LSZ Impact – The Cause of Health

Gruppenfoto an der Life Science Zurich Impact Conference

Unser Gesundheitssystem fokussiert stark auf die Heilung von Krankheiten und weniger auf die Erhaltung der Gesundheit – das liegt auch an einem Mangel an Daten. Auf einer internationalen Konferenz hat das Life Science Zurich Business Network Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengebracht, um neue Modelle zu finden.

Die Konferenz war der Partizipation gewidmet. So haben rund 370 internationale Experten unter dem Titel «The Cause of Health» nicht nur über Referate zu Forschungsprojekten diskutiert, sondern auch konkret den Schulterschluss gefunden.
Die Konferenz, die darauf abzielte, Forschern aus Wissenschaft und Wirtschaft eine Plattform zu bieten und Menschen zusammenzubringen. wurde organisiert durch das Life Science Zurich (LSZ) Business Network, einer gemeinnützigen Vereinigung von Zürcher Akteuren aus Hochschulen, Industrie und Behörden, der Standortförderung des Kantons Zürich im Amt für Wirtschaft und Arbeit und dem Bio-Technopark Schlieren-Zürich. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), die Universität Zürich (UZH), die ZHAW School of Life Sciences and Facility Management sowie die Stadt Zürich waren Partner der Konferenz, weiter unterstützt wurde der Anlass durch die Sponsoren Universitätsspital Zürich sowie Wyss Zürich.

Zudem konnte man mit einer Premiere aufwarten: Vor Ort wurde die Schweizerische «Cause of Health Kohorte» (Swiss COHCOH) offiziell gestartet. Mehr als hundert Teilnehmende haben am Konferenztag mit einer vierzehntägigen Blutzuckermessung begonnen, deren Daten später dem Projekt SugarandMe sowie COHCOH zur Verfügung stehen sollen. Wissenschaftler der UZH und der ETH gehen hier mit gutem Vorbild voran und arbeiten an Datensätzen, die Aufschluss über die Gesundheit geben, so Mitinitiator, Präsident des Bio-Technoparks Schlieren und ETH-Professor Ernst Hafen: «Wir setzen gemeinsam mit Bürgern ein Zeichen und kooperieren über die Grenzen hinweg.» Dabei sollen die Daten auf Basis der genossenschaftlich organisierten Schweizer Gesundheitsdatenbank MiData fest in den Händen der Bürger bleiben – diese entscheiden auch, wofür die Daten verwendet werden.

Forschung für fundierte Hilfestellung

Der Tenor des Tages war deutlich: Um den Fokus noch stärker auf die Gesunderhaltung setzen zu können, braucht es fundierte digitale Anwendungen und Daten aus den Phasen, in denen Menschen gesund sind. Wichtig sind dabei neben Geninformationen insbesondere Daten zur Lebensführung und zu Umweltbedingungen. Die meisten medizinischen Daten werden jedoch im Krankheitsfall erhoben.

Auf der anderen Seite nehmen das Digitalangebot von Gesundheitslösungen und das unsystematische Sammeln von Gesundheitsdaten via Smartphone-Apps rasant zu. 300’000 Gesundheitsanwendungen würden im App-Store angeboten, führte Claudia Witt in ihrem Referat aus. Die Professorin am Universitätsspital Zürich (USZ) fügte hinzu: «Nur bei einem Bruchteil davon wurde die Wirksamkeit untersucht.» Dass es auch anders geht, zeigen Witt und ihr Team im Bereich der Mind-Body-Medizin in Pilotprojekten. Geforscht wird etwa auch zur Gestaltung von Angeboten, damit Nutzende langfristig bei der Stange bleiben.

Chancen und Hürden digitaler Lösungen

Digitale Anwendungen ermöglichen neue Wege, Kohorten zu organisieren und dabei kommt immer häufiger Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Professor Marcel Salathé vom Lab of Digital Epidemiology der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) präsentierte mit Food&You eine digitale Kohorte, bei der unter anderem Essgewohnheiten gemessen werden. «Wir kommunizieren nur digital und die Hürde zur Teilnahme kann so gering wie möglich gehalten werden», so Salathé. Jeder Teilnehmende kann Fotos seiner Mahlzeiten per Smartphone-App hochladen. Mithilfe von KI werden zu einem grossen Teil die Nahrungsmittel automatisiert erkannt. Salathé betonte: «Es ist nicht zu unterschätzen, dass grosses IT-Know-how notwendig ist.»

Wie komplex die technische Umsetzung digitaler Gesundheitsanwendungen sein kann, das unterstrich in seinem Referat insbesondere Tavpritesh Sethi vom Indraprastha Institut für Informationstechnologie im indischen Delhi. Digitale Lösungen sind laut Sethi die Zukunft im Gesundheitsbereich, doch es braucht noch viel Forschung, um das Potenzial voll zu entfalten. Er nannte die künftige Generation von digitalen Anwendungen «Healthcare 5.0», die neben technischer Raffinesse auch soziale Elemente wie Empathie brauche. Um derlei in die digitale Zukunft zu bringen, müssten interdisziplinär viele Brückenbauer zusammenwirken, so Sethi.

Neue Daten zu gesundem Altern

Im Bereich der Gesundheitsforschung existieren gross angelegte Kooperationsprojekte, an denen Zürcher Institutionen beteiligt sind. So ist die Universität Zürich Teil der DO-HEALTH-Studie, der grössten ihrer Art in Europa zum Thema gesundes Altern. Seit 2012 wurden dabei Daten von 2157 gesunden Erwachsenen ab 70 Jahren aus fünf europäischen Ländern aufgenommen und anhand dessen Präventionsstrategien untersucht. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr präsentiert werden. Schon jetzt sagte die USZ-Professorin und Geriatrie-Expertin Heike A. Bischoff-Ferrari: «Unter anderem ist frappierend, wie ein aktives Leben mit Bewegung die Gesundheit erhalten und sogar die Sterblichkeitsrate senken kann. Der Effekt ist selbst positiv, wenn erst in höherem Alter damit begonnen wird.»

Innovationen vor grossem Publikum

Die DO-HEALTH-Studie ist eine von vielen, die zeigt: Es gibt unzählige Ansätze für Geschäftsmodelle, die mit wissenschaftlicher Begleitung einen Mehrwert schaffen können. Einige vielversprechende Start-ups – nicht nur aus dem Bereich der digitalen Anwendungen – konnten sich an der Konferenz vor Investoren präsentieren. Das Start-up-Förderorganisation Venturelab hatte 14 Start-ups aus dem Gesundheitsbereich nach Zürich geladen. Darunter waren sieben in ihrer Frühphase, etwa das UZH-Spin-off Oxyprem, das mit seinem nicht-invasiven, neuartigen Sauerstoffmessgerät bald in die Serienproduktion gehen will. Eine KI-Lösung, um Ärzten zu einer besseren Diagnose zu verhelfen, stellte beispielsweise das Zürcher Unternehmen codiag vor. Zudem traten sieben Start-ups in Wachstumsphase vor das Publikum. Eines davon war Cutiss: Das UZH-Spin-off ist spezialisiert auf personalisierte Hauttransplantate.

In den Parallel Sessions wurde auf der Konferenz über präventive und personalisierte Entwicklungen im Gesundheitsbereich diskutiert und zahlreiche Beispielprojekte vorgestellt, etwa von der Privatklinik Hirslanden oder dem Schlieremer Biotech-Unternehmen Neurimmune. Denn der Gesundheitsfokus bezog sich keineswegs nur auf digitale Fragen. Im grossen Plenum diskutierte etwa ETH-Professorin Emma Wetter Slack ihre Forderung nach einem neuen Impfparadigma. Der Darm etwa kann laut der Expertin gestärkt werden, wenn man durch spezielle Verfahren die Darmflora unterstützt, die das System gesund erhält.

Wirtschaft und Patienten sind im Boot

Die Konferenz liess keinen Zweifel daran: Der Cause-of-Health-Ansatz findet heute breite Unterstützung in der Gesundheitsszene. Alexander Grunewald von Johnson & Johnson sagte in der Podiumsdiskussion, die Industrie habe die Zeichen erkannt. Sein Unternehmen arbeite daran etwa im Rahmen des World Without Disease Accelerator (WWDA). Im Boot sei auch die Versicherungsbranche, bestätigte Risikoexperte und ehemaliger Swiss-Re-Manager Dan Ryan. Gehe es den Kunden gut, profitiere davon die Versicherung. Man baue zunehmend den Kundenkontakt in der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Krankheitsfall aus.

Und der Staat? Dieser dürfe sich seiner Verantwortung nicht entledigen, erklärte David H.-U. Haerry als Mitgründer des Patienten-Fachgremiums Positivrat. Er forderte, dass in der Schweiz die Übernahme der Impfkosten ausgeweitet werden und auch Schulen die Gesundheitsperspektive stärker vermitteln. «Die Hauptverantwortung für Prävention darf nicht beim Individuum liegen», betonte auch Effy Vayena, ETH-Professorin für Bioethik. Auch wenn jeder bei sich beginnen müsse.

Zürich schreitet im Netzwerk voran

Der Medizin-Hub in Zürich nehme die Herausforderung an, so schloss Beatrice Beck Schimmer, Direktorin der Universitären Medizin Zürich. «Wir pflegen nicht nur das Netzwerk untereinander, sondern suchen es auch mit anderen Vertretern des Gesundheitssystems. Gemeinsam können wir das Vertrauen der Menschen für neue Lösungen gewinnen.» Den Schulterschluss braucht es in diesen komplexen Fragen, denn: «Gesundheit konsumiert man nicht – hier sind Innovationen gefragt», fügte Sven Hirsch hinzu. Der Leiter des ZHAW Digital Health Lab plädierte für eine Herangehensweise, die sich – sei sie auch noch so technologiebasiert – stark am Menschen orientiert. Damit zielte er nicht zuletzt auf Gesundheitsdatenbanken ab, die sensible Daten sicher verwalten. Für Ernst Hafen eine der Grundvoraussetzungen für ein gesellschaftliches Vorankommen in diesem Bereich. «Früher hatten wir unser Geld unter der Matratze», führte er aus. «Heute haben wir dafür ein Bankkonto, lassen es arbeiten, beobachten es mit Argusaugen. Wir wollen die Bürger davon überzeugen, dass sie es genauso mit ihren Daten handhaben sollen.»

Yvonne von Hunnius / Café Europe Nachrichtenagentur AG

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