Schuften für die Schulkultur

Rund 30 Eltern engagieren sich aktuell in den Elternforen der Schulen Zell. Sie backen Pizzas, organisieren Ferienprogramme und sind Drehscheibe zwischen Eltern und Schule.

Text: Abraham Gillis Fotos: Clara Neugebauer

Im Schatten der Turnhalle riecht es nach Pizza und Momos. Kinder rennen durch Gruppen von schwatzenden Eltern. Das Schulhausfest der Primarschule Rikon ist in vollem Gange. Christoph Bopp hievt eine dampfende Margherita aus dem mobilen Holzofen. Er ist Präsident des Elternforums (EFO) der Primarschule Rikon, einem von vier Foren der Schulen Zell. Insgesamt 31 Eltern engagieren sich an verschiedenen Anlässen. «Wir machen aber noch viel mehr», erklärt Bopp. «Wir sind die Drehscheibe zwischen Schule und Eltern. Manchmal müssen wir auch Wogen glätten.»

Viele Sport- und Quartiervereine im Kanton Zürich klagen über Mitgliederschwund. Nicht so die Elternforen der Schulen Zell hier im Tösstal. Warum ist das so? Was machen Eltern, Schule und Politik hier besser als an anderen Orten? Ramona Hefti vom EFO Rikon meint: «Es braucht einen guten Kern von Leuten, und diese ziehen dann weitere an.» Am Schulhausfest in Rikon arbeiten über 20 Mütter und Väter an den Essens- und Getränkeständen. Da sind zum Beispiel Sandra und Priscilla, die Eistee und Mineralwasser ausschenken. Sie sind beide EFO-Vorstandsmitglieder. Manchmal brauche es etwas Überzeugungsarbeit, sagt Sandra und lacht. Sie habe ihre Kollegin zwingen müssen. Tobias am Sirup-Cocktailstand sieht das anders: Das EFO mache es einem leicht, sich zu engagieren, sagt er und wischt mit dem Lumpen über den Tisch.

Ein Vater singt ein Lied mit Mikrophon.
Die Eltern bringen sich an der Primarschule Rikon nicht nur mit Ideen und Anliegen in den Schulalltag ein. Quelle: Clara Neugebauer

Klagen über fehlende Zeit

«Das meistgenannte Argument gegen ein Engagement im EFO ist die fehlende Zeit», sagt Lea Biffi, die amtierende Präsidentin aller Elternforen der Zeller Schulen. Dagegen ankämpfen könne man nur mit dem eigenen Engagement. «Wir leben es vor: Es geht auch, wenn jemand wenig Zeit hat. Und dann merkt man, wie viel man bewegen kann für die Kinder. Das motiviert viele.» Vielleicht hat das Engagement der Eltern auch damit zu tun, dass hier bereits viele in Vereinen organisiert sind? So argumentiert Anja Günter. Sie ist die Vertreterin des Sek-EFO der Schulen Zell. «Obwohl unsere Gemeinde klein ist, gibt es hier sehr viel freiwillige Mitarbeit in allen möglichen Bereichen, auch in den Vereinen.»

Für den Schulpfleger Michael Krützen ist klar, dass die professionelle Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Politik hier im Tösstal ausschlaggebend für den Erfolg der Zeller Elternforen ist. «Ich merke das zum Beispiel in der Stadt Zürich, wenn ich sage, dass ich aus dem Tösstal komme. Da belächeln mich viele. Ich sage dann immer: Ihr wisst gar nicht, wie professionell wir die Zusammenarbeit bei uns im Tösstal aufziehen.» Das bestätigt auch Franziska Böni, Schulleiterin der Primarschule Rikon: «Eine gute Zusammenarbeit ist eine Frage der Haltung. Es braucht Vertrauen, Offenheit, Wertschätzung und Wohlwollen.»

Eltern und Kinder sind im Einsatz.
Die Eltern: Sie leisten auch am Schulhausfest vollen Einsatz. Quelle: Clara Neugebauer

Keine Steine im Weg

Für Anja Günter ist es wichtig, dass die Ideen der Eltern gehört und wenn möglich unterstützt werden. Ein gutes Beispiel dafür sei der Zeller Ferienplausch, den sie anfangs gemeinsam mit Christoph Bopp organisiert habe. Zu Beginn sei es eine ziemliche Hauruckübung gewesen, doch hätten sie stets Rückhalt vonseiten der Schulen Zell erhalten. Heute ist das Freizeitprogramm deutlich grösser und bietet Anlässe vom Pferdereiten bis zur Kinderdisco. Es findet jeweils während der Frühlingsferien statt für Kinder und Jugendliche aller Zeller Schulen vom Kindergarten bis zur 3. Sekundarklasse. Beim KEO-Preis 2023 erreichte das Projekt von 15 eingereichten Elternmitwirkungsprojekten den dritten Platz.

Es brauche Offenheit von allen Seiten, sagt Ramona Hefti vom EFO Rikon. Ein gutes Beispiel dafür sei die sogenannte vom EFO organisierte «Retro-Pause». Dabei handelt es sich um eine Pause mit analogen Spielen von früher, etwa Gummitwist, Himmel und Hölle oder Seilspringen. Gerade in digitalen Zeiten gewinnen diese wieder an Bedeutung, sind die Eltern in Rikon überzeugt. Die Spezialpause findet zwei- bis dreimal im Jahr statt. Dafür habe die Schule ihre Pause etwas verlängern müssen. «Das wurde ohne Diskussion vom Lehrpersonen-Team und von der Schulleitung bewilligt, als wir mit unserer Idee kamen», sagt Hefti.

«Zugpferde» und Sichtbarkeit

Es braucht also einen guten Kern von Leuten, die sich freiwillig engagieren, gute Zusammenarbeit aller Beteiligen und so wenig Stolpersteine wie möglich. Das scheint an den Schulen Zell bestens zu funktionieren. Aber wie kam es dazu?

Früher habe es wenig bis gar keine Elternmitwirkung gegeben, sagt Anja Günter. Ausschlaggebend sei ein Schulfest gewesen vor zwölf Jahren. «Du brauchst zwei, drei Zugpferde, die andere ins Boot holen. Am Fest sind wir aktiv auf die Eltern zugegangen.» Dann seien sie mit den Lehrpersonen zusammengesessen und hätten geschaut, was es für eine gute Elternmitwirkung braucht und wo die Grenzen sind.

Jan Steiger ist Heilpädagoge an der Schule Rikon. Er erinnert sich an die Anfänge: «Vor zwölf Jahren waren fast keine Eltern mit dabei. Die Schule musste den Räbeliechtliumzug noch fast alleine stemmen. Heute wird der Anlass an der Primarschule Rikon vom EFO durchgeführt.» Wichtig sei gewesen, dass das EFO sichtbar wurde. Das habe zum Erfolg beigetragen. Seit damals ist viel passiert. Heute bringt das EFO an allen Standorten der Schulen Zell eigene Ideen und Anliegen ein. Diese werden diskutiert, geprüft und wenn möglich auch umgesetzt. Die einzelnen Vorstände arbeiten auch in einem Dach-Forum zusammen und organisieren Veranstaltungen für alle Schulen, zum Beispiel Elternweiterbildungen.

Eltern und Kinder sitzen an Festbänken.
Gemütliches Draussensitzen. Quelle: Clara Neugebauer

Grenzen der Elternmitwirkung

Es gibt aber auch Grenzen bei der Mitwirkung. Christoph Bopp macht ein Beispiel: «Wenn es Schüler gibt, die mit Lehrern Probleme haben. Das ist ganz klare Schulsache.» Anja Günter ergänzt: «Wir greifen nicht in das Schulische ein, sondern eher in die Zusammenarbeit oder in die Gestaltung des Schulalltags.»

Es komme aber zum Beispiel vor, dass sie fremdsprachigen Kindern und Eltern Dinge erklären, sagt die EFO-Präsidentin von Zell, Susie Strauss. «Wir haben zum Beispiel in Zell auch schon diskutiert, ob wir Nachrichten von der Schule in anderen Sprachen anbieten sollen.» Heute sei das dank KI-Übersetzung zum Glück weniger ein Thema. «Das EFO kann ein sehr gutes und vermittelndes Sprachrohr sein für die Schule den Eltern gegenüber», sagt Franziska Böni. «Für die gute Zusammenarbeit ist es wichtig, dass sich die Schulleitung, die Lehrpersonen und das EFO regelmässig austauschen.» Die Schulleiterin ist überzeugt, dass sich dies positiv auf die Kommunikation und die Kooperation mit den Eltern auswirkt.

Das Schulhausfest neigt sich dem Ende zu. An einem der Stände, welche die Schule organisiert, steht Thomas Heierli gestikulierend inmitten einer Gruppe von Schülerinnen. Er ist Lehrer an der Primarschule Rikon. Was ist seine Erklärung, warum Elternmitwirkung hier so gut funktioniert? «Es liegt am Spirit hier», sagt er.
 

Die Kantonale Elternmitwirkungs-Organisation KEO

Seit 2012 gibt es im Kanton Zürich die Kantonale Elternmitwirkungsorganisation(KEO). Sie ist der Dachverband der Elterngremien im Kanton Zürich. Gegründet wurde sie damals als Zusammenschluss diverser regionaler und städtischer Dachorganisationen. Mitglieder der KEO sind nicht die einzelnen Elterngremien, sondern die übergeordneten Schulgemeinden und -kreise.

Oliver Weingart, der Anfang März dieses Jahres das Präsidium übernommen hat, sieht die Funktion der KEO auf verschiedenen Ebenen «Wir möchten unter anderem den lokalen Elterngremien mit Rat und Tat zur Seite stehen» sagt er.

Dies einerseits mit Merkblättern oder dem KEO-Handbuch für die Elternmitwirkung, andererseits über Vernetzung der Elterngremien untereinander sowie mit Schulen und Behörden - etwa an Netzwerktagungen. Über die Mitwirkung der KEO in kantonalen Kommissionen und als offizielle Vernehmlassungspartnerin des Volksschulamts bringt der Verband zudem die Stimme der Elterngremien auf kantonaler Ebene ein. Oliver Weingart tauscht sich momentan häufig mit verschiedenen Elterngremien im Kanton aus. Diese sind in Sachen Elternmitwirkung sehr unterschiedlich aufgestellt, wie er feststellt. Auch beschäftigt ihn und den KEO-Vorstand die Frage, wie man Eltern einbeziehen kann, die für die Schulen oft schwieriger zu erreichen sind. «Ich weiss, dass viele Elterngremien hier Verschiedenes versuchen, etwa über Elternbildungsangebote oder Elterncafés.

Doch es bleibt herausfordernd.» Ein grosses Thema sind laut Oliver Weingart die Nutzung und der Einfluss digitaler Medien, das Eltern und Schulen gleichermassen umtreibe. An Lösungen müsse gemeinsam gearbeitet werden. Die KEO überarbeitet derzeit ihr Handbuch für die Elternmitwirkung und stellt es den Elterngremien der Mitgliederschulgemeinden in elektronischer Form kostenfrei zur Verfügung. Es kann auf der KEO-Website bestellt werden. Jedes Jahr vergibt sie zudem den KEO-Preis für spannende Projekte aus der Elternmitwirkung.

Projekte für den diesjährigen Wettbewerb können noch bis zum 31. November 2026 online eingereicht werden (Unter: «Elternprojekte»).

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