eZürich ICT-Cluster Dialog – ICT-Kollaboration in Zürich und für Zürich

Diskussion am ICT-Cluster Dialog

Ideen können nur wachsen, wenn Experten offen darüber diskutieren. Das zeigte der erste ICT-Cluster-Dialog 2018, auf dem Projekte in ganz unterschiedlichen Phasen der Realisierung behandelt wurden.

Vier Stunden können einen grossen Unterschied machen. Insbesondere, wenn 70 ICT-Experten des Privatsektors, der Stadt und des Kantons Zürich sich zusammensetzen und über aktuelle Projekte diskutieren. Am 20. März fand der erste ICT-Cluster-Dialog 2018 statt, organisiert von der Standortförderung des Amts für Wirtschaft und Arbeit AWA des Kantons Zürich und der Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ). Treffpunkt waren die OIZ-Räumlichkeiten in der Albisriederstrasse.

In ihrer Begrüssung ging Carmen Walker Späh, Regierungsrätin und Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons, auf die aktuelle Blockchain-Diskussion ein. «Blockchain wird zu Unrecht reduziert auf Kryptowährungen. Diese Technologie kann ganze Branchen zu revolutionieren», sagte sie. Dabei sah sie auch eine besondere Verantwortung: Es gelte, bei allem Elan etwa in der Finanzbranche immer die Konsequenzen innovativer Lösungen im Blick zu haben. Die Infrastruktur für die Zürcher ICT-Zukunft sieht sie auf einem guten Weg. So arbeiteten im Innovationspark Dübendorf bald Wissenschaftler im Bereich Robotik und Mobilität.

Positive Signale setzte auch Daniel Leupi als Stadtrat und Vorsteher des Finanzdepartements. Leupi hatte Anfang März einen erfreulichen Ertragsüberschuss für Zürich veröffentlicht. 1100 Unternehmen haben laut Leupi 2017 in der Stadt ihre Geschäfte aufgenommen und der ICT-Sektor ist dabei ein entscheidender Faktor. «Jetzt müssen wir dran bleiben und permanent in die Stadt investieren», so Leupi.

Carmen Walker Späh und Daniel Leupi gingen auch auf die anstehenden Informatiktage am 1. und 2. Juni ein, bei denen ICT-Firmen ihre Türen öffnen. Martin Otzenberger, Moderator des Dialognachmittags und Leiter Kommunikation der OIZ, vermeldete einen Anstieg der teilnehmenden Start-ups. 2018 gibt es erstmals ein Informatiktage-Tram. Es macht auf die Veranstaltung durch Visualisierungen an der Aussenseite und mit Videos im Innenraum aufmerksam. Die Informatiktage zählen neben den ICT-Cluster-Dialogen und PolitTalk-Veranstaltungen zu den fixen Aktivitäten der eZürich Cluster-Community, auf die Anita Martinecz Fehér von der Standortförderung des AWA einging. In diesem Herbst soll laut Martinecz eine Fortschreibung der ICT-Cluster-Daten präsentiert werden – die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

Menschen ins Zentrum stellen

Die Perspektive in die digitale Zukunft öffnete Stephan Sigrist. Der Gründer und Leiter des Zürcher Think Tanks W.I.R.E. stellte den neuen W.I.R.E.-Navigator vor. Dieser soll eine Früherkennung ermöglichen von Themen, die für Organisationen relevant sind und nicht auf dem gängigen Radar erscheinen. Den Bedarf führt Sigrist mitunter darauf zurück, dass technologische Entwicklungen oft schlicht in die Zukunft fortgeschrieben würden. «Doch es gibt viele Unsicherheitsfaktoren», so Sigrist. Vor allem verhielten sich Menschen nicht wie das Idealbild des Homo Oeconomicus. Um eine ganzheitliche Sicht zu ermöglichen, müssten Menschen, nicht nur Algorithmen und globale Trends analysieren. Später entwickelte Stefan Pabst von W.I.R.E. mit Teilnehmenden Überlegungen, welche Handlungsfelder sich für die Stadt Zürich ergeben. Das Resultat waren Themen wie Teilzeitarbeitsmodelle als Automatisierungskonsequenz.

Ideen der Experten spielten eine besondere Rolle für Michael Keller, den Leiter EGovernment der Stadt Zürich. Hier ging es um «Mein Konto», den im Januar 2018 lancierten zentralen Zugang zu Online-Dienstleistungen der Stadt Zürich. Dazu zählen Parkkarten, Fristverlängerungen für Steuern oder Betreuungsanmeldungen des Schulamts. «Mein Konto» soll sich kontinuierlich weiterentwickeln zu einem umfassenden Serviceangebot. Dazu führte Michael Keller eine Design-Thinking-Session durch. Heraus kamen konkrete Ansätze im Bereich Steuern. Keller zeigte sich begeistert vom Engagement der Gruppe, die sogar erste Visualisierungen neuer Lösungen erarbeitet hat.

Kollaboration statt Konkurrenz

Was sich in Zürich im Blockchain-Kontext tut, zeigte Manuel Krieger, Mitgründer des Blockchain Hotspot «Trust Square@Bahnhofstrasse». Ab April werden gegenüber der Nationalbank etablierte Unternehmen, Start-ups und Wissenschaftler in einer Art Gemeinschaftsbüro rund um das Thema Blockchain arbeiten. Der Hotspot sieht sich dabei in Partnerschaft zu vergleichbaren Initiativen in Genf und Zug. Laut Krieger sind von insgesamt 200 Arbeitsplätzen noch einige wenige zu mieten. Zu einem späteren Zeitpunkt zieht der Hotspot in den geplanten Innovationspark Dübendorf.

Für Tom Kleiber, den Projektleiter des PolitTalks Digitales Zürich, war der Cluster-Dialog Startpunkt für die Initiative «Digital Icon Zurich». Fünf Akteure des Zürcher Museums Digital Arts (MuDA), des Kantons und der Stadt Zürich planen, Zürich sichtbar zu machen als Ort, der die digitale Entwicklung mitprägt. Tom Kleiber sagte: «Dabei wollen wir mithilfe der Kunst zum Diskurs über den Prozess des Digitalen anregen.» Die Initiative setzt stark auf Kollaboration mit bestehenden Plattformen. Eine internationale Ausschreibung wird einer Kunstinstallation vorausgehen. In einem Workshop hat Kleiber mit den Teilnehmenden sehr konkret mögliche Inhalte und Umsetzungsoptionen erarbeitet.

Das letzte diskutierte Projekt «Explore Zürich» ist noch in der Entwicklung. Die Idee stammt von Lukas Kauer, dem österreichischen Gründer des Forward Festivals für Kreativität, Design und Kommunikation, das in Wien, München, Hamburg und Zürich stattfindet. Beteiligt ist auch Festival-Mitorganisator Lukas Amacher, der «Explore Zürich» vorstellte. Das Ziel ist ein selbstlernender, täglich wachsender digitaler Kulturführer durch Zürich. Auf Open-Data-Basis sollen Kulturinformationen für Einheimische und Touristen zur Verfügung gestellt werden – und vor allem vor Ort bleiben.

Für den Gastgeber und OIZ-Direktor Andreas Németh stand der Nachmittag unter dem Motto «Mut ist Machen», wie er am Ende ausführte. Die diskutierten Beispiele zeigten für ihn im Sinne des W.I.R.E-Navigators, dass aller Fokus auf die Technologie obsolet sei, wenn der Mensch nicht ins Zentrum gestellt werde. Und auch wenn die Konsequenz kleine Schritte seien und Entwicklungen länger währten als erwartet: «Es geht immer dort voran, wo wir Menschen direkt betroffen sind», so Németh. Und um dies zu erörtern, braucht es Austauschplattformen wie den ICT-Cluster-Dialog.

Kleine und grosse Fortschritte können weiterdiskutiert werden beim kommenden eZürich ICT-Cluster Dialog am 18. September 2018.

Yvonne von Hunnius

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Amt für Wirtschaft und Arbeit – Standortförderung

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