Erneuerung Platzspitzwehr

Das Platzspitzwehr beim Zusammenfluss von Limmat und Sihl, eingerahmt von herbstlichen Bäumen mit Hochhausgebäude im Hintergrund

Das Platzspitzwehr beim Zusammenfluss von Limmat und Sihl dient der Regulierung des Zürichsees und der Wasserkraftnutzung. Nach über siebzig Betriebsjahren ist es am Ende seiner technischen Lebensdauer. Zudem kann es im Hochwasserfall zu wenig flexibel gesteuert werden. Deshalb erneuert der Kanton die Wehranlage gemeinsam mit der Stadt Zürich bis Mitte 2028 umfassend.

Aktuell

Barrierefreiheit für Fische: Lettenkanal drei Monate abgesenkt

Im Zuge der Erneuerung des Platzspitzwehrs entsteht eine Aufstiegshilfe für Fische im Damm zwischen der Limmat unterhalb des Wehrs und dem Zuflusskanal zum Kraftwerk Letten (dem so genannten Oberwasserkanal des Kraftwerks). Der Bau des Fischaufstiegs muss im Trockenen erfolgen. Darum wird der Wasserspiegel im Kanal zwischen Wehr und Kraftwerk auf rund einen Meter Wassertiefe abgesenkt. Die Absenkung dauert bis circa Ende April 2026.

Kanal betreten verboten

Es ist gefährlich, den trockengelegten Kanal zu betreten oder im verbliebenen Wasser zu schwimmen. Beides ist während der Absenkung verboten. Schwimmen und Baden ist rechtzeitig zur warmen Jahreszeit wieder möglich.

Stadt nutzt Gelegenheit für Unterhalt und Putzaktion

Die Stadt Zürich nutzt die Absenkung für Unterhalts- und Sanierungsarbeiten am Lettensteg, an der Kornhausbrücke und am Flussbad Oberer Letten. Zu Beginn der Absenkung befreit Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) den Kanal von Unrat.

Karte mit Ansicht des Lettenkanals, der sich vom Jugendkulturhaus Dynamo bis zum Kraftwerk Letten erstreckt. Er verläuft parallel zur Limmat. Im Kanal befindet sich auch das Flussbad Oberer Letten.
Der Lettenkanal erstreckt sich vom Jugendkulturhaus Dynamo bis zum Kraftwerk Letten. Er verläuft parallel zur Limmat. Im Kanal befindet sich auch das Flussbad Oberer Letten.

Bauphase 2: Fischaufstieg und erstes Wehrfeld

Momentan befindet sich das Projekt in der Bauphase 2 von 3. Sie dauert von 2025 bis 2027 und umfasst die Arbeiten für den Fischaufstieg und die Sanierung des ersten Wehrfelds.

Konkret heisst das: Zur Erschliessung der Baustelle wurde unterhalb des Platzspitzwehrs ein temporärer Zugang vom Sihlquai zum geplanten Fischaufstieg erstellt. Damit kann der Fischaufstieg realisiert werden, dank dem das Wehr kein Hindernis für die Fischwanderung mehr ist. Die bisherigen Wehrverschlüsse werden durch neue, besser steuerbare ersetzt. Im ersten Wehrfeld wird in dieser Bauphase der neue Wehrverschluss gebaut und die Arbeiten für die neue Wehrbrücke, die über die beiden Wehrfelder führt, beginnen.

Situationsplan der zweiten Bauphase des Platzspitzwehrs mit Beschriftung des Fischaufstiegs, der Wehrfelder und der temporären Baustellenschliessung. Sowohl der Mattensteg, die Hilfsbrücke für den Velo- und Fussverkehr, als auch die neue Platzspitzbrücke sind beschriftet und eingezeichnet im Hintergrund.
Die neuen Brückenverbindungen sind erstellt. Dank der temporären Baustellenerschliessung kann in der zweiten Bauphase der Fischaufstieg realisiert und das erste der beiden Wehrfelder saniert werden.

Projekt

Das heutige Platzspitzwehr stammt aus dem Jahr 1951. Nach über siebzig Betriebsjahren ist es am Ende seiner technischen Lebensdauer. Mit jedem weiteren Betriebsjahr nimmt die Zuverlässigkeit des Wehrs ab. Eine Erneuerung des Wehrs ist unumgänglich, damit es seine Funktionen zur Regulierung des Zürichsees und zur Wasserkraftnutzung im Kraftwerk Letten auch künftig wahrnehmen kann. Zudem lässt es sich zu wenig flexibel steuern, um bei Hochwasser wirksam regulierend eingreifen zu können.

Mit der Erneuerung des Platzspitzwehrs setzt der Kanton Zürich einen weiteren Bestandteil des Gesamtprojekts «Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee und Limmat» um. 

Übersicht

Im Zuge der Erneuerung des Wehrs wird auch die Zufahrt den heutigen Anforderungen angepasst, die Durchgängigkeit für Fische sichergestellt und die Sihl ökologisch aufgewertet. 

1 Wehranlage

Die bisherigen Wehrverschlüsse werden durch neue, besser steuerbare ersetzt. Das Platzspitzwehr dient der Regulierung des Zürichseepegels und der Stromproduktion im weiter unten liegenden Kraftwerk Letten, das rund 7000 Haushalte mit Ökostrom versorgt. Das Wehr erlaubt zudem, im Hochwasserfall regulierend auf die Wasserstände von Zürichsee, Limmat und Sihl einzuwirken. Optisch wird sich die historische Wehranlage kaum verändern.

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2 Fischaufstieg

Im Damm zwischen der Limmat und dem Zufluss zum Kraftwerk Letten entsteht eine Fischaufstiegshilfe.

Das Wehr bildet heute ein bedeutendes Wanderhindernis für die Fische. Dank der Aufstiegshilfe können die Fische diese Barriere künftig überwinden und hier wieder wie einst von der Limmat in den Zürichsee aufsteigen – eine wichtige Massnahme zum Erhalt und zur Förderung eines gesunden und artenreichen Fischbestandes.

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Visualisierung des Mäanderfischpasses mit der Eintrittsstelle für Fische und der Austrittsstelle. Der Mäanderfischpass befindet sich zwischen dem Oberwasserkanal des Kraftwers Letten, de Wehr und der Limmat.
Beim Platzspitzwehr entsteht einer der ersten Mäanderfischpässe in der Schweiz. Er eignet sich für 28 verschiedene, in der Limmat vorkommende Fischarten. Wie beim weit verbreiteten Schlitzpass finden die Fische durch Schlitze von einem Becken ins nächste. Doch durch das Ineinandergreifen der runden Becken ist der Mäanderfischpass platzsparender und findet im Damm zwischen Zuflusskanal zum Kraftwerk und Limmat Platz.

3 Ökologische Aufwertung der Sihl

Da das Projekt einige Eingriffe in den Naturraum mit sich bringt (z.B. durch den Bau der neuen Fischaufstiegshilfe und die Verbreiterung des Platzes), sind ökologische Ersatzmassnahmen erforderlich. Zum Ausgleich werden in der Sihl zwischen dem neuen Standort des Mattenstegs und der Einmündung in die Limmat neue Lebensräume für Fische, Schnecken, Libellen und andere Kleinlebewesen geschaffen.

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Die ökologischen Ersatzmassnahmen ergänzen die Sohlen- und Uferstrukturen, welche 2018 im Zuge der Revitalisierung der Sihl ober- und unterhalb des Hauptbahnhofs umgesetzt wurden. Hindernisse in der Sihl wie Wurzelstöcke und Steinblöcke sorgen für Wirbel, die Vertiefungen in der Flusssohle schaffen und Ruhezonen für Fische bilden.

Die Aufwertungsmassnahmen entlang der Ufer befestigen diese und schaffen neuen Lebensraum für Kleinlebewesen. Niedrige Sträucher bieten ihnen Unterschlupf. 

4 Neue Brücke

Am heutigen Standort des Mattenstegs wird eine breitere, tragfähigere Brücke für den Velo- und Fussverkehr sowie als Zufahrt für Unterhaltsarbeiten gebaut, die «Platzspitzbrücke». Sie ist schlicht gestaltet und fügt sich gut ins Stadtbild ein. Dank der neuen Brücke müssen keine Fahrzeuge mehr durch die Platzspitzanlage fahren, wo sie die Wurzeln des alten Baumbestandes beschädigen könnten.

Damit die Fahrzeuge künftig am Spitz wenden können, wird dieser leicht umgestaltet. Die Mauer zur Sihl hin wird begradigt. Die Pflästerung mit Naturstein, wie sie heute rund um den Brunnen besteht, wird neu bis zur Mauer und ganz nach vorne zum Spitz hin gezogen – ohne Treppenstufen. Der so etwas erweiterte Abschluss der Platzspitzanlage beim Zusammenfluss von Sihl und Limmat lädt mehr denn je zum Verweilen ein.

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5 Verlegung Mattensteg

Der denkmalgeschützte Mattensteg bleibt erhalten und wurde im November 2024 80 Meter flussaufwärts versetzt. Dort bildet er einen neuen Zugang zur Platzspitzanlage.

Nach einer gründlichen Sanierung wurde der historische Mattensteg im November 2024 in einer spektakulären nächtlichen Aktion an seinen neuen Bestimmungsort gehievt.

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Der heutige Mattensteg aus der Perspektive der Platzspitzanlage, links das Ufer beim Sihlquai.
Der heutige Mattensteg, aufgenommen vom Platzspitz aus.

Der Mattensteg präsentiert sich bis heute weitgehend im Originalzustand und ist recht gut erhalten. Der Steg fügt sich filigran und unaufdringlich in den als Erholungsraum beliebten Platzspitz- und Flussbereich ein. Der Mattensteg ist ein Zeugnis des zweiten grossen Eisenbahn- und Industriezeitalters sowie der städtebaulichen Entwicklung Zürichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als sich die Eisenbahn rasant entwickelte und die Stadt Zürich zum Verkehrsknotenpunkt wurde, entstanden während der 1870er- und 1880er-Jahre auch die Industriequartiere in Aussersihl. Sie wurden durch den Mattensteg und den Drahtschmidlisteg an die älteren Industriequartiere am rechten Limmatufer und am Letten angebunden.

Als Anspielung auf die grossen Eisenbahnbrücken der Zeit präsentiert sich der Mattensteg wie ein Eisenbahnviadukt «en miniature». Die grosse Ähnlichkeit mit der Militärbrücke bei der Kaserne, wenige hundert Meter flussaufwärts, lässt vermuten, dass die beiden Stege von demselben Hersteller stammen. Während die Eisenbahnviadukte des 19. Jahrhunderts zunehmend ans Ende ihrer Lebensdauer gelangen, ist es umso wichtiger, den gut erhaltenen Mattensteg als originales Zeugnis des grossen Eisenbahnjahrhunderts zu bewahren.

Seit über 150 Jahren Teil der Zürcher Stadtgeschichte 

Nadelwehr von 1867, das damals die Limmat zur Regulierung des Zürichsees und zur Nutzung der Wasserkraft staute.
Das Nadelwehr von 1867 staute die Limmat zur Regulierung des Zürichsees und zur Nutzung der Wasserkraft auf. Quelle: Baugeschichtliches Archiv, Gallas Wilhelm, 1939
Historische Aufnahme des heutigen Wehrs damals während des Baus, der 1951 fertiggestellt worden ist.
Das heutige Wehr von 1951 während des Baus.
Visualisierung des künftigen Sektorwehrs.
Das neue Wehr wird dem heutigen sehr ähnlich sehen, ist aber exakter steuerbar und einfacher zu warten.

Bau in drei Phasen

Zeitplan der Bauarbeiten am Platzspitzwehr mit folgenden Daten: Mai 2024 bis Mitte 2025: Bau neue Brücke (Platzspitzbrücke) , Verschiebung Mattensteg in Richtung Hauptbahnhof; Mitte 2025 bis Mitte 2026: Erneuerung erster Wehrsektor; Mitte 2026 bis Mitte 2028: Erneuerung zweiter Sektor des Wehrs und Bau Fischpass.. Die Erneuerung ist voraussichtlich Mitte 2028 abgeschlossen.
Das Projekt startet mit der Verschiebung des Mattenstegs und dem Bau der neuen Platzspitzbrücke. Bis Mitte 2028 werden beide Wehre erneuert und der Fischpass gebaut.

Kosten

Die Gesamtkosten des Projekts betragen voraussichtlich 38,7 Millionen Franken, wovon der Kanton 32,3 Millionen und die Stadt 6,4 Millionen Franken übernehmen. Der Bund beteiligt sich am Anteil des Kantons mit 39 Prozent.

Kontakt

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Sektion Bau

Adresse

Walcheplatz 2
8090 Zürich
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Telefon

+41 43 259 32 24

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