Berufslehre heute: Systemgastronomiepraktiker

Früher hat Hugo Romero die Hamburger von McDonald’s nur gegessen, als angehender Systemgastronomiepraktiker produziert er sie auch. Sein Berufsbildner Roger Lüscher ist überzeugt, dass dank der neuen zweijährigen Lehre mehr Jugendliche den Weg in die Gastronomie finden werden.

Der Lernende und sein Berufsbildner stehen in der Küche des McDonalds.
Hugo Romero, Lernender (links) und Roger Lüscher, Berufsbildner (rechts). Quelle: Sabina Bobst

Text: Andreas Minder Foto: Sabina Bobst

Hugo Romero ist ein Pionier. Er gehört zum ersten Jahrgang junger Leute, die den Beruf des Systemgastronomiepraktikers EBA erlernen, und er ist der erste Lernende im McDonald’s-Restaurant an der Badenerstrasse in Bülach. Die Verordnung für den neuen Beruf ist Anfang 2025 in Kraft getreten, der McDrive, in dem Hugo Romero lernt, wurde im August desselben Jahres eröffnet. Das Drive-in-Restaurant hat die bekannten Erkennungszeichen: das goldene M, die grossen Bestellterminals, das robuste Mobiliar. Und nicht nur der visuelle Auftritt ist genormt. Auch die Burger, die Chicken Wings und die Donuts, die es hier gibt, sind gleich wie jene, die in den McDonald’s in Genf, Spreitenbach oder Bellinzona serviert werden.

Drei Arbeitsbereiche in einem

«Das ist Systemgastronomie», sagt Roger Lüscher. Er ist der Chef von Hugo Romero und betreibt als Franchisenehmer neun McDonald’s-Filialenin der Flughafenregion und in Winterthur. Für diese Sorte Restaurants wurde 2013 der Beruf des Systemgastronomiefachmanns respektive der Systemgastronomiefachfrau EFZ aus der Taufe gehoben. Er kombiniert Kompetenzen mehrerer anderer Berufe. «Er ist zwischen dem Kaufmännischen, der Küche und dem Service angesiedelt», erklärt Lüscher. «Er beschränkt sich nicht auf einen dieser drei Arbeitsbereiche der Gastronomie, sondern deckt das ganze Spektrum ab.»

In den Migros- und Coop-Restaurants, den Burger Kings und anderen Restaurantketten ist genau das gefragt. «Der Beruf hat sich bewährt», sagt Lüscher, der in seinen Betrieben rund 350 Mitarbeitende beschäftigt sowie zehn EFZ- und sechs EBA-Lernende ausbildet. Aber es habe sich gezeigt, dass es eine Ergänzung zu der sehr anspruchsvollen Lehre brauche. «Wir brauchen auch junge Menschen, deren Stärken besonders im praktischen Bereich liegen.» Für sie sei das Berufsbild des Systemgastronomiepraktikers entwickelt worden. Es ist eine abgespeckte Version des dreijährigen Pendants. Insbesondere ein paar administrative Lerninhalte wurden weggelassen. «Ein Systemgastronomiefachmann führt eine Schicht, der Praktiker ist Teil des Teams», fasst Lüscher die Unterschiede zusammen.

Das Berufsbild bleibt breit. Hugo Romero kontrolliert das Material und die
Lebensmittel, die ankommen, er betreut die Gäste am Drive-in, an der Kasse und im Speisesaal. Und natürlich bereitet er Burger, Salate, Saucen und Kaffee zu. Nach seinen Lieblingstätigkeiten gefragt, sagt er, dass er sehr gerne Anlieferungen entgegennehme und kontrolliere. Freude mache es ihm auch, neuen Mitarbeitenden zu zeigen, wie bei McDonald’s gearbeitet werde. Und wenn es am Mittag etwas hektischer zu- und hergeht, ist das für den jungen Mann auch kein Problem. Im Gegenteil: «Ich habe es gern, wenn viel läuft, wenn etwas Action ist.» Das ist wohl auch deshalb so, weil der Druck, dem er ausgesetzt wird, wohldosiert ist. «Wir achten darauf, dass die Lernenden in stressigen Situationen immer begleitet sind», betont Roger Lüscher.

Teamplayer gefragt

Als Kunde kennt Hugo Romero McDonald’s schon lange, aber dass man in diesen Restaurants auch eine Lehre machen kann, erfuhr er erst in der Zeit der Berufswahl. Weil die Gastronomie eines der Berufsfelder war, die er sich vorstellen konnte, stiess er auf dem Lehrstellenportal Yousty.ch auf McDonald’s und meldete sein Interesse an. «Nach einer halben Stunde kam die Einladung für ein Vorstellungsgespräch.» Nach einer Schnupperwoche war für ihn und den Lehrbetrieb klar, dass sie es miteinander versuchen wollten.

Roger Lüscher legt bei der Auswahl der Lernenden grossen Wert auf soziale Kompetenzen. «Wir sind ein grosses Team, da muss man sich einfügen und miteinander kommunizieren können.» Teamfähigkeit ist deshalb für ihn wichtiger als Schulnoten. Für die EBA-Lehre gilt das noch stärker als für das EFZ. Die tiefere Eintrittsschwelle vergrössere den Rekrutierungspool, sagt Lüscher. «Die zweijährige Lehre ist ein praktischer Einstieg, an den später die verkürzte EFZ-Lehre angehängt werden kann. Ich glaube, wir können so insgesamt mehr Jugendliche abholen.»

Nach dem ersten Lehrjahr zieht Hugo Romero eine positive Bilanz. Die Arbeitstage seien kurzweilig und immer etwas anders. «Ich bin happy mit der Erfahrung bis jetzt.» Dass die Arbeit körperlich anstrengend sei und er gelegentlich am Wochenende arbeiten müsse, ändere daran nichts. Er kann sich denn auch vorstellen, nach der Lehre bei McDonald’s weiterzuarbeiten. «Ich würde gerne die EFZ-Lehre machen», sagt er. Eine Aufgabe, die ihn später besonders reizen würde, wäre die des Berufsbildners. «Mit Lernenden zu arbeiten, fände ich spannend.» Er könnte also dereinst der erste Systemgastronomiepraktiker sein, der Berufsbildner wird. 

Der Lernende und sein Berufsbildner schauen fröhlich aus dem Fenster des McDonalds Drive-In.
Berufsbildner Roger Lüscher (rechts) ist wichtig, dass die Lernenden gute Sozialkompetenzen mitbringen. Quelle: Sabina Bobst

Der Beruf Systemgastronomiepraktiker/in EBA

Ausbildung: zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA). Voraussetzungen: abgeschlossene Volksschule, Freude am Umgang mit Menschen und Lebensmitteln, Belastbarkeit, Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten, gute Umgangsformen, Sinn für Ordnung und Sauberkeit, guter Geruchs- und Geschmackssinn. Karrieremöglichkeiten: verkürzte Ausbildung Systemgastronomiefachmann/-frau EFZ, vielfältige Weiterbildungsangebote von Berufsverbänden, Fach- und Berufsfachschulen, nach einigen Jahren Berufserfahrung verschiedene Berufsprüfungen (BP) und Höhere Fachprüfungen (HFP), diverse Ausbildungsgänge im Bereich Gastronomie an Höheren Fachschulen und Fachhochschulen.

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