Berufslehre heute: Maurer

Vom ersten Rapport bis zum Mauerbau-Profi: Sebastian Quaderer steht kurz vor seinem Lehrabschluss als Maurer und mag die Arbeit mit Köpfchen im Freien. Auch Berufsbildner Luca Delle Cave betont, dass der Beruf weit mehr erfordert als Muskelkraft und Ausdauer.

Text: Bettina Deggeller Foto: Sabina Bobst

Vom ersten Rapport bis zum Mauerbau-Profi: Sebastian Quaderer steht kurz vor seinem Lehrabschluss als Maurer und mag die Arbeit mit Köpfchen im Freien. Auch Berufsbildner Luca Delle Cave betont, dass der Beruf weit mehr erfordert als Muskelkraft und Ausdauer.

Berufsbild heuteMaurer Luca und SebiStalder AGChefistrasse 198636 Wald ZH17.4.2026
Sebastian Quaderer (links) arbeitet gern mit den Händen und an der frischen Luft. Quelle: Sabina Bobst

Mit dem Berufsbildner Luca Delle Cave und dem Lernenden Sebastian Quaderer geht die Fahrt zu einem Neubau in der Zürcher Gemeinde Wald, in der auch die Stalder AG angesiedelt ist. Hier erhält man einen Eindruck davon, wie anspruchsvoll das Bauhandwerk ist. Auf einer Fläche von circa 2000 Quadratmetern entstehen drei zusammenhängende Mehrfamilienhäuser mit gut 35 Wohnungen. Der Aushub ist gemacht, die ersten Etappen sind betoniert. Für die weiteren Etappen sind die Eisen verlegt und bereit zum Betonieren.

Das Einlegen der Eisen in den Beton, das sogenannte Armieren, macht den Baustoff stabiler. Ein am Kran hängender Betonkübel schwebt über die Köpfe der Umstehenden. Der Kranführer lenkt den Kübel zu der vorbereiteten Stelle. Die Arbeiter öffnen ihn und giessen den Beton zwischen die Eisen. Nachdem die Arbeiter den Beton verteilt, verdichtet und geglättet haben, ist eine weitere Bodenplatte fertiggestellt.

Teamarbeit und guter Lohn

Die Arbeiter erstellen den Rohbau des Gebäudes. «Das Erstellen der Mauern, Stein für Stein mit Mörtel, das machen vor allem Akkordmaurer», erklärt Sebastian Quaderer. «Wir bereiten für sie alles vor.» Den Rohbau zu errichten, ist eine zentrale Aufgabe eines Maurers im Bereich Neubau. Aus verschiedenen Systemen fertigt er Schalungen an − unter anderem auch aus Holz −, in die der Beton gegossen wird. Wenn der Beton ausgehärtet ist, wird die Schalung wieder entfernt, so entsteht beispielsweise eine Betonwand oder eine Betondecke. Betongiessen ist eine Lieblingsaufgabe des 18-Jährigen: «Das ist das Coolste, darauf arbeitest du meist mehrere Tage hin. Das Betonieren selbst dauert dann nur ein paar Stunden.»
 

Die Erstellung eines Rohbaus ist Teamarbeit. Bei der Firma Stalder setzt sich das Team jeweils aus mehreren Berufsgattungen zusammen: Polier/Vorarbeiter, Maurer, Bauarbeiter, Kranführer. Je nach Grösse und Komplexität variiert die Zusammenstellung. Teamfähigkeit ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für diesen Beruf. Hinzu kommen handwerkliches Geschick und die Motivation, die Berufsbildner Luca Delle Cave am stärksten gewichtet: «Die Motivation und das soziale Umfeld sind am wichtigsten. Bei einem funktionierenden sozialen Umfeld werde ich als Ausbildner unterstützt, wenn bei einem Lernenden mal eine Kurskorrektur notwendig wird.»

Wieso hat sich Sebastian Quaderer für die Maurerlehre entschieden? Ihm gefällt, dass er in diesem Beruf viel an der frischen Luft ist und sieht, was er gemacht hat. Er sei ein Typ, der gerne stets etwas zu tun habe oder «schafft». Auch in seiner Freizeit ist er oft draussen, wenn er mit Freunden grilliert oder seinem Hobby, dem Fischen, nachgeht.
Die Arbeit auf der Baustelle beginnt im Sommer um 7 Uhr, im Winter um 7.30 Uhr. Zuvor muss im Betrieb das Auto beladen und alles Nötige vorbereitet werden. Der Verdienst ist im Vergleich zu anderen Lehren eher hoch: Im ersten Lehrjahr mindestens 1050 Franken, im dritten 2000 Franken.

Digitales ergänzt das Handwerk

Jeden Donnerstag tauscht Sebastian Quaderer den Bauhelm gegen den Stift und besucht die Berufsfachschule in Winterthur. «Als Maurer muss man etwas im Kopf haben», sagt er. So muss er beispielsweise Pläne lesen können, damit er weiss, wo die Mauern hinkommen. Dafür besucht er das Fach «Konstruktionszeichnen ». In der Baustoffkunde lernt er die Stoffe kennen, die ein Maurer im Alltag braucht. Darunter fallen verschiedene Mörtelarten, die Zusammensetzung von Beton, Abdichtungsstoffe oder Holzarten. Das dritte Fach in der Fachkunde ist Mathematik. Präzise Höhenangaben, sogenannte Höhenkoten, müssen ausgerechnet und Masse auf den Plänen angezeichnet werden. Angehende Maurer lernen neben Schalen und Mauern auch Spezialarbeiten wie etwa das Verputzen einer Wand.
 

Ein junger und ein etwas älterer Mann stehen mit ihrem Werkzeug in einem Aushub,.
Sebastian Quaderer (li), Lernender, und Luca Delle Cave, Ausbildner, arbeiten gemeinsam auf der Baustelle für ein Mehrfamilienhaus. Quelle: Sabina Bobst

Als Berufsbildner und Berufsschullehrer im Nebenamt hat Luca Delle Cave einen direkten Einblick in die schulische Ausbildung der Lernenden. Einen Tag pro Woche unterrichtet er Fachkunde an der Berufsbildungsschule Winterthur. Mit der Umsetzung der Reform «Masterplan 2030» kam viel Bewegung in die handwerkliche Berufsausbildung. Einige Änderungen findet der 38-Jährige gut, andere weniger. Sicher ist, dass digitale Hilfsmittel zunehmen. Auf der Baustelle werden Pläne vermehrt auf Bildschirmen statt auf Papier gelesen. Schade sei, wenn durch diese zusätzlichen schulischen Anforderungen handwerklich talentierte Jugendliche abgeschreckt würden. Aber er sieht die Zukunft des Berufs positiv: «Ich glaube, dass die Berufe auf dem Bau und das Handwerk allgemein an Ansehen gewinnen, weil den Leuten ihre Wichtigkeit wieder bewusst wird.»

Die Stalder AG in Wald jedenfalls kennt keine Nachwuchsprobleme. Im August starten vier neue Lernende. Die dann insgesamt sieben Lernenden werden von Luca Delle Cave und dem ganzen Stalder- Team ausgebildet – auch vom bis dorthin ausgelernten Sebastian Quaderer. Zusammen mit den anderen langjährigen Mitarbeitenden bildet er das solide Fundament des Bauunternehmens.