«Englisch ist mein Werkzeug und mein Reisebegleiter»

Bilingualer Unterricht («bili») ermöglicht es Jugendlichen, in der Berufslehre nebenbei Englisch zu lernen. Der Schulstoff wird dabei auf Englisch und Deutsch unterrichtet. Wie das funktioniert und was ihn motiviert, erklärt «bili»-Schüler Djimon Scafuro im Interview.

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Im «bili»-Unterricht unterhalten sich die Schülerinnen und Schüler häufig auf Englisch, um ihre Sprachkenntnisse zu festigen. Quelle: iStock

Djimon Scafuro, du hast dich für eine «bili»-Berufslehre entschieden, eine Ausbildung in Deutsch und Englisch. Weshalb?

Schon vor meiner Lehre kam ich mit Englisch in Kontakt. Die Sprache ist omnipräsent im Alltag, sei es zum Beispiel beim Newslesen, auf Social Media oder bei meiner Passion, dem Gamen. Gerade durch Videospiele lernte ich Menschen aus anderen Kulturen kennen, konnte mich dank Englisch verständigen und Freunde finden. So kam mir die Idee, dass mich diese Fremdsprache auch im Berufsleben auf das nächste Level bringen kann. Ich dachte mir: Do it!

Inwiefern hilft dir die «bili»-Ausbildung konkret?

In den Ferien im Ausland kann ich jeweils viel rascher nach dem Weg fragen oder etwas zu Essen bestellen. Doch im Gegensatz zu umgangssprachlichen Ausdrücken sind Fachbegriffe schwerer zu lernen. Mit «bili» erhalte ich das nötige Vokabular für meinen angehenden Beruf als Mitarbeiter in einer zweisprachigen Kita. Englisch sehe ich aber auch als Schlüssel dafür, um mich in einer diversen Gesellschaft und auf dem internationalen Arbeitsmarkt zurechtzufinden.

Eine zusätzliche Sprache ist auch immer ein nützlicher Skill für den Lebenslauf.

Portraitfoto von Djimon Scafuro, bili-Absolvent
Djimon Scafuro absolviert eine «bili»-Berufslehre. Quelle: zVg

Zur Person

Djimon Scafuro (19) absolviert seine Berufslehre zur Fachperson Betreuung bilingual. Das heisst, er besucht am Bildungszentrum Zürichsee in Horgen zweisprachigen Unterricht in Deutsch und Englisch. Nach Abschluss seiner Lehre möchte sich Djimon zur Primarlehrperson weiterbilden. 

Was ist unter «bili»-Unterricht – nebst Vokabular büffeln – zu verstehen?

In einer bilingualen Lehre verwendet man Englisch häufiger. Nebst Englisch als klassischem Schulfach habe ich Berufskunde und den allgemeinbildenden Unterricht auf Deutsch und Englisch. Arbeitsblätter oder Teile von Prüfungen sind beispielsweise zweisprachig verfasst. Und im Unterricht sprechen wir viel: Wir müssen uns in Gruppen und Einzelgesprächen verständigen.

Welche Eigenschaften sollten «bili»-Interessierte mitbringen?

Mit einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber Neuem ist man bereits ready für «bili». Es braucht keine besonderen Englisch-Vorkenntnisse oder von Fremdsprachen generell. Man wird auch nicht einfach ins kalte Wasser geworfen, sondern von den Lehrpersonen langsam an den zweisprachigen Unterricht gewöhnt. Die Lehrerinnen und Lehrer sind wirklich cool drauf und halten die Lektionen teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englisch ab.

Weshalb empfiehlst du Lernenden den bilingualen Unterricht?

Wenn man eine «bili»-Lehre macht, lernt man quasi gratis eine Fremdsprache dazu. Denn Lernen und Prüfungen gehören sowieso zum Schulalltag von Lernenden. Warum also nicht gleichzeitig seine Englischkenntnisse verbessern? Es ist viel schwieriger und mit mehr Aufwand verbunden, eine Sprache im Nachhinein zu lernen.

Und mit «bili» macht Lernen auch einfach Spass und ist abwechslungsreich. Zum Beispiel kann man einen Austauschaufenthalt in Irland machen. Es gibt auch verschiedene Aktivitäten wie zum Beispiel den Workshop «English in Action», in dem man Englisch anhand von Spielen und Diskussionen erlernt. Am Schluss der Ausbildung bekommen wir auch ein Zertifikat. So hält man ein Papier in der Hand, das schwarz auf weiss zeigt, dass man eine wichtige internationale Sprache spricht.

Du und Fremdsprachen, hat das schon immer gepasst?

Hmm, darf ich den Joker nehmen? Spass beiseite: Früher war eine Fremdsprache wie zum Beispiel Französisch nicht so meins. Die Betonung liegt dabei aber auf «war». Jetzt kann und möchte ich auf eine weitere Fremdsprache wie Englisch nicht mehr verzichten. Bei der Arbeit mit internationalen Kundinnen und Kunden, in meinem privaten Umfeld und beim Reisen profitiere ich von der zusätzlichen Sprache stark. Englisch ist mein Werkzeug und mein Reisebegleiter.

«bili» in Zahlen

Bilingualer Unterricht («bili») in Deutsch und Englisch wird im Kanton Zürich an 19 Berufsfachschulen und Berufsmaturitätsschulen angeboten. Insgesamt besuchen mehr als 3100 Lernende aus rund 40 Berufen den zweisprachigen Unterricht. Und eine letzte Zahl: «bili» gibt es in Zürich bereits seit 1999. 

Bili im Kanton Zuerich

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