Wildrosen
Wein-Rose (Rosa rubiginosa)
Im Kanton Zürich kommen eine Vielzahl von verschiedenen Wildrosen-Arten vor. Aufgrund der Variabilität kann die Bestimmung auf Artniveau schwierig sein. Alle Wildrosen – auch die häufigeren Arten – erfüllen eine ökologisch und landschaftlich wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist das Vorkommen einer Rose im Wald grundsätzlich wertvoll, auch wenn sie nicht genau auf Artniveau bestimmt werden kann.
Artenbeschrieb
Die Bestimmung von Rosen auf Artniveau kann sehr anspruchsvoll sein. Aus diesem Grund eignet sich die Einteilung in Artgruppen. In einer Artgruppe können häufige sowie seltene Arten enthalten sein, wobei die Unterscheidung teils einfach, teils schwierig ist.
Rubiginosa-Gruppe
- Teilblätter Unterseits behaart, klebrig-drüsig, zerrieben mit Apfel- oder Wein-Duft
- Stacheln hakig bis ± stark sichelig
- Fruchtstiele nicht drüsig oder drüsig
Häufige Arten im Kanton Zürich:
- Wein-Rose (Rosa rubiginosa)
Artabgrenzung: Blättchenbasis abgerundet, Fruchtstiel mit vielen Stieldrüsen, Kelchblätter nach dem Blühen aufgerichtet
Seltene/spezielle Arten im Kanton Zürich:
- Duft-Rose (Rosa elliptca)
Artabgrenzung: Stacheln gleichartig, Blättchenbasis keilförmig verschmälert, Kelchblätter nach dem Blühen aufgerichtet
- Acker-Rose (Rosa agrestis)
Artabgrenzung: Stacheln hakig mit stark verbreiterter Basis, Blättchenbasis keilförmig verschmälert, Fruchtstiel drüsenlos und länger als Frucht, Kelchblätter stark geteilt und am Rand drüsig - Kleinblütige Rose (Rosa micrantha)
Artabgrenzung: Blättchenbasis gerundet verschmälert, Blütenstiele mit vielen Stieldrüsen, Stiel 2-3x so lang wie Frucht, Kelchblätter nach dem Blühen zurückgebogen und abfaend
Tomentosa-Gruppe
- Teilblätter Unterseits graufilzig, drüsig, zerrieben mit Harz- oder Terpentinduft
- Stacheln gerade bis leicht sichelig
- Fruchtstiele drüsig
Häufige Arten im Kanton Zürich:
- Kratz-Rose (Rosa pseudoscabriuscula)
Artabgrenzung: schwierig! - Filzige Rose (Rosa tomentosa)
Artabgrenzung: schwierig!
Seltene/spezielle Arten im Kanton Zürich:
- Apfel-Rose (Rosa villosa)
Artabrenzung: schwierig!
Busch-Rose (Rosa corymbifera)
- Teilblätter unterseits behaart, drüsig bis nicht drüsig, zerrieben duftlos
- Stacheln fast gerade bis hakig & stark sichelig
- Fruchtstiele nicht drüsig oder drüsig
Häufige Arten im Kanton Zürich:
- Busch-Rose (Rosa corymbifera)
Artabgrenzung: schwierig!
Seltene/spezielle Arten im Kanton Zürich:
- Tannen-Rose (Rosa abietina)
Artabgrenzung: schwierig - Raublättrige Rose (Rosa jundzillii)
Artabgrenzung: schwierig! - Stumpfblättrige Rose (Rosa tomentella)
Artabgrenzung: Blattoberseite runzlig & glänzend grün, Kelchblätter nur am Rand drüsig, auf dem Rücken flaumig, Stiel länger als Hagebutte, meist kahl - Lederblättrige Rose (Rosa caesia)
Artabgrenzung: Kurzer Stiel und Frucht von grossem Hochblatt umhüllt, Blätter beidseits behaart, Kelchblätter graufilzig behaart, aufgerichtet & bleibend, Ganze Pflanze drüsenlos (Ausnahme Hauptnerv unten)
Canina-Gruppe
- Teilblätter unterseits kahl, drüsig bis nicht drüsig, zerrieben duftlos
- Stacheln gerade bis hakig & sichelig
- Fruchtstiele nicht drüsig oder drüsig
- Hunds-Rose (Rosa canina)
Artabgrenzung: schwierig! Sehr häufige Art. - Bereifte Rose (Rosa glauca)
Artabgrenzung: Triebe & Blätter bläulich bereift, Blätter einfach gezähnt, Kelchblätter ungeteilt
Seltene/spezielle Arten im Kanton Zürich:
- Vogesen-Rose (Rosa dumalis)
Artabgrenzung: schwierig!
Zusätzlich gibt es im Kanton Zürich Arten, welche nicht in die oben erwähnten Artgruppen gegliedert werden können. Diese sind einfacher zu bestimmen:
Feld-Rose (Rosa arvensis)
- Niederliegend, kriechend bis aufsteigend, bis 1m hoch
- Blüte weiss mit markanter hellgelber Mitte, mehrblütig
- Kelchblätter ungeteilt
- Griffel zu einer Säule vereinigt, die weit aus der Blüte herausragt oder als schwarzes Stiftchen auf der Frucht steht
Essig-Rose (Rosa gallica)
- Mittels Ausläufer koloniebildend, bis max. 1m hoch
- Ledrige Teilblätter, nach oben gefaltet
- Bis 6 mm lange, sichelförmigen Stacheln nebst geraden Nadelstacheln, Stachelborsten und Stieldrüsen
- Langer, drüsiger & stacheliger Fruchtstiel
Zimt-Rose (Rosa majalis)
- Rotbraun glänzende Zweige
- Ungeteilte, aufrechte Kelchblätter
- Stacheln paarig unter den Blattachseln
Vielblütige Rose (Rosa multiflora)
- Neophyt!
- Nebenblätter tief fransig zerschlitzt und drüsig
- Vielblütig; Blüten weiss, klein und mit Honigduft
- Griffel zu einer Säule vereint
Alpen Hagrose (Rosa pendulina)
- 7–9 zählige Blätter
- Flaschenförmige, hängende Früchte
- Stamm und junge Zweige ungleich bestachelt
Reichstachelige Rose (Rosa spinosissima)
- 7–11 teilige Blätter
- Schwarze Früchte
- Kleinstrauch mit unterirdischen Ausläufern
- Stark bestachelt mit Nadelstacheln und Stachelborsten
Ähnliche Arten
Fast alle Wildrosen weisen variable Merkmale auf und bilden eine grosse Formenvielfalt und zahlreiche Hybride. Sie sind deshalb schwierig voneinander abzugrenzen und zu bestimmen. Merkmale können sich sogar jahreszeitlich ändern. Für eine sichere Bestimmung müssen alle Merkmale beurteilt werden und im Zweifelsfall sind einzelne Pflanzen mehrfach im Jahresverlauf zu untersuchen.
Pflege und Gefährdung
Allgemein für Wildrosen gilt:
Was hilft der Art?
- Zuwachsende dunkle Waldstellen auflichten
- Lichte bis halbschattige Randflächen erhalten und neu schaffen (z.B. an Waldwegen)
- 3 Meter breiter Gebüschstreifen entlang des Waldrands stehen lassen, gestufte Waldränder fördern
- Wald- und Wegränder nicht mulchen, bei Waldarbeiten Rosen schonen
- Periodisches zurückschneiden oder entfernen einwachsender Sträucher oder Stauden, besonders schnell wachsende Straucharten
- Extensive (alle 3-5 Jahre), jahreszeitlich späte Mahd möglich
- Fördern von offenen Bodenstellen zur Samenkeimung
Was gefährdet die Art?
- Ungeeignete Struktur der Waldränder (kein Krautsaum, scharfe Abstufung)
- Verlust gestufter Waldränder (scharfe Nutzungsgrenzen zwischen Wald und Grünland)
- Entfernen von Hecken, ungeeignete Heckenpflege
- Verbuschung durch konkurrenzkräftige Sträucher oder Stauden
- Verdunkelung von Wäldern infolge Kronenschluss,
- Verschwinden von Saum- und Heckenelementen infolge Flurbereinigungen
- Mulchen entlang von Weg- und Waldrändern
Lebensraumansprüche und Vorkommen
Wildrosen Allgemein:
- Sonnige, nährstoffreiche bis nährstoffarme, kalkhaltige, trockene bis frische, tiefgründige, steinige bis feinerdige Lehm-, Ton- und Sandböden
- Besonnte Wuchsorte
- Hecken, Trockengebüsche
- Wald- und Wegränder
- Lichte Buschwälder
- Saum von Magerwiesen und -weiden
- Auf Felsen, Steinhaufen
Nach Delarze
5.1.1 - Trockenwarmer Krautsaum (Geranien sanguinei)
5.3.2 – Trockenwarmes Gebüsch (Berberidion)
Essig-Rose (Rosa gallica):
- Gut besonnte, trockene bis wechseltrockene, nährstoffarme WuchsorteFeinerdige, meist kalkhaltige Lehm- und Tonböden (nicht auf Sandböden)
- Hecken
- Lichte Laubwälder (Eichenwälder)
- Waldsäume, sonnige Waldränder (v.a. von Föhren- und Eichenwäldern)
- Sonnige Weg- und Grabenränder
- Offene Weinberge
Nach Delarze
5.1.1 - Trockenwarmer Krautsaum (Geranien sanguinei)
Raublättrige Rose (Rosa jundzillii):
- Mässig trockene, durchlässige, basenreiche, steinige, kalkhaltige und mittel-humose Lehmbödenwärmeliebend
- Gebüsche, Feldhecken
- Lichte Wälder (Eichen- und Föhrenwälder)
- Waldränder
- Steinhaufen, Felsspalten, Felsschutt
- Böschungen
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Allgemein: Andere Rosen. Die Rosenarten unterscheiden sich jedoch darin, wie empfindlich sie auf Schnitt reagieren (z.B. bei Heckenpflege, Mahd von Waldrändern).
Flora:
- Felsenmispel (Amelanchier ovalis)
- Berberitze (Berberis vulgaris)
- Echter Wacholder (Juniperus communis)
Weiteres
Wildrosen sind besonders für Wildbienen – aber auch für viele weitere Insektenarten – wichtige Nektarpflanzen. Die bis im Winter stehenden Hagebutten dienen Vögeln und Säugetieren als Nahrung. Auch bieten sie Vögeln und Kleintieren mit ihren stacheligen Trieben Schutz.
Hybridisierungen, Rückkreuzungen, der unterschiedliche Anteil der väterlichen und mütterlichen Gene und die Polyploidie sind Gründe für die grosse Variabilität bei den Rosen.
Tannen-Rose (Rosa abietina):
Den Namen hat die Tannen-Rose durch ihren bevorzugten Standort an Rändern von Tannen-Bergwäldern erhalten. (lat. «abies» = Tanne)
Essig-Rose (Rosa gallica):
Diese Wildrose wird seit vielen Jahrhunderten kultiviert. Von ihr stammen viele der heutigen Gartenrosen ab. Für die Herstellung von Rosenwasser, Rosenöl, Rosenessig und Tee wurde sie von Apothekern genutzt.
Die Essig-Rose oder eine nahverwandte Art wird als eine der Elternarten für viele heutige Wildrosen der Caninae-Gruppe vermutet.
In Baumschulen und Gärtnereien wird der Name Rosa gallica für Kulturformen verwendet, die seit dem Altertum bis ins 19. Jahrhundert entstanden sind (z.B. « versicolor», «officinalis», «Tuscany»). Diese Pflanzen unterscheiden sich deutlich von der Wildform durch höheren und strafferen Wuchs, grössere Blätter und gefüllte Blüten mit tieferer Farbe und stärkerem Rosenduft.
Raublättrige Rose (Rosa jundzillii):
Rosa jundzillii ist eine ausgeprägte Tieflandart und gilt als Pioniergehölz. Die Art ist als Hybrid aus R. canina x R. gallica entstanden, gilt heute jedoch als eigene Art. Die Art kommt in der Schweiz selten und vorwiegend im Jura und in Genf vor, im Kanton Zürich sind keine autochthonen Standorte bekannt.
Zimt-Rose (Rosa majalis):
Ihr deutscher Name ist auf die zimtfarbene Berindung zurückzuführen, und bezieht sich nicht auf den Geruch der Blüten. Der lateinische Name «majalis» kommt von der frühen Blütezeit im Mai.
Kleinblütige Rose (Rosa micrantha):
Die kleinen Blüten der Rosa micrantha sind namensgebend: griech: «micro=klein, anthos= Blüte».
Reichstachelige Rose (Rosa spinosissima):
An den Küsten Nordeuropas wächst die Reichstachelige Rose auch auf Dünen.
«Spinosissima» ist der Superlativ von «spinosa», was somit sehr dornig («die Stacheligste») bedeutet.
Die schwarze Färbung erhalten die Früchte durch Anthocyaneinlagerungen.
Apfel-Rose (Rosa villosa):
Wegen ihrer Vitamin C haltigen und nahrhaften Hagebutten wurde Rosa villosa früher in Europa kultiviert. Die Früchte wurden zu Konfitüren und Kompott verarbeitet.
Vielen einheimischen Vögeln dienen die grossen, saftigen Früchte als Winternahrung.
Schutzstatus
- «InfoFlora» - Acker-Rose (Rosa agrestis)
- «InfoFlora» - Tannen-Rose (Rosa abietina)
- «InfoFlora» - Feld-Rose (Rosa arvensis)
- «InfoFlora» - Hunds-Rose (Rosa canina)
- «InfoFlora» - Lederblättrige Rose (Rosa caesia)
- «InfoFlora» - Busch-Rose (Rosa corymbifera)
- «InfoFlora» - Vogesen-Rose (Rosa dumalis)
- «InfoFlora» - Duft-Rose (Rosa elliptica)
- «InfoFlora» - Bereifte Rose (Rosa glauca)
- «InfoFlora» - Zimt-Rose (Rosa majalis)
- «InfoFlora» - Kleinblütige Rose (Rosa micrantha)
- «InfoFlora» - Vielblütige Rose (Rosa multiflora)
- «InfoFlora» - Alpen-Hagrose (Rosa pendulina)
- «InfoFlora» - Kratz-Rose (Rosa pseudoscabriuscula)
- «InfoFlora» - Wein-Rose (Rosa rubiginosa)
- «InfoFlora» - Reichstachelige Rose (Rosa spinosissima)
- «InfoFlora» - Stumpfblättrige Rose (Rosa tomentella)
- «InfoFlora» - Filzige Rose (Rosa tomentosa)
- «InfoFlora» - Apfel-Rose (Rosa villosa)
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald