Flugplatzareal Dübendorf: Regierungsrat formuliert Eckwerte für die künftige Entwicklung ohne aviatische Nutzung

03.06.2010 - Medienmitteilung

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Gestützt auf die Ergebnisse einer rund zweijährigen Testplanung spricht sich der Regierungsrat gegen eine weitere aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf aus. Er wird diese Haltung gegenüber dem Bund insbesondere bei der Überprüfung des Stationierungskonzepts der Luftwaffe einbringen. Unabhängig davon und als Sofortmassnahme sollen die geltenden Lärmkurven an den heutigen, bis 2014 vereinbarten Flugbetrieb angepasst werden, um die Siedlungsentwicklung und -erneuerung in den angrenzenden Gebieten zu ermöglichen. Zudem wird die Konkretisierung der künftigen Nutzung des Flugplatzareals zusammen mit dem Bund, den Standortgemeinden und der Planungsregion Glattal an die Hand genommen.

Im Mai 2009 hat der Regierungsrat von den Zwischenergebnissen der Testplanung Flugplatzareal Dübendorf Kenntnis genommen. Aufgrund dieser ersten Resultate kam er zum Schluss, dass das Flugplatzareal angesichts seiner Grösse und Lage als strategische Landreserve für Sondernutzungen mit grösserem Flächenbedarf und mit kantonaler oder nationaler Bedeutung freizuhalten sei. Dies so lange, bis die Grundlagen vorliegen, die den Entscheid über die anzustrebende Entwicklung ermöglichen. Als Schlüsselthema erwies sich in der Testplanung schon früh die künftige Rolle der Aviatik auf dem Flugplatzareal. Jede aviatische Nutzung, ob zivil oder militärisch, wirkt sich auf die Handlungsspielräume für die Raumentwicklung, insbesondere die der Standortgemeinden, aus.

Basierend auf den Zwischenergebnissen der Testplanung hat der Regierungsrat im Mai 2009 weitere Abklärungen in Auftrag gegeben. Im Vordergrund stand insbesondere die Erarbeitung von Grundlagen, um aus Sicht des Kantons Zürich einen Grundsatzentscheid für oder gegen eine weitere aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf fällen zu können. Zudem waren Fragen zur Entwicklung der Übergangsbereiche sowie zur Evaluation möglicher Sondernutzungen zu klären. Auch in der Vertiefungsphase übernahm ein aus Experten und Behördenvertretern bestehendes Gremium die Begleitung und Beurteilung sämtlicher Arbeiten und formulierte darauf aufbauend entsprechende Empfehlungen.

Empfehlungen des Begleitgremiums nach der Vertiefungsphase

Verzicht auf eine aviatische Nutzung

Die technische Machbarkeit eines zivilen Flugbetriebs ist grundsätzlich gegeben. Ein Flugbetrieb (Freizeitflugplatz, Werkflugplatz oder Business-Airport) allein rechnet sich aber für Dübendorf weder betriebs- noch volkswirtschaftlich. Der Hauptnutzen eines zivilaviatischen Flugbetriebs in Dübendorf ergäbe sich aus dem Umstand, dass mit der Verlagerung von Flugbewegungen nach Dübendorf auf dem Flughafen Zürich zusätzliche Kapazitäten für den Linien- und Charterflugverkehr geschaffen werden könnten. Für das Begleitgremium überwiegen nach der Vertiefungsphase dennoch die Nachteile: Zu den Entwicklungshemmnissen einer aviatischen Nutzung gehören neben der Lärmbelastung auch die anhaltende Planungs- und Rechtsunsicherheit sowie der Ausschluss der Bevölkerung vom Flugplatzareal. Das Begleitgremium empfiehlt deshalb, auf eine aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf zu verzichten.

Entwicklung der Übergangsbereiche

Für die weitere Entwicklung des Flugplatzareals Dübendorf stellt die Konkretisierung der Nutzungen in den Übergangsbereichen zu den Standortgemeinden eine zentrale Aufgabe dar. Die heute bestehenden Nutzungen zwischen Bahnhof Dübendorf und dem Flugplatzareal sowie entlang der südlichen Arealgrenze sollen weiterentwickelt werden. Als Voraussetzung müssen die derzeit geltenden Lärmkurven zumindest an den heutigen Betrieb (Helikopter- und Lufttransportbasis bis 2014) angepasst werden.

Evaluation möglicher Sondernutzungen

Im Rahmen der Testplanung hatten verschiedene Akteure die Gelegenheit, dem Begleitgremium ihre Überlegungen und Ideen vorzustellen. Dazu zählten unter anderen die Promotoren des «Innovationsparks» (Stiftung Forschung Schweiz) sowie der «Aviapolis» (Task Force Dübendorf). Die Abklärungen haben gezeigt, dass verschiedene Sondernutzungen für die Entwicklung des Flugplatzareals Dübendorf in Frage kommen. Als besonders geeignet scheinen dem Begleitgremium drei sich möglicherweise ergänzende Sondernutzungen: Gesundheitsbereich (inklusive Universitätsspital), Forschung und Leichtindustrie.
Bei einem Verzicht auf eine aviatische Nutzung empfiehlt das Begleitgremium, auf dem Flugplatzareal als Erstes Massnahmen zur Aufwertung des Landschafts- und Freiraumes, zur Verbesserung der Zugänglichkeit und im Hinblick auf die künftige Vermarktung zu konzipieren. Eine solche Massnahme könnte ein Park sein, der zunächst die Gesamtfläche ausserhalb der für die Übergangsbereiche festgelegten Nutzungen besetzt und sich in einen Bereich mit temporärer Parknutzung und einen dauerhaft zu erhaltenden Kernpark gliedern würde.

Stellungnahme des Regierungsrates

Verzicht auf Aviatik schafft neue Entwicklungsperspektiven

Für den Regierungsrat stellen attraktive Siedlungs- und Landschaftsräume wesentliche Faktoren einer hohen Lebensqualität dar, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Das Flugplatzareal Dübendorf ist vor diesem Hintergrund eine strategische Landreserve erster Güte. Im Wissen um die verschiedenen Ideen, die für die künftige Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf bestehen, gilt es deshalb sorgfältig abzuwägen, wie die künftige Raumentwicklung gestaltet werden soll.

Nach Auffassung des Regierungsrats wird mit einem Flugbetrieb das volkswirtschaftliche Potenzial des Flugplatzareals Dübendorf nicht ausgeschöpft. Es entgehen vor allem Möglichkeiten, das Areal anderweitig hochwertig zu nutzen und eine Aufwertung der angrenzenden Entwicklungsgebiete in den Standortgemeinden zu unterstützen.

Die Testplanung zeigt auch auf, dass eine weitere aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf Fragen aufwirft, die in lang dauernden Verfahren geklärt werden müssten. Die sich daraus ergebenden Planungs- und Rechtsunsicherheiten würden zahlreiche – aus Sicht der Gemeinden und des Kantons – bedeutsame Entwicklungen hemmen oder verhindern. Bei einer Aufgabe der aviatischen Nutzung hingegen würden durch die wegfallende Lärmbelastung sowie durch die Zugänglichkeit der grossen Freifläche neue Entwicklungsperspektiven geschaffen.

Aufgrund der vorgenommenen Abwägungen und in Übereinstimmung mit der Empfehlung des Begleitgremiums spricht sich der Regierungsrat gegen eine weitere aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf aus. Im Rahmen der Gesamtüberprüfung des kantonalen Richtplans wird die Baudirektion beim Bund daher den Verzicht auf eine aviatische Nutzung beantragen. Weiter werden Festlegungen zur Sicherung und Entwicklung der strategischen Landreserve, zur Unterstützung der Umfeldentwicklung sowie zur verkehrstechnischen Erschliessung im kantonalen Richtplan getroffen.

Rasche Anpassung der Lärmkurven angestrebt

Das Schaffen von planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen für neue Nutzungen auf dem Flugplatzareal Dübendorf wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Aus Sicht des Regierungsrats sollen die heute ansässigen zivilen Unternehmen am Standort verbleiben können, solange das Flugplatzareal militäraviatisch genutzt wird. Für die Ansiedlung neuer ziviler Unternehmen fehlen die planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen. Als Sofortmassnahme wird sich die Baudirektion beim Bund dafür einsetzen, dass die Lärmkurven des Flugplatzareals Dübendorf, die noch auf den Belastungen durch den früheren militärischen Jetbetrieb beruhen, an die heutige, bis 2014 vereinbarte Nutzung als Helikopter- und Lufttransportbasis angepasst werden, damit Hemmnisse für die Entwicklung in den Standortgemeinden beseitigt werden können.

Raumplanerische und volkswirtschaftliche Planung vorantreiben

Schliesslich sollen unter Federführung des Kantons insbesondere Fragen der Finanzierung, der Erschliessung und der Nutzungsplanung im Rahmen eines Gebietsmanagements bearbeitet und die dazu nötigen städtebaulichen und verkehrstechnischen Vertiefungsstudien ausgelöst werden. Dies geschieht weiterhin in enger Zusammenarbeit mit dem Bund als Grundstückseigentümer, den Standortgemeinden und der Planungsregion Glattal. Es ist dabei sorgfältig zu prüfen, wie die Öffnung des Areals und eine damit zwingend einhergehende Investition in die Infrastruktur durch die öffentliche Hand raumplanerisch und volkswirtschaftlich gestaltet werden kann.

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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