Finanzsektor Zürich bündelt Kräfte

Gruppenfoto mit Roboter RAIffi am Finanzdialog

Kooperationen sind im Finanzsektor heute wichtiger denn je, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Über den Stand am Finanzplatz Zürich diskutierten beim Finanzdialog der Standortförderung des Kantons Zürich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

Wenn es am Finanzplatz Zürich um Kooperationen geht, steht meist die Vernetzung der Finanzmarktakteure im Zentrum. Gleichzeitig geht es aber immer auch um die Kooperation mit der Politik. Das ist ein Anliegen von Carmen Walker Späh, als Volkswirtschaftsdirektorin und Regierungspräsidentin des Kantons Zürich Gastgeberin des Finanzdialogs. In ihrer Eröffnungsrede zeigte sie sich überzeugt von der Stabilität des Finanzplatzes, wozu das international top aufgestellte Fintech-Ökosystem einen wichtigen Beitrag leiste. Doch die Herausforderungen seien gross. Sie sagte: «Der Bankensektor wird sich in den nächsten zehn Jahren stärker verändern, als er es in den letzten hundert Jahren getan hat.» Um diese Transformation zu meistern, bot sie an, den Dialog mit der Wirtschaft noch weiter zu verstärken. Zudem gab sie ihre Zusicherung, dass Zürcher Unternehmen die besten Talente rekrutieren könnten – auch wenn es sich um Bürger handele, die nicht aus der EU oder EFTA stammten. Sie sagte: «Und dabei machen wir keinen Unterschied, ob ein Gesuch von Google oder einem Start-up kommt.»

Plattformen prägen das Geschäft

In seinem Referat beleuchtete Roger Studer, wie Banken auf die Megatrends Digitalisierung und Individualisierung reagieren könnten. Der Leiter des Investment Banking der Bank Vontobel führte an, dass Kunden aktiv an der Gestaltung von Produkten teilhaben könnten. Bei Vontobel sei das etwa im Rahmen der Plattform deritrade möglich. Diese bringt Käufer und Verkäufer von massgeschneiderten Finanzprodukten zusammen und wird unter anderem von rund 80 Banken genutzt. Generell fördere Vontobel Innovation unter anderem durch projektbezogene, interdisziplinäre Teamarbeit und eine familiäre Unternehmenskultur.

Auch für Fintech-Gründer Stefan Mühlemann ist Kooperation im Finanzmarkt elementar. «Heute geht es nicht mehr darum, wer welches Stück vom Kuchen bekommt. Wir müssen Herausforderungen etwa durch veränderte Kundenbedürfnisse gemeinsam bearbeiten», sagte Mühlemann. Seine Fremdkapitalmarkt-Plattform Loanboox verbindet seit 2016 Kreditnehmer, Investoren und Drittanbieter für die Vergabe von grossen Kreditbeträgen und ist in fünf europäischen Ländern aktiv. In der Schweiz sieht Mühlemann jedoch noch Aufholbedarf. Er sagte: «Würden Schweizer Banken noch stärker mit Plattformen kooperieren, könnte man in der Entwicklung schneller und erfolgreicher sein als die internationale Konkurrenz.»

Coaching statt Dirigieren

Die Paneldiskussion moderierte Daniela Stehli-Wiederkehr, Inhaberin der Fachschule für Bankwirtschaft (FSB). Neben Vontobel-Vertreter Studer und Loanboox-Gründer Mühlemann waren die Länderchefin des weltweit grössten Vermögensverwalters BlackRock, Mirjam Staub-Bisang, und die Leiterin der Unternehmensnachfolge der Zürcher Kantonalbank ZKB, Andrea Rieder, vertreten. Diskutiert wurde, welche neue Kompetenzen in der Finanzwelt verlangt werden. Auch hier war Kooperation zentrales Thema.

Ein konkretes Beispiel kam von Andrea Rieder: Bei der ZKB sei vor einiger Zeit das Jahresgespräch abgeschafft worden. «Das hat dazu geführt, dass Führungskräfte heute über das Jahr hinweg viel stärker den Dialog mit den Mitarbeitenden suchen», sagte sie. Für ein Institut wie die ZKB mit geringer Fluktuation sei entscheidend, die Mitarbeitenden sensibel durch Transformationsprozesse zu leiten.

Mirjam Staub-Bisang von BlackRock führt ein Team mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren. Sie sagte: «Ein althergebrachter Führungsstil ist hier nicht möglich. Ich bin häufig in einer Coaching-Rolle und versuche, jungen, ehrgeizigen Menschen die Chance zu geben, sich zu beweisen.» Diesen Ansatz befördert laut der Länderchefin auch die innovationsorientierte Unternehmenskultur von BlackRock.

Zürich ist gerüstet

In seinem Schlusswort begründete Daniel Hunziker seinen Optimismus für den Finanzplatz Zürich. Hunziker ist Vizepräsident des Zürcher Bankenverbands und Leiter Strategie der Credit Suisse Schweiz. Seiner Ansicht nach ist die Konsolidierungswelle im Bankenwesen zum Ende gekommen. Die Rahmenbedingungen seien immer noch hervorragend. Zudem sei das dynamische Fintech-Ökosystem eine Quelle für Innovationen. Auch hätten etablierte Institute in den letzten Jahren grosse Veränderungen angestossen. Hunziker sagte: «Ich bin wie Carmen Walker Späh der Ansicht, dass sich in den nächsten zehn Jahren mehr tun wird als in den letzten hundert. Doch wir sind in Zürich gut gerüstet.»

Yvonne von Hunnius / Café Europe

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