eZürich ICT Cluster-Dialog – Ohne ICT funktioniert nichts

Die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche ICT hat ein Imageproblem. Das ist nicht gut, aber das Thema ist erkannt und entsprechende Lösungsansätze sind vorhanden, wie der letzte eZürich ICTCluster Dialog zeigte.

Es ist eine langjährige Beziehung, die IBM, das weltweit grösste Unternehmen der Informationstechnologie, mit der Schweiz verbindet. Bereits 1927 wurde die Internationale Geschäftsmaschinen- Gesellschaft AG gegründet und später in IBM Schweiz AG unbenannt. Die IBM lud die Teilnehmenden des 2. eZürich ICTCluster Dialogs an den Hauptsitz in Zürich Altstetten, wo sie von Thomas Landolt, Vorsitzender der Geschäftsleitung von IBM, zum Thema «Nachwuchs» begrüsst wurden. «Wir verfügen intern wie extern über Programme zur Förderung des Nachwuchses», führt der Gastgeber aus. «Neu bieten wir beispielsweise einen Master @ IBM an, der es ermöglicht, berufsbegleitend das Masterdiplom zu erreichen.»

Das Beispiel zeigt, dass die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft nach neuen Modellen in der Ausund Weiterbildung verlangt, aber vielerorts herrschen noch veraltete und eben vielfach auch falsche Vorstellungen vor, was die ICT-Branche wirklich zu bieten hat. «Unsere Branche wird als monolithischer Block wahrgenommen», sagt Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer der Swico, des Verbands der Schweizer ICTAnbieter. «Wir sollen alle gleich sein und werden auch so behandelt.» Tatsache aber ist, dass es ganz unterschiedliche Firmen und Wertschöpfungsmodelle gibt, und das spiegelt sich nicht zuletzt in den Unternehmensgrössen wider. 90 Prozent, erklärt Hensch, der Schweizer ICT-Anbieter seien sogenannte Mikro- Unternehmen mit 1 bis 9 Mitarbeitenden. 30 Prozent aller IT-Leute arbeiten in solchen Kleinstfirmen und: «Gerade im Ausbildungssektor fühlen sie sich durch die ausufernden Vorschriften und die Bürokratie nicht selten überfordert. Und im eher überadministrierten Kanton Zürich leiden sie besonders. Die ICT als eine Einheit gibt es nicht, und vor allem nicht im Nachwuchsbereich.»

Verschiedene Berufsfelder

Der Funke müsse überspringen, findet denn auch Andrea Leu, Geschäftsführerin der Agentur Senarclens und von IngCH, dem Schweizer Verband zur Förderung des Ingenieurnachwuchses. «60 bis 70 Prozent der 18-Jährigen wissen nicht, was sie machen sollen.» Um dieses Vakuum zu füllen, bietet IngCH seit 27 Jahren diverse Informationsanlässe an, die Einblick in die verschiedenen Berufsfelder geben, die mit einer Ingenieurausbildung angesteuert werden können. «Wir haben viele Anfragen für die Technik-Informationswochen », sagt Andrea Leu. «Im vergangenen Jahr haben wir bei 70 Gymnasien solche Veranstaltungen durchgeführt.» Auch die interaktive Wanderausstellung «Achtung, Technik, Los», deren Ziel es ist, Berufsbilder in der Technik und Informatik vorzustellen und dafür zu begeistern, sei ein Erfolg. Seit 2011 wurden rund 7500 Schülerinnen und Schüler an 35 Standorten angesprochen.

Erfolgreiches Jahr

In eine ähnliche Richtung geht die Kampagne IT-Dreamjobs, die nach einer grossflächigen Plakataktion dieses Jahr zum Abschluss kommt. «Wir können auf ein erfolgreiches Jahr mit viel Medienpräsenz zurückblicken », sagt Annette Kielholz, Kampagnenleiterin und Kommunikationsverantwortliche bei Ergon. «Die Sieger-App von unserem App-Wettbewerb hat es ins Nachrichtenmagazin ‹10 vor 10› geschafft, die Kampagne IT-Dreamjobs und das Verkehrshaus der Schweiz haben den Google Rise Award 2015 gewonnen.» Das Aussergewöhnliche dabei: Es handelt sich um die geplante gemeinsame Erweiterung der Bildungsplattform i-factory mit Berufsbildern der Informatik. Das innovative Konzept, mit dem Kinder in die vielfältige ICT-Arbeitswelt eingeführt werden, überzeugte die Jury. Eine Fortsetzung wird IT-Dreamjobs in der App Dreamjobfinder finden, die mit verschiedenen Berufsportraits aufwartet, die dem Nachwuchs zeigen, wie vielfältig Informatikberufe sind.

Doch nicht bloss bei den Jugendlichen, die bisweilen etwas ratlos ihrer beruflichen Zukunft entgegenblicken, ist das Imageproblem der ICT-Branche verankert, sondern bei den Eltern. Besonders sie scheinen gefangen von den Bildern des einsamen Programmierers, der im abgedunkelten Raum hockt und Code- Zeilen in die Tastatur tippt. Auch im Workshop zum geplanten Tag der offenen Tür von lokalen Firmen und Ausbildungsstätten, die im ICT-Sektor tätig sind, kommt man zu einem ähnlichen Schluss: «Die Eltern müssen angesprochen werden», fasst Chris Krammer von Accenture die Inputs der Runde zusammen. «Solange sie nicht die Vielfalt der IT-Berufswelt erkennen, werden sie auch ihre Kinder nicht in diese Richtung unterstützen.»

Schlüsseltechnologie

Dafür sind auch Publikumsanlässe wie die Leistungsschau ICT-Skills geeignet, die vom 8. bis 10. September 2015 in der Halle des Hauptbahnhofs Zürich stattfinden wird. «ICT Skills 2014 war ein grosser Erfolg », sagt Stadtrat Daniel Leupi. «Die Ausstellung illustrierte, wie wichtig ICT heute ist. Ohne sie funktioniert nichts.» Der Vorsteher des Finanzdepartements weist darauf hin, dass gerade dies Ängste und Unsicherheiten bei der nicht ITaffinen Bevölkerung auslösen kann. Als hilfreich erachtet Prof. Abraham Bernstein, Vizedirektor des Instituts für Informatik der Universität Zürich, Angebote wie «Scalable Game Design» von Alexander Repenning. Dieses ermöglicht bereits auf Primarschulstufen Erfahrungen beim Programmieren und wurde letzten Dezember in der Computer Science Education Week mit über 10 000 Schülerinnen und Schülern in 168 Gemeinden durchgeführt. Dies zeigt, wie zugänglich «die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts » sein kann.

Auf eine andere Weise Schwellen überwinden will das von Christian Etter und Caroline Hirt vorgestellte Projekt «Museum of Digital Arts», Muda. «Wir wollen die Wahrnehmung von Technologie verändern », sagt Etter. «Momentan wird sie als etwas sehr Seriöses und Elitäres angesehen. Die Ausstellungen im Muda werden schlicht inspirierend sein, aber auch sehr verspielt.» Nebst den wechselnden Ausstellungsprogrammen sind auch Workshops für junge Leute und Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen vorgesehen: «Man soll auch sehen, dass man Technologie selbst entwickeln und nicht bloss konsumieren kann», so Etter. Noch muss die Finanzierung des Muda gesichert werden, aber Etter und Hirt sind zuversichtlich, die noch ausstehenden Beträge zu mobilisieren.

Neue Arbeitsmodelle

Die laufenden und geplanten Projekte zur Förderung des besseren Verständnisses für ICTBerufe und -Anwendungsgebiete zeigen alleine schon das breite Spektrum dieses Sektors. Dazu gehört auch der Impact Hub Zürich, der aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Co-Working- Spaces Impact Hub und Colab hervorgegangen ist. Der Zürcher Hub gehört zu einem globalen Netzwerk von 80 kooperierenden Arbeitsstandorten, das die Bedürfnisse von Mikrounternehmen bedient und den interdisziplinären Austausch fördert. «Es geht nicht darum, Silicon Valley oder Berlin zu kopieren, sondern im Sinne von Best Practice von den Erfahrungen im Ausland zu profitieren », sagt Niels Rot, Programmdirektor des Impact Hub Zürich.

Das sieht auch Bruno Sauter, Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich AWA: «Es gibt viele gute Ansätze, und wir sind daran, ein Monitoring aufzubauen, das die guten Initiativen besser sichtbar macht.» Der Vergleich mit Silicon Valley begeistert ihn wenig: «Wir hören nur von den erfolgreichen zwei Prozent aus Kalifornien, von allen anderen, die gescheitert und bankrott gegangen sind, kriegen wir nichts mit.» Das Modell entspreche auch nicht der Schweiz, so Sauter: «Wir machen lieber kleine Schritte, die man auch besser korrigieren kann. Wir haben grosses Potenzial an unserem Standort, und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette.» Dabei verweist der Chef des AWA auf den ehemaligen Rektor der ETH Ralph Eichler, der stets mit Stolz auf das duale Berufssystem hinwies, das nebst der intellektuellen Ausbildung immer auch eine praktische Ausrichtung unterstützt: «Das gibt uns einen Wettbewerbsvorteil. Wir müssen nicht erst Spezialisten suchen, die Projekte umsetzen können, bei uns sind sie von Anfang an mit dabei.»

Besser vorbereiten

Der 2. eZürich ICT-Cluster Dialog in Zürich Altstetten zeigte eine Vielfalt von Ansätzen und laufenden Projekten auf, die zum Ziel haben, die breite Bevölkerung mit attraktiven Angeboten an-zusprechen und zu einem besseren Verständnis für die tragende Rolle der ICT-Berufe beizutragen. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, wies Jörg Aebischer, Geschäftsführer von ICT Berufsbildung, auf deren Notwendigkeit hin: «In 20 Jahren wird es 50 Prozent der Jobs in ihrer heutigen Form nicht mehr geben. Darauf müssen wir und vor allem unsere Kinder vorbereitet sein.»

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