eZürich ICT-Cluster Dialog – Inspiration und Innovation durch Vernetzung

Aufmerksame Zuhörer am eZürich ICT-Cluster Dialog

In der Halle des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften tauschten sich anlässlich des Partnerevents von Bauen digital Schweiz und eZürich ICT-Cluster vom 19. September Vertreterinnen und Vertreter der ICT- und der Bau- und Immobilienbranche aus.

Die Umnutzung des ehemaligen Sulzer-Areals in Winterthur zählt mit zu den gelungensten Projekten dieser Art im erweiterten Raum Zürich. Einst waren die Hallen an der Tössfeldstrasse als Provisorium für das Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gedacht, doch heute sind sie ein fester Bestandteil.

Die Besucherinnen und Besucher des Partnerevents von Bauen digital Schweiz und eZürich ICT-Cluster Dialog wurden von Modellen verschiedener Art und den Grussworten der Departements-Direktorin Prof. Dr. Oya Atalay empfangen. Sie wies darauf hin, dass ihr Departement – als Nachfolgerin des ehemaligen Technikums Winterthur – die älteste Bau-Fachhochschule der Schweiz ist. Die Kombination von Architekten und Bauingenieuren unter dem gleichen Dach sei einmalig, meinte sie.

Oya Atalay erachtet denn die Digitalisierung nicht als die viel zitierte Disruption, sondern einfach als Teil der Entwicklung. Diesen Wandel des Analogen zum Digitalen gilt es zu analysieren und Brücken zu bauen. Nur wenn dies gelingt, bleiben die Standorte Winterthur und Zürich weiter attraktiv, ist Markus Assfalg, Leiter Standortförderung/Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, überzeugt. Doch wie bleibt man wettbewerbsfähig? – «Der Cluster-Ansatz ist das Filetstück», sagt Assfalg. Durch die Vernetzung und den Austausch werde die Innovation erhöht. So sieht er neben der etablierten Architekturbranche grosses Potenzial im aufstrebenden Game-Sektor. Diese «jungen Wilden» sollen – an Veranstaltungen wie dem Partnerevent – den gestandenen Branchen helfen, die Komfortzone zu verlassen, was Markus Assfalg für eine gute Voraussetzung erachtet, um die Entwicklung der Kreativwirtschaft weiterzutreiben.

Die Digitalisierung der Baubranche

Wie es um die «Die Digitalisierung der Baubranche» steht, darüber informierte Markus Weber, Präsident Bauen digital Schweiz. Er sieht in der Digitalisierung die Chance, Effizienz, Qualität und Transparenz zu verbessern. Doch der Weg dorthin führt über den Aufbau einer (neuen) Fehlerkultur, prägt doch der Ansatz «trial & error – Versuch und Irrtum» die Digitalisierung in sämtlichen Sektoren. Markus Weber gab auch einer gewissen Frustration Ausdruck, vermisst er doch eine nachhaltige Entwicklung und dazugehörende Standards.

Das trifft auch auf das hippe Kürzel «BIM» in der Baubranche zu. Bei «Building Information Modelling» gehe es – so Markus Weber – nicht um Schnitt-, sondern vielmehr um Verbindungsstellen zwischen den verschiedenen Bereichen. Doch so weit sei man noch nicht. Der aktuelle Stand sei vielmehr «Building Modelling». Die Verbreitung von Informationen und Dokumenten erfolge nach wie vor auf traditionellen Wegen. Die Herausforderung liege darin, Prozesse durchgängig zu machen, um eine agile Abwicklung zu ermöglichen, die dann weg von sequentieller, hin zu paralleler Verarbeitung führt.

Räume als Ausdruck von Regeln

Eine frische Sichtweise auf die Architektur bot Prof. Ulrich Götz, Leiter der Fachrichtung Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Der studierte Architekt stellte die Funktion der Architektur im Game Design zuerst einmal als «erzählenden Raum» vor, wie er erstmals im text-basierten Abenteuerspiel «Colossal Cave Adventure» von 1976 vorkam. In der Folge erteilte er dem Milliarden-Bestseller «GTA V» (2013) einen Seitenhieb, dessen hyperrealistische Darstellung er für «nicht interessant» einstufte. Weit spannender sei eine «narrative Unschärfe», die wie im wunderschönen Schweizer Game «Feist» (2015) Raum zur Interpretation lasse. Ulrich Götz stellte auch den «geregelten Raum des Spiels» den funktionalen Zwängen der Architektur gegenüber. So seien Spielräume ein räumlicher Ausdruck der Spielregeln. Sie schaffen die Grundlage, auf der das Spiel sich entfalten kann, während Grundrisse in der Architektur eben genau das sind: Grundrisse für die Gestaltung eines Hauses oder Gebäudes.

Kritische Fragen, engagierte Diskussionen

In sechs Workshops konnten die Teilnehmenden mit Spezialistinnen und Fachleuten diskutieren. Sie nutzten die Gelegenheit auch, um kritische Fragen zu stellen. Die Diskussionen waren engagiert. Die Workshop-Leiterinnen und –Leiter fassen an dieser Stelle ihre Eindrücke zusammen:

BIM und FM

«Der Workshop war voll besetzt mit Personen aus allen Branchen. In Form eines World-Cafés haben wir die Teilnehmenden an die einzelnen Themen von «BIM und FM» herangeführt. Abschliessend wurden die Projektergebnisse zu «BIM und FM» von Bauen digital Schweiz vorgestellt. Es haben sich interessante und aufschlussreiche Gespräche ergeben.»

Regina Walher, Bauen digital Schweiz

Augmented Reality für den Einsatz mit BIM

«Der Einsatz von Augmented Reality im Bauwesen stösst auf grosses Interesse. In der Praxis gibt es aber in vielen Fällen noch Herausforderungen wie die Handhabung, Datenlage oder Präzision der Applikationen. Trotz dieser Kritikpunkte gab es einige interessante Anfragen, auch für praktische Anwendungen allerdings mehr im Bereich Bau und Betrieb und weniger für die Planung.»

Reto Senn, Bitforge

BIM im Alltag – was nervt an BIM?

«Die Voten der Workshop-Teilnehmer zeigen, dass das Thema BIM mit sehr viel Ernüchterung einher geht. Alle suchen nach Anwendungsbeispielen, «Learning by doing»-Projekten. Der Austausch ist deshalb wichtiger denn je. Nur so bringen wir das Thema in unser Business, denn die Digitalisierung lässt sich bloss bremsen, aber nicht aufhalten!»

Christoph Kaech, fsp Architekten

Belastbarkeit von Methoden zur virtuellen Bemusterung von
Räumen

«Im Workshop wurde die Grundsatzfrage diskutiert, wie weit im virtuellen Raum Entscheidungen für die Umsetzung eines Bauwerks getroffen werden können. Dabei wurde die Güte der Entscheidungen im Kontext unterschiedlicher Fragestellungen betrachtet und die Gruppe kam unter anderem zum Schluss, dass sich virtuelle Räume sehr gut eignen, um zumindest eine Vorauswahl zu treffen.»

Matthias Liechti, Hefti.Hess.Martignoni

Virtuelle Räume – reale Entscheide: Architektur digital erleben für mehr
Bestellerkompetenz

«Wir führten vor allem im Bereich Wohnungsvermarktung mit Virtual Reality eine interessante Diskussion darüber, wie heutige digitale Hilfsmittel helfen können, Musterwohnungen und Rohbaubesichtigungen zu minimieren. Zudem war auch das Thema Konfigurator, im Bereich Büroplanung, als Ergänzung zum digitalen Zwilling ein Diskussionspunkt.»

Robin Dittli, Raumgleiter

Virtual Reality für eine betriebsorientierte Planung und Prüfung von Bauprojekten

«Virtual Reality (VR) ist ein neues Medium, das ein korrektes räumliches Verständnis beim Nutzer erzeugt. Der Realismus entsteht dabei vielfach durch die Möglichkeiten des natürlichen Bewegens und Interagierens. Entsprechend optimierte VR-Software eignet sich daher insbesondere als Kommunikations- und Planungslösung für betriebliche Aspekte in Bauprojekten.»

Thomas Nescher, Inspacion

Marc Bodmer

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