5. Fazit: Empfehlungen und Ausblick
Zwar ist datenbasiertes Monitoring im Brückenwesen noch wenig etabliert, doch sein Nutzen wird immer deutlicher: Von der realistischen Einschätzung der Restlebensdauer bis zur strategischen Portfolio‑Planung ermöglicht es fundiertere Entscheidungen und eine effizientere Bewirtschaftung der Infrastruktur.
Zentrale Erkenntnisse
Datenbasierte Monitoringansätze sind in der Brückeninfrastruktur noch wenig etabliert, bieten aber grosses Potenzial. Kontinuierliche Messdaten ermöglichen es, den Zustand von Brücken präziser einzuschätzen, Risiken früher zu erkennen und die Instandhaltung gezielter zu planen. Damit können Betreiber ihre Infrastruktur sicherer, kostengünstiger und nachhaltiger bewirtschaften. Entscheidend ist, dass datenbasierte Methoden ein konkretes betriebsrelevantes Problem lösen – etwa die Frage beantworten, wie lange eine Brücke realistisch nutzbar bleibt oder wann welche Investitionen erforderlich sind. Die folgenden Punkte fassen die zentralen Erkenntnisse zusammen:
Daten nur erheben, wenn sie einen klaren Mehrwert schaffen
Datengewinnung ist kein Selbstzweck. Betreiber benötigen Informationen, die klare operative Entscheidungen unterstützen:
- Wie lange hält die Brücke im Vergleich zu normbasierten Schätzungen tatsächlich?
- Welche Investitionen müssen in welchem Zeitraum erfolgen (z.B. im Kontext von Leistungsvereinbarungen zwischen den Infrastrukturbetreibern und dem Bundesamt für Verkehr)?
- Gibt es Hinweise auf akute Schäden, die sofortiges Handeln erfordern?
Datenbasierte Verfahren liefern eine objektive Entscheidungsgrundlage, insbesondere dort, wo konservative Modelle zu unnötigen Eingriffen oder vorschnellen Ersatzbauten führen.
Vom Einzelobjekt zum Portfolio: Skalierung als Schlüssel
Der Einsatz datenbasierter Methoden entfaltet seinen grössten Mehrwert, wenn er über Einzelobjekte hinausgeht. Die Überwachung ganzer Brückenportfolios ermöglicht Vergleiche, Priorisierungen und langfristige Investitionsstrategien. Programme wie die nationale Mobilitätsdateninfrastruktur (MODI) des Bundes zeigen darüber hinaus, dass ein nationaler Rahmen für datengestützte Infrastrukturpolitik entsteht. Gleichzeitig müssen Betreiber abwägen, wie viele Daten sie erheben wollen und wie sensibel diese sind. Infrastrukturdaten sind in geopolitisch angespannten Zeiten kritisch, weshalb Schutz- und Governance-Massnahmen zwingend notwendig bleiben.
Kompetenzen gezielt aufbauen und Zusammenarbeit stärken
Damit datenbasierte Monitoringlösungen wirksam sind, müssen Ingenieurbüros und Betreiber mit neuen Methoden umgehen können. Sie brauchen Kompetenzen in Dateninterpretation, Modellvalidierung und digitaler Infrastruktur. Technologie offene Plattformen mit hoher Interoperabilität sind ebenfalls wichtig, um das Datenpotenzial nutzbar zu machen. Der kulturelle Wandel ist ebenso relevant wie der technologische: Offenheit für neue Ansätze sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Innovation im Spannungsfeld von Kosten, Sicherheit und etablierten Verfahren
Im schweizerischen Infrastrukturbereich steht die Sicherheit an erster Stelle. Dies führt dazu, dass konservative Methoden weiterhin dominieren und der Kostendruck begrenzt bleibt. Das kann Innovation verlangsamen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wann ein kontinuierliches Monitoring sinnvoll ist. Bei einer Brücke, die voraussichtlich noch Jahrzehnte hält, wäre es eher unverhältnismässig. Kurz vor dem Ende der Lebensdauer hingegen hilft es, bedeutende Unsicherheiten zu reduzieren und hohe Investitionen zu begründen. Auf Portfolioebene ermöglichen datenbasierte Monitoringansätze eine bessere Planung und eine Priorisierung.
Verzahnung statt Doppelstrukturen
Datenbasierte Monitoringansätze stehen erst am Anfang und sind heute noch kein fester Bestandteil der etablierten, normbasierten Zustandsbeurteilung. Ohne eine frühzeitige Integration besteht jedoch das Risiko, dass parallele Strukturen und damit zusätzliche Kosten entstehen. Langfristig müssen die beiden Verfahren sinnvoll verzahnt werden, sodass die Messdaten die bestehenden Modelle präzisieren, ergänzen oder – wo sie einen höheren Erkenntniswert liefern – schrittweise ersetzen können.
Daten schaffen Handlungsspielräume
Der wesentliche Erkenntnisgewinn aus dem Sandbox-Projekt lautet: Daten schaffen neue Handlungsspielräume. Sie ermöglichen differenziertere Entscheidungen, reduzieren Unsicherheiten und erlauben es Betreibern, ihre Infrastruktur nicht nur zu warten, sondern aktiv zu steuern. Der Ausblick ist klar: Mit wachsender Erfahrung und mehr Kompetenzen, besseren Modellen und interoperablen Systemen wird datenbasiertes Monitoring zu einem wichtigen Bestandteil einer modernen, resilienten und vorausschauenden Infrastrukturwartung.
«Datenbasiertes Monitoring liefert verlässliche Entscheidungsgrundlagen und wird künftig die Planung und Wartung von Infrastrukturen gezielt ergänzen.»
Raphael von Thiessen, Programmleiter KI-Sandbox, Kanton Zürich
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