Radon

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das natürlicherweise im Boden vorkommt. Gelangt es über undichte Fundamente in Gebäude, kann es sich in der Raumluft anreichern. Werden Radon und seine ebenfalls radioaktiven Zerfallsprodukte eingeatmet, kann Lungenkrebs entstehen. Radonbedingter Lungenkrebs führt in der Schweiz jährlich zu 200 – 300 Todesfällen.

Revision der Strahlenschutzverordnung für besseren Radonschutz

Im Zuge der Revision der Strahlenschutzverordnung (StSV, SR 814.501) hat der Bund 2018 die bisher erlaubte maximale Konzentration von Radon in Wohn- und Aufenthaltsräumen von bisher 1000 Becquerel/m³ (Bq/m³) auf 300 Bq/m3 gesenkt. Auch sind Bauherrschaften neu verpflichtet, bei Um- und Neubauten die Radonproblematik zu berücksichtigen und vorsorgliche bauliche Radonschutzmassnahmen zu treffen. In allen Schulen und Kindergärten müssen Radonmessungen, und bei Überschreitungen des Referenzwerts von 300 Bq/m3 Radonsanierungen durchgeführt werden. Diese und weitere Neuerungen können dem Merkblatt «Was ist neu im Bereich Radon» des Bundesamts für Gesundheit (BAG) entnommen werden. Antworten auf allgemeine und schulspezifische Fragen zur Gesundheitsgefahr Radon sind hier zusammengestellt.

FAQs zur Gesundheitsgefahr Radon

Ich habe noch nie von Radon gehört – sind andere radioaktive Stoffe nicht viel schlimmer?

Radon in Gebäuden verursacht über die Hälfte der mittleren persönlichen Strahlenbelastung mit ionisierender Strahlung in der Schweiz (3.2 Millisievert pro Jahr [mSv/Jahr]). Weitere Strahlungsquellen sind medizinische Anwendungen (1.4 mSv/Jahr), natürliche Strahlung ausserhalb von Gebäuden (0.35 mSv/Jahr) sowie natürliche Strahlung in Nahrungsmitteln (0.35 mSv/Jahr). Weniger als 0.1 mSv/Jahr geht von Kernkraftwerken und Forschungseinrichtungen im Normalbetrieb, Industrie, Forschung, Medizin, Konsumgütern und Gegenständen des täglichen Lebens sowie künstlichen Radioisotopen aus (vgl. Bericht «Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz – Ergebnisse 2018», BAG 2019).

Warum werden nur Kinder vor Radon geschützt?

Der Referenzwert von 300 Bq/m3 gilt grundsätzlich für alle Räume mit Personenaufenthalt von mehr als 15 Stunden pro Woche, unabhängig vom Alter der Personen, die sich dort aufhalten. Die Strahlenschutzverordnung des Bundes sieht allerdings vor, dass die Einhaltung des Referenzwerts in Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen behördlich überprüft wird. Bei Privateigentum liegt diese Prüfung grundsätzlich in der Verantwortung der Eigentümerin oder des Eigentümers. 

Es wurde eine Überschreitung des Referenzwerts im Klassenzimmer meines Kindes gemessen – bekommt es nun Lungenkrebs?

Das Risiko, später an Lungenkrebs zu erkranken, bleibt trotz der erhöhten Radonkonzentration sehr klein. Dies kann an einem Zahlenbeispiel erklärt werden:Das Risiko jedes Menschen (bis zu einem Lebensalter von 75 Jahren), an Lungenkrebs zu erkranken, beträgt ohne spezielle äussere Einwirkungen etwa 0.4 %. Wenn ein Mensch in einer Umgebung lebt, in der er dauerhaft einer erhöhten Radonkonzentration ausgesetzt ist, steigt das Lungenkrebsrisiko geringfügig an; bei einer dauerhaften Exposition mit 1000 Bq/m3 z.B. auf etwa 1%.Die Aufenthaltszeit eines Kindes in einem überschrittenen Schulraum ist aber nicht dauerhaft, sondern beschränkt sich auf einen sehr kleinen Teil des gesamten Lebens. Also steigt auch das Risiko, an radonbedingtem Lungenkrebs zu erkranken, nur minimal an.Entsprechend wird auch das individuelle Radonrisiko für das einzelne Kind durch eine Radonsanierung nicht dramatisch gesenkt, da das Risiko sowieso nur sehr klein ist. Hingegen wird das Kollektivrisiko (viele Kinder über viele Jahre hinweg) deutlich gesenkt; eine Radonsanierung ist also dennoch sinnvoll.

Warum ist die Frist, bis zu der die Radonsanierung in der Schule meines Kindes durchgeführt sein muss, so lang? Ist es überhaupt vertretbar, dass mein Kind in der Zwischenzeit dort unterrichtet wird?

Die Sanierungsfristen wurden anhand von Risikoüberlegungen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt. Die Sanierungsfrist wurde dabei so gewählt, dass die während der Sanierungsfrist erhaltene Gesamtdosis den Wert von etwa 100 mSv nicht überschreitet. Dies selbst dann, wenn man sich dauerhaft sehr lange (20 Stunden pro Tag) in dem überschrittenen Raum aufhält, was bei einem Schul- oder Betreuungsraum in der Regel nicht der Fall ist. Gemäss der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) entsteht erst bei Gesamtdosen von über 100 mSv ein signifikantes Krebsrisiko.

Lungenkrebs durch Rauchen und Radon – wie hängt dies zusammen?

Nach dem Rauchen ist Radon die zweite Ursache für Lungenkrebs. Das Lungenkrebsrisiko steigt linear mit der Radonkonzentration und der Aufenthaltszeit auf. Zwischen der Belastung des Lungengewebes und dem Auftreten von Lungenkrebs können Jahre bis Jahrzehnte vergehen. Die meisten radoninduzierten Lungenkrebsfälle treten bei Rauchern aufgrund einer starken kombinierten Wirkung von Rauchen und Radon auf (Quelle: WHO Radon Handbook, 2009): Das Radonrisiko verhält sich zum bestehenden individuellen Risiko multiplikativ. Da das Risiko eines Rauchers oder einer Raucherin, an Lungenkrebs zu erkranken, bereits sehr hoch ist, steigt das Risiko mit einer zusätzlichen Radonbelastung entsprechend stärker an als bei einem Nichtraucher oder einer Nichtraucherin.

Kann ich erkennen, ob Lungenkrebs durch Radon verursacht wurde?

Nein. Es ist derzeit nicht möglich, einen radonbedingten Lungenkrebs aufgrund von medizinischer Diagnostik als solchen zu erkennen. Zahlen zu radonbedingten Todesfällen resultieren daher aus epidemiologischen Studien, die – vereinfacht ausgedrückt – Bevölkerungsgruppen mit geringer Radonbelastung mit Bevölkerungsgruppen mit hoher Radonbelastung vergleichen.

Radonbelastung und Radonmessung

Die Radonbelastung eines Gebäudes hängt von der Radonkonzentration des Untergrundes und der Bausubstanz des Gebäudes ab. Beides – und damit auch die Radonkonzentration - kann von Gebäude zu Gebäude stark variieren. Da Radon ein unsichtbares und geruchsloses Gas ist, kann nur eine Radonmessung über die Höhe der Radonbelastung eines Raumes Auskunft geben. Eine einfache und kostengünstige Messung kann mit einem passiven Radondosimeter durchgeführt werden, auf dessen Detektorplättchen die Anzahl der Radonzerfälle in der Raumluft registriert und später im Labor ausgezählt werden. Basierend auf bisherigen Messungen weisen im Kanton Zürich rund 5 % der bewohnten Gebäude Radonkonzentrationen über dem Referenzwert von 300 Bq/m³ auf.

Radonmessungen in Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungs-einrichtungen des Kantons Zürich

Im Kanton Zürich werden Radonmessungen in allen öffentlichen und privaten Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen durch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) koordiniert. Die Messungen werden über mehrere Jahre regionsweise gestaffelt durchgeführt. Der Ablauf der Messkampagne ist im Flyer „Gesundheitsrisiko Radon vermeiden - Messungen in Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen" beschrieben. Der Flyer steht zum Download bereit; gedruckte Flyer können via radon@bd.zh.ch unter Angabe einer Lieferadresse und der Anzahl benötigter Exemplare kostenfrei bestellt werden.

Radonmessungen in privaten Gebäuden

Auch in bestehenden privaten Gebäuden kann eine Radonmessung sinnvoll sein. Die Dringlichkeit einer Radonmessung kann anhand eines einfachen Radon-Checks auf www.ch-radon.ch/Radonkonzentration messen online ermittelt werden. Dosimeter können von einer (auf derselben Seite aufgeführten) anerkannten Messstellen bezogen werden. Die Dosimeter werden von der Messstelle per Post zustellt, und können gemäss der Anleitung im «Radonmessprotokoll für Wohnräume» des BAG selbstständig positioniert werden. Nach Ablauf der Messdauer (für eine anerkannte Messung mindestens 90 Tage während der Heizperiode) müssen die Dosimeter zusammen mit dem Messprotokoll zur Auswertung an die Messstelle zurückgesendet werden. Die Kosten für Dosimeter inklusive Auswertung sind durch den Auftraggeber bzw. die Auftraggeberin zu tragen und bewegen sich für ein Dosimeter im Bereich von rund 100 Franken. Der Kanton Zürich bietet keine kostenlosen Radonmessungen an.

Massnahmen gegen zu hohe Radonwerte

Zeigt eine Radonmessung eine Überschreitung des Referenzwerts von 300 Bq/m3, ist der Gebäudeeigentümer oder die Gebäudeeigentümerin verpflichtet, auf eigene Kosten Massnahmen zur Einhaltung des Referenzwerts zu treffen. Der Kanton hat die Möglichkeit, solche Massnahmen auch anzuordnen. Die entsprechenden Sanierungsfristen können der «Wegleitung Radon» des BAG entnommen werden.
Je nach Situation kann die Radonbelastung durch technische oder bauliche Massnahmen ohne allzu grossen Aufwand reduziert werden. Die gebräuchlichsten Methoden zur Reduktion der Radonbelastung sind unter www.ch-radon.ch/Bauliche Massnahmen zum Radonschutz/Radonsanierungsmassnahmen bei bestehenden Gebäuden zusammengefasst. Es empfiehlt sich, für eine Radonsanierung eine vom BAG anerkannte Radonfachperson hinzuzuziehen. Eine aktuelle Liste der vom BAG anerkannten Radonfachpersonen findet sich unter www.ch-radon.ch/Beratung durch Radonfachpersonen.

Informationen für Baubewilligungsbehörden

Bei Neu- und Umbauten sind die Baubewilligungsbehörden verpflichtet, die Bauherrschaft resp. die Eigentümerschaft auf die Anforderungen der Strahlenschutzverordnung betreffend Radonschutz aufmerksam machen, soweit dies sinnvoll ist wie zum Beispiel bei

  • Neubauten von Wohn- und Gewerbegebäuden,
  • Sanierung bestehender Wohn- oder Gewerbegebäude (insb. Sanierung der Gebäudehülle mit Fenstererneuerung),
  • Umbauten resp. Umnutzungen erdberührender Räume zu Wohn- oder Arbeitsräumen,
  • Perforation des Gebäudefundaments oder erdberührender Wände für Zuführungen in Wohn- oder Gewerbegebäuden.

Die «Wegleitung Radon» des BAG enthält auch ein Informationsblatt zu Radon bei Neu- und Umbauten. Eine von Städten und Gemeinden anpassbare Version des Informationsblatts zur Abgabe an Bauherrschaften resp. Eigentümerschaften steht zum Download bereit. Damit präventive Radonschutzmassnahmen im Bauvorhaben eingeplant werden können, muss die Information zur Verpflichtung zu radonsicherem Bauen möglichst früh im Ablauf des Bewilligungsverfahrens erfolgen. Diese Verpflichtung sollte auch schriftlich in der Baubewilligung festgehalten werden. Der Kanton stellt einen entsprechenden Textvorschlag zur Verfügung.

Informationen für Bauherrschaften

Sind bei Neu- oder Umbauten direkt oder indirekt Räume betroffen, in denen sich Personen mindestens 15 Stunden pro Woche aufhalten, so ist die Bauherrschaft verpflichtet, dem Stand der Technik entsprechende präventive bauliche Massnahmen zum Radonschutz treffen. Das «Informationsblatt zu Radon bei Neu- und Umbauten» des BAG enthält Kriterien, mit deren Hilfe schnell abgeschätzt werden kann, ob zusätzlich zu den immer zu treffenden Basismassnahmen weitergehende Schutzmassnahmen notwendig sind.
Als Basismassnahmen gelten die Massnahmen bezüglich Radonschutz der SIA-Norm 180/2014 «Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden» und insbesondere die Verminderung des Unterdrucks im Gebäude. Weiterführende Radonschutzmassnahmen wie z. B. eine Radonsperre oder eine Radondrainage sind notwendig, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Referenzwertüberschreitung gemäss der Radonkarte des BAG über 10% liegt, oder das Gebäude über einen Naturbodenkeller oder erdberührende Räume mit Personenaufenthalt verfügt. Technische Empfehlungen zu weiterführenden baulichen Radonschutzmassnahmen stehen unter www.ch-radon.ch/Bauliche Massnahmen zum Radonschutz zur Verfügung und sind im «Radon Praxis-Handbuch Bau» des Faktor Verlags zusammengestellt.
Es kann sinnvoll sein, für die Planung und Umsetzung von Radonschutzmassnahmen eine Radonfachperson beizuziehen. Die aktuelle Liste anerkannter Radonfachpersonen ist unter www.ch-radon.ch/Beratung durch Radonfachpersonen zu finden.

Radonmessungen nach Neubauten, Umbauten oder einer Radonsanierung

Über die Wirksamkeit von Radonschutzmassnahmen, die vorsorglich oder im Zuge einer Radonsanierung getroffen wurden, kann wiederum nur eine Radonmessung Auskunft geben. Es empfiehlt sich daher, nach Abschluss der Bauarbeiten eine (weitere) anerkannte Radonmessung zur Erfolgskontrolle durchzuführen. Werden die Bauarbeiten durch ein Unternehmen durchgeführt, sollte die Erfolgskontrolle getroffener Radonschutzmassnahmen vertraglich festgehalten werden.

Zukünftige Verbesserung des Radonschutzes

Um den Radonschutz der Bevölkerung weiter und nachhaltig zu verbessern, wurde vom Bundesrat am 8. Mai 2020 der neue «Aktionsplan Radon 2021-2030» genehmigt. Dieser stellt die Fortführung der bisherigen Radonschutzstrategie sicher und fokussiert auf die Verbesserung des Radonschutzes im Immobilienpark, eine verbesserte Information und Steigerung der Risikowahrnehmung der Bevölkerung, die Förderung der Radonkompetenzen beim Bauen, Messen und Sanieren sowie einen verbesserten Radonschutz am Arbeitsplatz.