«Um 7 Uhr bin ich nicht lernfähig»
Schulblatt 05.03.2026
Fünf Fragen an Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle-Gesellschaft Zürich.
Welche Schulreise ist Ihnen speziell in Erinnerung geblieben und warum?
Unsere Abiturreise nach Rom. Wir konnten die Gräber unter dem Petersdom besichtigen, die zu dieser Zeit noch nicht öffentlich begehbar waren. Weil unsere Lateinlehrerin Frau Friedrich einen guten Draht in den Vatikan hatte, durften wir in diese «Unterstadt». Bis heute hält meine Begeisterung für Rom an.
Welche Lehrperson werden Sie nie vergessen?
Meine allererste Volksschullehrerin: Frau Steding war streng und wir liebten sie. Zu Beginn des Unterrichts musste die gesamte Klasse aufstehen, um gemeinsam Kinder-, Kirchen- oder Volkslieder zu singen. Manchmal gab sie uns drei Stichworte und damit sollten wir eine Geschichte vom letzten Wochenende erzählen oder erfinden. Jeder hatte Sorge, dranzukommen, aber es hat natürlich das Auftreten geschult. Im Nachhinein betrachtet, finde ich das sehr modern.
Welches war Ihr liebstes Fach und weshalb?
Man wird sich vielleicht wundern, aber mein absolutes Lieblingsfach war Mathematik, gefolgt von Latein und Tanzen. Ich hatte einen tollen Mathelehrer. Herr Simossek war ein etwas verwirrter, wunderbarer Mensch; eigentlich eher ein Künstlertyp als ein Pädagoge. Zum Beispiel brachte er uns die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf eine so philosophische Art und Weise bei, dass meine Liebe zur Mathematik bis heute geblieben ist.
Was haben Sie in der Schule fürs Leben gelernt?
Der Schuldirektor meines Gymnasiums schickte mich mit 14 Jahren zu einem Rhetoriktraining. Da habe ich mich, fern von zu Hause, mit älteren Schülern von morgens bis abends mit dem Thema Sprache auseinandergesetzt. In dieser Woche habe ich sehr viel gelernt. Ebenso nahm ich mit, dass man – wenn man selbst gezielt gefördert wurde – auch andere fördern muss, sobald man dazu in der Lage ist.
Was hat Ihnen in der Schule gar nicht gefallen?
Es gab die sogenannten «Nullten Stunden», die begannen morgens um zehn nach sieben. Es wurde ein Wahlfach unterrichtet, der Besuch war freiwillig. Während eines Schuljahres habe ich es ein einziges Mal geschafft, diesen Unterricht wahrzunehmen. Ich bin morgens um sieben Uhr einfach nicht lernfähig und habe ständig verschlafen.