«Die Nutzerzahlen haben sich vervierfacht»

Seit von einem Tag auf den andern plötzlich Fernunterricht angesagt ist, erweist sich der Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ) als erfinderischer Helfer in der Not. Lehrpersonen, Schüler und Eltern können unentgeltlich digitales Unterrichtsmaterial beziehen. «Möglich machen dies Sonderlizenzen», sagt Begoña Martin Calzada, Teamleiterin Verkauf beim LMVZ.

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Geboren wurde die Idee der Sonderlizenzen Anfang März, als die Diskussionen um Schulschliessungen zunahmen. «In dieser Situation wollten wir rasch und unkompliziert Material für den Fernunterricht bereitstellen und so allen Betroffenen helfen», sagt Begoña Martin Calzada. Mit grossem Einsatz gelang es, die Idee auf der Plattform LMVZ digital zu realisieren.

«Natürlich gab es einige Schwierigkeiten zu überwinden», erinnert sich Martin Calzada. So war beispielsweise der Server zeitweise überlastet, da sich die Nutzerzahlen - bezogen auf die Spitzenzeiten - innert kurzer Zeit vervierfachten. Die Serverkapazität musste ausgebaut werden, ebenso die Beratungstätigkeit des Verkaufsteams. Dieses war ab dem ersten Tag des Fernunterrichts während drei Wochen bis spät in den Abend und auch am Wochenende im Einsatz, um unzählige Fragen zu beantworten. «Wir kümmerten uns auch darum, wenn jemand eine Lizenz nicht richtig nutzen konnte oder in einem Lehrmittel etwas nicht fand.» Diese Leistungen erbringt der LMVZ bis heute.  

Begoña Martin Calzada, Teamleiterin Verkauf beim LMVZ.
Begoña Martin Calzada ist Teamleiterin Verkauf beim Lehrmittelverlag. Wie so viele, arbeitet sie derzeit im Homeoffice. Quelle: Foto von Marion Nitsch

Auch bei technischen Anliegen wird geholfen. Dabei geht es um Fragen wie: Wie logge ich mich ein, wie nutze ich die Lizenz, wie richte ich das Ganze ein. Die Fragen werden per Mail oder per Telefon gestellt und beantwortet – und zwar von zuhause aus. Denn wie so viele arbeiten auch Martin Calzada und ihr Team im Homeoffice. Lediglich zwei Mal pro Woche geht die Teamleiterin ins Büro. Denn Bestellungen kommen auch per Post rein und müssen ebenfalls termingerecht bearbeitet werden, auch wenn sie nicht die Sonderlizenzen betreffen.

Mathematik sehr beliebt

Mit den unentgeltlichen Sonderlizenzen erhalten Interessierte Zugang zu sämtlichen digitalen LMVZ-Lehrmitteln für die Schulstufen Kindergarten bis 9. Klasse. Die Lizenzen gelten bis Ende Juli 2020. Besonders beliebt sei Mathematik, erzählt die Teamleiterin. «Also ‹beliebt› heisst für uns, viele nutzen etwas aus dem Mathematik-Angebot», präzisiert sie mit einem Schmunzeln.

Wenn man sich bei den Mathe-Aufgaben etwas umschaut, entdeckt man beispielsweise ein Fertigkeitstraining für die 3. Primarklasse. Darin geht es etwa ums «Verdoppeln und Halbieren im Zahlenbereich bis 100». Unter anderem muss man herausfinden, wieviel die Hälfte von 70 ist. Die Lösung kann man eintippen. Ist sie richtig, erscheint ein lachendes Gesicht, ist sie falsch, gibt es natürlich nichts zu lachen.

Begoña Martin Calzada, Teamleiterin Verkauf beim LMVZ.
Begoña Martin Calzada freut sich über den Erfolg der Sonderlizenzen-Aktion des LMV. Quelle: Foto von Marion Nitsch

Mit dem digitalen Lernobjekt «Gebäude aus Holzwürfeln» kann man am Computer ein Würfelgebäude bauen und von verschiedenen Seiten her betrachten. Digital geübt werden kann auch das Erkennen der Uhrzeit – und zwar auf einer Uhr mit analoger Anzeige.

Rege genutzt wird auch das Französisch-Lehrmittel «dis donc!». Dieses Lehrmittel startete vor drei Jahren mit gedruckten und digitalen Elementen. Neben dem Schülerarbeitsbuch gab es die digitale Lernplattform. «Mittlerweile ist das Französisch-Lehrmittel vollständig digitalisiert. Diese digitalisierte Version wird, so zeigt sich gerade, stark benutzt», erklärt Martin Calzada.

Natürlich gibt es im rund 2300 Artikel umfassenden Verlagssortiment auch viel Nicht-Digitalisiertes. Insbesondere aus der Vor-Lehrplan-21-Zeit existieren zahlreiche Lehrmittel, die keine digitalen Lehrwerkanteile haben.

«Digitale Unterrichtsmaterialien sind zu Corona-Zeiten überall präsent und werden mehr wahrgenommen», stellt Martin Calzada fest. Als Werbemassnahme war die schweizweit gültige Sonderlizenzen-Aktion jedoch nie gedacht. Es ging darum, schnell und unbürokratisch ein Hilfsangebot auf die Beine zu stellen. «Dass dieses so rege genutzt wird - bisher haben wir über 135›000 Sonderlizenzen ausgestellt -, ist natürlich erfreulich. Möglicherweise bedeutet dies auch einen Schub für digitale Lehrmittel.» Ob es einen solchen wirklich gibt und ob er sich bereits bei den Bestellungen für das Schuljahr 2020/2021 auswirkt, lässt sich derzeit allerdings noch nicht sagen. «Diese Bestellungen sind noch nicht abgeschlossen», sagt die Teamleiterin.

Text: Marianne Koller, Fotos: Marion Nitsch

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