Impuls für die Zukunft

Alle fünf Jahre wieder: So oft prüft die Fachstelle für Schulbeurteilung jede Regelschule des Kantons. Ein Besuch bei der Sekundarschule Wila, die im letzten Schuljahr evaluiert wurde.

Text: Martina Bosshard Fotos: Marion Nitsch

Für einmal drücken heute in der Sekundarschule Wila der Schulleiter und die Lehrpersonen die Schulbank. An einem sonnigen Mittwochmorgen im Juni besammeln sie sich im Raum für den Naturwissenschaftsunterricht, in dessen Vitrinen Chemikalien, Reagenzgläser, Schutzbrillen und Modelle von Organen aufbewahrt werden. Die 70 Schülerinnen und Schüler des Schulhauses haben derweil frei, niemand rennt durch die Gänge. Auch der Pausenpatz im Grünen, der durch die grossen Fenster zu sehen ist, bleibt ausnahmsweise leer.

Vor der Wandtafel steht Barbara Freigang von der Fachstelle für Schulbeurteilung (FSB). «Willkommen zum letzten Puzzlestein der Evaluation», sagt sie bei der Begrüssung. Die ausgebildete Lehrerin, lockiges Haar, farbenfrohe Bluse, nimmt beim Impulsworkshop eine Moderatorinnen-Rolle ein. Was sie heute mit den Teilnehmenden vorhat, ist weit entfernt von Frontalunterricht. «Der Workshop setzt einen schulinternen Prozess in Gang, ich präsentiere keine Lösungen. Die Schule bestimmt, wie ihr Weg aussehen soll», sagt sie.

Barbara Freigang steht vor Lehrpersonen und antwortet auf Fragen.
Barbara Freigang von der FSB geht auf jede Frage ein. Quelle: Marion Nitsch

Begleitung der Evaluation

In den vorhergehenden Monaten hat Barbara Freigang die Evaluation der Sekundarschule geleitet. Eine solche durchläuft jede Schule im Kanton Zürich einmal in fünf Jahren. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat Barbara Freigang schriftliche Befragungen von Lehrpersonen, Jugendlichen und Eltern ausgewertet, mündliche Interviews geführt, einzelne Lektionen und Pausensituationen beobachtet und einen Bericht geschrieben. Einige Wochen vor dem Impulsworkshop hat sie der Schule die Ergebnisse der Evaluation vorgestellt.

Barbara Freigangs wichtigster Ansprechpartner bei der Schule ist der Schulleiter Roman Gut. Er arbeitet seit vier Jahren in Wila. «In die Vorbereitung der Evaluation, insbesondere das Zusammenstellen der Unterlagen, habe ich viel Zeit investiert», sagt er. Die Erkenntnisse der Beurteilung hält er für sehr hilfreich. «Ich will nun den Schwung aus der Evaluation mitnehmen und an den Themen weiterarbeiten, bei denen wir uns verbessern können», sagt er. Der Schulleiter schätzt, dass er sich am heutigen Workshop als Teilnehmer einbringen und sich auf die inhaltliche Diskussion konzentrieren kann.

Die Schule wählt das Thema

Für die Veranstaltung konnte die Schule in Wila ein Thema auswählen. Sie entschied sich für die Elternmitwirkung. In der Regel besucht jeweils eine Gruppe von sechs bis acht Personen den Impulsworkshop. Roman Gut hat aber das ganze Team aufgeboten. «Wir arbeiten partizipativ, es ist mir wichtig, dass alle Lehrpersonen ihre Stimme einbringen können», sagt er. Was in einer grösseren Schule nicht möglich wäre, funktioniert hier. Mit zwölf Lehrpersonen für vier Klassen ist der Schulbetrieb überschaubar. Ebenfalls dabei sind ein Vertreter und eine Vertreterin der Schulbehörde.

Lehrpersonen sitzen an einem Tisch, diskutieren und hören sich zu.
Roman Gut, Schulleiter (helles Hemd), Lehrpersonen und Verantwortliche der Schulbehörde hören aufmerksam zu. Quelle: Marion Nitsch

Das Instrument des Impulsworkshops hat die Fachstelle für Schulbeurteilung vor fünf Jahren eingeführt, auf Wunsch des Schulfelds. Dies, weil den Schulen im hektischen Alltag oft die Zeit fehlt, um sich mit grundsätzlichen Fragen und der längerfristigen Entwicklung zu befassen. «Der Workshop bietet den Schulen die Möglichkeit, ausgehend von der Evaluation, gemeinsam mit Mitgliedern der Schulbehörde Perspektiven zu erarbeiten. Diese werden dann auch von allen getragen», sagt Andreas Brunner, Leiter der Fachstelle für Schulbeurteilung. «Wir begleiten den Übergang vom Verstehen der Evaluationsergebnisse zum Handeln. Im Rahmen des Impulsworkshops können wir unser Wissen zur konkreten Schule und die Erfahrung aus anderen Schulen einbringen.» Das Thema Elternmitwirkung wird nicht oft gewählt, die meisten Schulen wollen über die Zusammenarbeit im Team, das Schulprogramm (insbesondere das pädagogische Profil) oder die Beurteilungspraxis diskutieren.

In Wila wählen alle Teilnehmenden zu Beginn aus einer grossen Auswahl an Bildern zwei für sich aus. Das erste steht für den Ist-Zustand, das zweite für den Wunsch-Zustand im Hinblick auf die Elternmitwirkung. Die anschliessende Diskussion hilft beim gemeinsamen Erarbeiten einer Vision. Barbara Freigang hat für den Workshop einen ganzen Koffer mit Hilfsmitteln mitgebracht: Kärtchen, Magnete, Filzstifte für den Flipchart und farbige Punkte zum Aufkleben. Mit verschiedenen Methoden sorgt sie dafür, dass die Ideen sprudeln und danach weitergedacht und gewichtet werden. Ihre energische und zugewandte Art wirkt ansteckend. Alle Teilnehmenden bringen sich ein. Die Gespräche – zu zweit, in Gruppen und im Plenum – sind lebhaft. Der Ton bleibt locker und freundschaftlich – auch wenn die Meinungen durchaus mal auseinandergehen.

Eine Lehrperson hält ein Bild in der Hand.
Die Lehrpersonen entwickeln Visionen mit Symbolbildern und tauschen sich über verschiedene Ideen aus. Quelle: Marion Nitsch

Eltern einbeziehen

Das Anliegen der Schule ist, die Eltern stärker einzubinden. Im Schulhaus werden alle Klassen alters- und leistungsdurchmischt geführt. Die Jugendlichen erhalten über die ganze Oberstufe hinweg ein individuelles Lerncoaching und arbeiten viel selbstständig. Die Verantwortlichen der Schule möchten den Eltern ihr pädagogisches Konzept näherbringen und den Dialog zwischen den Lehrpersonen und den Erziehungsberechtigten vertiefen. Bei der Diskussion zu möglichen Verbesserungen achtet Barbara Freigang stets darauf, dass nicht vergessen geht, was die Schule bereits gut macht. Ziel ist, Stärken zu erkennen und auszubauen.

Als Barbara Freigang am Mittag sagt, sie müsse die Veranstaltung nun beenden, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast schon überrascht, so schnell vergangen ist der Vormittag. Auch wenn nicht für alle Punkte auf dem Programm Zeit blieb, ist die Spezialistin der Fachstelle zufrieden mit dem Output. So auch der Schulleiter: «Wir sind in der Planung bereits einen grossen Schritt weitergekommen. Miteinander können wir viel erreichen. Zum Glück haben wir heute Nachmittag noch Zeit eingeplant, um das weitere Vorgehen zu skizzieren.»

20 Jahre Fachstelle für Schulbeurteilung

Die Fachstelle für Schulbeurteilung (FSB) des Kantons Zürich besteht seit 2006, aktuell beschäftigt sie rund 40 Mitarbeitende. Die für die Evaluationen zuständigen Personen kennen das Zürcher Schulsystem aus der Praxis und verfügen über Erfahrung in den Bereichen Unterricht, Schulleitung, Heilpädagogik und Beratung. Im Auftrag des Kantons evaluiert die Fachstelle Regelschulen, Sonderschulen und Heimschulen. Dabei bringt sie sowohl ihre fachliche als auch ihre methodische Kompetenz ein und gibt Impulse für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung in den Schulen.

Im Sommer 2026 hat die Fachstelle einen neuen Evaluationszyklus gestartet. Sie setzt auf Kontinuität und Stabilität; die Überprüfung der Schulen bleibt über weite Strecken gleich. Der Prozess wurde aber verschlankt und weiter digitalisiert. Neu ist auch die spezifische Überprüfung von Tagesschulen, diese kann konkret auf dieses Modell eingehen. Ausserdem wurden verschiedene zusätzliche Fokusmodule entwickelt, von denen die Schulen freiwillig eines auswählen können. Im Angebot sind unter anderem «Sprachförderung Deutsch im Regelunterricht», «Berufswahlvorbereitung für Sekundarschulen» oder «Gesundheitsförderung und Prävention».

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