Lichtemissionen

Lichtglocke über Zürich (Quelle: Dark-Sky Switzerland)
Lichtglocke über Zürich (Quelle: Dark-Sky Switzerland)

Künstliche Beleuchtung macht die Nacht zum Tag und lässt den Sternenhimmel hinter einer «Lichtglocke» verschwinden. Dies wirkt sich negativ auf Menschen, Tiere und Pflanzen aus, beispielsweise auf nachtaktive Zugvögel. Mit einer zweckmässigen Beleuchtung lassen sich unnötige Lichtemissionen und schädliche Lichtimmissionen vermeiden und zudem Strom und Kosten sparen.

Karten zeigen Lichtemissionen

Satellitenbilder zeigen, dass die nächtliche Beleuchtung über die letzten Jahren zugenommen hat. Der Kanton Zürich stellt diese Satellitenbilder als frei verfügbare, detaillierte Karten zur Verfügung. Sie können als Grundlage für grossräumige planerische Massnahmen genutzt werden.

Anhand der Satellitendaten ist es möglich, die zeitliche Entwicklung der Lichtemissionen in den Weltraum in Form von Jahres- und Monatskarten über die letzten Jahre darzustellen. Diese Daten sind nun mit einer Pixelauflösung von 500 mal 500 Meter auf dem GIS-Browser des Kantons Zürich aufgeschaltet und stehen der interessierten Öffentlichkeit somit auf einfache Art und Weise zur Verfügung.

Die dargestellten Lichtemissionen basieren auf den Messungen des VIIRS-Sensors des Umweltsatelliten Suomi NPP im Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts und im nahen Infrarot. Die verwendeten Daten werden von der Earth Observation Group (EOG) der amerikanischen «National Oceanic and Atmospheric Administration» aufbereitet und frei zugänglich zum Download zur Verfügung gestellt. Die Messungen erfolgen kontinuierlich. Für jede Nacht werden jedoch ausschliesslich Bereiche über wolkenfreien Arealen ausgewertet. Die Monats- und Jahreskarten enthalten somit – je nach Wetterlage – Daten aus unterschiedlich vielen Nächten. Erhöhungen der Lichtemissionen infolge Schneebedeckung des Bodens im Winter werden hingegen nicht korrigiert.

Immissionsmessungen im Kanton Zürich

Die nächtliche Beleuchtung von Aussenräumen hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Das Licht erhellt den Nachthimmel und hat weitreichende negative Auswirkungen auf Natur und Menschen. Um den Grad der Lichtverschmutzung quantifizieren zu können, führt das AWEL an unterschiedlichen Standorten Messungen der Helligkeit des Nachthimmels durch. Die Resultate der Messungen aus dem Jahr 2016 sind im Bericht "Sky Quality Meter: Resultate 2016" festgehalten.  

Auswirkungen von Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung ist ungenutztes Kunstlicht

Lichtverschmutzung ist die künstliche Aufhellung des Nachthimmels mit schädlichen oder lästigen Einwirkungen auf den Menschen und seine Umwelt. Der Begriff Lichtverschmutzung bezeichnet direkt blendendes Kunstlicht und Kunstlicht, das an Luft- und Staubteilchen in der Atmosphäre gestreut wird und damit den Himmel aufhellt (Lichtglocke).

Aussenräume wurden in den letzten Jahrzehnten immer stärker beleuchtet. Ein erheblicher Teil des Lichts wird dabei nicht genutzt und erhellt stattdessen den Nachthimmel.

Lichtverschmutzung beeinflusst Menschen und Natur

Licht ist ein wichtiger Zeitgeber für viele biologische Prozesse. Beim Menschen kann künstliches Licht deshalb den Schlaf-Wach-Rhythmus verändern. Dies beeinträchtigt die Gesundheit. Störungen des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus durch künstliche Beleuchtung wirken sich auch negativ aus auf lichtempfindliche Tier- und Pflanzenarten, darunter bedrohte und geschützte Arten. Nachtaktive Insekten, Amphibien oder Säugetiere können in ihrem normalen Lebensablauf (Nahrungssuche, Fortpflanzung, usw.) gestört werden. Für viele Insekten wirken künstliche Lichtquellen als eigentliche Fallen. Weiter werden nachtaktive Zugvögel, die sich unter anderem an den Sternen orientieren, von den Lichtglocken über Agglomerationen angezogen und bei ihrem Flug in die Winter- oder Sommerquartiere behindert.

Lichtverschmutzung ist Energieverschwendung

Zweckmässig eingesetzte Beleuchtung vermindert den Energieverbrauch und vermeidet Kosten.

Grundsätze für die Planung und den Betrieb von Beleuchtungen; Zuständigkeit

Nächtliche Lichtemissionen gehen von Bauten und Anlagen aus. Daher ist die zuständige Baubewilligungsbehörde dafür verantwortlich, geplante Anlagen auch hinsichtlich dieses Themas auf ihre Vereinbarkeit mit den Umweltschutzvorschriften zu prüfen und unnötige Lichtemissionen zu vermeiden.

Fünf Grundsätze für die Planung und den Betrieb von Beleuchtungen gilt es zu beachten:

  • Notwendigkeit: Nur sicherheitsrelevante Beleuchtung vorsehen. Gesamtlichtstrom minimieren.
  • Ausrichtung: Lichtstrom von oben nach unten richten. Lichtlenkung von unten nach oben vermeiden.
  • Lichtlenkung: Verminderung von unnötigen Emissionen durch präzise Lichtlenkung.
  • Helligkeit: Objekte nur so hell beleuchten wie notwendig.
  • Lichtsteuerung: Berücksichtigung der Nachtruhe durch Abschaltung oder Verwendung von Bewegungsmeldern.

Zur Beurteilung einer Beleuchtungseinrichtung steht eine Checkliste zur Verfügung.

Meldungen über schädliche oder lästige Lichtimmissionen sind von der zuständigen Gemeinde zu behandeln.

Gesetzliche Bestimmungen

Lichtimmissionen sind Einwirkungen im Sinne des Umweltschutzgesetzes. Zur Vermeidung von lästigen oder schädlichen Einwirkungen sind Lichtemissionen deshalb gemäss Art. 11 Abs. 2 USG vorsorglich durch Massnahmen an der Quelle so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Auf einer zweiten Stufe wird ferner bei den Immissionen angesetzt: Nach Art. 11 Abs. 3 USG werden Emissionsbegrenzungen verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden. Für den Vollzug des USG ist gemäss § 19d der Besonderen Bauverordnung I (BBV I, LS 700.21) die Baubewilligungsbehörde zuständig. Die Gemeinde behandelt Meldungen über schädliche oder lästige Lichtimmissionen (§ 19d Abs. 2, BBV I). Emissionsbegrenzungen können auch aufgrund des Natur- und Heimatschutzgesetzes sowie des Jagdgesetzes, der Signalisationsverordnung, des Planungs- und Baugesetzes oder aus Gründen der Verkehrssicherheit nötig sein. Für den Schutz vor schädlichen Laserstrahlen vgl. auch die Schall- und Laserverordnung.

Merkblatt für Gemeinden

Ein Merkblatt und der Vollzugsschlüssel Umwelt, Kapitel 4 Strahlung (Mobilfunk, Licht, Radon) informieren die Behörden über ihre Aufgaben und Massnahmen zur Vermeidung von Lichtverschmutzung.

  • Vorbild bei eigenen Bauten und Anlagen
  • Verordnungskompetenzen der Gemeinden
  • Auflagen im Baubewilligungsverfahren
  • Behandlung von Reklamationen