Coronavirus und die Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr: Eine erste Auslegeordnung

07.05.2020 - Medienmitteilung,Medienkonferenz (Video)

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Carmen Walker Späh spricht an der Medienkonferenz "Coronavirus und die Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr".

Nach sieben Wochen mit eingeschränktem Verkehrsangebot fahren die öffentlichen Verkehrsmittel im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ab Montag, 11. Mai 2020, grösstenteils wieder gemäss regulärem Fahrplan. Es gilt das nationale Schutzkonzept, das unter anderem das Tragen einer Maske empfiehlt, sobald die Abstandsregel nicht mehr eingehalten werden kann. Auch bei der Begleitung der Fahrzeuge und den Ticketkontrollen gilt wieder der Normalzustand. Die finanziellen Folgen der Coronakrise für den ZVV wiegen schwer: Das jährliche Defizit könnte sich um über 100 Millionen Franken erhöhen.

Mit dem Ausruf der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat Mitte März 2020 begann auch für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz ein unbekanntes Kapitel. Nach sieben Wochen kehrt das System im Kanton Zürich zumindest beim Fahrplanangebot fast wieder zum Normalzustand zurück. Verkehrsratspräsidentin und Regierungsrätin Carmen Walker Späh und ZVV-Direktor Franz Kagerbauer haben aus diesem Anlass heute an einer Medienkonferenz eine erste Auslegeordnung vorgenommen. Dabei dankten sie vor allem den Angestellten der Verkehrsunternehmen, die während dieser Zeit den reibungslosen und sicheren Betrieb sichergestellt hatten.

Aufzeichnung der Medienkonferenz vom 7. Mai 2020

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Fahrplanangebot ab 11. Mai

Die Hauptlinien der Zürcher S-Bahn verkehrten auch in den letzten sieben Wochen im gewohnten Takt. Die wenigen ausgedünnten Kurse werden nun wieder eingeführt. So verkehrt beispielsweise die S19 ab nächstem Montag wieder ganztags und auch die S35 fährt gemäss Jahresfahrplan. Die Entlastungslinien zur Hauptverkehrszeit (S20, S21 und S23) werden ab dem 11. Mai teilweise und ab 8. Juni wieder vollständig im gewohnten Takt angeboten.
In der Stadt Zürich wurde das Fahrplanangebot von Trams und Bussen bereits per letzten Montag (4. Mai) wieder ausgeweitet. Gleiches gilt für die Forchbahn und die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. In der Stadt Winterthur gilt auf einigen Linien vorerst noch der Sommerferien-Fahrplan und ab dem 8 Juni ist flächendeckend der reguläre Betrieb vorgesehen.
Die Busbetriebe im übrigen Verbundgebiet fahren teilweise bereits wieder das Normalangebot oder wechseln per 11. Mai dazu. Bis auf Weiteres nicht angeboten werden touristische Verbindungen, beispielsweise auf dem Zürichsee sowie das Nachtnetz. Sämtliche Massnahmen erfolgen in Absprache mit den nationalen Systemführern SBB und Postauto und stehen unter Vorbehalt ausreichender Personalverfügbarkeit.
Den Fahrgästen wird weiterhin empfohlen, ihre Verbindungen vorgängig im Online-Fahrplan zu überprüfen.

Nationales Schutzkonzept, Zugbegleitungen und Ticketkontrollen

Im Zuge der vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen der Massnahmen dürfte die Gesellschaft schrittweise wieder mobiler werden. Dadurch wird es im öV zu Situationen kommen, in denen die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfohlenen zwei Meter Abstand nicht eingehalten werden können. In diesen Fällen wird den Fahrgästen gemäss dem national geltenden Schutzkonzept für den öV dringend empfohlen, eine Schutzmaske zu tragen. Die Verkehrsunternehmen ihrerseits sorgen für die Reinigung der Fahrzeuge und die automatische Türöffnung an den Haltestellen. Um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, sollen Fahrgäste wenn möglich die Stosszeiten vermeiden und Tickets online kaufen. Ab dem 11. Mai werden die Fahrzeuge im ZVV wieder wie vor dem Ausbruch der Krise begleitet und auch die Ticketkontrollen finden im üblichen Umfang statt.

Nachfrage und Einnahmen eingebrochen – Kostenunterdeckung steigt

Das umfangreiche und dichte Verkehrsangebot im gesamten ZVV ist in normalen Zeiten zu knapp 70 Prozent kostendeckend. Das verbleibende jährliche Defizit wird je zur Hälfte mit Steuergeldern des Kantons und der Zürcher Gemeinden beglichen. Reserven kann der Zürcher Verkehrsverbund als unselbständige Anstalt des Kantons nicht anlegen. Während der Coronakrise ist die Nachfrage im öffentlichen Verkehr drastisch eingebrochen. Im Verbundgebiet wurden 80 Prozent weniger Fahrgäste verzeichnet. In der Folge sanken auch die Einnahmen um circa 75 Prozent. Dies wird sich deshalb auch auf die diesjährige Kostenunterdeckung des ZVV auswirken. Gemäss ersten Berechnungen könnte das Defizit gegenüber dem budgetierten Wert um rund 100 Millionen Franken auf total 440 Millionen Franken ansteigen. Die Prognosen gestalten sich aber aufgrund zahlreicher Unsicherheiten sehr schwierig. Es ist nicht genau vorherzusagen, in welchem Umfang die Nachfrage in den nächsten Wochen und Monaten wieder steigen wird oder ob es allenfalls gar wieder Rückschritte geben wird.

Gesamtheitliche Finanzierungslösung angestrebt

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz wird je nach Kategorie (Regional- und Ortsverkehr) von Bund und Kantonen oder von Kantonen und Gemeinden finanziert. Von der Coronakrise ist jedoch das gesamte öV-System in einem nie dagewesenen Ausmass betroffen. Der Kanton Zürich bekennt sich selbstverständlich auch in diesen Zeiten zum öffentlichen Verkehr und zum Erfolgsmodell ZVV. Er fordert aber, dass sich alle Staatsebenen im Sinne einer gesamtheitlichen Lösung an den finanziellen Folgen der Krise für den öV beteiligen – dies umfasst auch eine Beteiligung des Bundes an den Kosten des Ortsverkehrs. Entsprechende Absprachen hierfür zwischen Bund und Kantonen sind im Gang.

(Medienmitteilung der Volkswirtschaftsdirektion)

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