Prämierte Videos werfen vielfältigen Blick auf die Bedeutung der Privatsphäre

Was kann mir schon passieren? Über mich ist alles bekannt. Das Thema des siebten Datenschutz-Video-Wettbewerbs führte zu überraschenden und sehr unterschiedlichen Einsendungen von hoher Qualität. Am Dienstagabend verlieh die Datenschutzbeauftragte Dominika Blonski im Kino RiffRaff in Zürich die Preise. Die drei Gewinnervideos handeln von der Spaltung der Gesellschaft durch manipulierte Diskussionen, der zunehmenden Gefahr durch Cyberattacken und davon, wie wir von smarten Geräten gezielt daran gehindert werden, das zu tun, was uns wichtig ist.

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Eine gesellschaftliche Diskussion will auch das Projekt (Un-)faire Algorithmen entfachen, das Tobias Urech von AlgorithmWatch Schweiz zu Beginn der Veranstaltung vorstellte. Es entstand in Zusammenarbeit mit einem Team der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und dem Designstudio Tristesse. Urech führte aus, dass algorithmische Systeme bereits heute viele Entscheidungen treffen, die früher von Menschen gefällt wurden. Im Gespräch mit Moderator Elia Rohrbach, Social Media Host beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF, wies er darauf hin, dass dies zu ethischen und rechtlichen Konflikten führen kann, etwa weil die Systeme gesellschaftliche Vorurteile reproduzieren. «Darum müssen wir uns nicht nur mit der Technologie beschäftigen, sondern vor allem damit, wie und wozu wir die Systeme einsetzen wollen.»

Datenschutz soll die Privatsphäre schützen, die freie Meinungsbildung ermöglichen und damit die demokratische Gesellschaftsordnung stärken. Aber was kann schon passieren, wenn alles über jeden Menschen bekannt ist? Eine ketzerische Frage für einen Wettbewerb der Datenschutzbeauftragten, wie Elia Rohrbach bemerkte. Dominika Blonski, die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich selbst, erklärt: «Wichtig ist uns die Auseinandersetzung mit Fragen zu den Grundrechten auf Privatsphäre und persönliche Freiheit in den Social Media. Die Einsendungen zeigen, dass die Gesellschaft zunehmend sensibilisiert ist. Das freut uns natürlich.»

Der Kurzfilm «Was kann mir schon passieren?» von Jannick Glück, Reto Gfeller und Christoph Rahm wurde von der Fachjury auf den dritten Platz gewählt. Er thematisiert die Problematik der Social-Media-Filterblasen und deren Potenzial zur Manipulation und zur Spaltung der Gesellschaft. Jurymitglied Nadia Holdener, Lehrbeauftragte Audiovisual/Cast an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), betonte in ihrer Laudatio, dass der Beitrag eine gesellschaftlich relevante Botschaft auf sehr vergnügliche Weise und in einem Alltagsszenario aufarbeite. «Wahrscheinlich habt ihr auf dem Set ziemlich viel gelacht.» Trotz humorvoller Umsetzung sei der Inhalt aber vielschichtig und tiefgründig. Dabei würden die filmsprachlichen Elemente vielfältig und passend aufeinander abgestimmt eingesetzt.

Mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde «Don’t wait» von Phil Jaycob. Der Beitrag zeigt auf sehr eingängige Weise, welchen Unterschied ein einziger Klick im Leben ausmachen kann, wenn bei einem dieser nervigen Popups, die immer wieder auf ein Software-Update hinweisen, «Später» oder eben «Jetzt installieren» gewählt wird. «Dies ist ein handwerklich hervorragend produzierter Beitrag», sagte Flurin Senn, Jurymitglied und Medienpädagoge der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). Er hob die gezielten Soundeffekte und die kurzen Schnitte hervor. «Hier beherrscht jemand die hohe Kunst, eine Aussage ohne Monolog oder Dialog in Bild zu bringen. Das Video überzeugt durch eine gute und logische Führung der Zuschauerinnen und Zuschauer.»

Der Hauptpreis von 3000 Schweizer Franken geht an «Gemeinsam für die Privatsphäre. Damit du mehr Zeit zum Fussball spielen hast» von Andrina Schmid, Samuel Wetter und Benjamin Dangel. Die Datenschutzbeauftragte überreichte den Preis und lobte den Beitrag: «Das Video nimmt in gelungener, überraschender und origineller Art und Weise Bezug auf das Thema des Wettbewerbs. Es ist sehr kurzweilig und mit vielen Infos vollgepackt, so dass man es gerne auch ein zweites Mal anschauen will.» Auch dieses Video sei auf Bild- und Tonebene absolut professionell gemacht und zudem auf das Wesentliche reduziert. «Auch kommt der Humor nicht zu kurz und ich hatte als Zuschauerin einen Aha-Effekt nach dem Schauen des Videos.»

Mit dem Datenschutz-Video-Wettbewerb sollen junge Erwachsene für ihre eigene Situation und ihren Umgang mit Personendaten in der digitalisierten Welt sensibilisiert werden. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Digital Festivals statt.

Video-Wettbewerb 1. Platz
Datenschutz-Video-Wettbewerb 1. Platz Quelle: DSB

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