Informatiktage 2017 – Auf Erkundungstour in der digitalen Erlebnis- und Arbeitswelt

Informatiktage 2017

Die zweiten Informatiktage öffneten am 16. und 17. Juni 2017 die Türen zu rund 50 Firmen und Organisationen im Raum Zürich. Trotz hochsommerlichen Temperaturen besuchten über 9000 Interessierte die Veranstaltungen.

Schon mal jemandem eine Sonde durchs Nasenloch eingeführt, um eine Bronchioskopie einzuleiten? Oder einen Zug in einem massstabgetreuen Simulator gesteuert? Oder live miterlebt, wie einfach es ist, eine Website wie Facebook zu klonen und für illegale Zwecke zu missbrauchen?

Dank der erfreulichen Premiere der Informatiktage in Zürich und Umgebung im vergangenen Jahr fiel der Entscheid leicht, eine weitere Runde zu wagen. «Die positive Resonanz auf die letztjährige erste Austragung mit rund 11 000 Besucherinnen und Besuchern hat uns alle motiviert, die Geschichte der Informatiktage fortzuschreiben», sagte Regierungsrätin Carmen Walker Späh anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten der zweiten Ausgabe der Zürcher Informatiktage. Auch in diesem Jahr öffneten rund 50 Firmen und Organisationen im Kanton Zürich ihre Türen. Trotz hochsommerlichen Temperaturen liessen es sich über 9000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht nehmen, hinter die Kulissen der Digitalisierung und der Informatik zu blicken.

Verstärkter Fokus auf Frauen in Informatikberufen

Das Angebot der diesjährigen Informatiktage bestach durch eine attraktive Breite und Vielfalt. Mancherorts lag der Fokus verstärkt auf Frauen in Informatikberufen. So zum Beispiel bei Namics, deren Zürcher Büro im Gebäude des Bahnhofs Enge einquartiert ist. Plakate an Fenstern und Türen machten Passantinnen und andere Interessierte darauf aufmerksam, dass am 16. und 17. Juni ein Einblick in die Tätigkeit der international erfolgreichen Agentur gewonnen werden konnte. «Unser Ziel war es, mehr Gäste als im Vorjahr zu empfangen, was uns erfreulicherweise auch gelang», sagt René Paparusso und führt weiter aus: «Wir haben das Programm anders gestaltet als letztes Jahr und den Fokus auf die Zielgruppe Frauen gelegt.» So wurde beispielsweise auf eine Anmeldung im Vorfeld verzichtet, und Vorträge standen auch keine mehr auf dem Programm. Stattdessen wurden anhand eines laufenden Projekts die Arbeit von Namics sowie die Rollen der verschiedenen ICT-Mitarbeiterinnen erklärt.

ICT für alle Altersgruppen

Sowohl die moderne Medizin als auch die Informationstechnologie stehen oft im Verruf, nicht verständlich oder abgehoben zu sein. Diesen Vorurteilen begegnete das Universitätsspital Zürich (USZ) mit einem Parcours, der sich an ein breites Publikum wandte. Der Fokus lag darauf, den Nutzen von IT auf Kunden/Patienten-, aber auch auf der Personalseite zu zeigen.

Einmal selber Hand anlegen und beispielsweise eigenhändig ein Bronchioskop durch die Nase einführen und steuern zu können, macht deutlich, wieviel manuelles Geschick erforderlich ist. Noch einen Tick anspruchsvoller ist die Bedienung des «Operationsroboters Da Vinci», von dem gleich zwei Exemplare zur Verfügung standen. Der eine war ein reines Schulungsgerät, mit dem im virtuellen Raum operiert wurde. Der andere ein voll funktionaler Roboter mit richtigen Instrumenten. Wer den «Da Vinci» mit seinen Fingern steuert, versteht augenblicklich, weshalb Chirurgen mit Videogame-Erfahrung einen Vorsprung haben. Eine hervorragende Hand-Augen-Koordination ist hier Grundvoraussetzung.

Massgebend zum Verständnis eines medizinischen Problems kann die 3-D-Visualisierung beitragen. Am Universitätsspital wurden gleich zwei Technologien vorgestellt, die es sowohl dem Patienten, aber auch dem Arzt wesentlich einfacher machen, das jeweilige Problem zu erfassen und darüber zu sprechen. Während die 2-D-Schichtbilder, wie man sie aus MRI-Aufnahmen kennt, schwierig zu interpretieren sind, ist eine dreidimensionale Assemblage derselben Daten wesentlich leichter zugänglich.

In Spitälern zugange ist auch die im Trendquartier Zürich West angesiedelte Firma Emineo, die mit den schönsten ICT-Büroräumlichkeiten für sich wirbt. Im vergangenen Jahr kam es zu zwei Neuanstellungen von Informatiktage-Besuchern. «Beide sind nach wie vor bei uns beschäftigt», sagt Anna Hitz, Consultant und Projektmanagerin bei Emineo. Die Wirtschaftsinformatikerin macht deutlich, wie wichtig Kundenkontakt und Kommunikation bei der Planung eines IT-Projekts sind. «Oft sprechen Kunden und Informatiker unterschiedliche Sprachen. Meine Aufgabe ist es, zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu vermitteln», sagt Hitz, während sie die Arbeitsräume von Emineo zeigt. Sie selber hat aber eher wenig davon, denn sie ist an vier Tagen der Woche auswärts und sucht mit Kunden nach IT-Lösungen.

Vielfältige Informatik

Anna Hitz hätte hervorragend als Beispiel in den Scratch-Workshop von Ergon gepasst. Den Schülerinnen und Schülern der 5. Klasse aus dem Schulhaus Im Birch wurde zum einen gezeigt, wie man mit Scratch programmiert, zum andern wurden auch Grundlagen des Internets vermittelt. Mehrfach betonte die Workshop-Leiterin, dass die Vorstellung vom «Kellerkind», das einsam vor dem Computer hockt und Code-Zeilen in die Tastatur hackt, überholt sei. Wie entscheidend Planung und Kommunikation in einem IT-Projekt sind, wurde den Teilnehmenden anhand eines simplen Spiels verständlich erklärt. «Ich wollte schon vergangenes Jahr am Workshop teilnehmen», sagt Lehrerin Ariane Gäbler. «Doch der war bereits ausgebucht. Heuer habe ich über Facebook von der erneuten Durchführung erfahren und mich umgehend angemeldet.»

Die prompte Anmeldung war auch nötig, denn generell waren die Workshops schnell ausgebucht. Diese Erfahrung haben auch Netcetera und die Swiss Game Developers Association SGDA gemacht. Der Netcetera-Kurzkurs von Daniel Eichhorn zum Internet of Things (IoT), in dem eine kleine Wetterstation programmiert wurde, war ebenfalls voll besetzt. Das Spektrum der Teilnehmenden war breit und reichte vom Schüler der 1. Oberstufe über den Applikationsentwickler im vierten Lehrjahr bis zur Wirtschaftsinformatikerin der Uni Zürich. Vom Alter her homogener war die Teilnehmerschaft des SGDA-Game-Programmier-Workshops. Game-Designer Flurin Jenal persönlich führte die äusserst zahlreich erschienenen Jugendlichen durch die von ihm entwickelte App, die es im Drag-and-Drop-Verfahren erlaubt, eigene Spiele zu gestalten und anschliessend zu spielen. Der Erfolg der Workshops bestätigt die Erfahrung von Daniel Eichhorn: «Ein konkretes Anwendungsbeispiel und ein knackiges Thema wie IoT motivieren weit mehr als Programmieren im luftleeren Raum.»

Es gibt nicht bloss eine Informatiklehre

Unweit vom Workshop der SGDA lud die Zürcher Kantonalbank Interessierte zu einem Rundgang. Erfreulich kollegial war der Empfang von alt und jung. Man duzte sich. Lernende erklärten den Besuchern, wie die Informatiklehre bei der ZKB aufgebaut ist, und vor allem, dass es nicht nur eine Lehre, sondern verschiedene Spezialisierungen gibt. In weiteren Räumen wurden Technologien der Zukunft gezeigt. Für Kinder jeglichen Alters spassig war der lebensgrosse Zugsimulator, in dessen Cockpit eine Zugformation vom Zürcher HB zum Bahnhof Hardbrücke gefahren werden konnte. Das Gebotene wurde dem Anspruch von Jürg Bühlmann, Leiter Logistik Gesamtbank der ZKB, durchaus gerecht: «Wir möchten einem breiten Publikum Einblick in die Welt der Digitalisierung und Informatik ermöglichen.»

Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Dies zeigte die Live-Hacking-Demonstration bei Accenture deutlich. Bis auf den letzten Platz war der Vortrag von Security Consultant Oliver Meli besetzt. Das Publikum reichte vom Vater, der seinen schlafenden eineinhalbjährigen Sohn auf sich trug, bis zur rüstigen Rentnerin, die beunruhigt war durch die heutigen technologischen Möglichkeiten, um Betrügereien durchzuziehen. Meli zeigte denn auch, wie einfach es ist und vor allem wie schnell es geht, wenn man eine Website klonen und für illegale Zwecke missbrauchen möchte. Als Demonstrationsobjekt wählte er Facebook und machte damit deutlich, dass kein Anbieter im Internet vor unlauteren Machenschaften gefeit ist. Der sich im Saal breitmachenden Verunsicherung konnte der Vortragende leider nicht viel mehr entgegensetzen, als grösste Zurückhaltung zu üben, beim Herunterladen von Dateien laufend Updates zu machen und schliesslich in Mails integrierte Links möglichst zu meiden. Oft führen gerade letztere auf solche geklonten Websites, die darauf abzielen, das Login der Nutzer ausfindig zu machen. Im Falle eines Ransomware- oder Hackerangriffs weiss jedoch Accenture Rat.

Digital fit in die Zukunft

Trotz prächtigstem Sommerwetter liessen es sich am 16. und 17. Juni 2017 über 9000 Besucherinnen und Besucher nicht nehmen, in Zürich, Winterthur, Schlieren, im Glattal, in Rotkreuz und Rapperswil bei den gastgebenden Unternehmen, Organisationen und Bildungseinrichtungen lustvoll und spielerisch in die Informatikwelt einzutauchen. Dies ist ganz im Sinne von Prof. Dr. Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich: «Um sich fit zu machen für die Zukunft, sind Aus- und Weiterbildung zentral. Die Informatiktage eröffnen spannende Einblicke in Informatikberufe und zeigen jungen Menschen Chancen auf.» Das Fazit von Digicomp bringt es wohl für die meisten Gastgeber auf den Punkt: «Mit über 180 Besucherinnen und Besuchern waren auch die Informatiktage 2017 am 16. und 17. Juni bei uns im Haus ein voller Erfolg. Uns hat's Spass gemacht. Ihnen hoffentlich auch? Wir freuen uns auf Sie, wenn es in einem Jahr wieder heisst: Informatiktage 2018!»

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