Der Mann mit den drei Hüten

15.08.2019 - Mitteilung

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Der Grünliberale Christoph Ziegler setzt sich seit Anfang Mai als Präsident der Kommission für Bildung und Kultur für eine starke Volksschule ein.

Text: Reto Heinzel   Foto: Stephan Rappo

«Ich bin gerne in Bewegung», sagt Christoph Ziegler. Da trifft es sich gut, dass vor den Sommerferien da und dort noch einiges zu tun ist. Zum Beispiel in der Kommission für Bildung und Kultur (KBIK), die der grünliberale Kantonsrat seit Anfang Mai präsidiert. Weil verschiedene Initiativen und Gesetzesvorlagen anstehen, tagt die Kommission derzeit im Wochentakt. «Eine seriöse Vorbereitung ist wichtig, als Präsident muss ich die Sitzungen leiten und die Geschäfte sehr gut kennen. Anderseits bemühe ich mich um eine speditive Abwicklung.» Gerade das sei allerdings oft eine Gratwanderung, man dürfe die Diskussion ja auch nicht abwürgen. Nach der Vorberatung in der Kommission wird das Geschäft vom Kantonsrat behandelt. Es ist Zieglers Aufgabe, die KBIK-Geschäfte im Plenum zu vertreten. Dabei muss er stets die Mehrheitsmeinung vertreten, auch dann, wenn er zuvor in der Kommission anders gestimmt hat.

Starke Verbundenheit mit Elgg

Der heute 54-jährige Ziegler wurde 2011 ins Kantonsparlament gewählt. Zu diesem Zeitpunkt amtete er bereits mehrere Jahre als Gemeindepräsident des Landstädtchens Elgg. Hier, an der Grenze zum Kanton Thurgau, ist er auch aufgewachsen. Elgg ist seine Heimat, hier unterrichtet er seit vielen Jahren als Sekundarlehrer. Kantonsparlament, Gemeinderat, Volksschule – er liebe es, «diese drei Hüte zu tragen». Als Primarschüler wollte er noch Bauer werden, doch merkte er bald, dass ihn die technische Seite des Berufs nur wenig interessierte. Später, als sportbegeisterter Jugendlicher, schwebte ihm eine Sportlehrerausbildung vor. Schliesslich entschied er sich für ein Sekundarlehrerstudium – wie vor ihm sein Vater. Er hat es nie bereut, auch wenn er heute nur noch ein 40-Prozent-Pensum wahrnimmt. «Ich liebe den Beruf, kann kreativ sein, muss keine Krawatte tragen und habe doch Verantwortung.»

Das Interesse an der Politik wurde Ziegler gewissermassen in die Wiege gelegt. Sein Vater Thomas Ziegler war EVP-Kantonsrat, der Grossvater FDP-Gemeinderat in Zollikon. «Bei uns zu Hause wurde viel über Politik gesprochen», erinnert sich Christoph Ziegler. «Dabei ging es aber nie nur um Parteipolitik, sondern vor allem um das Interesse und die Teilnahme am öffentlichen Leben.» Diesem Credo lebte er schon als Teenager nach, als er sich als 17-Jähriger im Vorstand des Turnvereins Elgg engagierte. Dort blieb er 20 Jahre Aktuar.

Zur Politik im engeren Sinne fand Ziegler 2002, als er für die soso.elgg, eine lokale Plattform der politischen Mitte, aufgestellt und in den Elgger Gemeinderat gewählt wurde. Vier Jahre später entschied er die Kampfwahl ums Gemeindepräsidium für sich. In beiden Fällen kandidierte Ziegler noch als Parteiloser. Der früh um ihn werbenden, noch jungen GLP trat Ziegler erst bei, nachdem diese ein Positionspapier zur Bildung vorgelegt hatte – ein Thema, das dem Lehrer besonders am Herzen liegt.

Für die Bildung setzte sich Ziegler zunächst als Mitglied der Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit ein, seit 2015 ist er Mitglied der KBIK. Sein Interesse gilt auch der Kultur: Er ist Präsident der Genossenschaft des Theaters Kanton Zürich. Ein grosser Teil der von Ziegler eingereichten parlamentarischen Vorstösse betrifft jedoch Bildungsfragen, wobei sich der Seklehrer für eine Stufe ganz besonders einsetzt: «Es braucht ein klares Bekenntnis zu einer starken Volksschule », betont er. Und noch etwas ist ihm wichtig: Nicht nur die schwächeren, sondern auch die starken Schülerinnen und Schüler sollen in der Volksschule nach ihren Bedürfnissen gefördert werden. Manchmal habe er das Gefühl, dass die starken Schülerinnen und Schüler als Folge der Integration etwas vergessen gingen. Sie fielen meistens weniger auf, da sie konzentrierter arbeiteten und oft auch selbstständiger seien. «Aber eine starke Volksschule», sagt er, «darf sich nicht nur am Wohl der Schwächsten orientieren.»

Am Ende zählt der Konsens

Als Gemeindepräsident habe er es meistens mit «handfesten, praktischen Dingen» zu tun, sagt Ziegler. Zwar sei die Arbeit als Kantonsrat «theoretischer und abstrakter », doch gebe es ihm ein gutes Gefühl, die Politik im Kanton mitgestalten zu können – «auch wenn es im hiesigen politischen System manchmal sehr lange dauert, bis sich etwas bewegt». An der Parlamentsarbeit gefällt ihm auch der menschliche Aspekt, die gemeinsame Suche nach Lösungen – auch wenn bisweilen hart um die Positionen gerungen wird. Der KBIK-Präsident zählt auch regelmässige Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Schulumfeld zu seinen Aufgaben. Als gesellschaftsliberal eingestellter Politiker sei er darum bemüht, breit abgestützte Lösungen zu finden, sagt Ziegler. Von Parteiideologie hält er wenig. Am Ende brauche es einen Konsens. Das gelte auch in finanzpolitischen Fragen: «Ein vernünftiger Umgang mit öffentlichen Geldern ist mir wichtig, gleichzeitig warne ich davor, überall übertrieben zu sparen.»

2015 hatte sich Ziegler noch zusammen mit zwei Kantonsratskollegen als Regierungsratskandidat beworben. An der Nominationsversammlung der GLP setzte sich jedoch einer seiner Mitbewerber durch. Das Amt hätte ihn sehr gereizt, sagt er, doch wehmütig sei er deswegen nicht. Ein weiteres Amt strebe er derzeit nicht an. «Mit meinen drei Hüten», betont er, «bin ich mehr als zufrieden.»

                          
                                          

Die Kommission für Bildung und Kultur

Die Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) ist eine von sieben Sachkommissionen des Zürcher Kantonsrats und umfasst 15 Mitglieder. Sie berät Geschäfte aus den Bereichen Bildung und Kultur vor, darunter Verfassungs- und Gesetzesrevisionen, Volksinitiativen, parlamentarische Initiativen, Kreditbeschlüsse und Berichte des Regierungsrats zu Postulaten. Die KBIK berät zudem das jährliche Budget in ihrem Aufgabenbereich zuhanden der Finanzkommission vor. [rh]

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