Gelber Frauenschuh
Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)
Artenbeschrieb
Vegetativer Zustand der Pflanzen
- 30-60cm hoch
- Blätter gross, breitelliptisch-eiförmig, kräftig geadert, zweizeilig, unterseits flaumhaarig
- Stängel grün, behaart
- Verzweigtes Rhizom, bereits im Sommer bilden sich wenig unter der Erdoberfläche Knospen der Triebe des folgenden Jahres
- Triebe einzeln, abgesetzt oder horstig (mit vielen Stängeln)
- Blüte gross, auffällig und unverwechselbar, gelbe Lippe pantoffelförmig, äussere Blütenblätter rotbraun. (Kleine) Pflanzen ohne Blüten werden oft übersehen
- Vegetationszeit: Triebe erscheinen im (März) April/Mai und ziehen je nach Witterungsverlauf ab September bis November ein
- Blütezeit: Mitte Mai bis Ende Juni, Samenreife ab Oktober, Kapseln enthalten Samen oft noch bis Januar oder Februar
Ähnliche Arten
Im blühenden Zustand sind keine ähnlichen Arten vorhanden.
Vegetativ können Blätter verwechselt werden. Beispielsweise mit dem Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine; Blätter spiralförmig angeordnet, siehe Steckbrief) oder Germer (Veratrum album; Blätter spiralförmig angeordnet)
Der Germer
Pflege und Gefährdung
Was hilft der Art?
- Schutz der Fundstellen, wenn nötig auch einzäunen
- Bei Forstarbeiten Pflanzen inkl. Knospen im Boden nicht beschädigen
- Schutz vor Tritt, z.B. beim Fotografieren
- Fruchtstände stehen lassen, bis keine Samen mehr enthalten sind
- Mahd der Krautschicht optimal von November bis Ende Februar
- Reduktion von aufkommenden Konkurrenten, insbesondere Brombeeren, Waldrebe, Sträucher, Grasbestände
- Angrenzende Flächen ohne Frauenschuh oder andere seltenen Arten können am besten im Juni/Juli wirksam gemäht werden
- Auflichten der Waldbestände abgestimmt auf Frauenschuh und den Lebensraum: nicht zu viel und nicht zu wenig Licht
- Förderung geeigneter Baumarten:
- Geeignet: Wald-Föhre, Berg-Föhre
- Teilweise geeignet: Buche (Gefahr zu dichter Laubschicht und Schatten) sowie teilweise Fichte und Esche (soweit zukunftsfähig)
- Nicht geeignet: Eiche (ungeeignetes Laub)
- Pionierwaldbestände fördern
- Pflege von Übergangslebensräumen zwischen Wald und Offenland, z.B. Übergang von Vorkommen in schattigen Magerwiesen oder Waldwiesen
- Die Standorte mit Frauenschuh sind sehr unterschiedlich. Die Pflege ist darauf abzustimmen. Je produktiver der Standort ist, umso wichtiger wird die Bewirtschaftung und auch deren Einfluss auf die Krautschicht. Weniger Bewirtschaftung ist auf extremen Standorten wie im Pfeifengras-Föhrenwald (Waldgesellschaft E&K Nr. 61), Orchideen-Föhrenwald (E&K Nr. 62) oder im Blaugras-Buchenwald (E&K Nr. 16) erforderlich.
- Der Frauenschuh kann auch in weniger naturnahen Waldbeständen (z.B. Fichten) vorkommen. Dort ist die Pflege besonders anspruchsvoll. Anzustreben ist in diesem Fall ein stabiler lichter Fichten-Bestand. Da dies langfristig schwierig zu erreichen ist, sind frühzeitig nach Möglichkeit Wald-Föhren etc. zu fördern. In Folge der Auflichtung entwickeln sich insbesondere Sträucher, Waldreben, Brombeeren, die durch Pflege zu reduzieren sind.
Was gefährdet die Art?
- Bei Forstarbeiten können die Frauenschuh-Pflanzen beschädigt werden, auch im Winter durch das Zerstören der Überdauerungsknospen
- Zu starkes Auflichten fördert unerwünschtes Wachstum von Unterwuchs als Konkurrenten zum Frauenschuh (Gräser, Brombeeren, Waldreben etc.)
- Absterbende Fichtenbestände können das Bestandesklima und die Artenzusammensetzung für den Frauenschuh gravierend verändern (dann sind Sofortmassnahmen erforderlich, z.B. wird dann – zumindest temporär – eine künstliche Beschattung nötig)
Lebensraumansprüche und Vorkommen
- Wechseltrockene, basenreiche (meist kalkreiche), nährstoffarme (aber doch meist humose) Böden in halbschattigen, oft etwas luftfeuchten Lagen.
- In tieferen Lagen benötigt der Frauenschuh mehr Überschirmung, mit zunehmender Höhe wächst er in Folge der grösseren Niederschläge auch auf stärker besonnten bis vollsonnigen Stellen.
- In Biotopen mit geringer Konkurrenz in der Kraut- und Wurzelschicht
- Frauenschuh-Populationen kommen im Kanton Zürich in fast allen Waldgesellschaften vor (siehe unten).
- Der Frauenschuh kann auch in wenig naturnahen Waldbeständen (z.B. Fichten) vorkommen.
Ausserhalb des Waldes:
- Beschattete Säume
- Stabile Nischen in Erosionsgebieten
- Mässig feuchte, schattige Magerwiesen
- Wechseltrockene Riedwiesen
Nach Delarze
6.2.1 - Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagenion)
6.4.1 - Pfeifengras-Föhrenwald (Molinio-Pinion)
Waldgesellschaften Kanton Zürich
In naturnahen Waldbeständen im Kanton Zürich kommt der Frauenschuh am häufigsten in folgenden Waldgesellschaften vor:
- Pfeifengras-Föhrenwald (61)
- Orchideen-Föhrenwald (62)
- Blaugras-Buchenwald (16)
Diese Waldgesellschaften umfassen insgesamt jedoch nur einen kleinen Teil der gesamten Waldfläche und decken auch nur den kleineren Teil aller Populationen ab.
In fast allen anderen Waldgesellschaften (auf kalkreichen Böden) kann der Frauenschuh ebenfalls vorkommen. Für die Gesamtpopulation des Frauenschuhs, d.h. die Mehrzahlt der Vorkommen, spielen diese Waldgesellschaften eine wichtige Rolle. Die zielgerichtete, auf den Frauenschuh abgestimmte Waldbewirtschaftung ist dabei zentral.
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Andere Orchideen, wie
- Langspornige Handwurz (Gymnadenia conopsea)
- Müllers Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis muelleri)
- Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra), siehe Steckbrief
- Weisses Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), siehe Steckbrief
Weiteres
Die Blüten enthalten keinen Nektar, sondern verschiedene Bienen-Arten werden in die Kesselfalle gelockt, die für die Bestäuber von Weitem sichtbar sind. Sie rutschen am Rand aus oder fliegen direkt in den Kessel, der auch innen glatt ist. Durchsichtige «Fenster» im hinteren Bereich der Lippe, über die mehr Licht einfällt, führen die Bienen zu den seitlichen Ausgängen der Falle. Nur dort ist der Ausstieg möglich, über eine Haartreppe, die an den Staubblättern vorbeiführt. Beim Ausstieg wird den Bienen Pollen aufgedrückt, der beim nächsten Blütenbesuch auf der Narbe deponiert wird.
Beschreibung der Blüte
Aktionsplanart im Kanton Zürich
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald