Kanton unterstützt Betroffene von Zwangsmassnahmen

15.03.2013 - Medienmitteilung

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Im Februar 2013 hat der Regierungsrat offiziell anerkannt, dass auch im Kanton Zürich bis in die 1980er Jahre viele Menschen zu Unrecht so genannt «administrativ versorgt» wurden oder von anderen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren. Nun hat der Vorsteher der Direktion der Justiz und des Innern, Regierungsrat Martin Graf, die Stellen im Kanton bezeichnet, die Betroffenen konkrete Unterstützung bieten.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden in der Schweiz Menschen, die nicht in ein bestimmtes gesellschaftliches Muster passten, vom Staat unter Umständen hart angefasst. Kindern aus ärmlichen oder sonstwie prekären Familienverhältnissen konnte es passieren, dass sie verdingt oder in ein Heim gesteckt wurden. Ledige Mütter wurden als «liederlich» gebrandmarkt, je nachdem administrativ versorgt und sogar zwangsweise sterilisiert. Auch Männer ohne feste Arbeit landeten nicht selten in einer Arbeitserziehungsanstalt. Aus heutiger Sicht ist es besonders stossend, dass bestimmte Massnahmen in der Schweiz bis 1981 keiner unabhängigen richterlichen Prüfung unterzogen werden konnten.

Bund, Kantone und Gemeinden sind sich inzwischen einig, dass gewisse der einst verhängten Massnahmen selbst dann als Unrecht zu taxieren sind, wenn man sie nicht an heutigen, sondern an damals gültigen Massstäben misst. Die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, wird sich darum im Namen der Schweiz am 11. April in Bern bei den Betroffenen für das begangene Unrecht entschuldigen.

Der Kanton Zürich schliesst sich dieser Entschuldigung an, wie er in einer Mitteilung vom 22. Februar festgehalten hat.

Klärung der Aktenlage im Staatsarchiv

Dem Regierungsrat ist es ein Anliegen, den zu Unrecht Betroffenen Hilfe anzubieten. Die Direktion der Justiz und des Innern hat unterdessen die zuständigen Stellen bezeichnet. Es handelt sich um das Staatsarchiv und die Opferberatung Zürich.

Über Menschen, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren, haben staatliche Stellen in aller Regel Akten produziert: Vormundschaftsbehörden, Bezirksräte oder andere kantonale Behörden, aber auch die Vollzugsinstanzen haben Verfügungen, Berichte, Gutachten und Protokolle verfasst. Deshalb gibt es in vielen Fällen noch schriftliche Spuren, sei es bei den Behörden selbst oder im zuständigen Archiv – auch wenn ein Fall schon lange abgeschlossen ist. Nur: Leicht zu finden sind solche Dokumente in der Regel nicht. Fachleute im Staatsarchiv unterstützen Betroffene darum bei Bedarf bei der Suche nach Akten.

Konkret hilft das Staatsarchiv bei der Beantwortung zum Beispiel folgender Fragen: Welche Behörden waren zuständig für einen Fall? Gibt es diese Behörden noch oder sind inzwischen andere zuständig? Welche Akten sind angefallen? Was ist davon mutmasslich noch vorhanden – und wo? Betroffene selber können ihrerseits zur rascheren Klärung beitragen, indem sie möglichst genau angeben, wann und wo eine Massnahme ausgesprochen oder vollzogen worden ist.

Opferberatung Zürich als Partner

Neben dem Staatsarchiv steht die Opferberatung Zürich als Anlaufstelle zur Verfügung. Sie hilft bei der Beurteilung der individuellen Situation von Betroffenen und vermittelt bei Bedarf Adressen von zusätzlichen Fachleuten, die beim weiteren Vorgehen oder auch bei der Bewältigung des Geschehenen Unterstützung bieten können.

(Medienmitteilung der Direktion der Justiz und des Innern)

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