Kommunale Behördenwahlen im Kanton Zürich

Politik beginnt vor der eigenen Haustür: In den Gemeinden werden viele Entscheidungen getroffen, die das tägliche Leben der Bevölkerung unmittelbar beeinflussen. Im März 2026 hat die Bevölkerung im Kanton Zürich ihre kommunalen Behörden neu gewählt. Dazu gehören die Gemeindevorstände, umgangssprachlich auch Gemeinde- oder Stadträte genannt, sowie Schulpflegen und Rechnungsprüfungskommissionen.

Wer kandidiert und wer wird gewählt?

Kommunale Wahlen finden alle vier Jahre statt. Die meisten Behördenämter sind Milizämter, die neben Beruf und Familie ausgeübt werden. Wer stellt sich für diese Aufgaben zur Verfügung und wer wird gewählt? Ein Blick auf die Kandidierenden und Gewählten zeigt, wie sich die Gemeindebehörden hinsichtlich Geschlecht, Alter und Parteizugehörigkeit zusammensetzen.

Deutliche Unterschiede bei der Vertretung von Frauen

Frauen und Männer sind in den verschiedenen kommunalen Behörden unterschiedlich vertreten. In den Schulbehörden stellen Frauen mit 59 Prozent die Mehrheit der Gewählten. Weniger stark vertreten sind sie in den Gemeindevorständen und Rechnungsprüfungskommissionen (RPK): Dort ist rund jede dritte bzw. jede fünfte gewählte Person eine Frau.

Die Unterschiede zwischen den Behörden zeigen sich bereits bei den Kandidaturen, da sich für diese Ämter unterschiedlich viele Frauen zur Wahl stellen. Der Frauenanteil unter den Gewählten liegt meist auf einem ähnlichen Niveau wie unter den Kandidierenden: Wenn sich Frauen zur Wahl stellen, haben sie also ähnlich gute Chancen wie Männer, gewählt zu werden. Eine Ausnahme bilden die Gemeindepräsidien, also die Vorsitzenden des Gemeindevorstands: Hier sinkt der Frauenanteil von 24 Prozent unter den Kandidierenden auf 18 Prozent unter den Gewählten. Dies könnte darauf hindeuten, dass Frauen bei dieser Führungsposition geringere Wahlchancen haben.

Anteil Frauen nach Behörde

Kandidierende und Gewählte, Gemeindebehördenwahlen  2026

Balkendiagramm, das den Frauenanteil von Gewählten und Kandidierenden nach Behördentyp zeigt.
Quelle: Kommunale Behördenwahlen Kanton Zürich, 2026

Wer schon im Amt ist, wird meist wiedergewählt

Ob eine Person gewählt wird, hängt vor allem damit zusammen, ob sie bereits ein Amt innehat. Bisherige Gemeinderätinnen und -räte sind unter den Gewählten deutlich stärker vertreten als Neukandidierende.  

Betrachtet man Frauen und Männer bei den Bisherigen und Neukandidierenden separat, zeigen sich nur kleine Geschlechternterschiede. Männer haben etwas bessere Wahlchancen als Frauen, wenn sie neu kandidieren. Bei den Bisherigen gibt es jedoch keinen Unterschied. Die Ergebnisse legen nahe, dass der «Bisherigenbonus» für die Wahlchancen eine grössere Rolle spielen dürfte als das Geschlecht.  

Anteil Gewählter nach Bisherigenstatus und Geschlecht

Gemeindevorstände, Gemeindebehördenwahlen  2026

Balkendiagramm, das den Anteil Gewählter nach Bisherigenstatus und Geschlecht aufzeigt.
Quelle: Kommunale Behördenwahlen Kanton Zürich, 2026

Jüngere in Gemeindevorständen kaum vertreten

Die kommunalen Behörden im Kanton Zürich bestehen vorwiegend aus Menschen zwischen 35 und 65 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt bei gut 51 Jahren. Zwischen den verschiedenen Behörden gibt es nur geringe Unterschiede. Eine Ausnahme bildet das Präsidium des Gemeindevorstands: Hier liegt das Durchschnittsalter bei 56 Jahren und damit etwas höher als bei den übrigen Behördenmitgliedern. 

Junge Menschen unter 35 Jahren kandidieren seltener für die Gemeinderäte und sind auch unter den Gewählten kaum vertreten: Sie machen zehn Prozent der Kandidierenden, aber nur drei Prozent der Gewählten aus. Ebenso ist der Anteil der Gewählten bei den 35- bis 49-Jährigen kleiner als jener der Kandidierenden, im Unterschied zu den älteren Altersgruppen.  

Die Unterschiede zwischen Kandidierenden und Gewählten könnten darauf hindeuten, dass jüngere Personen geringere Wahlchancen haben. Sie können aber ebenfalls mit anderen Faktoren zusammenhängen, etwa dem Bisherigenbonus: Amtierende Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sind im Durchschnitt älter und werden möglicherweise häufiger wiedergewählt, weil sie bereits bekannt sind und über Erfahrung im Amt verfügen.

Anteil Kandidierender und Gewählter nach Altersgruppe

Gemeindevorstände, Gemeindebehördenwahlen  2026

Balkendiagramm, welches den Anteil Kandidierender und Gewählter nach Altersgruppe zeigt.
Quelle: Kommunale Behördenwahlen, Kanton Zürich 2026

Wahlchancen junger Neukandidierender kleiner

Die geringere Vertretung von jüngeren Personen in den Gemeindeexekutiven lässt sich nicht nur dadurch erklären, dass weniger junge Personen kandidieren. Das zeigt ein Blick auf die Personen, die erstmals für ein Amt kandidieren. Auch unter den Neukandidierenden ist der Anteil der Gewählten bei den jüngsten Erwachsenen tiefer als bei den mittleren Altersgruppen. Bei den 18- bis 34-Jährigen werden 39 Prozent der Kandidierenden gewählt. Damit liegt dieser Anteil tiefer als bei den mittleren Altersgruppen. 

Anteil gewählter Neukandidierender nach Altersgruppe

Gemeindevorstände, Gemeindebehördenwahlen  2026 (ohne stille Wahlen)

Lollipop-Chart: Anteil gewählter Neukandidierender nach Altersgruppe. Die Punkte zeigen den Prozentsatz der neu kandidierenden Personen, die gewählt wurden.
Stille Wahlen finden statt, wenn nicht mehr Personen kandidieren als Sitze zu vergeben sind. Die Kandidierenden gelten damit ohne Urnengang als gewählt. Quelle: Kommunale Behördenwahlen Kanton Zürich, 2026

Viele Parteilose kandidieren und werden gewählt

Ohne Parteizugehörigkeit in einen der Gemeinderäte im Kanton Zürich gewählt zu werden ist keine Seltenheit. Beinahe die Hälfte der Kandidierenden ist parteilos, deutlich vor den grössten Gruppen mit Parteibuch, SVP und FDP. Auch bei den gewählten Gemeinderäten zeigt sich dasselbe Bild: Am häufigsten vertreten sind Parteilose.  

Der grösste Unterschied zwischen dem Anteil an Kandidierenden und dem Anteil an Gewählten zeigt sich bei der FDP: Sie stellt nur acht Prozent der Kandidierenden, aber 20 Prozent der Gewählten. 

Anteil Kandidierender und Gewählter nach Partei

Gemeindevorstände, Gemeindebehördenwahlen  2026

Balkendiagramm, welches den Anteil Kandidierender und Gewählter nach Partei zeigt.
Kandidierende mit fehlender Angabe zur Parteizugehörigkeit sowie Parteien mit Anteilen unter 1 Prozent bei Kandidierenden und Gewählten werden nicht dargestellt. Quelle: Kommunale Behördenwahlen Kanton Zürich, 2026

Parteilose vor allem auf dem Land erfolgreich

Wer sich in ländlichen Gemeinden politisch engagieren will, tut dies häufig unabhängig von einer Partei. In eher städtisch geprägten Gemeinden ist die politische Landschaft hingegen stärker organisiert: Parteilose Kandidierende sind dort seltener und schneiden auch bei der Wahl vergleichsweise schwächer ab.

In ländlichen Gemeinden sind rund drei Viertel der Kandidierenden parteilos. Unter den Gewählten liegt der Anteil mit 76 Prozent sogar leicht höher. In eher städtisch geprägten Gemeinden ist der Anteil Parteiloser bei den Gewählten dagegen deutlich tiefer als bei den Kandidierenden.  

Anteil Parteiloser nach Raumtyp der Gemeinde

Gemeindevorstände, Gemeindebehördenwahlen 2026

Lollipop-Chart, die den Anteil parteiloser Kandidierender und Gewählter nach Raumtyp darstellt.
Raumtyp gemäss BFS-Gemeindetypologie 2020. Quelle: Kommunale Behördenwahlen Kanton Zürich, 2026

Datengrundlage und methodische Hinweise

Die Auswertungen basieren auf den Daten zu den Gemeindebehördenwahlen 2026, die vom Amt für Statistik und Daten des Kantons Zürich neu als offene Verwaltungsdaten (Open Government Data OGD) bereitgestellt werden. Neben den hier ausgewerteten Daten zu den Exekutivwahlen in den Zürcher Gemeinden stehen auch Daten zu den Legislativwahlen der Gemeindeparlamente zur Verfügung. Die Exekutive (Gemeinde- resp. Stadtrat) führt die Verwaltung, während die Legislative (Gemeindeversammlung oder, in grösseren Gemeinden, ein gewähltes Parlament) die Gesetze erlässt und die Exekutive kontrolliert. Ein eigenes Parlament anstelle der Gemeindeversammlung haben im Kanton Zürich aktuell 13 Gemeinden.

Die Daten werden von den Gemeinden zur Abwicklung der eigenen Wahlen erfasst. Das Amt für Statistik und Daten kategorisiert die Wahlen anhand der zu wählenden Behörde und ergänzt sie mit gemeldeten stillen Wahlen, verändert, ergänzt oder korrigiert die Daten aber ansonsten nicht. Die Daten bilden den Stand der Informationen ab, wie er zum Zeitpunkt der Wahl durch die Gemeinden erfasst wurde. Einzelne Unvollständigkeiten oder Erfassungsunterschiede zwischen den Gemeinden sind deshalb möglich. 

Die einzelnen Auswertungen beruhen auf den in den Daten verfügbaren Angaben zu den Kandidierenden und Gewählten. Fehlende Angaben, beispielsweise zum Alter oder Geschlecht, konnten bei den Auswertungen nicht berücksichtigt werden. Wo Fallzahlen sehr klein sind, sollten die Ergebnisse zudem mit besonderer Vorsicht interpretiert werden, da bereits wenige Personen die ausgewiesenen Anteile deutlich beeinflussen können. 

Ansprechpersonen

Simon Graf

Amt für Statistik und Daten

simon.graf@statistik.ji.zh.ch
+41 43 259 75 38

Tabea Palmtag

Amt für Statistik und Daten

tabea.palmtag@statistik.ji.zh.ch
+41 43 257 67 36

Kontakt

Amt für Statistik und Daten

Adresse

Schöntalstrasse 5
8090 Zürich
Route (Google)
Adresse wurde kopiert Adresse konnte nicht kopiert werden

Für diese Meldung zuständig: