deutlich überproportional auf über 220, während die Gruppe mit tiefer Exponiertheit nur moderat auf rund 130 steigt.
Seit Herbst 2022 nahm die Zahl der Stellensuchenden in Berufen mit erhöhter KI-Exponiertheit überproportional zu. Quelle: AWI

Potenzielle KI-Effekte auf die Arbeitsproduktivität

Wenn mit KI gewisse berufliche Tätigkeiten effizienter erledigt werden können, wirkt sich das auch auf die Arbeitsproduktivität aus. Um diesen Effekt zu schätzen, sind verschiedene Annahmen nötig, die mit Unsicherheiten behaftet sind. Deshalb wurden für die Prognosen drei Szenarien verwendet: ein tiefes, ein mittleres und ein hohes.

Gemäss diesen Szenarien kann KI alleine in den nächsten zehn Jahren im Kanton Zürich zu einem Wachstum der Arbeitsproduktivität um 0,1 % (tief) bis 3,6 % (hoch) pro Jahr führen. Im mittleren Szenario liegt das zusätzliche Wachstum durch KI bei 1,1 % pro Jahr.

Das erscheint auf den ersten Blick bescheiden. Es entspricht aber bereits mehr als dem Doppelten des realen Produktivitätswachstums der letzten 25 Jahre, das im Kanton Zürich durchschnittlich 0,5 % pro Jahr betrug. Vergleicht man diesen KI-Effekt mit anderen Prognosen, so liegt das potenzielle Wachstum der Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich mit 1,1%. Das ist im Rahmen der internationalen Schätzungen für andere Volkswirtschaften.
 

Potenzielles Wachstum der Arbeitsproduktivität

Die Grafik zeigt ei nBalkendiagramm: Prognostizierter jährlicher Anstieg der Arbeitsproduktivität durch KI, internationale Schätzungen im Vergleich. Global 3,4%, verschiedene USA-Schätzungen zwischen 0,1% und 2,6%, UK 1,5%, Frankreich 1,4%, Kanton Zürich 1,1% (mittleres Szenario, hervorgehoben), OECD 1,0%, Eurozone 0,5%. Kanton Zürich liegt im mittleren Bereich der internationalen Schätzungen.
Mit 1,1 % pro Jahr liegt das potenzielle Wachstum der Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich im Rahmen der internationalen Schätzungen für andere Volkswirtschaften.

Implementierung von KI

Das produktivitätssteigernde Potenzial von KI stellt für den Kanton Zürich eine Chance dar. Damit es sich aber tatsächlich realisieren lässt, müssen die Zürcher Unternehmen KI auch in der Praxis anwenden.

Eine Umfrage im Auftrag des Amts für Wirtschaft zeigt, dass der Anteil der Unternehmen im Kanton Zürich, die nach eigenen Angaben KI einsetzen, innerhalb zweier Jahre stark gestiegen ist. Heute nutzen 47 % der Zürcher Unternehmen systematisch KI. Vor zwei Jahren waren es noch 27%. Bei Grossunternehmen sind es sogar 83 %, gegenüber 55 % vor zwei Jahren. Bei KMU ist der Einsatz von KI etwas weniger verbreitet als bei Grossunternehmen.
 

Zürcher Unternehmen und deren KI-Nutzung

Die Grafik zeigt zwei gestapelte Balkendiagramme: Anteil Zürcher Unternehmen, die systematisch KI nutzen, nach Unternehmensgrösse, 2024 vs. 2026. Total: 27% (2024) auf 47% (2026) gestiegen. Grossunternehmen: 55% auf 83%. Mittlere Unternehmen: 43% auf 67%. Kleine Unternehmen: 37% auf 64%. Kleinstunternehmen: 25% auf 45%. Nutzung steigt in allen Grössenklassen deutlich, am stärksten bei Grossunternehmen.
Zürcher Unternehmen setzen 2026 deutlich stärker auf KI als noch vor zwei Jahren. Quelle: Amt für Wirtschaft

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