Purpur-Knabenkraut, Fam. Orchideen (Orchidaceae)

Artname deutsch
Purpur-Knabenkraut
Artname lateinisch
Orchis purpurea
Aktionsplan
Nein
Ziellebensraum
Lichter Wald
Fauna/Flora
Flora
Forstkreis
FK 1, FK2, FK3, FK4, FK5, FK6, FK7

Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea)

Bild von Purpur-Knabenkraut in einem Lichten Wald
Purpur-Knabenkraut Quelle: Beat Wartmann

Artbeschrieb

Bild von Purpur-Knabenkraut mit kegelförmigem Blütenstand
Blütenstand Purpur-Knabenkraut kegelförmig, wenn aufblühend Quelle: Björn S., commons.wikimedia.org

Blütte von Purpur-Knabenkraut

Blüte des Purpur-Knabenkraut, dazu mit Buchstaben (a-d) versehene Pfeile
Purpur-Knabenkraut, Mittellappen gegen den Grund gleichmässig verschmälert (a), zweispaltig, die Abschnitte vorne gezähnelt (b), dazwischen mit kleinem Zahn (c) und Helm dunkel (d) Quelle: Beat Wartmann
  • 30-90 cm hoch, kräftig (grösstes einheimisches Knabenkraut!)
  • Blätter glänzend, am Grund rosettig gehäuft
  • Blätter oft sehr gross (bis 25cm lang), 3-5mal so lang wie breit, grösste Breite in der Mitte
  • Blütenstand anfangs kegelförmig, später eiförmig-zylindrisch
  • Blütenblätter bilden einen Helm um Lippe, Aussenseite schwärzlich purpur bis braunrot (namensgebend!)
  • Lippe weisslich bis hellrosa, mit zahlreichen braunroten Punkten (Haarbüscheln), tief 3-lappig
  • Seitenlappen der Lippe linealisch abstehend
  • Mittellappen der Lippe breiter als lang, vielgestaltig, nach dem Grund gleichmässig verschmälert, bis gegen die Mitte gespalten, Abschnitte vorne gezähnelt, Spalt zwischen den beiden Lappen mit kleinem Zahn
  • Sporn kurz, abwärts gerichtet
  • Blütezeit: Ende April-Mitte Juni, Samenreife ab Mitte Juli

Ähnliche Arten

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) 

Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) unterscheidet sich vom Purpur-Knabenkraut durch folgende Merkmale:

Morphologisch:

  • Helm lila bis weiss, mit roten Nerven
  • Mittellappen der Lippe länger als breit, am Ende plötzlich verbreitert und 2-teilig, die Abschnitte ganzrandig, breit spreizend

Lebensraum:

  • Magerwiesen, Halbtrocken- und Trockenrasen warmer Lagen, grasige Stellen zwischen Gebüsch
  • Nicht zu nasse Feuchtwiesen
Bild von blühendem Helm-Knabenkraut
Helm-Knabenkraut Quelle: Beat Wartmann
Blüte des Helm-Knabenkraut mit Hinweis Buchstaben a, b, c
Blüte Helm-Knabenkraut: Mittellappen der Lippe länger als breit, am Ende plötzlich verbreitert (a) und 2-teilig, die Abschnitte ganzrandig (b) und Helm hell (c). Quelle: Beat Wartmann

Pflege und Gefährdung

Was hilft der Art:

  • Wald und Waldränder mit Vorkommen der Art gezielt und zurückhaltend auflichten (siehe Abschnitt Gefährdung «zu starkes Auflichten»). Das heisst, v.a. schnellwachsende Gehölze und Sträucher entfernen. Optimal ist i.d.R. Halbschatten mit einer lückigen niedrigen Krautschicht, einzelnen Büschen, eine nicht zu dichte Laub-Streue-Auflage und eine lockere Überschirmung der Bäume (Wald-Föhre>Esche>Buche).
  • Buchten erhalten und regelmässig ausschneiden (keine Verbuschung aufkommen lassen, wenig Konkurrenz aus der Krautschicht für Purpur-Knabenkraut)

Gefährdung

  • Zu starkes Auflichten, wenn dies zu Konkurrenz in der Strauchschicht führt (oder gar Brombeeren, Waldrebe etc. fördert)
  • Bei sehr starker Verdunkelung bildet das Purpur-Knabenkraut zuerst keine Früchte mehr aus (Bestäuber fliegt nicht in dunklen Wald), später blüht sie auch nicht mehr
Bild von lichtem Wald mit Föhren, Eiben, Buchen, geringer Anteil an Büschen und lockerer Krautschicht
Wuchsort mit idealer Pflege für Purpur-Knabenkraut: Molasse-Mergel mit flachgründiger Humusauflage. Westhang ob Talgrund, deshalb nicht voll besonnt. Lichter Wald mit Wald-Föhren, Eiben, Buchen, geringer Anteil an Büschen, lockere Krautschicht Quelle: Foto: Christine Tanner

Lebensraumansprüche und Vorkommen

  • Wechseltrockene, basenreiche, humusreiche Böden in halbschattigen Lagen, wärmeliebend
  • Im Kanton Zürich v.a. auf kalkreichen Molassemergeln
  • Lichte Laubmischwälder, auch Ulmen-Auenwald
  • Waldränder, Gebüsche, Säume
  • Selten in offenen Magerwiesen (Kälte bei Frühfrösten dort stärker ausgeprägt als im geschützten Wald/Waldrand; trocknet bei vollsonnigen Standorten aus)

Nach Delarze

6.3.4 - Flameichenwald (Quercion pubescenti-petraeae) (kommt im Kanton Zürich nicht typisch vor)

Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)

Flora

  • Langblättriges Waldvögelein (Cephalantheralongifolia), siehe Steckbrief
  • Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)
  • Straussblütige Margerite (Tanacetum corymbosum)
  • Berg-Segge (Carex montana)
  • Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum), sofern locker
  • Finger-Segge (Carex digitata)
  • Vogelfuss-Segge (Carex ornithopoda)

Weiteres

Bestäubungsrate in verdunkelten Wäldern tendiert gegen Null. Dies liegt vermutlich daran, dass die Bestäuber, Hummeln, nicht ins Dunkle für die Futtersuche fliegen. Die Bestäubungsrate in lichten Wäldern, speziell auch nahe am Waldrand in Verbindung zu Magerwiesen, ist deutlich höher.

Als Frühblüher ist die Art von Frühfrösten besonders stark betroffen. Dies könnte erklären, weshalb sie selten in offenen Magerwiesen anzutreffen ist, wo die Temperaturen bei Frühfrösten noch stärker fallen als im geschützten Wald. Südlich der Alpen kommt die Art auch in Magerwiesen vor.
 

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