Wenn KI vom Tool zur Teamkollegin wird – was dann?

Der Veranstalter, die drei Speaker und der Moderator des Abends

Künstliche Intelligenz kann schreiben, analysieren und programmieren – nicht immer besser, aber schneller als der Mensch. Wie KI die Arbeit verändert und die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, wurde an der Veranstaltung «Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter» diskutiert.

Die Begrüssung animierte zum Nachdenken: «Haben Sie je geweint, weil Technologie Sie im Stich liess?» Mit dieser Frage wurden die Besuchenden der Veranstaltung «Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter» im Rahmen des «After the Algorithm» Festivals empfangen. Sie macht deutlich: Künstliche Intelligenz nimmt eine neue Rolle in unserer Gesellschaft ein und wir müssen entscheiden, wie wir damit umgehen.

Die Diskussion tut Not, meint Danny Buerkli vom Think Tank Windfall Trust. Denn: «Es gibt nur eine Handvoll makroökonomischer Modelle, die sich mit den Folgen von KI auseinandersetzen. Das ist zu wenig.»  

Angesichts der sprunghaften Dynamik von KI lasse sich zwar kaum vorhersagen wie die Welt in einigen Jahren aussieht. Klar sei aber: «KI hat tiefgreifende Auswirkungen – selbst wenn die Technologie auf dem heutigen Stand bleiben würde.» 

Stärkung des KI-Standorts Zürich 

Der Zürcher Regierungsrat will das wirtschaftliche Potenzial von KI besser nutzen. Dafür stellt er bis Ende 2029 2.9 Millionen Franken bereit und verfolgt damit vier Ziele:

  1.  KI-Sandbox als Testumgebung für KI-Anwendungen
  2.  Lokale Start-Ups mit innovativen KI-Lösungen fördern
  3.  Integration von KI in KMU
  4.  Aktiver gesellschaftlicher Dialog

Die Veranstaltung «Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter» wurde vom Amt für Wirtschaft und UZH.ai, dem AI Hub der Universität Zürich, organisiert. 

Wenn KI Arbeitskräfte ersetzt

KI nimmt uns bereits heute Arbeit ab. So kann das neueste Modell von Claude Opus Programmieraufgaben für die ein Mensch 12 Stunden braucht in Sekundenschnelle lösen.

Buerkli gibt jedoch zu bedenken: «Man darf nicht vergessen, dass diese Aufgaben oft einfacher sind, als unsere alltäglichen.» So zeige ein Automationsindex, dass KI-Modelle heute im besten Fall nur rund 4 Prozent der computerbasierten Arbeit selbstständig erledigen können.

Gleichzeitig kommen Studien zum Schluss: Die Zahl der Arbeitsstellen für junge Menschen im IT-Bereich ist aktuell rückläufig. Manifestiert sich dieses Phänomen und weitet sich auf andere
Branchen aus, hätte das gesamtwirtschaftliche Folgen, gibt Danny Buerkli zu Bedenken. Denn weniger menschliche Arbeit bedeutet auch tiefere Steuereinnahmen.

Wenn KI Arbeitskräfte unterstützt

Künstliche Intelligenz kann Arbeit nicht nur ersetzen, sondern auch ergänzen. Sarah Levy treibt diese Entwicklung bei der Swisscom voran. Ihre Vision: «KI wird zum Kollegen, der Tag und Nacht arbeitet und nie einen Kafi braucht».

Levys Vorstellung von der KI als unermüdliche Arbeitskollegin animierte das Publikum zur Frage: Soll der Produktivitätsgewinn in mehr Freizeit oder mehr Arbeit fliessen?

Diese Frage sei zentral, insbesondere auch in der Diskussion um eine verkürzte Arbeitswoche, findet Danny Buerkli. «Die Gewerkschaften könnten das Thema aktiver angehen.» Sarah Levy hingegen gibt zu bedenken, dass der Zugewinn an Produktivität genutzt werden muss: «KI ist ein wichtiges Tool, um wettbewerbsfähig zu bleiben.»

KI bietet Chancen und Risiken im Arbeitsalltag

Neben der Arbeitszeit verändert KI auch die Arbeitsweise. Und das kann sich auf die mentale Gesundheit auswirken, sagte der Psychologieprofessor Laurenz Meier: «Erfüllen wir in der Arbeit unsere psychologischen Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und Verbundenheit, fühlen wir uns wirksam und zufrieden». Die neuen Arbeitsbedingungen in einem
Alltag mit KI könnten die Zufriedenheit von Mitarbeitenden verschlechtern – oder auch verbessern.  

Negative Effekte könnten beispielsweise sein: Mitarbeitende fragen den Chatbot um Hilfe statt Menschen – sodass sich Kolleginnen und Kollegen weniger hilfreich fühlen. Gleichzeitig
werden die «manuellen» Aufgaben komplexer und der Arbeitstag damit dichter, was zu einer Überlastung führen kann.

Laurenz Meier sieht aber auch Chancen. Seine Studien zeigen: KI ist als Ratgeber für zwischenmenschliche Situationen schon heute eine Entlastung. Und der «Sparring-Partner» kann
Mitarbeitende entlasten, sodass sie sich neuen Aufgaben widmen und ihre eigenen Kompetenzen weiterentwickeln können. «Das kann sehr erfüllend sein.»

Dass KI tatsächlich ein grosses Potenzial für positive Veränderungen im Arbeitsalltag hat, bestätigt Sarah Levy. So hat die Swisscom gemeinsam mit Schweizer Kantonspolizeien die Transkription von Vernehmungen automatisiert – und so die Administrationsarbeit enorm reduziert. Für sie ist klar, dass die KI-Transformation den Mensch ins Zentrum rücken muss: «Man kann nicht genug in den Mensch investieren – denn die Technologie ist längst da.»

Kontakt

Amt für Wirtschaft – Standortförderung

Adresse

Walchestrasse 19
8090 Zürich
Route (Google)

Telefon

+41 43 259 49 92


Montag bis Freitag
8.00 bis 12.00 Uhr und
13.30 bis 17.00 Uhr

E-Mail

standort@vd.zh.ch

Für diese Meldung zuständig: