Warum die richtige Probenahme so wichtig ist

Kann eine kleine Probe wirklich zeigen, ob mehrere Tonnen Lebensmittel sicher sind? Ja, aber nur, wenn sie richtig entnommen wird. Denn mögliche Belastungen, zum Beispiel durch Mykotoxine, sind nicht immer gleichmässig in einem Warenlos verteilt. Deshalb ist eine sorgfältige repräsentative Probenahme der erste wichtige Schritt, um zuverlässige Aussagen über die Sicherheit von Lebensmitteln zu treffen.

Lebensmittel werden häufig in grösseren Mengen hergestellt oder verarbeitet. Lebensmittel, die unter ähnlichen Bedingungen und aus denselben Rohwaren entstehen, werden zu einer Charge oder einem Warenlos zusammengefasst. Bei vielen dieser Lebensmittel sind die Eigenschaften innerhalb eines Warenloses weitgehend identisch. Eine einzelne Einheit, eine sogenannte Stichprobe, kann deshalb in der Regel stellvertretend für das gesamte Warenlos untersucht werden.
Bei anderen Lebensmitteln ist dies jedoch nicht so einfach. Besonders bei natürlichen Produkten wie Getreide, Nüssen, Samen, Gewürzen oder Trockenfrüchten können sich die Eigenschaften einzelner Einheiten deutlich voneinander unterscheiden. Das gilt insbesondere für die Belastung mit Mykotoxinen. Mykotoxine sind Giftstoffe, die von bestimmten Schimmelpilzen gebildet werden können. Sie können bereits auf dem Feld entstehen, aber auch während der Lagerung. Das Besondere daran, die Giftstoffe sind innerhalb eines Warenloses häufig nicht gleichmässig verteilt. Während ein Grossteil der Ware nur gering belastet sein kann, können einzelne Nüsse, Früchte oder Getreidekörner deutlich höhere Mengen an Mykotoxinen enthalten.
Genau hier liegt die Herausforderung: Wie kann man aus einer grossen Menge Lebensmittel eine kleine Probe entnehmen und trotzdem zuverlässig beurteilen, ob das gesamte Warenlos sicher ist? Die Antwort darauf lautet, repräsentative Probenahme. Dabei wird die Probe so ausgewählt, dass sie möglichst gut für die gesamte Menge steht. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Beurteilung. So wird einerseits zuverlässig verhindert, dass gesundheitsgefährdende Ware die Konsumentinnen und Konsumenten erreicht. Andererseits wird aber auch vermieden, dass gute Ware fälschlicherweise als belastet beurteilt wird, was zu Lebensmittelverschwendung und finanziellem Schaden führen würde.
Die benötigte Probenmenge und die Anzahl der Einzelproben hängt von der Produktart und der Grösse des Warenloses ab und wird gesetzlich festgelegt. Für Getreide werden z. B. bei einem Warenlos von 2 Tonnen 40 Einzelproben à 100 g entnommen, was ein Gesamtgewicht von 4 kg ergibt. Bei Feigen sind, für die gleiche Losgrösse, 60 Einzelproben à 300 g erforderlich, was eine Sammelprobe von 18 kg ergibt.
Für die Durchführung einer repräsentativen Probenahme sind eine gute Planung und ausreichend Zeit nötig. Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Einzelproben an verschiedenen Stellen des Warenloses zu entnehmen, so dass diese das gesamte Warenlos möglichst gut abbilden. Dabei wird darauf geachtet, die verbleibende Ware nicht unnötig zu beschädigen, sodass sie weiterhin verkauft werden kann.
Nach dem Transport ins Labor werden die Einzelproben zu einer Sammelprobe zusammengeführt. Diese wird zerkleinert und gründlich vermischt, um eine gleichmässige Verteilung der möglichen Kontaminanten im untersuchten Probenmaterial sicherzustellen. Anschliessend wird daraus eine kleinere Teilprobe für die Analyse entnommen. Ist die Sammelprobe grösser als 10 kg, wird sie zunächst in zwei oder mehr Laborproben aufgeteilt. Jede dieser Laborproben wird separat zerkleinert, vermischt und untersucht. Das gesamte Warenlos wird als sicher eingestuft, wenn keine der Laborproben eine Höchstwertüberschreitung aufweist.

Eine pink behandschuhte Hand hält getrocknete Feigen über einer Labormühle mit weiteren Feigen im Mahlbehälter.
Trockenfeige vor Vermahlung Quelle: Kantonales Labor Zürich, Mirjam Widmer

Wie wichtig dieses Vorgehen ist, zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Im letzten Herbst wurde eine repräsentative Probenahme bei einer 3'500 kg grossen Charge Feigen durchgeführt. Die Feigen verteilten sich auf 2’940 Kartons. Davon wurden 36 zufällig über die gesamte Charge verteilte Packungen, insgesamt 18 kg Feigen, entnommen. Die Feigen wurden im Labor anschliessend in zwei gleich grosse Proben aufgeteilt, vermahlen und analysiert. Die Analysen zeigten, dass eine der beiden Laborproben deutlich mehr Mykotoxin enthielt als gesetzlich erlaubt. Obwohl nur ein sehr kleiner Teil der insgesamt 3'500 kg Feigen untersucht wurde, konnte damit eine relevante Belastung des gesamten Warenloses festgestellt werden. Das Warenlos wurde als nicht sicher beurteilt und der Betrieb musste die 3'500 kg noch nicht verkaufter Feigen vom Markt zurücknehmen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, der erste Schritt zu einer zuverlässigen Beurteilung der Lebensmittelsicherheit beginnt nicht erst im Labor, sondern bereits bei der richtigen Probenahme.

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