Grünliches Wintergrün / Mittleres Wintergrün / Kleines Wintergrün / Rundblättriges Wintergrün / Moosauage
Grünliches Wintergrün
Artbeschrieb
Die Unterscheidung der verschiedenen Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) ist anspruchsvoll und besonders im vegetativen Zustand teils nicht möglich. Im Kanton Zürich sind allerdings alle Arten selten und ein Vorkommen grundsätzlich wertvoll. Deshalb sind auch bei unsicherer Bestimmung der genauen Artzugehörigkeit der Schutz und die Pflege des Standorts sowie (bei Neufunden) eine Fundmeldung wichtig.
Alle Arten können im Winter die Blätter behalten. Die Pflanzen sind klein (und können schnell übersehen werden), ausdauernd und krautig. Die Blätter sind bei allen Arten derb und in einer grundständigen Rosette angeordnet. Die weissen Blüten sind glockenförmig und in einem mehrblütigen Blütenstand angeordnet. Alle Wintergrün-Arten vermehren sich meist vegetativ mit unterirdisch kriechenden, dünnen Rhizomen (Ausläufern). Grundsätzlich ist eine Vermehrung auch über Samen wahrscheinlich. Durch die sehr leichten Samen (ähnlich Orchideen) können sie über weite Strecken mit dem Wind verbreitet werden. Dies ermöglicht ihnen neue geeignete Wälder auch über weite Strecken besiedeln können.
Grünliches Wintergrün (Pyrola chlorantha)
- Bis 30 cm hoch
- Stängel meist rot, unten scharfkantig, mit 1 oder wenigen Schuppenblättern
- Blätter oberseits dunkelgrün, mit hellen Nerven, Blattdurchmesser 1-2.5 cm, am Rand schwach gekerbt, Blätter eiförmig-rundlich, an der Spitze stumpf bis leicht ausgerandet, Blattgrund z.T. keilförmig, Blattstiel länger als das Blatt, geflügelt, rinnig
- Blütenstand 4-12blütig, Blüten allseitswendig, traubig angeordnet, Kronblätter blassgrün, Kelchblätter 3eckig, spitz, kaum länger als breit (ca. ¼ so lang wie die Krone), anfangs glockenförmig, später offen, nach unten nickend
- Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli, Samenreife Juli – August
Mittleres Wintergrün (Pyrola media)
- 15-30 cm hoch
- Stängel mit zahlreichen, grünen Schuppenblättern
- Laubblätter rundlich eiförmig, 2-5 cm lang, am Rand schwach gekerbt, an der Spitze abgerundet oder nicht zugespitzt, Blattstiel geflügelt, rot, kürzer als das Blatt
- Blütenstand 5-20 blütig, Blüten nickend, in allseitswendigen Trauben, Kronblätter weiss oder rötlich, Krone 6-8 mm lang, halbkugelig, fast geschlossen, Kelchblätter zugespitzt, bis zu zweimal so lang wie breit, Griffel gerade, länger als der Fruchtknoten, schief aus diesem stehend, die Krone überragend
- Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli
Kleines Wintergrün (Pyrola minor)
- 10-30 cm hoch
- Stängel grün oder rötlich überlaufen, scharfkantig
- Blätter Durchmesser bis 5 cm, 1-2mal so lang wie breit, Rand fein gewellt, mit winzigen Zähnchen, rund, oval oder eilanzettlich
- Blütenstand, 5-20blütig, Blüten allseitswendig, nickend, Kronblätter weiss oder rötlich, 3-5 mm lang, kugelig zusammenneigend, fast geschlossen, Kelchblätter zugespitzt, +/- so lang wie breit, Griffel gerade, höchstens so lang wie der Fruchtknoten, die Krone nicht überragend
- Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli
Rundblättriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia)
- 10-40 cm hoch
- Stängel grün oder rot, sumpfkantig
- Blätter kreisrund, Durchmesser 2-5 cm, tendenziell kleinere Blätter als die anderen Pyrola-Arten, Rand fein gewellt, mit winzigen Zähnchen
- Blütenstand 8-30blütig, Blüten allseitswendig, nickend, Kronblätter weiss bis blassrosa, 6-8mm lang, halbkugelig, Kelchblätter 2-3mal so lang wie breit, spitz, ca. halb so lang wie die Krone, Griffel viel länger als der Fruchtknoten, S-förmig abwärts gebogen, die Krone weit überragend, unter der Narbe verdickt
- Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli
Ähnliche Arten
Die Arten ähneln sich vor allem untereinander und können leicht verwechselt werden. Das Moosauge (Moneses uniflora) unterscheidet sich von den Pyrola-Arten durch folgende Merkmale:
Im blühenden Zustand lässt sich das Moosauge aufgrund dem einblütigen Blütenstand gut von den mehrblütigen Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) abgrenzen. Die Pflanze ist aber meist kleiner als Pyrola sp., 5-15 cm. Ihre runden, bis 2 cm grossen Blätter sind ähnlich in grundständigen Rosetten angeordnet, fein jedoch meist deutlicher gezähnt als die Blätter der Pyrola-Arten. Ohne Blüte ist eine Verwechslung mit Pyrola sp. möglich. Das Moosauge ist im Kanton Zürich wahrscheinlich ausgestorben. Das Moosauge gilt als Nadelwald-Charakterart. Zu seinem Verschwinden im Kanton Zürich hat die Forstwirtschaft mit der Abkehr von den reinen Fichten- und Föhrenforsten wesentlich beigetragen.
Moosauage mit einblütigem Blütenstand
Pflege und Gefährdung
Da an einem Standort verschiedene Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) gleichzeitig vorkommen können, kann eine Pflege mehrere (seltene) Arten gleichzeitig fördern. Bei Unklarheit der genauen Artzugehörigkeit müssen unter anderem aufgrund der Abhängigkeit von Mykorrhiza-Pilzen minimale Anforderungen an die Pflege erfüllt werden.
Für alle Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) gilt:
- Auflichtung der Standorte auf 70-80% Kronenschluss bei Förderung von Föhren
- In Gebieten mit Fundstellen Rücksichtnahme bei den Forstarbeiten: keine Rückegassen über bestehende Vorkommen, keine Astlager liegen lassen
- Erhalt oder Schaffung offenen Bodens im Umfeld der Vorkommen zur Etablierung von Keimnischen
- Periodisches Entfernen von konkurrierenden Zwergsträuchern, Kraut- und Grasarten zur Verringerung des Konkurrenzdrucks, bodennahe Äste von jungen Bäumen entfernen, Laubbäume entfernen (Falllaub wirkt sich negativ auf Bestand aus)
- Bei Vorkommen auch standortfremde Waldgesellschaften erhalten
- Schädigung der Symbiosepilze durch Stickstoffeintrag, saurer Regen, Waldkalkung und andere Umwelteinflüsse
Bei Kenntnissen zur genauen Artzugehörigkeit können teils spezifischere Massnahmen durchgeführt werden:
Grünliches Wintergrün (Pyrola chlorantha)
Was hilft der Art?
- Fundstellen vorsichtig auflichten (nach Detailkartierung) bei zunehmender Beschattung, auf grossflächige Kahlschläge verzichten
- Keine Kalkung
- Erhalt und Sicherung der nährstoffarmen Standortbedingungen (Lauben im Frühjahr), massvolles Entfernen von Laubbäumen bei Eutrophierung der Standorte durch Laubeintrag
- Bei Vorkommen der Art auch standortfremde Waldgesellschaften erhalten
- Förderung von Föhren
Was gefährdet die Art?
- Zerstörung der Standorte während Forstarbeiten (Rückegassen, Asthaufen)
- Verlust von Fichten- und Föhrenwäldern als Lebensraum
- Vergrasung des Unterwuchses
- Veränderung der Lichtverhältnisse im Wald und darauffolgende Verdrängung durch aufkommende Konkurrenzpflanzen
- Abrechen von Mähgut über die Bestände
- Eutrophierung der Standorte durch Laub oder Nährstofffreisetzung nach einer Freistellung
Mittleres Wintergrün (Pyrola media)
Was hilft der Art?
- Auflichtung der Standorte auf 50-70% Kronenschluss bei Förderung von Föhren
- Periodisches Entfernen von konkurrierenden Zwergsträuchern, Kraut- und Grasarten zur Verringerung des Konkurrenzdrucks, bodennahe Äste von jungen Bäumen entfernen
- Erhalt oder Schaffung offenen Bodens im Umfeld der Vorkommen zur Etablierung von Keimnischen
Was gefährdet die Art?
- Überwucherung und Beschattung der Pflanzen
- Eutrophierung der Standorte durch Laub oder Nährstofffreisetzung nach einer Freistellung
- Waldumbau hin zu laubholzreichen Waldbeständen
Kleines Wintergrün (Pyrola minor)
Was hilft der Art?
- Auflichtung der Standorte auf 50-70% Kronenschluss unter Förderung von Föhren
- Periodisches Entfernen von konkurrierenden Zwergsträuchern, Kraut- und Grasarten zur Verringerung des Konkurrenzdrucks, bodennahe Äste von jungen Bäumen entfernen
- Erhalt oder Schaffung offenen Bodens im Umfeld der Vorkommen zur Etablierung von Keimnischen
Was gefährdet die Art?
- fortschreitende Sukzession an den Wuchsorten (Überwucherung und Beschattung der Pflanzen)
- Eutrophierung der Standorte durch Laub oder Nährstofffreisetzung nach einer Freistellung
- Waldumbau hin zu laubholzreichen Waldbeständen
- Zerstörung der Standorte während Forstarbeiten (Rückegassen, Asthaufen)
Lebensraumansprüche und Vorkommen
An einem Standort können verschiedene Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) gleichzeitig vorkommen, je nach Lebensraumtyp und Auswahl von Mikrohabitaten.
Für alle Wintergrün-Arten (Pyrola sp.) gilt:
- Schattige, frische bis feuchte, nährstoffarme, eher basenreiche, humose Waldböden
- Zumindest oberflächlich saure bis maximal neutrale Böden, (alle Arten haben Zeigerwerte 2 oder maximal 3)
- Nadelwälder (v.a. unter Föhren und Fichten, seltener auch in Tannenwäldern oder in Fichten-Mischwäldern)
- Ist zur Nährstoffversorgung auf Wurzelpilze angewiesen, welche mit den Wurzeln der Nadelbäume in Symbiose leben
- Natürlicherweise frei von hoher Konkurrenz, häufig vor allem Moose, nur wenige Seggen/Gräser
Grünliches Wintergrün (Pyrola chlorantha):
- Frische bis trockene, nährstoffarme, basenreiche, neutrale bis schwach saure, moosbedeckte Sand- und Lehmböden. Vor allem oberflächige Versauerung, kann in tieferen Bodenschichten durchaus kalkhaltig sein
- Schattige bis halbschattige Stellen
- Bevorzugt Standorte mit hohem Humusgehalt (meist Moder oder Rohhumus) und einer mittleren Durchlüftung
- Nadelwälder (v.a. unter Föhren und Fichten, seltener auch in Tannenwäldern oder in Fichten-Mischwäldern)
Nach Delarze
6.4.2 – Subkontinentaler kalkreicher Föhrenwald (Erico-Pinion sylvestris)
6.4.3 - Kontinentaler Steppen-Föhrenwald (Ononido-Pinion)
Kleines Wintergrün (Pyrola minor):
- Basenreiche, saure, modrig-humose, nährstoffarme, leicht feuchte Sand- und Lehmböden
- KalkmeidendLeicht beschattete bis schattige Stellen
- Wälder (nährstoffarme Laubwälder und Nadelwälder)
- Zwergstrauchheiden
Nach Delarze
5.4.5 - Mesophile subalpine Zwergstrauchheide (Alpenrosenheide) (Rhododendro-Vaccinion)
Rundblättriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia):
- (Schwach) schattige, frische bis feuchte, saure, kalkarme, modrige Lehmböden
- Föhren- und Grauerlenbestände
- Birkengebüsche
- Seltener auch Hainsimsen-Buchenwälder
- Fichten-Aufforstungen
Nach Delarze
6.4.2 – Subkontinentaler kalkreicher Föhrenwald (Erico-Pinion sylvestris)
6.6.2 - Heidelbeer-Fichtenwald (Vaccinio-Piceionae)
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Alle Pyrola-Arten haben ähnliche Ansprüche.
Weiteres
Pyrola-Arten bestäuben sich meist selbst. Aufgrund der minimalen Nährstoffreserven der Staubsamen ist zur Keimlingsentwicklung die Anwesenheit eines symbiontischen Mykorrhizapilzes erforderlich, welcher die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser versorgt. Dieser Mykorrhizapilz ist wiederum vom Baumbestand abhängig. Neben der geschlechtlichen kommt oft auch die vegetative Vermehrung vor.
Pyrola-Arten enthalten das Glykosid Arbutin, das krebserregende Wirkung hat. Im Harn wird es als entzündungshemmendes Hydrochinon ausgeschieden.
Grünliches Wintergrün (Pyrola chloranta):
Die Art wurde im Kanton Zürich vor 1931 in 43 Flächen in allen Regionen, vor allem im Weinland gefunden. Ab 2000 wurde sie nur noch auf vier Flächen am Irchel, im Tössberghügelland und im Knonauer Amt/Sihltal festgestellt. Dieser erhebliche Rückgang ist unter anderem eine Folge des Ersatzes vieler Föhrenforste durch Mischbestände. Auch die Mahd in Lichten Wäldern und die erhöhte Konkurrenz in aufgelichteten Wäldern führte vermutlich zu einem Rückgang an einigen Wuchsorten. Die Art ist nicht schnitttolerant, insbesondere das Herunterrechen von Schnittgut verträgt sie nicht.
Mittleres Wintergrün (Pyrola media):
Von den einheimischen Wintergrün-Arten ist Pyrola media die Einzige, die nicht rund um den Erdball verbreitet ist, da sie in Nordamerika fehlt. Sie steigt in den Alpen wesentlich höher hinauf als P. chlorantha und P. rotundifolia.
Moosauge (Moneses uniflora):
Das Moosauge gilt als Nadelwald-Charakterart. Zu seinem Verschwinden im Kanton Zürich hat die Forstwirtschaft mit der Abkehr von den reinen Fichten- und Föhrenforsten wesentlich beigetragen.
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald